Sehr verehrter Herr Kestner!
Empfangen Sie meinen verbindlichsten Dank für Ihre
liebenswürdigen freundlichen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Hans Schmidt-Kestner an Wedekind, 30.4.1914. Vermutlich hatte Hans Schmidt-Kestner Wedekind in seiner Eigenschaft als Schriftleiter des „Hannoverschen Anzeigers“ angeschrieben, um ihn für die Mitarbeit an einem Beitrag anlässlich seines bevorstehenden 50. Geburtstags zu gewinnen.. Die Thatsachen sind folgende. Erstens bin
ich meines wissens der einzige in Hannover geborene lebende Schriftsteller,
dessen Werke im ganzen Amerika und Rußland zur Aufführung gelangen. ZweitenSchreibversehen, statt: Zweitens. hat
meines Wissens kein in Hannover GeborenerSchreibversehen, statt: geborener. Schauspieler so viel
Gelegenheit wie ich an den ersten Bühnen Deutschlands zu gastieren.Wenn das hannoveranische Publikum diese Thatsachen nicht
kennt dann brauchte man sie ihm nur mitzutheilen – dann wird es vollkommenAm Ende der durch Einweisungszeichen markierten Textergänzung am Kopf der Seite fehlt ein Wort; zu ergänzen wäre etwa „klar“ oder „offensichtlich“. Wenn mich meine Vaterstadt
also ehren will kann sie wohl nicht besseres anderes
thun als mich mit am kgl. Hoftheater mit den besten zur Verfügung stehenden Schauspielern
aufzuführen. daß meine Vaterstadt mich
unmöglich anders ehren kann, als wenn sie | meine Werke von den besten zur
Verfügung stehenden Kräften am kl Hoftheater aufführen läßt. Als ich übrigens im März 1906Das Gastspiel des Kleinen Theaters Berlin (Direktion: Victor Barnowsky) am Deutschen Theater Hannover (Direktion: Hubert Reusch) fand nicht im März, sondern am 12.5.1906 statt. mit
meiner Frau in dem ausgezeichneten Ensemble des Direktor Barnowsky am Deutschen
Theater in Hannover in „Hidalla“ gastierte war von einer Gegnerschaft des
Publicums nicht das geringste zu merken. MitAuf
einer solchen Gegnerschaft hat nahm
wohl auch Herr Direktor AltmanNachfolger von Leo Walther Stein als Direktor des Deutschen Theaters Hannover war George Altman [vgl. Neuer Theater Almanach 1911, S. 484], der zum 1.8.1913 die Direktion des Kleinen Theaters Berlin übernahm. keine Rücksicht, als er mich vor einem JahrWedekind notierte vor George Altmans Wechsel nach Berlin zwei Besprechungen mit ihm in München: „Unterredung mit Altmann“ [Tb, 30.12.1912], „Conferenz mit Altmann“ [Tb, 6.5.1913].
verpflichtetedurch Unterpunktung aufgehobene vorherige Streichung. zu an seiner Bühne den „Marquis von Keith“ zu spielen,
eine Abmachung die nur der Erfolge meines Mq meiner starken
Beschäftigung in München wegen nicht zur Aufführunggemeint ist wohl Ausführung. gelangte. Somit werde ich
dem hannoverschen Anzeiger zu größtem Dank verpflichtet sein wenn er mir in
Hannover zu derselben Anerkennung verhelfen will die ich mir | seit vielen Jahren in München Frankfurt Breslau Kölln Düsseldorf
Berlin Königsberg Nürnberg Leipzig und vielen anderen deutschen Städten zutheil
wird. Eine große Freude wäre es mir wenn meine Geburtsstadt mich höher ehren
wollte, als es das gesammte übrige Deutschland thut. Will sie mich aber
geringer würdigen, so kann kein vernünftiger Mensch von mir erwarten, daß ich
selber auch noch meine Mitwirkung zusage.