San FranziscoDonald Wedekind war im Februar 1889 zu Verwandten seiner Mutter in die USA gereist. Über seinen Reiseweg von Paris über New York, St. Louis, Kansas City und Santa Fé bis San Francisco berichtete er am 17.11.1889 in einem Brief an seine Schwester Emilie (Mati) [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 138]. 2 M/A/ March.
April 1889
Lieber Bebi!
Am 28. vergangenen Monats empfieng ich deinen lieben
Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Frank Wedekind an Donald Wedekind, 9.3.1889., den ich mit dem größten Vergnügen gelesen habe. Die Empfehlung an Herrn HansenEs dürfte sich um das Empfehlungsschreiben (nicht überliefert) von Oscar Asmussen handeln [vgl. Oscar Asmussen an Wedekind, 28.2.1889], das vermutlich an Oscar Asmussens Großvater mütterlicherseits adressiert war, den Vater von Louise Asmussen (geb. Hansen) in New York. gab ich gleich am nächsten Tag ab. Sie hatte jedoch, wie
alle andern keinen Erfolg, als daß H. Hansen mir versprach SchülerDonald Wedekind versuchte in San Francisco, als privater Sprachlehrer Geld zu verdienen. zuzuSchreibversehen (fehlende Vervollständigung des Wortes beim Seitenwechsel), statt: ‚zuzuführen‘ (oder ein semantisch ähnliches Verb). | und
daß ein Schweizernicht identifiziert. den ich zufällig auf dem Wege nach der Brauereinicht ermittelt; in San Francisco gab es Ende des 19. Jahrhunderts über 20 Brauereien. in’s
Schlepptau genommen hatte, eine Stelle in derselben bekam. Die übrigen
Neuigkeiten, die
dein Brief enthielt, haben mich außerordentlich gefreut. Ich wünsche fast, daß
dein Schnellmaler nicht einschlägtFrank Wedekinds Posse „Der Schnellmaler oder Kunst und Mammon“ ist im Frühjahr 1889 im Verlags-Magazin (J. Schabelitz) in Zürich erschienen [vgl. KSA 2, S. 546, 551]., damit ich dich hier haben kann. Angenehmer
wäre es natürlich, wenn er Erfolg haben würde, und du dennoch, z. B. mit
Hami, der hoffentlich einen vernünftigen | EntschlußInnerhalb der Familie Wedekind gab es Vorbehalte gegenüber Armin Wedekinds Heiratsplänen mit Emma Frey, Tochter des Bezirksarztes Gottlieb Frey, bei dem er assistierte. Die Eheschließung hatte am 21.3.1889 stattgefunden, Donald Wedekinds Formulierung legt nahe, dass er dies noch nicht wusste. fassen wird, hierher
kämst. Frau ObenauerErnestine Obenauer, eine „Freundin seiner Mutter“ in San Francisco [Parker 2020, S. 19], die Donald Wedekind später um Geld bat, wie Frank Wedekind aus einem Brief der Mutter [vgl. Emilie Wedekind an Frank Wedekind, 16.6.1889] erfuhr [vgl. Tb, 17.6.1889]. freut sich schon königlich darauf. Emmy würde mich zwar
dauern, doch ist sie sicherlich eher zur alten Jungfer veranlagt als zur Hausfrau und Mutter. Auch glaube ich
nicht, daß der alte Frei seine vertraute Stellung zu uns aus Rache in irgendwelcher
Weise mißbrauchen würde.
Stellung habe ich bis jetzt noch nicht, wenigstens keine
feste. Meine Freunde, die ziemlich zahlreich sind, be|mühen sich gemäß ihren Außsagen
sehr, doch soll es schwer sein, etwas zu finden. Mit der Zeitung ist es nicht.
Der California Democrat älteste deutsche Tageszeitung in Kalifornien (gegr. 1853) mit Sitz in San Francisco (Montgomery Ecke Sacramento Street).hat keine Arbeiter nötig. Außerdem ist es ein sehr
einseitiges Blatt, ein Copie der engl. Blätter, denen der litterarische Teil vollständig fehlt.
Hingegen glaube ich, daß es wol sich wol lohnen würde ein litterarisches
Journal zu gründen, mit etwas poetischenSchreibversehen, statt: poetischem. Anstrich. Nicht für die | Männer, denn
die wollen nichts anderes lesen als Politik und Geschäfte, sondern für die
Frauenwelt, die hier überhaupt dier einzige Vertreter für Wissenschaft und Kunst ist. Das sagte
mir auch Herr Hansen, indem er mir empfahl, in den Mädchenschulen meine KartenDonald Wedekind verteilte Visitenkarten mit der Aufschrift: „DONALD WEDEKIND / Teacher of German, French, Italian – Latin and Greek / Mathematics, Physics, Geography and History / 16 MONTGOMERY AVE., ROOM NO. 6 SAN FRANCISCO / HOURS, 1 TO 2 P. M.“ [Mü, FW B 304]
verteilen zu lassen,
da diese allein Lust zum Erlernen fremder Sprachen hätten. Ich habe auch
dem|gemäß 5600 Exemplare verteilt und verteilen lassen, doch bis jetzt
ohne Erfolg. Ich bin durch alle Priesterschaften gelaufen, von den Jesuiten an
bis zu den einfachen Franziscadenern, doch ohne Erfolg. Ich frage den
Tag hindurch 5 – 10 Mal Leute auf der Straße, die mir darnach aussehen, doch
als ob sie etwas bräuchten. Ich denke es wird noch kommen. Hamis Papiereunklar; vermutlich hatte Armin Wedekind, der in Oakland geboren war, Unterlagen zu seiner Herkunft oder aber Unterlagen über die amerikanische Auswanderungszeit (1849-1864) seines Vaters Friedrich Wilhelm Wedekind angefordert, dessen Erbe er für seine Geschwister und seine Mutter verwaltete. werden
von der deutschen Unterstützungsge|sellschaftDie 1854 von Wedekinds Vater mitgegründete Allgemeine Deutsche Unterstützungsgesellschaft in San Francisco kümmerte sich um notleidende deutsche Einwanderer und betrieb ein Krankenhaus [vgl. Allgemeine Deutsche Unterstützungs-Gesellschaft von San Francisco, Cal. Geschichtliche Mittheilungen seit ihrer Gründung am 7ten Januar 1854, bis zum Vierzigjährigen Stiftungsfeste am 7ten Januar 1894. Gesammelt und zusammengestellt von Eugen Römer. San Francisco 1894]. ausgestellt und demnächst
abgeschickt, hoffentlich braucht er sie nicht mehr. Von Karl Henckell halte ich
gar nicht mehr viel, immerhin la grüße ihn aufs herzlichste von mir. Das Leben ist hier sehr
angenehm, wozu hauptsächlich das prachtvolle Klima beiträgt. Jeden Sonntag gehe
ich nach AlamedaStadt auf der gleichnamigen Insel vor Oakland am Ostufer der San Francisco Bay; dort wohnten die Obenauers (Central Avenue 2516), wie Donald Wedekind seiner Schwester Mati am 17.11.1889 aus Kansas City schrieb: „Alameda, so heisst der Platz, wo die Obenauer wohnen, ist wie ein Paradies. Am Sonntag spielten Davie Obenauer Maria Steffen und ich an der Northbeach.“ [Aa, A II b]. Frau Obenauer hält sehr viel von mir. Sie giebt mir immer einSchreibversehen, statt: eine.
Unmasse Kuchen mit, daß ich für die Woche etwas | zu essen haben. Ich
habe schon verschiedene Male die Heilsarmee aufgesucht. Jeden Abend gehe ich
zur Schule zur schnelleren Erlernung der engl. Sprache. Wie geht es Gustav? Minnadie Cousine Minna von Greyerz; der Anlass der Gratulation ist nicht bekannt. gratulire ich. Meine
beiden BriefeAdressaten unklar. Donald Wedekinds Briefe an Lenzburger Verwandte oder die Familie sind nicht überliefert. werden gut angekommen sein. Grüße an alle. Hoffentlich bald
Antwort von Mama. Den Bekannten sage nur, ich mache riesige Geschäfte. Ich
glaube wirklich, daß
bald jemand von Euch kommen wird.
Dein treuer Bruder
Donald |
Mieze mag sich nur bald verheiratenArmin Wedekind berichtete im Herbst von Verlobungsabsichten seiner Schwester mit „Apotheker König“ [Armin Wedekind an Frank Wedekind, 27.11.1889].. Mama halte ich für
eine der besten Frauens der Welt. Willi soll mir sehr viel Geld machen und sich
dann seine CousieneSchreibversehen, statt: Cousine. Anna anhängenWilliam Wedekind heiratete seine Cousine Anna Wilhelmine Kammerer am 25.7.1889 in Zürich., so beneide ich ihn schon nicht. Für SadiSpitzname Karl Henckells auf Schloss Lenzburg [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 139].
halte ich es das Beste, er stürzt sich irgend wohinunter, aber nicht zu hoch.
Grüße Carlinenicht identifiziert (in anderen Briefen Donald Wedekinds auch in der Schreibung: Caroline). und Mati. Sie möge mir auch mal schreiben. Kommt Augustnicht identifiziert. noch immer?
DW.