Briefwechsel

von Eduard Newes und Frank Wedekind

Frank Wedekind schrieb am 23. März 1906 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Eduard Newes

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 23.3.1906 in Berlin:]


BriefWedekind hielt in diesem ersten Brief an seinen zukünftigen Schwiegervater offiziell um die Hand von dessen Tochter Tilly Newes an, wie aus der Antwort hervorgeht [vgl. Eduard Newes an Wedekind, 26.3.1906]. an Papa Newes. Magenkrämpfe.

Eduard Newes schrieb am 26. März 1906 in Graz folgenden Brief
an Frank Wedekind

Graz den 26. März 1906


Mein lieber Sohn Wedekind!

Vor allem bitte ich in unserem weiteren Verkehre das verwandtschaftliche „Du“ in Anwendung zu bringen. Dein liebes Schreibennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Eduard Newes, 23.3.1906. hat mich nicht überrascht, nach Tillys vorausgegangenen Briefen hatte ich dasselbe erwartet aber demungeachtet hat es mir nicht weniger Freude gemacht und beeile ich mich dasselbe sofort zu beantworten. Mama hat Dich in Berlin kennen gelerntTilly Wedekind erzählt in ihren Memoiren: „Meine Mutter [...] kam nach Berlin und wohnte bei mir in der Pension. [...] Und nun kam also immer meine Mutter mit. [...] Sehr bald merkte ich, daß es Frank gar nicht paßte, daß meine Mutter immer dabei war. Ich bat sie daraufhin inständig, nach Hause zu fahren.“ [Wedekind 1969, S. 56f.] In Frank Wedekinds Tagebuch ist über diese Begegnungen mit Mathilde Newes nichts notiert. Es hat ihm aber wohl nicht „behagt“, dass „Tillys Mutter in Berlin anwesend ist“, er dürfte sich „beobachtet“ gefühlt haben, „auch genötigt, um nicht als unhöflich zu erscheinen, persönlichen Umgang mit ihrer Mutter zu pflegen und sie gelegentlich einzuladen, um sie zusammen mit ihrer Tochter auszuführen.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 12] und Du hast auf sie einen so guten Eindruck gemacht, daß sie stets nur mit aller Achtung von Dir uns erzälteSchreibversehen, statt: erzählte. und wir freuten uns alle, daß Tilly ihre künstlerischen Erfolge in Berlin sehr viel Deiner bildenden Einwirkung zu danken hat. Tillys Briefe schwelgen von Glückseligkeit und müssen wir daraus den Schluß ziehen, daß sie Dich wirklich lieb hat und in einer Verbindung mit Dir ihr höchstes Erdenglück erhofft. Der Kinder Glück ist auch unser Glück, wir leben und sterben ja für unsere Kinder. Ich sowohl als auch Mama sagen mit Freuden Ja!ein klares Ja-Wort, das Eduard Newes in Graz seinem zukünftigen Schwiegersohn hier erteilt, der sich am 18.2.1906 in Berlin mit seiner Tochter verlobt hat. Gott der Allmächtige segne Eueren Bund, er lasse Euch im gegenseitigen Besitze glücklich und zufrieden sein. Das ist mein aufrichtigster und innigster Wunsch.
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Ich erachte es als meine Pflicht, Dich auch mit unseren finanziellen Verhältnissen bekannt zu machen.

Vom Elternhaus hat Tilly außer ihrer Ausbildung, die ziemlich viel Geld kostete, kein Vermögen und leider auch keines zu erwarten. Ich führe ein WeingeschäftTilly Wedekinds Vater, Sparkassenbeamter im Ruhestand, betrieb in Graz seit 1886 die Weinhandlung Eduard Newes (Zinzendorfgasse 8 und Filialen). unter den heute denkbar ungünstigsten Verhältnißen und haben theilweise die Mißerfolge im Geschäfte und theilweise die großen Kosten der Erziehung und der Erhaltung unserer KinderDora, Paula, Rudolf, Tilly, Dagobert, Eduard (1894 im Alter von fünf Jahren verstorben), Karl, Martha. unser Vermögen aufgezehrt und halte ich mich heute mit Mühe und Not über Wasser.

Tilly hat von ihrer Tantenicht identifiziert. Eduard Newes hatte sechs Geschwister [vgl. Wedekind 1969, S. 16]. (meiner Schwester) einen 7tel Hausantheil, der weil das Haus nicht unbelastet ist, nur einen geringen Wert hat. Die allgemeinen finanziellen Verhältnisse sind in Graz heute derart ungünstig, daß ein Haus nahezu unverkäuflich ist. Ich habe das Haus zum Verkaufe ausgeboten, gelingt mir der Verkauf, so kann Tilly auf ungefähr 5000 Kronen rechnen. Es drückt uns sehr schwer, daß wir nicht Mal die sonst übliche Ausstattung aus Eigenen schaffen können. Vielleicht kommen auch noch für uns schönere Tage und dann ist Tilly gewiß nicht die letzte, auf die wir bedacht sein werden. |

Sobald ich die avisirten Papiere erhalte, werde ich ungesäumt die nötigen Schritte thun und eine schleunige Erledigung zu erhalten trachten.

Es umarmt Euch beide
Euer
aufrichtiger Papa
Eduard Newes

Frank Wedekind schrieb am 29. März 1906 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Eduard Newes

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 29.3.1906 in Berlin:]


BriefWedekind antwortete auf einen Brief seines zukünftigen Schwiegervaters in Graz [vgl. Eduard Newes an Wedekind, 26.3.1906]. an Papa Newes.

Eduard Newes schrieb am 8. Juni 1906 in Graz folgenden Brief
an Frank Wedekind

Graz den 8. Juni 1906


Mein lieber Frank!

Es würde mich sehr freuen, auch von Dir wieder Mal paar Zeilen zu bekommen und von Dir selbst zu hören, wie es Euch geht und ob Du mit Tilly zufrieden bist und ob sie sich als Hausfrau qualifizirt. Halte sie nur zur Sparsamkeit an, es schadet gewiß nicht. Die Bibel erzältSchreibversehen, statt: erzählt. uns von 7 fetten und 7 mageren Jahren. Wenn das auch nicht wörtlich zu nehmen ist, so ist es doch ein Beispiel und dient dazu als Mahnung, in guten Zeiten au/da/ran zu denken, daß auch schlechtere Zeiten folgen können und namentlich eben auf mein möglichst sorgenfreies Alter hinzuarbeiten. Du wirst mich für einen frommen Mann halten, weil ich BibelsprücheWedekinds Schwiegervater verweist auf die alttestamentarische Geschichte von den sieben fetten und sieben mageren Jahren, mit der Josef die Träume des Pharaos deutet (1. Mose 41). zitire, aber ich kann Dich versichern, mit meiner Frömmigkeit ist’s nicht weit her.

Ich freue mich unendlich, Dich bald persönlich kennen zu lernen.

Mit Gruß und Kuß Euch beiden
Euer
treuer Papschi

Eduard Newes schrieb am 12. Dezember 1906 in Graz folgenden Brief
an Frank Wedekind , Tilly Wedekind

Graz den 12. Dezember 1906


Meine lieben Kinder!

Wenn Ihr die Absicht gehabt hattet uns zu überraschenWer Tilly Wedekinds Eltern (die Schwiegereltern Frank Wedekinds) noch am Tag der Geburt von Pamela Wedekind am 12.12.1906 morgens „um 8 Uhr“ [Tb] wohl telegrafisch über das Ereignis informiert hat, ist unklar., so ist das Euch vollständig gelungen. Also ein Christkindl in naturaTilly und Frank Wedekinds erstes Kind ist am 12.12.1906 und somit zwölf Tage vor Heilig Abend geboren (da kommt in der Volkskultur das Christkind).. Gott segne die Kleine, lasse sie gedeihen zu Euerer beiderseitigen Freude. Wenn Mama eine Ahnung gehabt hätte, so wäre sie wohl zu Euch gekommen, das hätte sie sich nicht nehmen lassen. Ich löse jetzt mein undankbares WeingeschäftTilly Wedekinds Vater, Sparkassenbeamter im Ruhestand, betrieb in Graz seit 1886 die Weinhandlung Eduard Newes (Zinzendorfgasse 8 und Filialen). auf und empfehle mich Euch als alte praktische Kindsfrau, ich würde meinen Platz gewiß ausfüllen.

Das Schwerste ist überstanden, aber jetzt nur recht achtgeben, wenig essen, die ersten Tage nur etwas aber gute Suppe mit gebähterbähen = in Scheiben geschnitten leicht rösten. Semmel, dann später eingemachtes (1 Stück alte Henne mitkochen) Kalbfleisch oder eingemachtes Huhn. Wenn Tilly die Kleine selbst nährtstillt., dann heißt es Münchner-Bier Ob Wedekinds Schwiegervater hier die Herkunftsbezeichnung meint, ist unklar. Der Begriff war umstritten: „Der ‚Verein Münchner Brauereien‘ hatte es bisher schon im Auslande auf dem Prozesswege durchgesetzt, dass Münchner Bier nicht als Gattungsbegriff, sondern als Herkunftsbezeichnung anzusehen ist. Neuerdings hat der Verein durch gerichtliches Vorgehen gegen eine Reihe von norddeutschen Brauereien mit dem gleichen Erfolge erreicht, dass diese die Bezeichnung ihrer Produkte als ‚Münchner Bier‘ zu unterlassen haben.“ [Die Münchner Brauereien gegen den Missbrauch des Wortes „Münchner Bier“. In: Der böhmische Bierbrauer, Jg. 38, Nr. 6, 7.2.1911, S. 68]trinken aber ich möchte das nur ein paar Monate machen und nicht länger.

Schade, daß es so weit ist, ich wäre gleich bei Euch. Es umarmt Euch in treuer Liebe und aufrichtiger Freude
der
GroßpapaEduard Newes als Großvater von Pamela Wedekind.

Frank Wedekind und Tilly Wedekind schrieben am 14. Dezember 1906 in Berlin folgenden Brief
an Eduard Newes

Lieber Papa!

Nachdem soweit nun alles glücklich vonstatten gegangen ist, muß ich Euchden Schwiegereltern in Graz und den dortigen weiteren Angehörigen seiner Frau. doch schreiben, wie sich unsere liebe Tilly befindet. Unberufenohne etwas berufen zu wollen, im Sinne von toi, toi, toi! sehr gut. Sie hat von dem was sie erwartete nur deshalb niemandem gegenüber etwas verlauten lassen weil sie Euch die Aufregung ersparen wollte, mit der unsere liebe Mama, Du und die Geschwister sicher diesem Ereignis entgegengesehen hättet. Sie ist mit großer Gefaßtheit, ich darf wohl sagen, Munterkeit dem Abenteuer entgegengegangen, | dann hat sie zwei Stunden fürchterlich geschrienFrank Wedekind notierte am 12.12.1906 zur Niederkunft seiner Frau mit ihrem ersten Kind: „Um 6 Uhr weckt mich Tilly durch ihr geschrei, bald darauf kommt Dr. Bresin um 8 Uhr ist Anna Pamela geboren, dann kommt Flatau. Um Mittag tritt die Schwester an.“ [Tb] Tilly Wedekind erinnerte sich: „Ab vier Uhr morgens wurde es arg. Ich schrie. Der Arzt wurde gerufen. [...] Ich brüllte. [...] Gegen Morgen steigerten sich die Schmerzen ins Unerträgliche, und um 8 Uhr war das Kind da: eine Tochter. [...] Dann schlief ich erschöpft ein.“ [Wedekind 1969, S. 98] und dann war sie gleich wieder ebenso munter wie vorher. Die Hebammenicht identifiziert. war glücklicher Weise die Nacht über hiergeblieben so daß sie am Morgen gleich zur Hand war. Dann traf ein SpezialistDr. med. Georg Bresin (siehe oben), praktischer Arzt und Geburtshelfer aus Wilmersdorf (Kaiserplatz 7) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 262]. ein und d/a/ls alles glücklich vorüber war kam auch noch unser HausarztDr. med. Theodor Simon Flatau (siehe oben), Dozent (für Stimmphysiologie an der Berliner Hochschule für Musik) sowie Hals-, Ohren- und Nasenarzt (Potsdamer Straße 113) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 533]. Seit einem Jahr war er Frank Wedekinds Hausarzt (behandelt hat er Tilly), im Tagebuch erstmals namentlich genannt am 23.12.1905.. Im wesentlichen hat unsere liebe Tilly aber alles allein besorgt. Jetzt hat sie eine Schwesternicht identifiziert. zur Pflegerin die jedenfalls noch acht Tage hierbleibt. Ich danke Euch a/A/llen herzlich für das freundliche Anerbieten Tilly zu pflegen, aber wir halten es jetzt im Augenblick nicht für nötig daß jemand herkommt und dann hat man doch viel mehr davon, | sich gesund und munther wiederzusehen als was hoffentlich bald geschieht als wenn wie jetzt Tilly bedauern müßte daß sie sich nicht rühren kann und sich möglichst schonen muß.

Tilly hat unserer lieben Tochter die Namen Anna Pamela gegeben. Der Arzt kommt einstweilen noch jeden Vormittag, hat Tilly aber heute schon gestattet zu essen und zu trinken als wäre sie vollkommen gesund. Die Kleine verhält sich tagsüber sehr ruhig, dagegen soll sie nachts einen großen Lärm verführen. BesucheFrank Wedekind notierte am 14.12.1906: „Adele Sandrock und Lou Andreas Salomé besuchen Tilly.“ [Tb] Tilly Wedekind erinnerte sich nur an Lou Andreas-Salomé, die sich gleich wieder verabschiedet habe, als sie von der gerade erfolgten Geburt erfahren habe [vgl. Wedekind 1969, S. 99f.]. zu empfangen hat unser Hausarzt Tilly strengstens verboten, sie scheint sich aber trotzdem gar nicht zu langweilen. Wenn ich aus dem TheaterWedekind besuchte am 13. und 14.12.1906 Vorstellungen von „Frühlings Erwachen“ an den Kammerspielen des Deutschen Theaters (anschließend war er mit Bekannten und Freunden in verschiedenen Berliner Lokalen, so auch abends am 12.12.1906) [vgl. Tb]. nach Hause komme bittet sie mich, ihr die Kleine, auch wenn | sie ruhig schläft aus dem Bettchen herüberzureichen. Offenbar scheint sie sie also gerne bei sich zu haben.

Ich bitte Dich lieber Papa, unserer lieben Mama und den lieben GeschwisternTilly Wedekinds Geschwister waren Dora, Paula, Rudolf, Dagobert, Karl und Martha Newes. herzlich für die schönen Briefe mit den Glückwünschenvgl. Mathilde und Dora Newes an Tilly und Frank Wedekind, 12.12.1906. Darüber hinaus ist außer einem Brief des Schwiegervaters [vgl. Eduard Newes an Frank und Tilly Wedekind, 12.12.1906] noch ein Glückwunschtelegramm überliefert [vgl. Mathilde und Eduard Newes, Dora, Paula, Rudolf, Dagobert, Karl und Martha Newes an Frank und Tilly Wedekind, 12.12.1906]. zu danken. Dir selber, lieber Papa, danke ich mehr als je innig und aufrichtig für das Glück meines Lebens und bin mit den herzlichsten Grüßen an alle unsere Lieben
Dein getreuer Sohn
Frank.


Berlin, 14 XII.6.


Innige Grüße u. Dank für die lieben Briefe. Den OnkelnDagobert Engländer (in Wien), Richard Engländer (in Wien) und Adolf Engländer (in Prag), Brüder von Tilly Wedekinds Mutter Mathilde Newes. wird morgen geschrieben. Sobald ich kann, schreibe ich ausführlich. Eure Tilly

Eduard Newes, Mathilde Newes und Dagobert Newes schrieben am 22. Dezember 1906 in Graz folgenden Brief
an Frank Wedekind

Graz den 22. Dezbr 1906


Mein lieber Frank!

Recht innig freute uns Allen Dein liebes Schreibenvgl. Wedekind an Eduard Newes, 14.12.1906.. Wir danken Dir von ganzen Herzen, daß Du unserer Tilly so viel Sorgfalt widmest und ihr so viel Liebe entgegen bringst. Wir sind ganz glücklich, daß Tilly Deine Frau geworden ist und können über ihre Zukunft beruhigt sein. Aber auch Tilly hat Dich lieb, alle ihre Briefe sagen uns das mit beredten Worten. Es schmerzt mich nur das eine, daß ich mit so gebundenen Händen dastehe und so gar nichts für Euch thun kann. Tilly kann und wird Dir bestätigen, daß ich gerne gebe, aber leider es ist Ebbe in jeder Richtung. Ihr müßt Euch also mit meiner väterlichen Liebe begnügen. Es vergeht keine Minute in welcher ich nicht an Euch denke, Euer Glück ist auch mein Glück, Gott erhalte Euch dasselbe, Gott segne Euch. Das kleine Aenchen wird das Band der Liebe und Treue fester knüpfen. Wie würde ich mich freuen, wenn ich das kleine Engelchen an mein Herz drücken könnte. Ich habe Kinder überhaupt lieb um so mehr mein Enkelkind.
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Wie schön wäre es, wenn Ihr so alle drei die Feiertage bei uns zubringen könntet. Es kann halt nicht sein, im Gedanken werden wir ohnedem beisammen sein. Also fröhliche Weihnachten und ein recht glückliches neues Jahr!

Bertl hat gestern den ersten SternSchulterabzeichen für den Dienstgrad Leutnant. Tilly Wedekinds Bruder Dagobert Newes war Ende des vorigen Jahres zum Leutnant der Reserve ernannt worden [vgl. Das Neujahrsavancement. In: Neues Wiener Tagblatt, Jg. 45, Nr. 358, 30.12.1911, S. 20]. bekommen, ist Papa (verbessert) Bertl nicht wenig stolz darauf. Rudolf kommt morgen auf 2 Tage nach Hause, Urlaub für den einen Tag erhält er nicht, sonst hätte er 4 Tage hier sein können.

Lebt wohl. Seit herzlichst gegrüßt und geküßt zu Dreien
von
Eueren
treuen Großpapa


Meine lieben Kinder!

Ich kann mich nur in Allem Papa anschließen! Gott erhalte Euch Euer Eheglück und Euer geliebtes Kind! Eben gehen wir mit Dora hinaus Lenerl den Christbaum anzünden! Gott mit Euch. Es umarmt Euch innigst alle Drei.

Mutting.


Wir freuen uns alle riesig über die guten Nachrichten von der jungen Mutter; verbringt die Weihnacht gut u. feiert frohen Einzug ins kommende Jahr.

Dies wünscht Euch herzlichst Euer Bertl.

Frank Wedekind schrieb am 9. Januar 1907 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Eduard Newes

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 9.1.1907 in Berlin:]


BriefWedekind kondolierte seinem Schwiegervater in Graz, da er soeben vom Selbstmord seiner Schwägerin Paula Newes ‒ sie hatte sich am 7.1.1907 aus Liebeskummer auf „grauenvolle Art“ [Wedekind 1969, S. 101] umgebracht ‒ erfahren hat, wie er am 9.1.1907 festhielt: „Abends kommt Welti [...] und erzählt mir, als wir zum Haus hinaus sind, daß Paula Newes sich in Graz das Leben genommen. Lasse mich im Theater vertreten. Brief an Papa Newes.“ [Tb] Die Presse in Graz hat über die näheren Umstände berichtet [vgl. Lebensüberdruß eines Mädchens. In: Grazer Tagblatt, Jg. 17, Nr. 8, 8.1.1907, Abend-Ausgabe, S. 2], überregional wurde eine Pressemeldung vom 8.1.1907 verbreitet: „Die Schwägerin Frank Wedekinds, Paula Newes in Graz, durchschnitt sich in einem Anfall von Trübsinn den Hals mit einem Rasiermesser und war sofort tot.“ [Selbstmord. In: Czernowitzer Allgemeine Zeitung, Nr. 899, 10.1.1907, S. 3] Die noch vor Wedekinds Brief an seinen Schwiegervater veröffentlichte Todesanzeige „Paula“ war gezeichnet von den „Familien Newes, Wedekind, Engländer“ [Grazer Tagblatt, Jg. 17, Nr. 9, 9.1.1907, Morgen-Ausgabe, S. 12]. an Papa Newes.

Frank Wedekind schrieb am 10. Januar 1907 in Berlin folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Eduard Newes

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 10.1.1907 in Berlin:]


Telegraphiere an Papa Newes und wegen Kranz für PaulaWedekinds Schwägerin Paula Newes hat sich am 7.1.1907 das Leben genommen. Die Beisetzung im Familiengrab in Graz fand bereits am 9.1.1907 statt, wie aus der auf den 8.1.1907 datierten Todesanzeige hervorgeht [vgl. Grazer Tagblatt, Jg. 17, Nr. 9, 9.1.1907, Morgen-Ausgabe, S. 12]. Der Kranz war für ihr Grab bestimmt..

Eduard Newes schrieb am 18. Juli 1907 in Graz folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Frank Wedekinds Brief an Tilly Wedekind vom 21.7.1907 aus München:]


Von Deinem lieben Papa erhielt ich einen sehr freundlichen Brief über Berlin hierher nachgeschickt.

Eduard Newes schrieb am 9. Juni 1908 in Graz folgenden Brief
an Frank Wedekind

Graz den 9. Juni 1908


Mein lieber Frank!

Der Tod Deines BrudersDonald Wedekind hat sich am 5.6.1908 in Wien das Leben genommen. Die Schwiegereltern Frank Wedekinds dürften von dem Selbstmord seines Bruders durch ihre Tochter Tilly Wedekind informiert worden sein, die sich gerade bei ihren Eltern in Graz aufhielt. hat uns Alle recht schmerzlich berührt und sprechen wir Dir unsere aufrichtigste und innigste Theilnahme aus. Tilly hat uns erzältSchreibversehen, statt: erzählt., welch’ guter Bruder Du denSchreibversehen, statt: dem. Dahingeschiedenen gewesen bist, Du kannst mit Recht sagen: „Es war nicht notwendig, auf solche Art aus dem Leben zu scheiden“. Nun, wir wollen keine Steine auf ihn werfenAdaption des Jesus-Worts „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ (Johannes 8,7) angesichts der ‚Sünde‘ des Selbstmords., er wird wissen, warum er’s getan hat – Gott lasse ihn in Frieden ruhen und lasse ihm die Erde leicht sein.

Deine arme Mutter wird den Schicksalsschlag schwer empfinden und fällt Dir die Aufgabe zu, sie zu trösten. Ein Mutterherz empfindet doppelt schwer. Gott stärke die arme Frau, das Unabänderliche mit Fassung zu ertragen.

Es umarmt Dich in treuer Liebe
Dein
aufrichtiger Papa

Eduard Newes und Mathilde Newes schrieben am 9. Juli 1912 in Graz folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Frank Wedekinds Postkarte an Tilly Wedekind vom 10.7.1912 aus München:]


Einen sehr lieben Brief erhielt ich von Deinen Eltern [...]

Frank Wedekind schrieb am 20. Juli 1912 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Eduard Newes

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 20.7.1912 in München:]


BriefWedekind schrieb seinem Schwiegervater in Graz einen Geburtstagsbrief – dessen runder Geburtstag stand zwei Tage später an, von Wedekind am 22.7.1912 notiert: „Papa Newes 70 Geburtstag“ [Tb]. an Papa Newes.

Frank Wedekind schrieb am 4. März 1915 in München folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Eduard Newes

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 4.3.1915 in München:]


KondolenzbriefWedekind kondolierte seinem Schwiegervater in Graz vermutlich zum Tod eines oder einer Verwandten (nicht identifiziert). an Papa Newes [...]

Eduard Newes schrieb am 5. März 1917 in Graz folgendes Erschlossenes Korrespondenzstück
an Frank Wedekind

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 5.3.1917 in München:]


TelegrammDas Telegramm aus Graz kam von Wedekinds schwer erkranktem Schwiegervater Eduard Newes, auch wenn er es vermutlich nicht selbst aufgegeben hat. Wedekind notierte am 6.3.1917: „Treffe Tilly auf dem Bahnhof die zu ihrem totkranken Vater nach Graz reist.“ [Tb] von Graz: Hoffnungslos [...]