Sehr geehrter Herr Sternheim!
Für Samstagder 7.5.1910, an dem Wedekind notierte: „Mit Tilly und Annapamela im Zircus Sarasani.“ [Tb] Die Presse hatte berichtet: „Zirkus Sarrasani, Eröffnungsvorstellung. Das wenige Stunden vor Beginn der Vorstellung fertig gewordene Zirkusgebäude war ausverkauft. Ein fast zu langes, äußerst reichhaltiges Programm fesselte und unterhielt auch das vornehme Publikum [...]. Japanische, chinesische und marokkanische Gaukler, Löwen, Kamele und die hervorragend dressierte Elefantenschar waren zu sehen.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 203, 2.5.1910, S. 4] Neben Abendvorstellungen gab es auch Nachmittagsvorstellungen: „Für Samstag und Sonntag ist ein wechselvolles Programm aufgestellt. Wie stets werden an den beiden Nachmittagsvorstellungen sämtliche Nummern vorgeführt. Kinder zahlen auf allen Plätzen, Soldaten bis zum Feldwebel auf allen Sitzplätzen nur halbe Preise.“ [Zirkus Sarrasani. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 211, 7.5.1910, General-Anzeiger, S. 1] Nachmittag haben
meine Frau und ich leider schonHinweis auf eine nicht überlieferte Einladung; erschlossenes Korrespondenzstück: Carl Sternheim an Wedekind, 4.5.1910. Carl Sternheim dürfte Wedekind zu einem Besuch bei ihm in Höllriegelskreuth am 7.5.1910 (Samstag) eingeladen haben. Karten für den Zirkus. Außerdem habe ich auch
gerade augenblicklich unermeßlich viel Arbeit mit meinen VerlegerischenSchreibversehen, statt: verlegerischen. Wedekind war durch seine auch öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen mit seinem Verleger Bruno Cassirer [vgl. KSA 5/III, S. 126-130, 750-752], von dem er sich bald trennen sollte, stark in Anspruch genommen (siehe seine Korrespondenzen mit dem Verleger sowie mit Maximilian Harden in dieser Zeit).
Kämpfen. Trotzdem würde es mich sehr interessieren | wenn wir wieder einmal
über unsere gemeinsame Sacheeine Vereinsgründung zur Wahrnehmung schriftstellerischer und wohl auch politischer Interessen, zu der eine Reihe von Zusammenkünften stattgefunden hatten, an denen außer Carl Sternheim, von dem offenbar die Initiative ausgegangen war, und Wedekind auch Paul Cassirer und Karl Gustav Vollmoeller teilgenommen hatten (dann auch Friedrich Freksa). Carl Sternheim schlug Wedekind während eines Besuchs in München am 12.3.1910 „die Gründung einer Liga“ [Tb] vor. Das erste Treffen der Gruppe fand am 15.3.1910 in Höllriegelskreuth statt, wie Wedekind festhielt: „Nach Tisch fahre ich zu Sternheim hinaus Privatunterredung mit Cassirer. Conferenz mit Vollmöller Sternheim Cassirer. Abendessen bei Sternheim Rückfahrt im Automobil“ [Tb]. Thea Sternheim notierte dazu am 16.3.1910: „Am 15ten Zusammenkunft zwischen Paul Cassirer, Wedekind, Vollmöller und Karl wegen eines zu gründenden demokratischen Vereins. Bis spät abends angeregte Unterhaltung, besonders über Reinhardtsche Theaterangelegenheiten. Wedekind ernst und überlegen, Karl diesmal zurückhaltender, Vollmöller schlau und lebhaft.“ [Tb Sternheim/CD] Das zweite Treffen folgte am 16.3.1910 in München, wie sie an diesem Tag festhielt: „Mittags zu Wedekinds, wo sich die Herrn wieder versammeln mit dem Hinzukommen des Schriftstellers Freksa.“ [Tb Sternheim/CD] Wedekind notierte am 16.3.1910: „Um 4 Uhr Conferenz bei mir Sternheim Cassirer Freksa Vollmöller Abendessen mit den Theilhabern im Hotel Marienbad.“ [Tb] Ein weiteres „Gespräch mit Sternheim“ [Tb] hielt Wedekind für den 18.3.1910 fest. Die Bestrebungen nahmen keine konkreteren Formen an. sprechen könnten. Vielleicht kommen Sie in
nächster Zeit einmal in die StadtWedekind hatte in München zuletzt am 18.3.1910 ein „Gespräch mit Sternheim“ [Tb], dannach ist ein Treffen in München erst wieder am 3.10.1911 belegt: „Café Odeon Sternheim.“ [Tb].
Mit besten Empfehlungen auch
an Ihre Frau Gemahlin
Ihr
FrWedekind.
5.5.10.