München, 22. April 1917Wedekind notierte am 22.4.1917: „Brief an Possart.“ [Tb].
Sehr verehrter Herr Geheimrat!
Hochverehrter Meister!
Heute erst erhalte ich die ersten Exemplare der
zweiten AuflageDer Georg Müller Verlag annoncierte Wochen später die 2. und 3. Auflage des „Bismarck“ als erschienene Neuauflagen [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 84, Nr. 128, 5.6.1917, S. 3804]. meines Dramas „Bismarck“, deren erstes ich mir die Ehre nehme,
dem größten deutschen Schauspieler zu überreichen.
Wollen Sie, Herr General-IntendantErnst Ritter von Possart, ehemals amtierender Generalintendant des Münchner Hoftheaters, trug diesen Titel als Ehrenmitglied der Münchner Hofbühne nun ehrenhalber [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 498]. Wedekind hatte ihn, aus Berlin gerade zurück in München, am 9.4.1917 zuletzt gesehen: „Spaziergang mit Possart.“ [Tb], | über dem
sicherlich anmaßenden Versuch, den gewaltigen Stoff der Bühne zu gewinnen, die
Großherzigkeit walten lassen, die das Künstlertum ganz Deutschlands an Ihnen
verehrt.
Indem ich Ihnen mit diesen Zeilen den Ausdruck
der Bewunderung eines ganzen Lebens entgegenbringe
Ihr ergebener
Frank Wedekind.