[1. Entwurf:]
L.
P.
Besten Dank für Deine liebe Carte aber den
Tag meine Heimkehr kann ich Euch leider immer noch nicht anmelden. Der
Abces war ja bis auf eine Kleinigkeit vollkommen geheilt, aber nur zu rasch wie
der Doctor jetzt behauptet und. An der alten Stelle, oberhalb der
Schnittwunde bildete sammelte sich dicht unter der Haut noch etwas ein wenig Eiter und Blut und das muß nun
natürlich auch erst auslaufen und zuheilen. Das ist zwar ärgerlich aber ich weiß
daß ich mich nun erst recht lange schonen muß, damit es damit
endlich zu Ende geht. Meine Dabei/neb/en/ ist meine größte Sorge daß
Ihr Euch zu Hause nicht ängstigt denn die Sache bedarf ja nur sehr gründlicher Sorgfalt, ist aber weiter nicht gefährlich. Mit
tausend Grüßen an Alle bin ich Dein treuer Sohn Fr
[2. Abgesandte Karte:]
Königreich Bayern
Postkarte.
An Herrn Dr. Wedekind
Schloss Lenzburg
in
Schweiz. (Aargau) |
L. P.
Besten Dank für Deine liebe Cartevgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Frank Wedekind, 27.8.1885.; aber meine Heimkehr kann ich Dir leider noch immer nicht anmelden. Der
Absceß war ja bis auf eine Kleinigkeit vollkommen geheilt, aber nur zu rasch,
wie der DoctorWedekind wurde außer von Geheimrat Prof. Dr. Johann Nepomuk Ritter von Nussbaum von den Assistenzärzten Dr. Ludwig Pfeiffer und Julius Fessler behandelt [vgl. Frank Wedekind an Friedrich Wilhelm Wedekind, 12. und 15.9.1885]. jetzt behauptet. An der alten Stelle, oberhalb der Schnittwunde,
aber ganz dicht unter der Haut, sammelte sich nämlich noch ein wenig Eiter und
Blut an, und daß/s/ muß natürlich auch erst auslaufen und zuheilen.
Diese neue Verzögerung ist zwar ärgerlich, aber ich weiß sehr wol, daß ich mich
nun erst recht noch schonen muß, auf daß die Sache damit ein Ende hat. Übrigens
kann dem Bein die längere Ruhe auch nicht schaden, denn die Streckmuskeln zur
Ferse waren durch die große AbceßhöhleSchreibversehen, statt: Absceßhöhle. unendlich schwach geworden; wenn ich jetzt
das Krankenhaus verlasse, werde ich umso besser gehen können. – Daneben ist
meine drückendste Sorge, daß Du und Mama Euch meinetwegen nicht zu sehr
ängstigt, denn meine Lage bedarf ja nur sehr peinlicher Sorgfalt und ist weiter
aber nicht gefährlich, zumal hier, wo man täglich drei ärztliche Besuche,
zuerst vom Assistenzarzt bekommt, dann vom Geheimrath und Nachmittags noch von
einem Unterassistenten, und wo man immer der/ie/ genauesten Verhaltungsanweisungen
erhält. – Ich bleibe mit 1000 Grüßen an Alle zusammenaußer Wedekinds Mutter wohl vor allem die jüngeren Geschwister Erika, Donald und Emilie, die auf Schloss Lenzburg lebten. dein treuer
Sohn Fr.