Briefwechsel

von Frank Wedekind und Otto Brahm

Frank Wedekind schrieb am 17. Juni 1892 in Paris folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 17.6.1892 in Paris:]


Expediereexpedieren = zum Versand fertig machen, versenden. ExemplareWedekind schickte ein Exemplar der Erstausgabe von „Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie“ (1891) ‒ erschienen im Verlag von Jean Groß in Zürich, auf dem Umschlag die Illustration von Franz Stuck, die eine Frühlingslandschaft darstellt [vgl. KSA 2, S. 771f.] ‒ an den Schriftsteller und Kritiker Dr. phil. Otto Brahm, Herausgeber der Zeitschrift „Freie Bühne für modernes Leben“ [vgl. Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1892, Teil II, Sp. 106] in Berlin (Wilhelmstraße 43) [vgl. Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1892, Teil I, S. 139]. an [...] Otto Brahm [...]

Frank Wedekind schrieb am 3. Mai 1895 in Berlin
an Otto Brahm

[Hinweis und Zitat in Antiquariat S. Martin Fraenkel (Berlin): Katalog 22 (1922), Nr. 476:]


Wedekind, Frank [...] E. B. m. U. vom 3. Mai 1895 an Brahm. [...]

„Geehrter Herr Direktor, es ist das vierte Mal, dass mir die Ehre widerfährt in Ihrer DirektionOtto Brahm war seit dem 1.9.1894 als Nachfolger von Adolph L’Arronge [vgl. Neuer Theater-Almanach 1894, S. 277] Direktor des Deutschen Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1895, S. 277]. erfolglos zu antichambrierenim Vorzimmer (Antichambre) warten, ein Gesuch durch wiederholte Vorsprachen durchzubringen versuchen. Wedekind schrieb der Formulierung zufolge den vorliegenden Brief im Vorzimmer von Otto Brahm (siehe oben) im Deutschen Theater in Berlin (Schumannstraße 13a) [vgl. Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1895, Teil I, S. 141].. Ich bin überzeugt, dass Ihnen die Geschäfte keinen freien Augenblick lassen. Das berechtigt sie nicht, das Gegenteil von jemandem vorauszusetzen, der Sie in Geschäften zu sprechen wünscht. Sie glauben nicht, wie fern es mir liegt, eine Aufführungvon „Erdgeist“ (1895), wie aus einem späteren Brief hervorgeht [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 17.8.1895]; eine Aufführung von Wedekinds Tragödie wurde von Otto Brahm abgelehnt. am Deutschen Theater als Akt persönlicher Gnade, als Experiment von zweifelhaftem Erfolg zu erbitten.“

Frank Wedekind schrieb am 17. August 1895 in Lenzburg folgenden Brief
an Otto Brahm , (Theater) Deutsches Theater zu Berlin

Lenzburg (Ct. Aargau)

17. Aug. 95.


Tit. Direction des „Deutschen Theaters
Berlin


Sehr geehrter Herr DirectorOtto Brahm, Direktor des Deutschen Theaters (Schumannstraße 12a) in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1895, S. 277].,

Frau Emma Herwegh beauftragte mich, als ich verflossenes Frühjahr mein Stück „Irrlicht„Irrlicht“ war ein vorläufiger Titel für das dann „Der Erdgeist“ (1895) betitelte Drama [vgl. KSA 3/II, S. 834], in dessen Szene III/2 Alwa für sein Stück überlegt: „Irrlicht! ‒ Das wäre ein Titel.“ [KSA 3/1, S. 367] Der Titel „Der Erdgeist“ stand inzwischen fest [vgl. Wedekind an Albert Langen, 10.7.1895]. bei Ihrer Bühne einreichteWedekind hatte dem Deutschen Theater in Berlin im Frühjahr 1895 sein Drama „Der Erdgeist“ (unter dem Titel „Irrlicht“) im Manuskript für eine mögliche Aufführung erfolglos eingereicht [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 3.5.1895]., zugleich ein | vor zwanzig Jahren von ihr aus dem Italienischen übersetztes kleines Lustspielnicht ermittelt. Emma Herwegh übersetzte „aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Polnischen [...] literarische Werke und politische Schriften“ [Elisabeth Gibbels: Lexikon der deutschen Übersetzerinnen 1200-1850. Berlin 2018, S. 71], darunter jenes von ihr 1875 übersetzte italienische Lustspiel, das Wedekind 1894 als Manuskript mit dem Titel „Hinter den Coulissen“ für sie dem Deutschen Theater in Berlin eingereicht hatte. Näheres dazu ist nicht bekannt.Hinter den Coulissen“ Ihnen vorzulegen. Ich erledigte mich des Auftrages, versäumte indessen vor meiner Abreise von BerlinWedekind ist im Sommer 1895 von Berlin abgereist. Ihre geschätzte Entscheidung darüber einzuholen.

Darf ich Sie jetzt darum ersuchen, mir das Manuscript mit Ihrer geehrten formellen Aussprache über die eventuelle Annahme hierher schickenDen Notizen von fremder Hand auf dem vorliegenden Brief zufolge wurde Wedekinds Anfrage in einem nicht überlieferten Schreiben beantwortet; erschlossenes Korrespondenzstück: Otto Brahm, Deutsches Theater zu Berlin an Wedekind, 19.8.1895. Dem Schreiben dürfte Emma Herweghs Lustspielmanuskript (siehe oben) beigelegt worden sein. zu wollen.

Indem ich Sie ersuche, die | Versicherung meiner größten Hochschätzung entgegen nehmen zu wollen, zeichnet ergebenst Ihr
Frank Wedekind


Inliegend Portofür die am 19.8.1895 erfolgte Antwort (siehe oben).
Mk. 1.‒

Otto Brahm und (Theater) Deutsches Theater zu Berlin schrieben am 19. August 1895 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Notizen auf Wedekinds Brief an Otto Brahm vom 17.8.1895 aus Lenzburg:]


ges. 19/8der 19.8.1895, das Schreib- und Versanddatum des nicht überlieferten Schreibens.. |


1895.

Frank Wedekind
Lenzburg
17/8vgl. Wedekind an Otto Brahm, Deutsches Theater zu Berlin, 17.8.1895. b 19/8.

Otto Brahm schrieb am 24. März 1904 in München folgende Visitenkarte
an Frank Wedekind

DR. OTTO BRAHM
bedauert sehr Sie verfehlt zu habenDr. phil. Otto Brahm traf am 23.3.1904 in München ein, wie die Presse meldete: „Hier angekommen [...]: [...] Direktor des Deutschen Theaters Dr. Otto Brahm, Berlin“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 141, 24.3.1904, Morgenblatt, S. 3]; er dürfte Wedekind am 24.3.1904 aufgesucht, ihn aber in seiner Wohnung nicht angetroffen haben. Otto Brahm war eigens zur Uraufführung von Georg Hirschfelds Schauspiel „Nebeneinander“ am 25.3.1904 im Münchner Residenztheater nach München gereist, eine Vorstellung, die auch Wedekind besuchte [vgl. Wedekind an Karl Kraus, 24.3.1904] und Otto Brahm dort begegnet sein dürfte. Georg Hirschfeld erinnerte sich: „Als Brahm [...] 1904 nach München kam, um mit mir Possarts ‚Nebeneinander‘-Aufführung zu erleben, [...] empfand ich es als eigenen Gewinn, Vermittler zwischen seinem Starrsinn und Frank Wedekind zu sein. Ich hatte damals tief bewegt das Schauspiel ‚Hidalla‘ (Hetmann, der Zwergriese) von dem Dichter gehört, und zu meiner Freude bekannte auch Brahm sich endlich zu einer künstlerischen Persönlichkeit, die nach Hauptmann die stärkste Bereicherung seiner Laufbahn bringen konnte.“ [Hirschfeld 1925, S. 210]. Herzlichen Dank und Gruss


KRONPRINZEN UFER 7Otto Brahms Berliner Adresse (Kronprinzen Ufer 7, 2. Stock) [vgl. Berliner Adreßbuch 1904, Teil I, S. 191]; er hat eine seiner nach München mitgebrachten Berliner Visitenkarten genutzt (siehe die Hinweise zur Datierung), um Wedekind eine Nachricht zu hinterlassen (siehe oben)..

Frank Wedekind schrieb am 27. März 1904 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Otto Brahms Brief an Wedekind vom 3.4.1904 aus Berlin:]


[...] ich habe [...] Hidalla [...] nicht zu Gesicht bekommen.

Frank Wedekind schrieb am 2. April 1904 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Otto Brahms Brief an Wedekind vom 3.4.1904 aus Berlin:]


Besten Dank für Ihre Zeilen [...]

Otto Brahm schrieb am 3. April 1904 in Berlin folgenden Brief
an Frank Wedekind

Deutsches Theater zu BerlinOtto Brahm war Direktor des Deutschen Theaters [vgl. Neuer Theater-Almanach 1904, S. 238]; es war noch nicht publik geworden, dass er nach rund zehnjähriger Tätigkeit als Direktor des Deutschen Theaters zu Berlin mit Beginn der neuen Spielzeit am 1.9.1904 zum Berliner Lessingtheater wechselte und dort die Direktion übernahm [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 287].


Berlin N.W., den 3.4.1904


Besten Dank für Ihre Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Otto Brahm, 2.4.1904. Wedekind dürfte sich erkundigt haben, ob das Manuskript oder Typoskript von „Hidalla“ (siehe unten) den Theaterdirektor in Berlin erreicht hat., verehrter Herr Wedekind, ich habe aber diese schwer zu fassende DameOtto Brahm, der das Manuskript oder Typoskript von „Hidalla“ (siehe unten) nicht erhalten hat, vermutete hinter dem Titel von Wedekinds Stück eine weibliche Figur; im Stück erscheint der Name nur ein einziges Mal, im Titel von Karl Hetmanns ungedrucktem Werk „Hidalla, oder die Moral der Schönheit“ [KSA 6, S. 97]. So lautete wohl auch der Titel des ungedruckten Textes, den Otto Brahm später dann doch erhalten hat (siehe seine nachfolgende Korrespondenz mit Wedekind): „Direktor Otto Brahm, der im Herbst [...] das Lessingtheater übernimmt, hat für diese Bühne bereits Werke von [...] Wedekind (‚Hidalla oder die Macht der Schönheit‘), [...] Georg Hirschfeld u.s.w. erworben.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 242, 26.5.1904, Vorabendblatt, S. 2] Die Erstausgabe von Wedekinds Schauspiel „Hidalla oder Sein und Haben“ (1904) im Verlag Dr. J. Marchlewski & Co. in München [vgl. KSA 6, S. 386] erschien Ende Mai – Wedekind notierte am 31.5.1904: „Exemplare von Hidalla verschickt“ [Tb] – und war im Buchhandel wenig später als Neuerscheinung angezeigt [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 71, Nr. 132, 10.6.1904, S. 5042]. Hidalla (es ist doch eine?) auch jetzt nicht zu Gesicht bekommenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben (zu einem Manuskript oder Typoskript von „Hidalla“); erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Otto Brahm, 27.3.1904. Wedekind hatte „als Druckvorlage eine Reinschrift des Stückes erstellt, die nicht mehr erhalten ist. Möglicherweise wurde sie auch mehrfach ausgefertigt oder als Typoskript in mehreren Exemplaren angelegt“; sie ist „auf März 1904 zu datieren“ [KSA 6, S. 385f.], ein noch ungedruckter Dramentext, der Otto Brahm nicht erreicht hat. Wedekind dürfte ihn Otto Brahm geschickt haben, bald nachdem er den aus Berlin zur Uraufführung von Georg Hirschfelds Schauspiel „Nebeneinander“ am 25.3.1904 nach München angereisten Theaterdirektor dort getroffen hat (siehe unten).. Sollte dahinter nicht noch etwas anderes stecken, als blosse Nachlässigkeit! – Ich habe inzwischen von Georg HirschfeldGeorg Hirschfeld, der als Schriftsteller in Berlin (Würzburgerstraße 15) lebte [vgl. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1904, Sp. 553], war in München gewesen, wo er am 1.3.1904 einen geselligen Abend mit Wedekind verbracht hat, wie Max Halbe notierte: „später mit Hirschfelds, Lind u. Wedekind, der ganz aufgeräumt war, in den Rathskeller.“ [Tb Halbe] Am Münchner Residenztheater (Intendant: Ernst von Possart) fand am 25.3.1904 die Uraufführung seines Schauspiels „Nebeneinander“ statt, bei der „Georg Hirschfeld [...] auf der Bühne des Residenztheaters erschien, um für den lebhaften Beifall zu danken“ [Berliner Tageblatt, Jg. 33, Nr. 162, 29.3.1904, Morgen-Ausgabe, 1. Beiblatt, S. (2)], und die Wedekind besuchte [vgl. Wedekind an Karl Kraus, 24.3.1904]. Er dürfte dort Otto Brahm begegnet sein, der eigens zu diesem Anlass am 23.3.1904 in München eintraf; die Presse meldete: „Hier angekommen [...]: [...] Direktor des Deutschen Theaters Dr. Otto Brahm, Berlin.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 141, 24.3.1904, Morgenblatt, S. 3] Georg Hirschfeld erinnerte sich daran, außerdem, dass er Otto Brahm die Aufführung von Wedekinds „Hidalla“ nahe gelegt habe: „Als Brahm [...] 1904 nach München kam, um mit mir Possarts ‚Nebeneinander‘-Aufführung zu erleben, [...] empfand ich es als eigenen Gewinn, Vermittler zwischen seinem Starrsinn und Frank Wedekind zu sein. Ich hatte damals tief bewegt das Schauspiel ‚Hidalla‘ (Hetmann, der Zwergriese) von dem Dichter gehört, und zu meiner Freude bekannte auch Brahm sich endlich zu einer künstlerischen Persönlichkeit, die nach Hauptmann die stärkste Bereicherung seiner Laufbahn bringen konnte. Leider stießen die Kontraste dann doch noch zusammen. Der ‚Hidalla‘-Vertrag wurde wieder gelöst, und Wedekind mußte noch manches Jahr auf die große Bühne warten.“ [Hirschfeld 1925, S. 210f.] Einiges über Ihr Werk erfahren und bin nun auf dem Gipfel der Spannung – hoffentlich komme ich da bald gesund wieder herunter!

Verbindlich grüssend
Otto Brahm

Frank Wedekind schrieb am 5. April 1904 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Otto Brahms Brief an Wedekind vom 11.4.1904 aus Berlin:]


Ihr Schauspiel habe ich mit bestem Dank erhalten [...]

Otto Brahm schrieb am 11. April 1904 in Berlin folgenden Brief
an Frank Wedekind

Deutsches Theater zu Berlin


Berlin N.W., den 11.4 1904


Verehrter Herr Wedekind,

Ihr Schauspiel habe ich mit bestem Dank erhaltenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zu einen „Hidalla“-Typoskript; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Otto Brahm, 5.4.1904. Wedekind dürfte seinen noch ungedruckten Dramentext, den Otto Brahm in einer ersten Sendung nicht erhalten hatte [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 3.4.1904], nun „als Typoskript in mehreren Exemplaren angelegt“ und ein Exemplar davon erneut „zur Lektüre“ versandt haben, „in der Hoffnung, daß der berühmte Theaterdirektor es zur Aufführung brächte.“ [KSA 6, S. 385f.] „Noch bevor ‚Hidalla‘ gedruckt erscheint, schickt Wedekind dem einflußreichen Theaterdirektor Otto Brahm sein Stück“ [KSA 6, S. 536]. und werde es gerne im Lessing-TheaterOtto Brahm, noch Direktor des Deutschen Theaters zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1904, S. 238], wechselte zur neuen Spielzeit am 1.9.1904 als Direktor an das Berliner Lessingtheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 287]. Die Presse meldete bald darauf: „Frank Wedekind hat, wie man in Berliner Blättern liest, sein neuestes Werk ‚Hidalla‘ Dr. Brahm in Berlin zur Aufführung übergeben, der es als eine der ersten Novitäten der Spielzeit im Lessing-Theater bringen wird.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 200, 29.4.1904, Vorabendblatt, S. 2] zur Aufführung bringenOtto Brahm schrieb am 14.5.1904 aus Wien an Georg Hirschfeld: „Den Wedekind habe ich akzeptiert; das ist ein zu weites Feld für die Postkarte, also mündlich mehr.“ [Hirschfeld 1925, S. 224]. Ich lasse Ihrem VerlegerDr. jur. et cam. Julian Marchlewski, Privatgelehrter der Staatswissenschaft (Privatadresse: Hohenstauffenstraße 4) und Verlagsinhaber (Verlagsadresse: Franz Josephstraße 36) in München, der gemeinsam mit dem Schriftsteller Dr. phil. Israel Helphand (Alexander Parvus) persönlich haftender Gesellschafter des Verlags war [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1904, Teil I, S. 428]. Die Erstausgabe von Wedekinds Schauspiel „Hidalla oder Sein und Haben“ (1904) erschien Ende Mai im Verlag Dr. J. Marchlewski & Co. [vgl. KSA 6, S. 386] und wurde bald darauf als Neuerscheinung angezeigt [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 71, Nr. 132, 10.6.1904, S. 5042]. Vertrag unter den üblichen Bedingungen zugehen. Die Bezeichnung „Schauspiel„Hidalla“ (1904) war als „Schauspiel in fünf Akten“ [KSA 6, S. 386] bezüglich der Gattung von Wedekind wohl bewusst neutral bezeichnet, wie ein von ihm in diesen Tagen entworfener Waschzettel zur Erstausgabe andeutet: „Die Personen des Stückes sind unserem modernen Leben entnommene Gestalten und zeichnen sich durch auffallende Präzision der Charakteristik aus. Trotz der tiefen Tragik im Schicksal des Helden und trotz des fast leidenschaftlichen sittlichen Ernstes, der das Drama durchweht, bleibt doch auch dem Humor bis über den Tod des Helden hinaus sein volles Recht gewahrt.“ [KSA 6, S. 426]“ scheint mir dem Charakter des Werkes nicht recht gemäss, vielleicht entschliessen Sie sich zur „Comödie“? Oder haben Sie etwas gegen dies Wort? Verbindlich grüssend
Otto Brahm

Frank Wedekind schrieb am 17. April 1904 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 17.4.1904 in München:]


BriefDer Brief dürfte den zuletzt von Otto Brahm erhaltenen Brief zur geplanten Aufführung von „Hidalla“ in Berlin beantwortet haben [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 11.4.1904]. an Otto Brahm.

Frank Wedekind schrieb am 26. Dezember 1904 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 26.12.1904 in München:]



BriefWedekind dürfte sich in dem Brief nach Premierentermin und Rollenbesetzung der geplanten Uraufführung von „Hidalla“ am Berliner Lessingtheater erkundigt haben, wie der Antwortbrief nahelegt [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 29.12.1904]. an Brahm [...]

Otto Brahm, (Theater) Lessingtheater, (Theater) Lessingtheater, (Theater) Lessingtheater und (Theater) Lessingtheater schrieben am 29. Dezember 1904 in Berlin folgenden Brief
an Frank Wedekind

Lessing-Theater
DirectionOtto Brahm war neuerdings, seit Beginn der Spielzeit am 1.9.1904, Direktor des Lessingtheaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 287].
Dr. Otto Brahm.


Berlin NW. 40, den 29. Debr. 1904.


Herrn
Frank Wedekind
München
Franz Josefstr 42


Sehr geehrter Herr!

Die Erstaufführung„Hidalla“ sollte am Berliner Lessingtheater uraufgeführt werden, wie die Presse im Frühjahr berichtet hatte: „Frank Wedekind hat sein neuestes Werk ‚Hidalla‘ Dr. Brahm zur Aufführung übergeben, der es als eine der ersten Novitäten der Spielzeit im Lessing-Theater bringen wird.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 33, Nr. 213, 27.4.1904, Abend-Ausgabe, S. (2)] Otto Brahm selbst hatte sich in einem Interview zu seinen Plänen als zukünftiger neuer Direktor des Lessingtheaters geäußert und erwähnt, er „besitze [...] schon Werke“, die gespielt werden sollen, darunter eines von „Wedekind (‚Hidalla, oder Die Macht der Schönheit‘)“ [Otto Brahms Zukunftspläne. In: Berliner Tageblatt, Jg. 33, Nr. 259, 24.5.1904, Abend-Ausgabe, S. (2)]. Seitdem war nichts mehr dazu publik geworden und Wedekind, der seinerzeit auf Otto Brahms Zusage, „Hidalla“ zu inszenieren [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 11.4.1904], wohl zustimmend reagiert hatte [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 17.4.1904], dürfte nun nachgefragt haben [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 26.12.1904]. von Hidalla haben wir für Anfang Februar in Aussicht genommen. Mit der Besetzung des Stückes sind wir noch nicht vollständig im Reinen. Einstweilen kann ich Ihnen mitteilen, daß Herr Reicher den Launhartdie Rolle des Rudolf Launhard in „Hidalla“ [vgl. KSA 6, S. 41], für die zunächst Emanuel Reicher, Schauspieler am Lessingtheater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 288], vorgesehen war, dann aber eine andere Rolle mit ihm besetzt werden sollte [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 9.1.1905]., Herr Patry den Gellinghausendie Rolle des Heinrich Gellinghausen in „Hidalla“ [vgl. KSA 6, S. 41], für die zunächst Albert Patry, Schauspieler und Regisseur am Lessingtheater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 288], vorgesehen war, dann aber eine andere Rolle mit ihm besetzt werden sollte [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 9.1.1905]. und Frau Triesch die Fannydie weibliche Hauptrolle der Fanny Kettler in „Hidalla“ [vgl. KSA 6, S. 41], die von Irene Triesch, Schauspielerin am Lessingtheater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 288], gespielt werden sollte. spielen wird.

Hochachtungsvoll
Direction
des
Lessing-Theaters

OBrahm


Verbindlichsten Gruss!

Otto Brahm, (Theater) Lessingtheater, (Theater) Lessingtheater, (Theater) Lessingtheater und (Theater) Lessingtheater schrieben am 9. Januar 1905 in Berlin folgenden Brief
an Frank Wedekind

Lessing-Theater
Direction
Dr. Otto Brahm.


Berlin NW. 40, den 9.I. 1905.


Herrn
Frank Wedekind
München
Franz Josefstr 42.


Sehr geehrter Herr Wedekind!

Leider muß ich Ihnen die Mitteilung machen daß m/w/ir durch verschiedene kleine Störungen außer Stand gesetzt sind, den für die Erstaufführungdie zunächst für Anfang Februar 1905 in Aussicht genommene Uraufführung von „Hidalla“ am Berliner Lessingtheater [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 29.12.1904]. von Hidalla ausgemachten Termin bis 1. Februar genau einzuhalten; es handelt sich jedoch nur um eine ganz kurze Zeit, wegen der Sie gewiß keine Schwierigkeiten machen werden, nämlich um etwa eine Woche nach dem 1. Februar. Ich möchte Sie | daher bitten, sich freundlichst damit einverstanden zu erklären, daß die Frist für die Erstaufführung um so viel verlängert wird und diese Entscheidung auch Ihrem VerlegerJulian Marchlewski, in dessen Verlag Dr. J. Marchlewski & Co. in München (Franz Josephstraße 36) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1905, Teil I, S. 321] die Erstausgabe von „Hidalla oder Sein und Haben“ (1904) erschienen ist, der Inhaber der Bühnenvertriebsrechte, mit dem Otto Brahm im Frühjahr einen Vertrag über die Aufführung von „Hidalla“ abgeschlossen hat [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 11.4.1904]. Herrn Dr. Marchlewski mitzuteilen.

In unserer vorläufigen Benachrichtigungvgl. Otto Brahm an Wedekind, 29.12.1904. über die Besetzung des Stückes ist ein kleines bedauerliches Versehen untergelaufen, Herr Patry spielt nicht den Gellinghausen, sondern den Launhart und Herr Reicher den HetmannWedekind war mit der Besetzung der Hauptrolle Karl Hetmann in „Hidalla“ mit Emanuel Reicher nicht einverstanden [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 11.1.1905]..

Hochachtungsvoll

Direction
des
Lessing-Theaters

Otto Brahm


Besten Gruss, ich hoffe sehr, Sie zur Aufführung hier zu sehen


Frank Wedekind schrieb am 11. Januar 1905 in München folgenden Brief
an (Theater) Lessingtheater , (Theater) Lessingtheater , (Theater) Lessingtheater , (Theater) Lessingtheater , (Theater) Lessingtheater , (Theater) Lessingtheater , (Theater) Lessingtheater , (Theater) Lessingtheater , Otto Brahm

Sie scheinen in Ihren geehrten Zeilenvgl. Otto Brahm an Wedekind, 9.1.1905. von der Voraussetzung aus zu gehen daß der Autor der Vermittler zwischen der Direction und dem TheateragentenWedekind erklärt im vorliegenden Briefentwurf, Julian Marchlewski, der Verleger von „Hidalla“ (1904), der für dieses Stück auch den Bühnenvertrieb hatte [vgl. Wedekind an Julian Marchlewski, 21.9.1905], sei zugleich sein Agent. Otto Brahm hatte Wedekind aufgefordert, seinen Verleger über die Entscheidung zu informieren, die geplante Uraufführung von „Hidalla“ am Lessingtheater verschiebe sich [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 9.1.1905]; sie kam dann nicht zustande. ist während meiner Auffassung nach der Theateragent der Vermittler zwischen der Direction und dem Autor ist.

Hochachtungsvoll


Tit. Direction des Lessingtheaters Berlin


Sehr geehrter Herr Doctor!

Auf Ihre geehrten Zeilen vom 9.Ivgl. Otto Brahm an Wedekind, 9.1.1905. habe ich Ihnen folgendes zu erwidern. Nach dem Urtheil aller der Herren deren Urtheil mir maßgebend ist und die sowohl das Personal des Lessingtheaters wie meine „Hidalla“ | kennen ist der denkbar beste Darsteller für die Rolle des Hetmann Albert Bassermann. Diese Ansicht, die ich durchaus theile war mir auch seinerzeit auch maßgebend als ich Ihnen mein Stück zur Aufführung überließ. Im Fall Sie keine rein künstlerischen Gründe dagegen einzuwenden haben bitte ich Sie also daher die Rolle des Hetmann von Herrn BassermannAlbert Bassermann war wie sein Kollege Emanuel Reicher, mit dem Otto Brahm die Hauptrolle des Karl Hetmann in der geplanten Uraufführung von „Hidalla“ besetzt hatte [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 9.1.1905], Schauspieler am Berliner Lessingtheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 288]. spielen zu lassen.

Daß Herr Reicher die Rolle des Hetman spielt halte ich nicht für richtig, weil meiner Ansicht nach folgende Gefahr dabei besteht auf die ich Sie von vorn herein aufmerksam machen Herr Reicher könnte seiner | künstlerischen EigenartEmanuel Reicher gilt „als einer der bedeutendsten Vertreter des naturalistischen Darstellungsstils“ [KSA 2, S. 750]. entsprechend (die Rolle nicht leidenschaftlich genug auffassen,) das Tempo zu langsam nehmen und sich nicht genau an den Text halten. Sollte aber auf den Proben eine ungenaue Wiedergabe des Textes zu beobachten sein, so müßte mich das notwendig zu einem öffentlichen ProtestDazu ist es nicht gekommen, da „Hidalla“ am Lessingtheater unter Otto Brahm nicht uraufgeführt wurde. gegen die Aufführung veranlassen, da ich nicht willens bin, der Öffentlichkeit gegenüber für Worte einzutreten/stehn/ die ich nicht geschrieben habe.

Was den Termin der Aufführung anbetrifft, so liegt es mir völlig fern, Sie in dieser Richtung irgendwie | drängen zu wollen. Dagegen habe ich d/D/ie geschäftlichen Abschlüsse über Aufführungstermin, Tantiemen e. ct. sind indessen aber die Sache meinem/s/ Verlegers und Agenten übertr dem ich 10 % dafür bezahle, daß ich über diese Dinge nicht selbst zu verhandeln brauche. |

Wo es sich um große gemeinschaftliche Ziele handelt ist ein gegenseitiges Mißtrauen viel werthvoller als ein gegenseitiges Vertrauen. Deshalb ist es in einem solchen Falle mein erstes, durch einen unvorhergesehenen Akt jede Behaglichkeit zu ersticken und eine Basis des gegenseitigen Mißtrauens zu schaffen, auf der sich auf allen Seitenvor dem Überschreiben ausradierter Text./allseitig/ eine größere Kraftentfaltung entwickeln muß, die dem gemeinsamen Streben zu gute kommt.

בוLigatur aus den hebräischen Buchstaben Waw (= F) und Beth (= W) für die Namenssigle von Frank Wedekind.


Frank Wedekind schrieb am 13. Januar 1905 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 13.1.1905:]


BriefZum Inhalt des Briefes, von dem unklar ist, ob er unter diesem Datum versandt wurde [siehe Hinweise zur Datierung] konnte nichts ermittelt werden. an Otto Brahm.

Frank Wedekind schrieb am 13. Januar 1905 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 13.1.1905 in München:]


Brief an Otto Brahm.

Otto Brahm, (Theater) Lessingtheater und (Theater) Lessingtheater schrieben am 16. Januar 1905 in Berlin folgenden Brief
an Frank Wedekind

Lessing-Theater
Direction
Dr. Otto Brahm.


Berlin NW. 40, den 16. Januar 1905.


Herrn
Frank Wedekind
München
Franz Josefstr 42 II.


Sehr geehrter Herr!

Auf Ihr gefälliges Schreiben vom 11. d. M.vgl. Wedekind an Otto Brahm, 11.1.1905. erwidern wirWedekind seinerseits hat auf diesen Brief wohl nochmals mit Widerspruch reagiert [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 18.1.1905]; daraufhin stand eine Uraufführung von „Hidalla“ am Berliner Lessingtheater nicht mehr zur Debatte. Das Stück würde am Münchner Schauspielhaus uraufgeführt, wie die Presse ankündigte: „Frank Wedekinds Drama ‚Hidalla‘, das als nächste Neuheit des Lessingtheaters in Berlin in Scene gehen sollte, ist von Wedekind wegen Meinungsverschiedenheiten mit Director Brahm zurückgezogen worden. Das Drama gelangt nun am 18. Februar im Münchener Schauspielhause zur Uraufführung.“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 55, 2.2.1905, Morgen-Ausgabe, S. 8] ergebenst, daß wir Ihren Wunsch, betreffend die Besetzung des HetmannWedekind hatte Albert Bassermann für die Hauptrolle des Karl Hetmann in der geplanten Uraufführung von „Hidalla“ am Berliner Lessingtheater vorgeschlagen [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 11.1.1905], nachdem Otto Brahm ihm mitgeteilt hatte, er habe die Rolle mit Emanuel Reicher besetzt [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 9.1.1905]. hätten in Erwägung ziehen können, wenn Sie uns während der langen Frist, die seit der Annahme des Stückesim Frühjahr des vorangegangenen Jahres [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 11.4.1904]. vergangen ist, davon Mitteilung gemacht hätten, jetzt ist es leider zu spät, da die Rollen bereits seit einiger Zeit ausgeteilt sind.

Hochachtungsvoll

Direction
des
Lessing-Theaters

OBrahm

Frank Wedekind schrieb am 18. Januar 1905 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 18.1.1905 in München:]


Briefeein Brief an Otto Brahm, Direktor des Lessingtheaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 287], der die Uraufführung von „Hidalla“ geplant hatte und die Hauptrolle mit Emanuel Reicher zu besetzen gedachte, wogegen Wedekind Einwände hatte [vgl. Wedekind an Otto Brahm, 11.1.1905], die zurückgewiesen wurden [vgl. Otto Brahm an Wedekind, 16.1.1905]. Die „Hidalla“-Premiere am Lessingtheater fand nicht statt, wie die Presse meldete: „Frank Wedekinds Drama ‚Hidalla‘, das als nächste Neuheit des Lessingtheaters in Berlin in Scene gehen sollte, ist von Wedekind wegen Meinungsverschiedenheiten mit Director Brahm zurückgezogen worden. Das Drama gelangt nun am 18. Februar im Münchener Schauspielhause zur Uraufführung.“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 55, 2.2.1905, Morgen-Ausgabe, S. 8] an Brahm [...]

Frank Wedekind schrieb am 16. Januar 1906 in Berlin folgenden Brief
an , Otto Brahm , Raphael Löwenfeld , (Verein) Verband Berliner Bühnenleiter , Otto Brahm , Raphael Löwenfeld

An den Conventein noch nicht konstituierter Verein, der Verband Berliner Bühnenleiter: „Der Verband ist im Jahre 1908 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Berlin-Mitte eingetragen, nachdem schon vorher die Leiter der Berliner Bühnen sich zu einer freien Vereinigung zusammengeschlossen hatten. Als Zweck ist in den Satzungen bezeichnet, die Berliner Theater-Direktoren zur Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen zu vereinigen. Begründer und erster Vorsitzender war Direktor Dr. Raphael Loewenfeld vom Schiller-Theater. Nach seinem Tode trat Dr. Otto Brahm an seine Stelle“ [Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1916, S. 226]. Berli/der/ Berliner Bühnenleiter.


Meine hochverehrten HerrenDr. phil. Raphael Löwenfeld, Direktor der Berliner Schillertheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 275] in Berlin (Fasanenstraße 36) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1905, Teil I, S. 1357] und später bis zu seinem Tod am 28.12.1910 offiziell Vorsitzender des Verbands Berliner Bühnenleiter (siehe oben), und Dr. phil. Otto Brahm, Direktor des Berliner Lessingtheaters [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 273] in Berlin (Kronprinzen-Ufer 7) [vgl. Berliner Adreßbuch 1906, Teil I, S. 226] und Löwenfelds Nachfolger als Vorsitzender des Verbands Berliner Bühnenleiter (siehe oben). Bei Verständigungsterminen etwa im Berliner Magistrat traten noch vor der offiziellen Vereinsgründung gemeinsam auf als Repräsentanten „Berliner Theaterdirektoren [...] Dr. Otto Brahm und Dr. Raphael Löwenfeld“ [Die Steuer auf Theaterbilletts. In: Berliner Tageblatt, Jg. 34, Nr. 628, 10.12.1905, Sonntags-Ausgabe, S. (2)].!

Erlauben Sie mir die ergebene Anfrage an Sie zu richten ob es auf an den Berliner Bühnen im Allgemeinen so Brauch und Sitte ist, daß der DirectorAnspielung auf Victor Barnowsky, Direktor des Kleinen Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 277], wo seit der Premiere am 26.9.1905 Wedekinds „Hidalla“ mit ihm in der Rolle des Karl Hetmann auf dem Spielplan stand und zuletzt nach einer Kurzreise des Autors am 14.1.1906 eine Vorstellung stattgefunden hatte [vgl. Tb]. Der vorliegende Briefentwurf ist als Entwurf einer Beilage zu einem Briefentwurf an den Direktor des Kleinen Theaters überliefert [vgl. Wedekind an Victor Barnowsky, 16.1.1906]. wenn er die Auffassung, die der ein AutorAnspielung auf Frank Wedekind als Autor von „Hidalla“ (siehe oben). von einem Passus seinem/s/ eigenen Werkes hat, | für unnicht richtig hält, und ihm der Autor darin nicht beipflichtet, diesem vor den anwesenden MitgliedernEnsemblemitglieder des Kleinen Theaters, die am 14.1.1906 in „Hidalla“ spielten (siehe oben). erklärt daß er sich gezwungen sähe das Stück vom Spielplan abzusetzen.

Ein In einem derartigerSchreibversehen (irrtümlich nicht korrigiert), statt: derartigen. Brauch würde nämlich meines Erachtens eine Beeinträchtigung des erstens eine harte Unbilligkeit gegenüber dem Autor und zweitens eine Schädigung seines künstlerischen Kredites liegen. Eine

Frank Wedekind schrieb am 17. Januar 1906 in Berlin folgenden Brief
an Otto Brahm

Schiffbauerdamm 6 III


Sehr geehrter Herr DoctorDr. phil. Otto Brahm, seit 1904 Direktor des Lessingtheaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 273].!

Herr Justizrat JonasPaul Jonas, Rechtskonsulent des Lessingtheaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 274], war wie Otto Brahm 1889 in Berlin Gründungsmitglied des Theatervereins Freie Bühne [vgl. Schanze 1978, S. 275] und seitdem gut mit ihm bekannt. giebt mir die liebenswürdige Zusicherung, daß Sie mir eine Bitte um Zutritt zur GeneralprobeWedekind hat die Generalprobe zur Uraufführung von Gerhart Hauptmanns Drama „Und Pippa tanzt!“ (siehe unten) besucht und dazu am 18.1.1906 notiert: „Generalprobe von ‚Und Pippa tanzt‘ im Lessingtheater. Ich sitze neben Lili Deutsch. Rickelt und seine Frau. Else Schiff. Ich hole Iduschka von der Bühne und fahre sie mit ihrer Schwester nach Hause. Hole Tilli ab und diniere mit ihr bei Kempinski.“ [Tb] Ida Orloff (Iduschka) spielte die Titelrolle. Gerhart Hauptmann notierte dazu am 19.1.1906: „‚Pippa‘ Gestern war Generalprobe. Wedekind war sehr mitgenommen. Sagte, ich habe mich übergipfelt.“ [Tb Hauptmann] von | „Und Pippa tanzt“ nicht abschlägig beantworten würden. So wie ich Wildente drei mal bei Ihnen gesehenHenrik Ibsens Drama „Die Wildente“ hatte am 8.11.1905 im Berliner Lessingtheater Premiere (die Rolle der Hedwig spielte Ida Orloff). Wedekind hat von den drei Vorstellungen, die er von dieser Inszenierung sah, lediglich die Vorstellung am 10.12.1905 notiert, die er gemeinsam mit Tilly Newes besuchte: „Abends mit Tilli in der Wildente“ [Tb]. habe werde ich mir auch dieses Drama wohl noch öfter ansehen, aber zur PremiereGerhart Hauptmanns Drama „Und Pippa tanzt! Ein Glashüttenmärchen“ (1906) wurde am 19.1.1906 im Berliner Lessingtheater unter der Regie von Otto Brahm mit Ida Orloff in der Titelrolle uraufgeführt; Beginn der Vorstellung: 19.30 Uhr [vgl. Berliner Tageblatt, Jg. 35, Nr. 33, 19.1.1906, Morgen-Ausgabe, 1. Beiblatt, S. (4)]. Wedekind besuchte die Vorstellung, nahm anschließend an der Premierenfeier im Hotel Savoy teil und war danach mit Otto Brahm, Paul Schlenther und Rudolf Rittner (er spielte im Stück die Rolle des alten Huhn) in der Künstlerklause Carl Stallmann, wie er am 19.1.1906 notierte: „Uraufführung von ‚Und Pippa tanzt.‘ Banquet im Hotel Savoy. Nachher mit Brahm, Schlenther und Rittner bei Stallmann.“ [Tb] Demnach war Tilly Newes nicht mit dabei. wird wol kaum mehr ein Platz | zu haben sein. Wenn Sie für Fräulein Niemann-Newes, eine Freundin von Fräulein Orloff, gleichfalls einen Platz bewilligen würden, wäre ich Ihnen zu umso größerem Dank verbunden.

Darf ich Sie bitten, | geehrter Herr Doctor, den Ausdruck meiner größten Hochschätzung entgegenzunehmen.

Frank Wedekind.


Ich werde mir erlauben morgen in Ihrem Büreau Ihren werthen Bescheid entgegenzunehmen.

Frank Wedekind schrieb am 20. Mai 1907 in Wien folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Otto Brahm

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 20.5.1907 in Wien:]


Ich schicke BlumenWedekind dürfte die Blumen mit dem hier erschlossenen Begleitschreiben dem Theaterdirektor Otto Brahm als Gratulation zu dem großen Erfolg des gerade laufenden Gastspiels des Berliner Lessingtheaters (Direktion: Otto Brahm) am Theater an der Wien geschickt haben. Die Presse schrieb: „Dr. Otto Brahm und seine uns wohlvertraute Gesellschaft sind stets herzlich willkommen in Wien, und die Wiener nehmen dankbar auf, was Energie, zäher Wille, zielbewußte Arbeit ihnen nahebringen. [...] Das Publikum wurde von der aufstürmenden Lebendigkeit der Darstellung mitgerissen.“ [Das Gastspiel des Berliner Lessingtheaters. In: Wiener Montags-Post, Jg. 15, Nr. 746, 20.5.1907, Theater-Zeitung, S. (1)] an Otto Brahm.