München, Prinzregentenstraße 50
4.10.12.
Sehr geehrter Herr von HofmannsthalDr. phil. Hugo von Hofmannsthal, Schriftsteller in Rodaun bei Wien [vgl. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1913, Teil II, Sp. 735] und einer der bekanntesten Repräsentanten der Wiener Moderne.!
Wollen Sie mir erlauben, Ihnen für die freundliche ungemein
wohlwollende Art und Weise, in der Sie in Ihren ÄußerungenHugo von Hofmannsthal war in einem Interview mit der „Frankfurter Zeitung“ über die Ernennung seines Freundes Clemens von Franckenstein (ein Komponist) zum Intendanten der Münchner Hoftheater (einschließlich Hofoper) auch auf Wedekinds „Frühlings Erwachen“ zu sprechen gekommen (wohl in der Befürchtung, der Musiker als Intendant werde die moderne Dichtung und das Sprechtheater vernachlässigen): „Franckenstein ist gar nicht so sehr exklusiver Musiker, wie man nach seinem beruflichen Werdegang wohl meinen könnte. Er hat auch für die Literatur von jeher ein starkes Interesse und feines Verständnis gezeigt. Schon vor langen Jahren, in der ersten Zeit unserer jungen Freundschaft, als noch nicht viele Leute in Deutschland den Namen Wedekind kannten, sandte mir Franckenstein aus Zürich, wo das Buch zuerst erschienen war, ein Exemplar von ‚Frühlings Erwachen‘. Und wie er mich mit feinsinnigen Worten auf jene Dichtung hinwies, so war er es auch, der mir vor acht bis neun Jahren die Anregung zur Nachdichtung des ‚Jedermann‘ gegeben.“ [Der neue Münchener Hoftheaterintendant. Bedenken. – Eine Unterredung mit Hugo v. Hofmannsthal. In: Frankfurter Zeitung, Jg. 57, Nr. 273, 2.10.1912, 2. Morgenblatt, S. 1] über Herrn Freiherrn
von Franckenstein meines Frlgs. Erwachen erwähnen, meinen verbindlichen Dank
auszusprechen. Zu dem großen, immer wachsenden Erfolg Ihres herrlichen
MysteriumsHugo von Hofmannsthals modernes Mysterienspiel „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ (1911), am 1.12.1911 unter der Regie von Max Reinhardt mit Ensemblemitgliedern des Deutschen Theaters im Zirkus Schumann in Berlin uraufgeführt [vgl. Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 561, 30.11.1911, Morgen-Ausgabe, S. 8], war, anfangs umstritten, ein großer Erfolg bei Publikum und Theaterkritik. von Jedermann, | den ich bei den schönen Eigenschaften der Dichtung
für reichlich verdient halte, bitte ich Sie meine herzlichen Glückwünsche
entgegenzunehmen.
Mit dem Ausdruck größter Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank Wedekind.