Kennung: 5523

München, 27. Juli 1886 (Dienstag), Brief

Autor*in

  • Wedekind, Frank

Adressat*in

  • Wedekind, Friedrich Wilhelm

Inhalt

München 27. Juli 86.


Lieber Papa,

Herzlichen Dank für Deinen lieben Glückwunschvgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Frank Wedekind, 23.7.1886.; ebenso für die angenehme ExtrabeilageWedekinds Vater hatte ihm zum Geburtstag Staats-Coupons im Wert von 10 Mark geschickt [vgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Frank Wedekind, 23.7.1886]., an der ich mich sehr erfreut habe. Auch Mama und Doda und Mati ihre WünscheVon den Gratulationsbriefen zu Wedekinds Geburtstag sind die beiden Briefe der Geschwister Donald und Emilie (Mati) überliefert [vgl. Donald Wedekind an Frank Wedekind, 23.7.1886 und Emilie (Mati) Wedekind an Frank Wedekind, 23.7.1886], der Brief der Mutter ist verschollen; erschlossenes Korrespondenzstück: Emilie Wedekind an Frank Wedekind, 23.7.1886. Die Briefe dürften dem Schreiben des Vaters [vgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Frank Wedekind, 23.7.1886] beigelegen haben. haben mir wohl gethan und ich lasse aufs beste dafür danken. Am ersten August schließt die Universität, aber wenn es Dir recht ist, so würde ich gerne noch etwa vierzehn Tage hier bleiben. Für diesen Fall wär ich dir sehr dankbar | wenn Du mir das halbe Monatsgeld mit 25 frs. für Reise Exmatrikel und andere kleine Ausgaben senden wolltest. Das M/m/achte zusammen 100 frs. = 80 Mk. München ist indessen um vieles stiller geworden wozu die Hitze der letzten Tage nicht wenig beiträgt. Der Kaiser war auf seiner DurchreiseKaiser Wilhelm I. passierte auf seiner Reise durch Bayern am 19.7.1886 München; die Presse berichtete: „Bei dem gestrigen Dejeuner im Centralbahnhof München ist ein Toast auf den Kaiser nicht ausgebracht worden; der Prinz-Regent erhob nur sein Glas und trank dem Kaiser zu, welchem Beispiele die andern anwesenden Fürstlichkeiten folgten.“ Wilhelm I. „zeigte sich sehr befriedigt über den Empfang in München“ und lud die bayerischen Minister zu einer kurzen Unterredung „in den Salon [...] ehe der Kaiser Abschied vom Perron nahm […] Der greise Monarch schwenkte längere Zeit ein weißes Tuch zum Coupéfenster hinaus.“ [Neueste Nachrichten und Münchner Anzeiger, Jg. 39, Nr. 201, 20.7.1886, S. 2] nach Berl/Gast/ein hier, aber ohne sich öffentlich sehen zu lassen. Jetzt wird mit einiger Spannung Bismark erwartetOtto von Bismarck traf am Abend des 31.7.1886 in München ein und blieb bis zum Morgen des 2.8.1886 [vgl. Neueste Nachrichten und Münchner Anzeiger, Jg. 39, Nr. 213, 1.8.1886, S. 1 und Nr. 214, 2.8.1886, S. 2].. Unser Prinzregent ist für das Land ein großer Segen. Er scheint ein sehr einfacher ruhiger Mann zu sein, der zwar keine Laternen anzündet aber auch keine einwirft.

Diesen Monat über bin ich öfters | zum Baden gegangen. Bei den pompösen EinrichtungenIn Schwabing standen Wedekind das Germaniabad (Biederstein 7), das Bad Georgenschwaige (Riesenfeld 2), Huber (Riesenfeld 3) und Ungerer (Am Kanal 1) sowie das Prinzenbad (Prinzenstr. 2) und das Ludwigsbad (Am Kanal 4) als Bademöglichkeiten zu Verfügung [vgl. Adreßbuch für München 1885, Teil IV, S. 14]. , die wir zu diesem Zweck in Schwabing, eine halbe Stunde von meiner Wohnung, haben, ish/t/ die Versuchung sehr groß. Gestern bekam ich einen sehr lieben Brief von Miezevgl. Erika Wedekind an Frank Wedekind, 23.7.1886. Die genannte Photographie liegt dem Brief nicht mehr bei. mit einer Photographie die mir sehr gefällt. Wie ich aus euern Briefen schließen kann seid ihr Alle gesund, und so hoffe ich d/e/uch auch in vierzehn Tagen anzutreffen. Also auf Wiedersehn, lieber Papa! Es grüßt dich herzlich Dein dankbaren/r/ Sohn
Franklin.

Einzelstellenkommentare

Materialität des Dokuments

Bestehend aus 2 Blatt, davon 4 Seiten beschrieben

Schrift:
Kurrent.
Schreibwerkzeuge:
Feder. Tinte.
Schriftträger:
Papier. 12,5 x 20 cm. Gelocht.
Schreibraum:
Im Hochformat beschrieben.
Sonstiges:
Auf Seite 4 hat Wedekind seine Ausgaben addiert und später mit einem blauen Buntstift durchgestrichen.

Datum, Schreibort und Zustellweg

  • Schreibort

    München
    27. Juli 1886 (Dienstag)
    Sicher

  • Absendeort

    München
    Datum unbekannt

  • Empfangsort

    Lenzburg
    Datum unbekannt

Erstdruck

Briefwechsel mit den Eltern 1868‒1915. Band 1: Briefe

Autor:
Frank Wedekind
Herausgeber:
Hartmut Vinçon
Verlag:
Göttingen: Wallstein
Jahrgang:
2021
Seitenangabe:
188-189
Briefnummer:
72
Status:
Sicher

Informationen zum Standort

Münchner Stadtbibliothek / Monacensia

Maria-Theresia-Straße 23
81675 München
Deutschland
+49 (0)89 419472 13

Informationen zum Bestand

Name des Bestandes:
Nachlass Frank Wedekind
Signatur des Dokuments:
FW B 190
Standort:
Münchner Stadtbibliothek / Monacensia (München)

Danksagung

Wir danken der Münchner Stadtbibliothek / Monacensia für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe des Korrespondenzstücks.

Zitierempfehlung

Frank Wedekind an Friedrich Wilhelm Wedekind, 27.7.1886. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (03.04.2025).

Status der Bearbeitung

In Bearbeitung
Zum Prüfen bereit
Freigegeben

Erstellt von

Tilman Fischer

Zuletzt aktualisiert

01.10.2024 12:01