Briefwechsel

von Frank Wedekind und Martin Zickel

Martin Zickel schrieb am 27. Dezember 1899 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Wedekinds Brief an Beate Heine vom 28.12.1899 von der Festung Königstein:]


Martin Zickel bittet mich um Beiträge und Mitwirkung zu einem literarischen Varieté in Berlin.

Frank Wedekind schrieb am 27. April 1901 in München folgenden Brief
an Martin Zickel

München, 27.IV.1901.


Lieber Herr ZickelDr. phil. Martin Zickel, in Berlin (Habsburgerstraße 10) Oberregisseur an der von Paul Martin geleiteten Secessionsbühne (Alexanderstraße 40) in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 254], war gerade im Begriff, an das Berliner Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) zu wechseln. Die Presse meldete: „Dr. Martin Zickel, der bisherige Oberregisseur der ‚Sezessionsbühne‘, ist, wie wir erfahren, als Dramaturg und Regisseur von Direktor Lautenburg für das Residenztheater gewonnen worden.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 106, 27.2.1901, Abend-Ausgabe, S. (2)] Sein Engagement begann am 4.5.1901 mit der Uraufführung von Eduard von Keyserlings Stück „Der dumme Hans“ [vgl. Gräbner/Lauinger 2021, S. 540-542], seiner erster Inszenierung am Residenztheater: „Der erste Akt vor Allem zeigte, wie viel der neue Regisseur, Dr. Zickel, für den die Vorstellung die erste Probe im neuen Amt bedeutete, zu leisten vermag.“ [Beilage zur Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, Nr. 105a, 5.5.1901, S. 2]!

Ich bin mit Freuden, mit Leib und Seele bei Ihrem neuen UnternehmenMartin Zickel initiierte ein Überbrettl-Projekt an dem von José Ferenczy geleiteten Central-Theater in Berlin (Alte Jacob-Straße 30) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 248], wie Fritz Strich kommentierte: „Ein literarisches Cabaret im Berliner Centraltheater.“ [GB 2, S. 358]; nur wünschte ich, daß Sie sich nicht über das täuschen, was ich zu bieten habe. Ich habe zu mehr als einem Dutzend meiner Gedichte aus der „Fürstin Russalka“ passende Melodien hergestellt, die den wirkungsvollen Vortrag dieser Gedichte eigentlich erst ermöglichen. Augenblicklich trage ich die Sachen Abend für Abend hier in München bei den ScharfrichternWedekind trat als Ensemblemitglied allabendlich im Kabarett Die Elf Scharfrichter auf, das seine Bühne im Hinterhaus des Münchner Wirtshauses Zum goldenen Hirschen (Türkenstraße 28) und seine erste Vorstellung am 12.4.1901 hatte [vgl. Die elf Scharfrichter. In: Allgemeine Zeitung, Jg. 104, Nr. 102, 13.4.1901, Abendblatt, S. 1]; es war am 13.4.1901 offiziell eröffnet worden – da saß Wedekind noch im Publikum [vgl. Wedekind an Bertha Doepler, 14.4.1901]. Seine Auftritte bei den Elf Scharfrichtern fanden gute Resonanz: „Seine ‚Brigitte B.‘ und die ‚Sieben Rappen‘ sind in der Form so vollendet gehalten, daß man es hinnehmen kann, daß der Inhalt ‚jenseits von Dezent und Indezent‘ liegt. Dabei verfügt Herr Wedekind über eine bewunderungswürdige Ruhe im Vortrage, eine Ruhe, die selbst ängstlichen und prüden Gemüthern über etwaige Gewissensbisse leicht hinweghilft.“ [Die Elf Scharfrichter. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 195, 26.4.1901, Morgenblatt, S. 3] vor (zur Guitarre). Ich hätte auch Wolzogen mit diesen Vorträgen zur Verfügung gestanden; aber Wolzogen glaubte nicht an die Wirkung meines Vortrages auf ein größeres Publicum. Dagegen hätte er mich gerne hinter Schloß und Riegel als Witzemacher beschäftigt und darauf konnte ich mich nicht einlassenWedekind hatte Ernst von Wolzogen und seinem Bunten Theater (Überbrettl) in Berlin, eröffnet am 18.1.1901 [vgl. Budzinski/Hippen 1996, S. 437], eine Absage erteilt [vgl. Wedekind an Ernst von Wolzogen, 23.12.1900].. Die große Gefahr für Berlin besteht nun nur darin, daß meine Sachen von der Censur verboten werden könnten. Wenn man die Gedichte so einreicht wie sie gedruckt sind, dann würde das zweifellos stattfinden. Wenn ich sie aber mit einigen Abschwächungen als Manuscripte einreichen würde, und zwar nicht alle auf einmal, sondern immer nur möglichst wenige, so würde die Censur sicher nichts daran auszusetzen haben. An ungedruckten lyrischen Sachen habe ich gar nichts. Ueber ein einactiges modernes Ballet werde ich nachdenken. Ich habe auch eine Idee zu einem, natürlich modernen TotentanzDen Einakter dieses Titels schrieb Wedekind erst Jahre später: „Ich entwerfe das Scenarium von Totentanz.“ [Tb 28.3.1905], in einzelnen kurzen Scenendas Fragment „Blanka Burkhart. Drei Scenen“ [vgl. KSA 4, S. 694], das „Wedekind mit Blick auf seine Beteiligung am Überbrettl-Projekt des von José Ferenczy geleiteten Berliner Centraltheaters in Angriff nahm.“ [KSA 4, S. 691] (Dialogen), die sich ganz nach Belieben und Bedarf aneinanderreihen ließen, wobei nur die erste und die letzte Scene ständig blieben. Ich bitte Sie aber, über diese Idee vorder Hand noch nichts verlauten lassen zu wollen. Darf ich die Gelegenheit wahrnehmen, Sie auf meinen Freund, den Componisten Richard Weinhöppel, aufmerksam zu machen, der hier in München die musikalische SeeleHans Richard Weinhöppel (Scharfrichter-Pseudonym: Hannes Ruch), Gründungsmitglied und musikalischer Leiter der Elf Scharfrichter, der als Dirigent und Sänger auch auftrat, war der Hauskomponist des Kabaretts [vgl. Kemp 2017, Anhang Ensemble, S. 41-44], der zahlreiche Lieder zur Gitarre für die Elf Scharfrichter komponiert hat [vgl. Kemp 2017, Anhang Repertoire, passim]. der elf Scharfrichter ist, und außer einem orchestrirten IntroductionsmarschDie Komposition „Die Elf Scharfrichter. Grotesker Marsch für Orchester und Chor“ (1901) von Hannes Ruch (= Hans Richard Weinhöppel) mit dem Text von Dionysius Tod (= Leo Greiner), ohne Noten abgedruckt im ersten Programm [vgl. Die 11 Scharfrichter. In München eröffnet am 13. April 1901. München 1901, S. 3], kam zu Beginn der Vorstellungen der Elf Scharfrichter zur Geltung [vgl. Kemp 2017, Anhang Repertoire, S. 62f.], ein Markenzeichen des Kabaretts, das bei der ersten Vorstellung am 12.4.1901 gesetzt wurde: „Die Vorstellung wird eröffnet durch einen ebenfalls von Hans Ruch komponierten Henkersmarsch der elf Scharfrichter, der, von Leo Greiner gedichtet, in Verbindung mit der blutroten Gewandung der Vortragenden, der roten Beleuchtung und dem Schwertergeklirr sofort jene zwiespältige tragikomische Stimmung hervorruft, die den Zuhörer für alles Folgende empfänglich macht.“ [Edgar Steiger: „Die elf Scharfrichter.“ In: Das litterarische Echo, Jg. 3, Heft 15, Mai 1901, Sp. 1071] sehr hübsche, künstlerisch bedeutende Guitarrenlieder, moderne und alte (aus des Knaben WunderhornHans Richard Weinhöppel (Hannes Ruch) hatte zu zahlreichen Liedern der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder“ (1806) von Achim von Arnim und Clemens Brentano Melodien komponiert und ist mittelalterlich kostümiert gleich in der offiziellen Eröffnungsvorstellung der Elf Scharfrichter damit aufgetreten [vgl. Kemp 2017, Anhang Repertoire, S. 81].) geschrieben hat. Hier in München bringt er die Lieder selber zum Vortrag. Ich sollte aber denken, daß sie auch in Ihrem Repertoir in Berlin eine würdige Stellung einnehmen könnten. Ueberhaupt beginnen wir hier in München mit unseren Guitarren-Liedern Schule zu machen, und zwar bei Leuten von Namen. Stavenhagen, SchillingsDer Komponist Max von Schillings (Aiblingerstraße 4) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1901, Teil I, S. 524] wurde zwar nicht für die Elf Scharfrichter tätig, aber der ebenfalls in München (Widenmayerstraße 2) lebende Komponist und „Hoftheaterkapellmeister“ [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1901, Teil I, S. 594] Bernhard Stavenhagen (Pseudonym: Hans Styx), der bei dem nächsten Programm der Elf Scharfrichter mitwirkte [vgl. Kemp 2017, Anhang Ensemble, S. 39f.]; das von ihm komponierte Lied „Zwischen Feldern und Wäldern“ (Text: Hanns von Gumppenberg) [vgl. Kemp 2017, Anhang Repertoir, S. 130] wurde zuerst in der Vorstellung vom 5.6.1901 präsentiert und fand in der Presse Beifall: „Am meisten Beifall fanden Jodoks ‚Babette‘ (Musik von Hannes Ruch) und ‚Zwischen Feldern und Wäldern‘ (Musik von Hans Styx).“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 264, 9.6.1901, S. 4] e. ct. tragen sich neuerdings mit der Absicht, Guitarren-Lieder zu schreiben.

Anfang JuniWedekind war Mitte Juni 1901 „einige Tage“ [Wedekind an Carl Heine, 7.8.1901] in Berlin. denke ich nach Berlin zu kommen und hoffe bei der Gelegenheit endlich Ihre persönliche Bekanntschaft machen zu können. Ich habe noch eine große Bühnen-Ideeder Entwurf „Philipp XXV.“ [vgl. KSA 4, S. 686]., die ich hier nicht zu Papier zu bringen wage, zu deren Ausführung ich aber immer an Sie gedacht habe.

Seien Sie herzlichst gegrüßt von Ihrem ergebenen
Frank Wedekind.

Martin Zickel schrieb am 19. Mai 1901 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Wedekinds Brief an Martin Zickel vom 20.5.1901 aus München:]


[...] wie Sie mir schreiben, lieber Herr Zickel [...]

Frank Wedekind schrieb am 20. Mai 1901 in München folgenden Brief
an Martin Zickel

FRANK WEDEKIND.


MÜNCHEN, den 20. Mai 1901.
Franz Josefstr. 42/II.


Lieber Herr Zickel!

Der Contrakt den mir Ferenzy zugeschicktHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben; erschlossenes Korrespondenzstück; José Ferenczy an Wedekind, 16.5.1901. Der von José Ferenczy aufgesetzte Vertrag, aus dem Wedekind im vorliegenden Brief zitiert, ist ebenfalls nicht überliefert. Er sollte ein geplantes Engagement Wedekinds in einem von Martin Zickel initiierten Überbrettl-Projekt [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 27.4.1901] am Central-Theater (Direktion: José Ferenczy) in Berlin (Alte Jacob-Straße 30) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 248] regeln. Wedekind schloss trotz seiner Bedenken im Sommer 1901 in Berlin einen (nicht überlieferten) Vertrag mit der Direktion für ein Engagement in der nächsten Saison ab, den er dann nicht erfüllte. hat ist für mich unmöglich. Das ist aber nicht alles; er ist direct schmutzig. Das ist nicht eine persönliche Ansicht, die ich ausspreche; das sagt Jeder, der den Vertrag gesehen hat. Dr. Halbe und Keyserling brachen in schallendes Gelächter aus bei der Lectüre des
§ 3.
Herr Fr. W. erhält für seine obengenannte Thätigkeit eine Gage von 720 Mark (siebenhundertundzwanzig Mark) pro Monat | eingetheilt in 30 dreißig Honorare à 24 Mark (vierundzwanzig Mark)

Wie kommt Ferenzy zu diesem schmutzigen Mißtrauen gegenüber einem Menschen, der sich ihm nicht aufgedrängt hat und der ihn gar nicht nötig hat. Aber die anderen drei Paragraphen des Contractes stehen vollkommen auf gleicher Höhe. In Pa § 1. wahrt sich Ferenzy 1. das Recht, den Vertrag monatlich zu kündigen und zweitens das Recht, mich auf völlig unbestimmte Zeit an den Contract zu fesseln. Meine Rechte sind Null. In § 2 verpflichtet er mich „auch fremde Dichtungen“Schreibversehen, statt: Dichtungen. vor zutragen“ und „die einzelnen Mitglieder auf der Bühne vorzustellen und einzuführen.“ | Dadurch könnte er mich einfach zwingen, sobald die Geschäfte schlecht gehen sollten, Wolzogen zu copierenErnst von Wolzogen trat in seinem Kabarett, dem Bunten Theater (Überbrettl), als Conférencier auf. und überdies den CoupletDas Couplet, die für das Kabarett charakteristische, witzig-zweideutige Liedform, hatte sich am Bunten Theater (Überbrettl) in Berlin als publikumswirksam bewährt.-Sänger zu spielen. Im 4. und letzten § wird eine Conventionalstrafe von 1000 Mark ausbedungenDiese Summe stand im unterzeichneten Vertrag (siehe oben), wie eine Pressenotiz belegt: „Der Schriftsteller Frank Wedekind war für das literarische Variété des Herrn Ferenczi am hiesigen Central-Theater für einen Monat gewonnen worden, wobei vereinbart war, daß Wedekind im Falle eines Nichteintreffens eine Konventionalstrafe von 1000 Mark verwirkt habe.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 31, Nr. 43, 24.1.1902, Abend-Ausgabe, S. (3)], die Ferenzy durch die oben erwähnten BestimmungSchreibversehen, statt: Bestimmungen. jeden Tag, ganz wann es ihm gefällt, mir/von/ mir eincassieren kann, und dem gegenüber steht als der einzige unantastbar sichere Vortheil, den mir der Contrakt gewährt, eine einmalige Abendgage von sage und schreibe 24 Mark. Daß dieß dieser Contrakt ein Meisterwerk ist werden Sie, Herr Zickel, mir selber zugeben müssen. Ich würde mich sonst auch nicht so lange dabei aufgehalten haben. | Es gehörte eben nur noch derjenige dazu der ihn unterzeichnet. Mir war es zum Glück unmöglich, unter meinen sämmtlichen Bekannten einen Menschen zu finden, der mir dazu geraten hätte.

Ich halte es nun, wie Sie mir schreibenHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Martin Zickel an Wedekind, 19.5.1901. Martin Zickel äußerte sich über den von José Ferenczy aufgesetzten Vertrag und über eine (verschollene) Postkarte Wedekinds an den Direktor (siehe unten), wie aus dem vorliegendem Brief hervorgeht., lieber Herr Zickel, für das einzig richtige mit den Abmachungen zu warten bis ich in Berlin bin. Ich werde in acht oder zehn Tagenam 31.5.1901 oder 2.6.1901. Wedekind war Mitte Juni 1901 „einige Tage“ [Wedekind an Carl Heine, 7.8.1901] in Berlin. dort sein.

Bis dahin verbleibe ich mit herzlichem Gruß aufrichtig gemeint; nicht wie auf der Carte an Ferenzynicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an José Ferenczy, 17.5.1901. Martin Zickel, im Zusammenhang mit dem geplanten Überbrettl-Projekt in Kontakt mit José Ferenczy (siehe oben), dürfte der Wortlaut dieser Postkarte bekannt gewesen sein..
Ihr
Frank Wedekind.

Frank Wedekind schrieb am 23. Mai 1901 in München folgenden Brief
an Martin Zickel

München, 23.V.1901.


Lieber Herr Zickel,

ich habe sofort an Langens Bühnenvertrieb geschriebenHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Arthur Langen und Albert Langen Verlag, 23.5.1901. Es handelte sich um ein Telegramm [vgl. Wedekind an Arthur Langen und Albert Langen Verlag, 24.5.1901], das Wedekind an den Bühnenvertrieb des Münchner Albert Langen Verlags in Berlin (Königgrätzerstraße 19) – „Albert Langen Verlag u. Vertrieb dramatischer Werke“ [Berliner Adreßbuch 1902, Teil I, S. 951] – aufgegeben hat; für „den Bühnenvertrieb“ seines Verlags hatte Albert Langen „im März 1901“ den mit ihm nicht verwandten Arthur Langen als „Theateragent [...] übernommen“ [Abret 2005, S. 29]. und hoffe, daß er seinen Vertrag mit Neumann-HoferDa sich die erhoffte Inszenierung von Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ am Berliner Lessingtheater unter der Direktion von Otto Neumann-Hofer [vgl. Neuer Theater Almanach 1901, S. 242] verzögerte [vgl. Wedekind an Beate Heine, 29.12.1900] und gleichzeitig Martin Zickel, bisher Oberregisseur der Secessionsbühne (Leitung: Paul Martin) in Berlin [vgl. Neuer Theater Almanach 1901, S. 254], neuerdings aber „der neue Regisseur“ [Beilage zur Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, Nr. 105a, 5.5.1901, S. 2] am Berliner Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) [vgl. Neuer Theater Almanach 1902, S. 251], an einer Inszenierung Interesse zeigte, bemühte sich Wedekind erfolgreich um eine Auflösung des Vertrags mit dem Lessingtheater [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 6.8.1901]. Die Premiere am Berliner Residenztheater fand am 31.8.1901 statt [vgl. KSA 4, S. 400]. rückgängig machen wird. Sollte es ihm nicht gelingen, dann werde ich, wenn ich nach Berlin komme, mein möglichstes bei Neumann-Hofer thun, damit er das Stück freigibt. Schriftlich wage ich mich jetzt nicht an Neumann-Hofer heran, da ich, sowie ich ihn kenne, fürchten muß, das Gegentheil dadurch zu erreichen.

Meßthaler wird den Marquis von Keith als drittes Stück in Berlin gebenEmil Meßthaler, Direktor des Intimen Theaters in Nürnberg, gastierte vom 15.6.1901 bis 15.8.1901 als Direktor am Neuen Theater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 461], wo „Marquis von Keith“ uraufgeführt werden sollte; der Plan zerschlug sich, wie Wedekind Mitte Juni 1901 vor Ort in Berlin erfahren sollte [vgl. Wedekind an Carl Heine, 7.8.1901]. Das Stück wurde dann am 11.10.1901 unter der Regie von Martin Zickel am Berliner Residenztheater uraufgeführt [vgl. KSA 4, S. 533]., und zwar Anfang Julistatt „im Juni“ [Wedekind an Carl Meinhard, 15.4.1901], wie zunächst in Aussicht genommen., eine sehr schlechte Zeit, aber dagegen wird sich nichts machen lassen. Ich bin eben im Begriff, die Besetzung mit ihm zu besprechen. Wenn Sie es für nöthig halten, jetzt schon contractlich mit mir abzuschließen, so bin ich gerne dazu bereit. Selbstverständlich bleibe ich bei dem, was ich Ihnen in meinem vorigen Briefdem Briefinhalt zufolge nicht der vorige Brief [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 20.5.1901], sondern der diesem Brief vorangehende Brief [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 27.4.1901]. schrieb, daß ich Ihnen vollkommen, mit allem was ich zu bieten habe, zur Verfügung stehe. Hierin wird sich in den nächsten zwei Monaten nichts ändern, so daß meines Erachtens der contractliche Abschluß noch bis zur persönlichen Besprechung Zeit hätte. Wenn Sie aber meine Unterschrift jetzt schon nöthig haben, so bitte ich Sie um Uebersendung eines Vertrages. Ich erwarte jeden Moment Antwort von Langens Bühnenvertrieb und würde Sie sofort dann von dem Ergebnis benachrichtigen.

Mit herzlichsten Grüßen Ihr
Frank Wedekind.

Martin Zickel schrieb am 11. Juli 1901 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Wedekinds Brief an Martin Zickel vom 12.7.1901 aus München:]


Was Sie mir [...] schreiben [...]

Frank Wedekind schrieb am 12. Juli 1901 in München folgenden Brief
an Martin Zickel

München, 12.VII.1901.


Lieber Herr Zickel!

Was Sie mir über Verlag Langen schreibenHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Martin Zickel an Wedekind, 11.7.1901. Martin Zickel dürfte den Albert Langen Verlag um ein Exemplar der Buchausgabe des „Marquis von Keith“ (1901) gebeten haben, die Sendung war offenbar aber noch nicht bei ihm eingegangen. Martin Zickel inszenierte die Uraufführung des Stücks am 11.10.1901 am Berliner Residenztheater [vgl. KSA 4, S. 533], wo er als Regisseur tätig war [vgl. Neuer Theater Almanach 1902, S. 251]., kann mich nicht überraschen. Ich werde die Versendung von Marquis v. Keith sofort veranlassen. Bierbaum ist zur Zeit in der SchweizOtto Julius Bierbaum, mit Wedekind befreundeter Schriftsteller in München (Gernerstraße 4) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1901, Teil I, S. 50], verbrachte den Sommer an wechselnden Orten in der Schweiz (durch Briefe an Dritte nachvollziehbar); so hielt er sich am 18. und 19.7.1901 gerade in St. Jon im Engadin auf, schrieb Gemma Pruneti-Lotti am 25.7.1901 aus Vulpera [vgl. Otto Julius Bierbaum: Briefe an Gemma. München 1921, S. 23f., 18], wo er sich auch am 3.8.1901 (Brief an Officin W. Drugulin [Bayerische Staatsbibliothek, Autogr. Bierbaum, Otto Julius]) noch aufhielt; am 7.8.1901 war er in Ragaz in der Ostschweiz (an Gemma Pruneti-Lotti), dann in Zürich – „Otto Julius Bierbaum weilt gegenwärtig für einige Tage in Zürich und wohnt im Hotel Bellevue“ [Neue Zürcher Zeitung, Jg. 122, Nr. 219, 9.8.1901, 1. Abendblatt, S. (2)] – und schließlich in Rigi First in der Zentralschweiz, von wo aus er Wedekind schrieb [vgl. Otto Julius Bierbaum an Wedekind, 19.8.1901]. Otto Julius Bierbaum kam am 5.9.1901 (Brief an Gemma Pruneti-Lotti) zurück nach München., ich habe ihn seit meiner RückkehrWedekind war Mitte Juni 1901 „einige Tage“ [Wedekind an Carl Heine, 7.8.1901] in Berlin, wobei unklar ist, wann genau er zurück in München war (und auch, wann er in Berlin eingetroffen ist). nicht wieder gesehen. Vielleicht erinnern Sie sich der bei uns mitwirkenden Künstlerin Marie Delvart. Diese Delvart hat soeben bei Wolzogen in Darmstadt In der Münchner Presse war mitgeteilt: „In der Zeit vom 9. bis 11. Juli tritt Marya Delvard bei Wolzogens Buntem Theater in Darmstadt als Gast von den Elf Scharfrichtern auf.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 310, 7.7.1901, S. 2] Die Darmstädter Presse hatte zum Gastspiel von Ernst von Wolzogens Buntem Theater (Überbrettl) vom 9. bis 11.7.1901 in Darmstadt angekündigt: „Die Leitung der Ausstellung der Künstler-Kolonie teilt uns mit, daß am 9., 10. und 11. Juli Herr v. Wolzogen mit seinem ‚Überbrettl‘ im Spielhause der Ausstellung gastieren wird. Das Gastspiel des ‚Bunten Theaters‘ wird ein sehr mannigfaches Repertoire umfassen.“ [Darmstädter Tagblatt, Jg. 164, Nr. 151, 1.7.1901, S. 3910] Ernst von Wolzogen gastierte mit seinem Bunten Theater (Überbrettl) im Rahmen der am 15.5.1901 eröffneten ersten Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie in einem von Joseph Maria Olbrich entworfenen Gebäude, „in der wunderlich stilisierten Olbrichschen ‚violetten Kunstkiste‘“ [Ernst von Wolzogen: Wie ich mich ums Leben brachte. Erinnerungen und Erfahrungen. Braunschweig, Hamburg 1922, S. 258].gastirt, und zwar mit dem Erfolg, daß Sie von der Presse als beste Nummer des Abends erwähnt wurde. Wolzogen wollte sie engagiren, seine ganze Kunst und Gesellschaft mißfiel ihr aber in so hohem Grade, daß sie seinen Antrag kurzweg ausschlugDas hat dann auch die Presse berichtet: „Frl. Marya Delvard ist von einem äußerst erfolgreichen Gastspiel bei Herrn v. Wolzogens Buntem Theater zurückgekehrt und [...] hat einen glänzenden Engagementsantrag des Herrn v. Wolzogen abgelehnt und bleibt auch für die nächste Saison den Elf Scharfrichtern erhalten.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 322, 14.7.1901, S. 3]. Sie singt heute wieder bei uns. Wie ich nun die Sache objectiv ansehe, glaube ich, daß sie in Berlin sehr gut wirken würde. Vielleicht sichern Sie sich die Dame auf ein oder zwei Monate. Zu Beginn der Saison werden die Scharfrichter sie hier nicht fortlassen. Aber für später würde sie, glaube ich, ganz gern einmal nach Berlin kommen. Sie singt hauptsächlich Compositionen von Hans Richard. Adresse: Frl. Maria Delvart. 11. Scharfrichter, Türkenstraße, München.

Nächster Tage erhalten Sie einen Pack von meinen GedichtenWedekind sandte diese Gedichte erst Wochen später [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 6.8.1901]. mit der Bitte, sie dem Censor vorlegen zu wollen.

Von Neumann Hofer habe ich noch keinerlei Nachricht, habe allerdings auch noch nicht geschrieben, werde ihn aber in diesen Tagen einmal anfragen, wie die Sachen stehenDa die geplante Inszenierung des Einakters „Der Kammersänger“ (1899) am Berliner Lessingtheater (Direktion: Otto Neumann-Hofer) [vgl. Neuer Theater Almanach 1902, S. 248] sich verzögert hatte und Martin Zickel, Regisseur am Berliner Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) [vgl. Neuer Theater Almanach 1902, S. 251], Interesse zeigte, wollte Wedekind den Vertrag mit dem Lessingtheater auflösen [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 23.5.1901], was gelang. Die Premiere am Residenztheater fand am 31.8.1901 statt [vgl. KSA 4, S. 400].. Ich fürchte, sie stehen nicht gut für uns.

Aus dem Gesamtgastspiel der elf Scharfrichter ist nichts gewordenDas Gastspiel der Elf Scharfrichter vom 19.7.1901 bis 3.8.1901, das nach Cannstatt bei Stuttgart, Darmstadt, Kreuznach und Ems führte, fand doch statt; die Presse meldete: „Die Elf Scharfrichter beschließen ihre heurige Saison mit der Vorstellung am morgigen Donnerstag. Am Samstag beginnt der Verein mit einem fünftägigem Gastspiel im kgl. Wilhelmatheater in Stuttgart-Cannstatt, an das sich voraussichtlich eine kurze Gastreise durch eine Reihe größerer deutscher Bäder anschließt.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 328, 18.7.1901, Vorabendblatt, S. 2]. Wirdie Elf Scharfrichter, deren Ensemblemitglied Wedekind war. spielen hier noch bis zum 20.bis zum 20.7.1901, was dann aber nicht der Fall war. Die Presse kündigte den letzten Auftritt der Elf Scharfrichter in der laufenden Saison für den 18.7.1901 an (und den Beginn der nächsten Saison am 1.10.1901): „Die Elf Scharfrichter beschließen ihre heurige Saison mit der Vorstellung am morgigen Donnerstag. [...] Wie bereits berichtet, beginnt die Wintersaison der Scharfrichter am 1. Oktober.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 328, 18.7.1901, Vorabendblatt, S. 2] Dann wird das Haus vergrößertSitz und Spielstätte des Münchner Kabaretts Die Elf Scharfrichter war ein ehemaliger Fechtboden im Hinterhaus der Gastwirtschaft Zum Goldenen Hirschen (Türkenstraße 28); die Presse kündigte die Sanierungsarbeiten nach dem 18.7.1901 bis zum Beginn der neuen Spielzeit am 1.10.1901 an: „Am 18. Juli tritt eine Pause ein, in der der Verein die beabsichtigen Verbesserungen und Vergrößerungen ausführen lassen wird, um am 1. Oktober [...] mit seinem bereits in Vorbereitung stehenden neuen Programm beginnen zu können.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 322, 14.7.1901, S. 3], um bessere Einnahmen zu ermöglichen.

Seien Sie herzlichst gegrüßt, lieber Herr Zickel. Auf baldiges WiedersehenWedekind hat Martin Zickel im Juni in Berlin (siehe oben) gesehen. Ihr
Frank Wedekind.

Martin Zickel schrieb am 13. Juli 1901 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Wedekinds Brief an Martin Zickel vom 6.8.1901 aus München:]


Mit dem mir von Ihnen vorgeschlagenen Thema [...]

Frank Wedekind schrieb am 6. August 1901 in München folgenden Brief
an Martin Zickel

FRANK WEDEKIND.


MÜNCHEN, den 6.VIII 1901.
Franz Josefstr. 42/II.


Lieber Herr Zickel!

Seit vorgesternseit dem 4.8.1901 (Sonntag). Wedekind war als Ensemblemitglied mit den Elf Scharfrichtern vom 19.7.1901 bis 3.8.1901 auf einer Gastspieltournee, die in Cannstatt bei Stuttgart begann (vom 20. bis 24.7.1901 im Wilhelma-Theater) [vgl. Cannstatter Zeitung, Jg. 61, Nr. 171, 24.7.1901, 1. Blatt, S. 3], dann nach Darmstadt führte (vom 26. bis 30.7.1901 im Spielhaus der Künstlerkolonie) [vgl. Darmstädter Zeitung, Jg. 125, Nr. 348, 27.7.1901, Nachmittags-Blatt, S. 1497; Nr. 350, 29.7.1901, Nachmittags-Blatt, S. 1506], anschließend nach Kreuznach (heute: Bad Kreuznach, am 31.7.1901 im Kurtheater) [vgl. KSA 1/IV, S. 1269] und zuletzt in den mondänen Badeort Ems (heute: Bad Ems). bin ich von unserer Tournee nach Stuttgart, Darmstadt, Kreuznach und Ems zurück. In StuttgartAuftakt der Tournee der Elf Scharfrichter war Cannstatt bei Stuttgart, wo die Gruppe im Wilhelma-Theater auftrat (siehe oben). Die Presse meldete: „Die Elf Scharfrichter haben sich auf Reisen begeben, sind aber gleich auf ihrer ersten Station, im kgl. Wihelma-Theater in Stuttgart, aufgesessen; sie wurden selbst auf’s Schärfste gerichtet.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 338, 24.7.1901, Vorabendblatt, S. 2] Es wurde aber auch festgestellt: „Unter den [...] Darstellern [...] dominiert Frank Wedekind allein durch Gedankengehalt und Witzoriginalität“ [Ueberbrettl und kein Ende. In: Cannstatter Zeitung, Jg. 61, Nr. 170, 23.7.1901, S. 1]. Wedekinds Auftritt mit der unmittelbar vor der Tournee fertiggestellten und im Rahmen der Gastvorstellung der Elf Scharfrichter in Cannstatt erstmals gelesenen Dialogfassung von „Rabbi Esra“ wurde vom Stuttgarter „Neuen Tagblatt“ gewürdigt [vgl. KSA 6, S. 342], sein Vortrag der Ballade „Brigitte B.“ gefiel weniger [vgl. KSA 1/III, S. 468]. stießen wir auf großes Mißverständnis. Ich war der einzige der nicht beanstandet wurde, und verdanke das vielleicht in erster Linie dem Rabbi Esra. Ich habe den Rabbi Esra auf der ganzen Tournee, in/so/ auch in Ems„Ems (Bad Ems), Stadt und berühmter Badeort“ im preußischen Regierungsbezirk „Wiesbaden, Unterlahnkreis, [...] einer der ältesten und berühmtesten Badeorte Europas.“ [Meyers Konversations-Lexikon. 5. Aufl. Bd. 5. Leipzig 1894, S. 749] Nähere Angaben zum Gastspiel der Elf Scharfrichter in diesem Badeort sind nicht ermittelt. „Die Recherche zum Gastspiel der ‚Elf Scharfrichter‘ in Bad Ems blieb ohne Ergebnis.“ [KSA 1/IV, S. 1269], vor dem gewähltesten Badepublicum erprobt und die besten Erfahrungen damit gemacht, so daß ich mir jetzt auch für Berlin einen anhaltenden Erfolg davon verspreche.

Inliegend sende ich Ihnen acht VortragsnummernWedekind hat für Martin Zickels Überbrettl-Projekt am Berliner Central-Theater [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 27.4.1901] im Notizbuch eine Liste von acht Liedern erstellt (fünf mit Vermerk „erlaubt“: „Der Taler“, „Die Symbolistin“, „Das Goldstück“, „Franziskas Abendlied“, „Die sieben Heller“, drei mit Vermerk „verboten“: „Brigitte B.“, „Ilse“, Wendla“), mit dem Hinweis überschrieben, sie seien der Zensur eingereicht, bei denen es sich um die Lieder handeln dürfte, die Wedekind als Beilage zu dem vorliegenden Brief an Martin Zickel schickte [vgl. KSA 1/IV, S. 1269]; er notierte außerdem im Notizbuch die Briefbeilage: „An Zickel schicken“ – darunter aufgelistet: „Brigitte B. / Ilse. / Thaler / Goldstück / Symbolistin / Sieben Heller / Franziskas Abendlied / Wendla.“ [Nb 6, Blatt 38v], unter denen meines Erachtens nicht eine sein dürfte, die der Censor nicht passieren läßt. Ich bin sehr darauf gespannt, ob sich diese meine Voraussetzungen bewahrheiten.

Mit dem mir von Ihnen vorgeschlagenenHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Martin Zickel an Wedekind, 13.7.1901. | Thema „Wechselt das BäumchenAnspielung auf ein Ballspiel, bei welchem zu rufen war: „‚Wechselt das Bäumchen!‘ Bei diesem Rufe hat jeder von seinem Baume nach einem andern zu eilen.“ [Eduard Trapp, Hermann Pinzke: Das Bewegungsspiel. Seine geschichtliche Entwickelung, sein Wert und seine methodische Behandlung. Langensalza 1894, S. 45] Der Ruf wurde zensurgeschichtlich eingeordnet, als „Zensurspiel ‚Wechselt das Bäumchen‘“ [H. H. Houben: Verbotene Literatur von der klassischen Zeit bis zur Gegenwart. Ein kritisch-historisches Lexikon über verbotene Bücher, Zeitschriften und Theaterstücke, Schriftsteller und Verleger. Bd. 2. Bremen 1928, S. 453].“ konnte ich mich auf der Tournée nicht eingehender beschäftigen. Ich habe die Idee Weinhöppel mitgetheilt. Ich bin jetzt eben im Begriff eine dramatische Scene zwischen drei Personenentweder das Fragment „Blanka Burkhart. Drei Scenen“ [vgl. KSA 4, S. 694], das „Wedekind mit Blick auf seine Beteiligung am Überbrettl-Projekt des von José Ferenczy geleiteten Berliner Centraltheaters in Angriff nahm“ [KSA 4, S. 691], oder der im Sommer 1901 als Entwurf skizzierte Einakter „Der Witz“ [KSA 8, S. 433-422] (1901), in dem ein Verleger, ein Zeichner und ein Redakteur für Witze auftreten, im Vorgriff auf „Oaha“ (1908) eine Verarbeitung von Wedekinds Konflikt mit Albert Langen in der Majestätsbeleidigungsaffäre um den „Simplicissimus“ [vgl. KSA 8, S. 399, 412], überliefert im Notizbuch, in dem auch „Liedtitel“ für das „Vortragsprogramm“ enthalten sind, das Wedekind dem vorliegenden Brief beilegte (siehe oben). „Da Wedekind [...] erwähnt, daß er an einer dramatischen Szene zwischen drei Personen arbeite, dürfte hier wohl der Einakter-Entwurf, vorgesehen fürs Kabarett, gemeint sein.“ [KSA 8, S. 412], die ich FerenzyJosé Ferenczy, Direktor des Central-Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 255], für das Martin Zickel ein literarisches Kabarett plante [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 27.4.1901], bei dem Wedekind beteiligt sein sollte (das Projekt wurde nicht realisiert). zur Verfügung stellen möchte fertig zu schreiben. Sobald ich damit zu Ende bin werde ich Ihre Idee wieder aufnehmen, möchte Sie aber nicht daran hindern, den Plan auch mit anderen Künstlern, die ihn vielleicht promterSchreibversehen, statt: prompter. verarbeiten und gestalten, zu besprechen.

Nun, lieber Herr Zickel, komme ich aber offen gesagt zur Hauptsache und das sind meine dramatischen Interessen, denen ich ebenso mit Leib und Seele verfallen bin, wie ich den Cultus des ÜberbrettelsÜberbrettl = literarisches Kabarett (wie die Elf Scharfrichter und das von Martin Zickel geplante Unternehmen). gerne und vielleicht immer als wohlthuenden Nebenberuf pflegen und hegen werde. Sollte ich aber durch den Gang der ErreignisseSchreibversehen, statt: Ereignisse. auf letzteres Gebiet gebannt werden ohne auf dem ersteren vorwärts zu kommen, dann werde ich ganz zweifelsohne ‒ das zu beobachten hatte | ich während der letzten Monate Gelegenheit genug ‒ ein sehr unglücklicher Mensch werden.

Neumann Hofer schreibt mirHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Otto Neumann-Hofer an Wedekind, 5.8.1901., daß der Kammersänger frei istDa sich die Inszenierung von Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ (1899) am Berliner Lessingtheater (Direktion: Otto Neumann-Hofer) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 248] verzögerte und gleichzeitig Martin Zickel, Regisseur am Berliner Residenztheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 251], an einer Inszenierung Interesse zeigte, bemühte sich Wedekind erfolgreich um eine Auflösung des Vertrags mit dem Lessingtheater, die mit dem Schreiben Otto Neumann-Hofers (siehe oben) besiegelt war.. Von dieser Seite stände seiner Aufführung auf am Residenztheater nichts mehr im WegeDie Premiere von Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ (1899) am 31.8.1901 im Residenztheater in Berlin fand unter der Regie von Martin Zickel statt. Die Presse kündigte an: „Das Residenztheater wird am 31. August [...] wieder eröffnet. Den Anfang des Abends macht: ,Der Kammersänger‘ von Frank Wedekind.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 416, 17.8.1901, Abend-Ausgabe, S. (2)]. Viel wichtiger ist mir aber der „Marquis von Keith“. Ich wäre Ihnen so unendlich dankbar, lieber Herr Zickel, wenn Sie ihn gleich zu Anfang der Saison, sei es bei Lautenburgam Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 251], wo „Marquis von Keith“ am 11.10.1901 unter der Regie von Martin Zickel uraufgeführt wurde [vgl. KSA 4, S. 533]. oder sonst irgendwo, herausbringen könnten. In dem Stück ist so vieles enthalten, was niemand aus dem Buch herauslesen kann, was aber um so klarer bei einer Aufführung zu Tage treten wird. Das Stück steht und fällt nicht, wie Meßthaler meinteEmil Meßthaler hatte geplant, den „Marquis von Keith“ in Berlin, wo er vom 15.6.1901 bis 15.8.1901 als Direktor am Neuen Theater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 461] gastierte, auf die Bühne zu bringen, was nicht realisiert wurde., mit der Rolle des Marquis von Keith, sondern es steht und fällt mit der Rolle des seinem ethischen Gehalt. Dieser wird auch bei einer weniger graziösen virtuosen Darstellung, als sie vielleicht ein Ferdinand Bonn oder | sonst ein Starwie Ferdinand Bonn, dann Schauspieler am Neuen Theater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 252], wo Emil Meßthaler derzeit als Direktor gastierte (siehe oben); er war gerade für diese Bühne engagiert worden: „Ferdinand Bonn, der schon in der Eröffnungsvorstellung des Neuen Theaters sein neues Engagement antritt, wird im Laufe der Saison auch im klassischen Repertoir reiche Beschäftigung finden. [...] Einer irrthümlichen Darstellung entgegen sei darauf hingewiesen, daß Herr Ferdinand Bonn nicht als Gast, sondern für je sechs Monate durch zwei Jahre hindurch dem Neuen Theater als Mitglied verpflichtet ist.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 434, 27.8.1901, Abend-Ausgabe, S. (2)] Ferdinand Bonn hat die Titelrolle im „Marquis von Keith“ zu Wedekinds Lebzeiten nicht gespielt. bieten würde, zum Herzen des Zuschauers dringen, vorausgesetzt dasSchreibversehen, statt: daß. die mitwirkenden Kräfte die nur die richtige Directive besitzen. Was diese Directive betrifft habe ich allen erdenklichen Grund, in Sie, Herr Zickel, das vollste Vertrauen zu setzen. Aber nun denken Sie sich in meine Lage, der ich mich dem Berliner Publicum als Spaßmacher und Hanswurst vorstellen soll, während mir als ernster Mensch, mit dem besten, was ich zu sagen habe und was mir selber heilig ist, der Mund verschlossen bleibt. Das wäre eine Thätigkeit, die Einem in allerkürzester Zeit das Herz abfressen müßte.

Verzeihen Sie mir dieses Pathos. Es entspringt keiner momentanen Wallung sondern einfachen nüchternen Thatsachen. Und seien Sie herzlichst gegrüßt von
Ihrem
Frank Wedekind.

Frank Wedekind schrieb am 21. September 1901 in München folgenden Brief
an Martin Zickel

München, 21.IX.1901.


Lieber Herr ZickelDr. phil. Martin Zickel, Regisseur am Berliner Residenztheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 251], dürfte inzwischen nach Charlottenburg (Knesebeckstraße 72/73) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1902, Teil I, S. 1936] umgezogen sein.!

Mein Brief an das Be. T.Wedekinds Brief [vgl. Wedekind an Berliner Tageblatt, 18.9.1901], aus dem im vorliegenden Brief zitiert ist, war im „Berliner Tageblatt“ in der Anfangspassage leicht gekürzt abgedruckt worden [vgl. Berliner Tageblatt, Berlin, Jg. 30, Nr. 477, 19.9.1901, Abend-Ausgabe, S. (3)]. begann mit folgendem Satz: Da Sie vor etwa vierzehn Tagen unter der Marke „Dichter heraus“ die durch mich nicht begründete Notiz brachten, ich hätte die Absicht, vor der Aufführung meines „M. v. K.“ selber eine sogenannte „Conference“ vor dem Publicum zu halten (eine Geschmacklosigkeit, die keinem Menschen auf dieser Welt ferner liegt als mir) und da ich fürchten muß, daß Sie gegenwärtig mit ähnlichen Notizen über meine Absichten behelligt werden, so erlaube ich mir, mit der Bitte um eventuelle Veröffentlichung, Sie von folgenden Thatsachen in Kenntnis zu setzen.

Die unterstrichenen Worteim vorliegenden Brief, der nur gedruckt überliefert ist, die gesperrten Passagen im Briefzitat. hat die Redaction gestrichen. Sie ersehen daraus, daß ich die Einsendung, nur für den Fall berechnet hatte, daß das B. T. von anderer Seite für mich nachtheilige Notizen über mich erhalte. Was die ConferenceDas „Berliner Tageblatt“ hatte eine Notiz zu einer angeblich anstehenden Selbstvorstellung Wedekinds vor dem Berliner Publikum unmittelbar vor der in Aussicht genommenen Uraufführung des „Marquis von Keith“ veröffentlicht und eine solche Selbstdarstellung durch den Autor kritisch kommentiert: „Was das Ueberbrettl kann, ist schließlich auch den Brettern, die die Welt bedeuten, möglich. Der Versuch, den Dichter am Abend der Erstaufführung seines Stückes vor Beginn der Vorstellung vor die Rampe treten, ihn von sich, von seinem neuen dichterischen Erzeugniß, von seiner Weltanschauung überhaupt plaudern zu lassen und so eine persönliche Verbindung zwischen Publikum und Darbietung herzustellen, soll zuerst in Berlin im Residenz-Theater von Direktor Lautenburg unter Doktor Martin Zickels Leitung gemacht werden. Frank Wedekind wird als erster Dichter, der über sich selbst eine Conference abhält, vor dem Vorhang erscheinen, und zwar bei der noch im Anfang der Saison stattfindenden Premiere seines ‚Marquis von Keith‘. Wedekind wird sicher seine Person zur Geltung bringen. Er läßt gewiß kein Wort unter den Tisch fallen. Auch d’Annunzio wußte sich ins rechte Licht zu stellen. Man muß sowohl dem aufzuführenden Autor wie dem Publikum dringend wünschen, daß diese fragwürdige Neuerung sich nicht durchsetzen möge, – sie kann der Kunst nur Schaden zufügen!“ [Die Dichter heraus! In: Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 439, 30.8.1901, Morgen-Ausgabe, S. (3)] Wedekind antwortete dem „Berliner Tageblatt“ am 18.9.1901 im genannten offenen Brief (siehe oben). betrifft, so halte ich sie bei einem modernen actuellen deutschen Stück unter allen Umständen für eine Geschmacklosigkeit, auch wenn jemand anders als der Autor sie abhält. MeßthalerEmil Meßthaler hatte geplant, den „Marquis von Keith“ in Berlin, wo er vom 15.6.1901 bis 15.8.1901 als Direktor am Neuen Theater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 461] gastierte, auf die Bühne zu bringen, was er nicht realisierte. „Marquis von Keith“ wurde am 11.10.1901 unter der Regie von Martin Zickel am Berliner Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 251] uraufgeführt [vgl. KSA 4, S. 533]. hatte die Absicht, Alfred Kerr eine Conférence vor dem M. v. K. abhalten zu lassen. Ich opponirte ihm darin mit aller Heftigkeit und machte schlechte Erfahrungen damit. Deshalb mag ich mich Ihnen gegenüber nicht so entschieden ausgedrückt haben. Dagegen kann Ihnen jeder, der mich näher kennt, bestätigen, daß ich von Grund aus gegen solche Veranstaltungen bin.

Was nun den Contract mit FerenczyWedekind hatte sich gegenüber Martin Zickel so ausführlich wie empört zu dem Vertrag geäußert und auch aus ihm zitiert [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 20.5.1901], den José Ferenczy, Direktor des Central-Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 255], mit ihm dann über seine Mitwirkung an dem von Martin Zickel initiierten literarischen Kabarett ‒ möglicherweise modifiziert ‒ abgeschlossen hat. betrifft, so wäre ich allerdings in tiefster Seele froh, wenn er sich lösen ließe. Als Sie mir die ersten Mittheilungen über das Unternehmen machten, hatte Meßthaler den M. v. K. für Juli angenommen. Deshalb gieng ich auf die Idee mit Vergnügen ein. Als aus jener Vorstellung nichts wurde, stellte ich Ihnen dann die Bedingung, daß er zu Beginn der Saison gebracht werde und schloß, wie Sie wissen, nur unter der Bedingung ab. Ich weiß, daß Sie Ihr Möglichstes in dieser Sache gethan haben, gestehen Sie mir aber offen, daß Sie Ihre Machtsphäre stark überschätzten. Jetzt soll ich mit allen Mitteln darauf hinwirken, um mich bei ernst-denkenden Menschen völlig unmöglich zu machen. Mich trifft der Schlag mindestens so schmerzlich wie Herrn Director Ferenczy, aber über mich schreibt die Berliner Kritik, ich sei ein Mensch, der sich und seine Kunst verachtet. Diese, wie Sie wissen, grundweg falsche Ansicht über mich ist mein künstlerischer Tod, und den kann ich durch mein Auftreten mit meinen Brettl-Liedern nur beschleunigen. Ich habe diesen Genre gepflegt, um einen Druck ausüben zu können. Wenn aber diese Handhabe versagt, dann habe ich in meiner Seele nichts mehr damit zu thun. Wenn Sie heute ein Stück schreiben, dann werden Sie aufgeführt. Warum das bei mir nicht ebenso ist, dafür kennen Sie die Gründe zum Theil. Durch den Erfolg des KammersängersNach der erfolgreichen Uraufführung von Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ am 10.12.1899 im Rahmen der Eröffnungsmatinee der Secessionsbühne am Neuen Theater in Berlin (von Martin Zickel inszeniert), nach der das Stück erfolgreich an diversen Bühnen aufgeführt wurde, unter anderem bei Gastspielen der Berliner Secessionsbühne in Prag, Wien und München [vgl. KSA 4, S. 392], hatte es am 31.8.1901 am Berliner Residenztheater Premiere und Wedekind selbst trat in dieser Inszenierung am 8.9.1901 als Gerardo auf, wie die Presse meldete: „In der im Residenztheater am Sonntag stattfindenden Aufführung des Einakters ‚Der Kammersänger‘ wird die Titelrolle von dem Verfasser, Frank Wedekind, selbst dargestellt werden.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 455, 7.9.1901, Abend-Ausgabe, S. (2)], übrigens meines schlechtesten Stückes, glaubte ich den fürchterlichen Bann, der seit Jahren meine ganze Production zurückhält, endlich gebrochen. Das war eine Täuschung. Man steht mir gerade so abweisend gegenüber wie vorher, und hält mich höchstens mit Versprechungen hin, die nie in Erfüllung gehen. Was nun soll ich mit diesen Empfindungen vor einem Publicum, dem ich die ernstesten Dinge in künstlerisch origineller und gewiß nicht langweiliger Form zu sagen hätte, den Hanswurst machen und mich im Schmutz wälzen.

Für mich gestaltet sich das Leben nicht so glücklich wie für Sie; ich habe mir jeden Fußbreit mit übermenschlicher Anstrengung erkämpfen müssen. Vielleicht verstehen Sie aus dieser Thatsache meine Handlungsweise. Dafür würde ich Ihnen dankbar sein.

Mit bestem Gruß Ihr
Frank Wedekind.

Frank Wedekind schrieb am 15. Dezember 1902 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Martin Zickel

[Hinweis in Wedekinds Brief an Heinrich Kunolt vom 3.4.1903 aus München:]


Ich mache dich [...] darauf aufmerksam daß Zickel meine definitive Zusage hat [...]

Frank Wedekind schrieb am 1. April 1903 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Martin Zickel

[Hinweis in Wedekinds Brief an José Ferenczy vom 1.4.1903 aus München:]


Ihre geehrten Zeilen habe ich Herrn Doctor Zickel zugeschickt [...]

Frank Wedekind schrieb am 30. April 1904 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Martin Zickel

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 30.4.1904 in München:]


Briefeein nicht überlieferter Brief an Dr. phil. Martin Zickel in Charlottenburg (Grolmanstraße 55) [vgl. Berliner Adreßbuch 1904, Teil I, S. 2139], der am 1.9.1904 Direktor eines neuen Theaters in Berlin werden sollte: „Lustspielhaus wird der Name des neuen Theaters Friedrichstraße 236 sein, welches am 1. September d. J. eröffnet wird. Für das Unternehmen wurde Dr. Martin Zickel als Director engagirt. – Mit dem Bau des Theaters wird [...] Anfang April begonnen.“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 77, 16.2.1904, Morgen-Ausgabe, S. 9] Im Firmenregister war eingetragen: „Lustspielhaus, G.m.b.H., Berlin. [...] Geschäftsführer: Theaterdirektor Dr. Martin Zickel in Charlottenburg.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 33, Nr. 83, 15.2.1904, Abend-Ausgabe, Beiblatt, S. (1)] Die Presse hatte aktuell darüber berichtet: „Die Konzession für den Bau des ‚Lustspielhauses‘ in der Friedrichstrabe 236 ist nunmehr erteilt worden, sodaß mit dem Umbau des Theaters [...] begonnen werden konnte. Die Eröffnung des Theaters wird also im September dieses Jahres stattfinden können. Auch die Konzession zur Leitung des Theaters ist Herrn Dr. Martin Zickel, der bekanntlich als Direktor des Lustspielhauses berufen wurde, bereits erteilt.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 33, Nr. 193, 16.4.1904, Abend-Ausgabe, S. (2)] Martin Zickel hatte bereits begonnen, Personal „für das neue Lustspielhaus“ zu verpflichten, dessen „Repertoir [...] vornehmlich dem modernen Salonlustspiel gewidmet sein wird“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 191, 24.4.1904, Morgen-Ausgabe, S. 11] an [...] Zickel [...]

Frank Wedekind schrieb am 13. Mai 1904 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Martin Zickel

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 12.5.1904 in München:]


Brief an Zickelan Martin Zickel in Charlottenburg (Grolmanstraße 55) [vgl. Berliner Adreßbuch 1904, Teil I, S. 2139], dem künftigen Direktor eines neuen Theaters in Berlin [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 30.4.1904], dem Lustspielhaus (Direktion: Martin Zickel) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 299]..