Freitag den 7ten
April 99
Lieber Freund, Wie kommt’s daß ich Sie seit
vollen zwei Wochenseit dem 23. oder 24.3.1899. Wedekind saß in Paris an der „Überarbeitung“ [KSA 4, S. 413] seines Dramas „Ein gefallener Teufel“ (später: „Marquis von Keith“), was ihn sehr in Anspruch nahm. Er hat Emma Herwegh dann aber besucht [vgl. Emma Herwegh an Wedekind, 24.4.1899]. garnicht mehr sehe? Sind Sie
krank, geht es Ihnen schlecht oder so beschäftigt daß Sie keinen freien
Augenblick für Ihre alte Freundin übrig haben? Enfin(frz.) Kurzum., geben Sie mir, bitte, ein
Lebenszeichen. Diesen Morgen erhielt ich ein paar Zeilen von Marcel aus FlorenzEmma Herweghs Sohn war offenbar von Monte-Carlo aus (siehe unten) nach Florenz gereist.
in denen er mich bittet Sie an Ihr freundliches Versprechen wegen der
Kaim-Conzertenach dem Konzertveranstalter Franz Kaim benannte Konzerte, die seit 1891 in München stattfanden, inzwischen unter der Leitung des Dirigenten Felix Weingartner. Das letzte Kaim-Konzert der Saison hatte der Presse zufolge am 24.3.1899 im Kaim-Saal in München stattgefunden, das „zwölfte Kaim-Konzert, mit dem der heurige Cyklus abschließt, wird zugleich das letzte Kaim-Chorkonzert dieser Saison sein.“ [Kaim-Konzert. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 52, Nr. 140, 24.3.1899, Morgenblatt, S. 2] Das erste Konzert in der folgenden Saison wurde für den 23.10.1899 angekündigt [vgl. Kaim-Konzerte 1899/1900. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 52, Nr. 333, 22.7.1899, Vorabendblatt, S. 2]. Marcel Herwegh ist als Violinist später bei einem dieser Konzerte verzeichnet: „München. 3. Januar. II. Kaim-Konzert. Suite von J. S. Bach, Violin-Konzert von Beethoven, D-dur-Sinfonie von Brahms. Solist: Marcel Herwegh.“ [Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft, Jg. 3 (1902), Heft 5, S. 202] erinnern zu wollen: mais qu’ilmais qu’il le fasse sans tarder, car c’est le moment où on y aurait du choix des solistes. Qu’il donne aussi mon Drame: 30 rue Boissière, et les programmes ci-joint (frz.) = er möge das doch bitte umgehend tun, denn zurzeit könnten wir die Solisten noch aussuchen, und er möge bitte auch mein Drama und die beigefügten Programme in der Rue Boissière 30 abgeben.
le fasse sans tarder, car c’est le moment où
on y aurait du choix des solistes,/./ q/Q/u’il
donne aussi mon Dramenicht ermittelt.: 30 rue BoissièreMarcel Herwegh ist unter dieser Pariser Adresse im Verzeichnis der Mitglieder der Internationalen Musikgesellschaft vom 1.3.1901 aufgelistet: „Herwegh, Marcell. 30 rue Boissiere.“ [Drittes Verzeichnis der Mitglieder der Internationalen Musikgesellschaft, S. 8; Beilage zu: Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft, Jg. 2 (1900/01)], et les programmes ci-joint. So,
u jetzt erwarte ich Ihren lieben Besuch u zwar möglichst bald obschon ich | Ihnen
außer meinem herzlichen Willkommen Nichts zu bieten habe.
Ihre
Emma Herwegh
P.S. Marcel hat wie Sie aus den Programmen
ersehen zweimal in Monte-Carlo
concertirtDie Pariser Presse brachte dazu eine Notiz aus Monte-Carlo: „De Monte Carlo: ‚M. Marcel Herwegh, le brillant violoniste, vient de remporter, au cours du dernier concert international, un vif succès pour sa virtuosité et sa remarquable interprétation de Beethoven et de Mendelssohn.‘“ [Le Figaro, Jg. 45, Nr. 67, 7.4.1899, 3. Série, S. 5] u einen großen Erfolg hat. Kapellmeister u
Orchester (das vortrefflich sein soll) haben ihm eine wirkliche ovation
gebracht. Näheres mündlich.