Kennung: 2076

Lausanne, 26. Juni 1884 (Donnerstag), Briefgedicht

Autor*in

  • Wedekind, Frank

Adressat*in

  • Wedekind, Emilie (Mati)

Inhalt

An Mati


Stiefmütterchen im Garten steht
Es hat gar lange Zeit.
Das Mati dort spazieren geht
im schönen Sonntagskleid

Stiefmütterchen klagt: Wie gerne
Möcht ich die Welt durchziehn
Das Mati hörts von ferne
Und geht zum Blümlein hin

Und spricht zum Blümelein: So thu’s
Zieh durch die Welt, wolan!
Und bring mir einen schönen Gruß
Dem Baby in LausanneFrank Wedekind ‒ sein in der Familie in unterschiedlichen Schreibweisen gebräuchlicher Kosename war Baby ‒ war am 1.5.1884 von Lenzburg nach Lausanne gereist [vgl. Vinçon 2021, Bd. 2, S. 36], wo er „ein Studiensemester der Literatur neuerer Sprachen an der Académie de Lausanne“ [ebd., S. 27] begonnen hat.! ‒

Stiefmütterchen läßt sich pflücken,
Neigt sich dem Mati dar
Und läßt ans Herz sich drücken
Bis daß es trocken war.

Das Mati tuts in ein Paket
Legt auch ein Bild dabei
Stiefmütterchen auf Reisen geht
Im schönen Monat Mai

Und brachte der Grüße viele
Viel Küsse bracht es dann
Dem Baby von der Miele
Von Lenzburg nach Lausanne

Einzelstellenkommentare

Materialität des Dokuments

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Sonstiges:
Nachdem die jüngste Schwester Emilie (Mati) Wedekind ihrem Bruder „aus Lenzburg gepreßte Blumen hatte zukommen lassen“ [KSA 1/I, S. 1095], richtete Frank Wedekind an sie sein Briefgedicht „An Mati“, das er leicht überarbeitet unter dem Titel „Botschaft“ [KSA 1/I, S. 185f.] auf Sommer 1884 datiert in die Sammlung „Lebensfreuden“ aufnahm [vgl. KSA 1/I, S. 803, 1095]. Grundlage der Edition ist hier die „leicht variante Fassung“ der Abschrift von Sophie Haemmerli-Marti, die sich auf dem hinteren inneren Umschlag ihres Heftes „Franklin Wedekind. Jugendgedichte“ erhalten hat, da diese Abschrift „sehr wahrscheinlich die im Juni 1884 entstandene Fassung überliefert“; die Abschrift als solche wurde „vermutlich erst nach der Jahrhundertwende angelegt“ [KSA 1/I, S. 1095]. Das verschollene abgesandte Briefgedicht war „auf Rosapapier“ [Friedrich Wilhelm Wedekind an Frank Wedekind, 1.7.1884] geschrieben.

Datum, Schreibort und Zustellweg

Der 26.6.1884 ist als Ankerdatum gesetzt. „Das Gedicht entstand im Juni 1884 unter dem Titel ‚An Mati‘ in Lausanne“ [KSA 1/I, S. 1095], wo Wedekind von Mai bis August 1884 studierte. Insofern muss der auf Sophie Haemmerli-Martis Abschrift notierte Datierungsvermerk „1882“ schon „wegen der Ortsangabe Lausanne [....] auf einem Irrtum basieren“ [ebd.]. Wedekind dürfte das Briefgedicht an seine Schwester Mati sehr bald verfasst haben, nachdem er der Mutter geschrieben hat: „Mati lasse ich herzlich danken für [...] die gepreßten Blümelein“ und zugleich ankündigte: „Ich will ihr auch ein Verslein dafür schreiben“ [Frank Wedekind an Emilie Wedekind, 26.6.1884]. Der Adressatin lag das Briefgedicht spätestens am 1.7.1884 vor, wie aus einem Brief des Vaters hervorgeht: „Mati“ bedanke „sich vielmals bei Dir, Bebi, [...] für das schöne Gedicht auf Rosapapier“ [Friedrich Wilhelm Wedekind an Frank Wedekind, 1.7.1884].

  • Schreibort

    Lausanne
    26. Juni 1884 (Donnerstag)
    Ermittelt (unsicher)

  • Absendeort

    Lausanne
    Datum unbekannt

  • Empfangsort

    Lenzburg
    Datum unbekannt

Informationen zum Standort

Stadtarchiv Lenzburg

CH 5600 Lenzburg
Schweiz
Rathaus

Informationen zum Bestand

Name des Bestandes:
Nachlass Sophie Haemmerli-Marti
Signatur des Dokuments:
III C 2
Standort:
Stadtarchiv Lenzburg (Lenzburg)

Danksagung

Wir danken dem Stadtarchiv Lenzburg für die freundliche Genehmigung der Wiedergabe des Korrespondenzstücks.

Zitierempfehlung

Frank Wedekind an Emilie (Mati) Wedekind, 26.6.1884. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (03.04.2025).

Status der Bearbeitung

In Bearbeitung
Zum Prüfen bereit
Freigegeben

Erstellt von

Ariane Martin

Zuletzt aktualisiert

04.03.2025 15:35