Kennung: 346

München, 18. September 1901 (Mittwoch), Brief

Autor*in

  • Wedekind, Frank

Adressat*in

  • Salten, Felix

Inhalt

FRANK WEDEKIND.


Lieber Herr SaltenFelix Salten, Schriftsteller und Redakteur der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ in Wien (VIII, Kochgasse 32) [vgl. Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger für Wien 1902, Teil VII, S. 1037], der die Eröffnung des Jung-Wiener Theaters zum lieben Augustin (siehe unten) organisierte.,

die Sache ist also abgemachtWedekinds Mitarbeit an dem neuen Wiener Kabarett unter der Leitung Felix Saltens, das die Presse rund vier Monate zuvor erstmals angekündigt hat: „Seit dem Aufblühen der Pariser Cabarets [...] beschäftigte man sich im Kreise der modernen Wiener Künstler und Schriftsteller mit dem Plane, ein literarisches Variété zu errichten. [...] Zu Beginn der kommenden Saison wird im Theater an der Wien das ‚Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin‘ eröffnet als ein literarisches Variété, das durch die besondere Pflege der specifisch wienerischen Note in Musik, Dichtung und Malerei einen völlig unabhängigen, durchaus bodenständigen Charakter haben wird. Die artistische Leitung hat der Schriftsteller Felix Salten übernommen. [...] Wie wir erfahren, werden die Vorstellungen des ‚Theaters zum lieben Augustin‘ in der ersten Novemberwoche ihren Anfang nehmen.“ [Ein Wiener Ueberbrettl. „Theater zum lieben Augustin.“ In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, Jg. 30, Nr. 133, 16.5.1901, S. 5] Wedekinds mehrfach angekündigte Vortragspremiere am Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin im Theater an der Wien (siehe unten) fand am 16.11.1901 statt: „Das Programm für den morgen stattfindenden ersten Abend des ‚Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin‘ wurde nunmehr genau bestimmt“, dabei „wird sich der Dichter Frank Wedekind dem Publicum vorstellen.“ [Illustrirtes Wiener Extrablatt, Jg. 30, Nr. 314, 15.11.1901, S. 5]. Herzlichen Dank. Ich habe Ihnen noch nicht geantwortetHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Felix Salten an Wedekind, 1.9.1901. Das Schreiben betraf Wedekinds Mitarbeit am Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin (siehe oben)., da ich immer noch nicht genau weiß, wann ich von Berlin loskommeWedekind plante zur Aufführung des „Marquis von Keith“ (1901) nach Berlin zu fahren, war aber durch Presseankündigungen irritiert [vgl. Wedekind an „Berliner Tageblatt“, 18.9.1901], „Schwierigkeiten“ [Wedekind an Hermann Bahr, 17.9.1901], über die er sich mit dem Regisseur austauschte [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 21.9.1901]. Wann und wo – Berlin oder Wien (siehe unten) – die Uraufführung des Stücks, die in Berlin lange in Aussicht stand und schließlich am 11.10.1901 „im Rahmen eines Literarischen Abends des Berliner Residenztheaters“ [KSA 4, S. 533] unter der Regie von Martin Zickel realisiert wurde, endlich stattfinden sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar., vielleicht früher als ich dachte. Eventuel gehe ich auch gar nicht hin. Die nächsten Tage müssen dies entscheiden. Auf Wunsch | des Herrn Director JarnoJosef Jarno, Schauspieler und Direktor des Theaters in der Josefstadt in Wien [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 570], plante die Uraufführung des „Marquis von Keith“ in Wien mit Wedekind als Gast, was ebenso wie Wedekinds Gastspiel beim Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin bereits angekündigt war: „Eine interessante Nachricht kommt aus dem Theater in der Josephstadt. Frank Wedekind [...] wird sich im Laufe des nächsten Monats im Theater der Josephstadt als Dichter und Schauspieler vorstellen. Er wird in seinem modernen Drama ‚Der Marquis von Keith‘ die Rolle des Scholz geben. Die Titelrolle wird Director Jarno spielen. [...] Nach seinem Gastspiele in der Josephstadt wird Frank Wedekind im ‚Theater zum lieben Augustin‘ (‚Ueberbrettl‘) im Theater an der Wien sich hören lassen. Er wird selbstverfaßte Lieder singen und die Mandoline spielen.“ [Frank Wedekind im Josephstädter Theater. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, Jg. 30, Nr. 242, 4.9.1901, S. 3] Die Wiener Inszenierung des „Marquis von Keith“ aber verzögerte sich und das Stück hatte im Theater in der Josefstadt erst am 30.4.1903 Premiere. habe ich es so eingerichtet daß die Wiener Premiere vor der Berliner stattfinden kann.

Mit bestem Gruße
Ihr
Frank Wedekind


München 18.IX.1901.
Franz Josefstraße 42.II.


Sie erhalten Nachricht sobald ich mit Berlin im klaren bin.

Einzelstellenkommentare

Materialität des Dokuments

Bestehend aus 2 Blatt, davon 2 Seiten beschrieben

Schrift:
Kurrent.
Schreibwerkzeuge:
Feder. Tinte.
Schriftträger:
Papier. Doppelblatt. Seitenmaß 12 x 18,5 cm. Mit gedrucktem Briefkopf.
Schreibraum:
Im Hochformat beschrieben.

Datum, Schreibort und Zustellweg

  • Schreibort

    München
    18. September 1901 (Mittwoch)
    Sicher

  • Absendeort

    München
    Datum unbekannt

  • Empfangsort

    Wien
    Datum unbekannt

Informationen zum Standort

Wienbibliothek im Rathaus

Felderstraße 1
1082 Wien
Österreich

Informationen zum Bestand

Name des Bestandes:
Nachlass Felix Salten
Signatur des Dokuments:
ZPH 1681
Standort:
Wienbibliothek im Rathaus (Wien)

Danksagung

Wir danken der Wienbibliothek im Rathaus für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe des Korrespondenzstückes.

Zitierempfehlung

Frank Wedekind an Felix Salten, 18.9.1901. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (03.04.2025).

Status der Bearbeitung

In Bearbeitung
Zum Prüfen bereit
Freigegeben

Erstellt von

Mirko Nottscheid

Überarbeitet von

Ariane Martin

Zuletzt aktualisiert

02.02.2025 10:53