Kennung: 448

München, 5. Mai 1910 (Donnerstag), Brief

Autor*in

  • Wedekind, Frank

Adressat*in

  • Sternheim, Carl

Inhalt

Sehr geehrter Herr Sternheim!

Für Samstagder 7.5.1910, an dem Wedekind notierte: „Mit Tilly und Annapamela im Zircus Sarasani.“ [Tb] Die Presse hatte berichtet: „Zirkus Sarrasani, Eröffnungsvorstellung. Das wenige Stunden vor Beginn der Vorstellung fertig gewordene Zirkusgebäude war ausverkauft. Ein fast zu langes, äußerst reichhaltiges Programm fesselte und unterhielt auch das vornehme Publikum [...]. Japanische, chinesische und marokkanische Gaukler, Löwen, Kamele und die hervorragend dressierte Elefantenschar waren zu sehen.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 203, 2.5.1910, S. 4] Neben Abendvorstellungen gab es auch Nachmittagsvorstellungen: „Für Samstag und Sonntag ist ein wechselvolles Programm aufgestellt. Wie stets werden an den beiden Nachmittagsvorstellungen sämtliche Nummern vorgeführt. Kinder zahlen auf allen Plätzen, Soldaten bis zum Feldwebel auf allen Sitzplätzen nur halbe Preise.“ [Zirkus Sarrasani. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 211, 7.5.1910, General-Anzeiger, S. 1] Nachmittag haben meine Frau und ich leider schonHinweis auf eine nicht überlieferte Einladung; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Sternheim an Wedekind, 4.5.1910. Carl Sternheim dürfte Wedekind zu einem Besuch bei ihm in Höllriegelskreuth am 7.5.1910 (Samstag) eingeladen haben. Karten für den Zirkus. Außerdem habe ich auch gerade augenblicklich unermeßlich viel Arbeit mit meinen VerlegerischenSchreibversehen, statt: verlegerischen. Wedekind war durch seine auch öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen mit seinem Verleger Bruno Cassirer [vgl. KSA 5/III, S. 126-130, 750-752], von dem er sich bald trennen sollte, stark in Anspruch genommen (siehe seine Korrespondenzen mit dem Verleger sowie mit Maximilian Harden in dieser Zeit). Kämpfen. Trotzdem würde es mich sehr interessieren | wenn wir wieder einmal über unsere gemeinsame Sacheeine Vereinsgründung zur Wahrnehmung schriftstellerischer und wohl auch politischer Interessen, zu der eine Reihe von Zusammenkünften stattgefunden hatten, an denen außer Carl Sternheim, von dem offenbar die Initiative ausgegangen war, und Wedekind auch Paul Cassirer und Karl Gustav Vollmoeller teilgenommen hatten (dann auch Friedrich Freksa). Carl Sternheim schlug Wedekind während eines Besuchs in München am 12.3.1910 „die Gründung einer Liga“ [Tb] vor. Das erste Treffen der Gruppe fand am 15.3.1910 in Höllriegelskreuth statt, wie Wedekind festhielt: „Nach Tisch fahre ich zu Sternheim hinaus Privatunterredung mit Cassirer. Conferenz mit Vollmöller Sternheim Cassirer. Abendessen bei Sternheim Rückfahrt im Automobil“ [Tb]. Thea Sternheim notierte dazu am 16.3.1910: „Am 15ten Zusammenkunft zwischen Paul Cassirer, Wedekind, Vollmöller und Karl wegen eines zu gründenden demokratischen Vereins. Bis spät abends angeregte Unterhaltung, besonders über Reinhardtsche Theaterangelegenheiten. Wedekind ernst und überlegen, Karl diesmal zurückhaltender, Vollmöller schlau und lebhaft.“ [Tb Sternheim/CD] Das zweite Treffen folgte am 16.3.1910 in München, wie sie an diesem Tag festhielt: „Mittags zu Wedekinds, wo sich die Herrn wieder versammeln mit dem Hinzukommen des Schriftstellers Freksa.“ [Tb Sternheim/CD] Wedekind notierte am 16.3.1910: „Um 4 Uhr Conferenz bei mir Sternheim Cassirer Freksa Vollmöller Abendessen mit den Theilhabern im Hotel Marienbad.“ [Tb] Ein weiteres „Gespräch mit Sternheim“ [Tb] hielt Wedekind für den 18.3.1910 fest. Die Bestrebungen nahmen keine konkreteren Formen an. sprechen könnten. Vielleicht kommen Sie in nächster Zeit einmal in die StadtWedekind hatte in München zuletzt am 18.3.1910 ein „Gespräch mit Sternheim“ [Tb], dannach ist ein Treffen in München erst wieder am 3.10.1911 belegt: „Café Odeon Sternheim.“ [Tb].

Mit besten Empfehlungen auch an Ihre Frau Gemahlin
Ihr
FrWedekind.


5.5.10.

Einzelstellenkommentare

Materialität des Dokuments

Bestehend aus 2 Blatt, davon 2 Seiten beschrieben

Schrift:
Kurrent.
Schreibwerkzeuge:
Feder. Tinte.
Schriftträger:
Papier. Doppelblatt. Seitenmaß 14 x 18 cm. Gelocht.
Schreibraum:
Im Hochformat beschrieben.
Sonstiges:
Oben auf Seite 1 ist von fremder Hand mit Bleistift das Datum „5.V.1910“ notiert.

Datum, Schreibort und Zustellweg

  • Schreibort

    München
    5. Mai 1910 (Donnerstag)
    Sicher

  • Absendeort

    München
    Datum unbekannt

  • Empfangsort

    Höllriegelskreuth
    Datum unbekannt

Erstdruck

Gesammelte Briefe. Zweiter Band

Autor:
Frank Wedekind
Herausgeber:
Fritz Strich
Ort der Herausgabe:
München
Verlag:
Georg Müller
Jahrgang:
1924
Seitenangabe:
241
Briefnummer:
353
Status:
Sicher

Informationen zum Standort

Burgerbibliothek Bern

Münstergasse 63
3000 Bern
Schweiz

Informationen zum Bestand

Name des Bestandes:
Nachlass Fritz Strich
Signatur des Dokuments:
N Fritz Strich 6 (18)
Standort:
Burgerbibliothek Bern (Bern)

Danksagung

Wir danken der Burgerbibliothek Bern für die freundliche Genehmigung der Wiedergabe des Korrespondenzstücks.

Zitierempfehlung

Frank Wedekind an Carl Sternheim, 5.5.1910. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (03.04.2025).

Status der Bearbeitung

In Bearbeitung
Zum Prüfen bereit
Freigegeben

Erstellt von

Mirko Nottscheid

Überarbeitet von

Ariane Martin

Zuletzt aktualisiert

26.01.2025 13:10