Kennung: 203

München, 29. August 1898 (Montag), Brief

Autor*in

  • Wedekind, Frank

Adressat*in

  • Bjørnson, Bjørn

Inhalt

Münchener Schauspielhaus.


Sehr geehrter Herr BjoernsonBjørn Bjørnson, Schriftsteller und Theaterdirektor aus Christiania (heute Oslo), Sohn von Bjørnstjerne Bjørnson und Schwager Albert Langens, der ihn in München Wedekind persönlich vorgestellt hat [vgl. Wedekind an Beate Heine, 14.8.1898].,

mit gleicher PostHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Buchsendung; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Björn Björnson, 29.8.1898. sende ich Ihnen meine „Junge Welt“ und in einigen Tagen, sobald ich die Exemplarewohl die „1894 bei Caesar Schmidt in Zürich erschienene 2. Auflage“ der Kindertragödie „Frühlings Erwachen“; die „3. Auflage erscheint [...] 1903 bei Albert Langen in München“ [KSA 2, S. 772] und kann insofern nicht gemeint gewesen sein. erhalten, werde ich Ihnen auch mein Frühlings Erwachen[“] schicken. Ich füge diesen Zeilen meine besten | Wünsche bei und freue mich, dass der Eindruck, den mir die Vorstellung der „JohannaDie Aufführung von Bjørn Bjørnsons Schauspiel „Johanna“ (1898), aus dem Norwegischen übersetzt im Albert Langen Verlag in München erschienen [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Nr. 133, 13.6.1898, S. 4395], war zunächst für den 16.8.1898 in München angekündigt: „Selten hat ein modernes Schauspiel noch vor seiner Aufführung eine solche Würdigung gefunden wie Björn Björnsons ‚Johanna‘. Die Buchausgabe erschien vor sechs Wochen und heute schon ist eine zweite Auflage erforderlich geworden. Das Deutsche Theater in Berlin, das Wiener Hofburgtheater, die Hoftheater in München und Wiesbaden, das Frankfurter, Kölner und Bremer Stadttheater haben ‚Johanna‘ zur Aufführung angenommen. Agnes Sorma wird die Titelrolle in Amerika spielen. Die erste Aufführung, der der Verfasser persönlich beiwohnt, findet am 16. August im Münchner Hof- und Nationaltheater statt.“ [Björn Björnsons „Johanna“. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 51, Nr. 358, 6.8.1898, Vorabendblatt, S. 3] Sie wurde auf den 24.8.1898 verschoben und als deutschsprachige Erstaufführung angekündigt: „Von dem nordischen Dichter Björn Björnson, dem Leiter des neu erbauten Theaters in Christiania, ist [...] ein dreiaktiges Schauspiel ‚Johanna‘ erschienen [...]. Dem Intendanten v. Possart ist es gelungen, das Recht der ersten Ausführung für Deutschland [...] zu erwerben und somit wird das Schauspiel Mittwoch den 24. August auf dem Residenztheater allen Bühnen voran zum ersten Male in Szene gehen.“ [Kgl. Residenztheater. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 51, Nr. 383, 21.8.1898, S. 2] Das Stück hatte am 24.8.1898 im Residenztheater, eine der Bühnen des Münchner Hoftheaters (Intendant: Ernst von Possart), Premiere (Beginn: 19 Uhr, Ende nach 21.30 Uhr): „Zum ersten Male: Johanna. Schauspiel in 3 Akten von Björn Björnson. [...] Johanna – Frl. Emma Berndl vom großherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe als Gast.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 51, Nr. 388, 24.8.1898, General-Anzeiger, S. 1] Der Verfasser war mit seiner Gemahlin dafür nach München angereist (siehe unten). Wedekind hat die Premiere besucht [vgl. Wedekind an Beate Heine, 25.8.1898 und 29.8.1898]. hinterlassen, in München der allgemeine ist, dass das Drama ausser seiner geistigen Bedeutung eine sehr starke Tragfähigkeit besitzt. Sie haben jedenfalls in BerlinDie Berliner Premiere von Bjørn Bjørnsons Schauspiel „Johanna“ fand am 31.8.1898 am Deutschen Theater (Direktion: Otto Brahm) statt; der Verfasser war eigens dafür angereist, wie die Presse meldete: „Björn Björnson, der Verfasser des Schauspiels ‚Johanna‘, das im Deutschen Theater am Mittwoch zum ersten Male in Szene geht, ist in Berlin eingetroffen, um den Proben und der Premiere seines Stückes beizuwohnen.“ [Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Jg. 37, Nr. 200, 27.8.1898, S. 3] Für die Aufführung mussten nach Vorgabe der Zensur Streichungen vorgenommen werden [vgl. Die censurirte „Johanna“. In: Berliner Tageblatt, Berlin, Jg. 27, Nr. 439, 30.8.1898, Abend-Ausgabe, S. (3)]. schon eine unvergleichlich nervösere durchgeistigtere Auffassung vorgefunden. | Dabei habe ich die Überzeugung, dass sich keine moderne Heroine die Rolle der JohannaDie Hauptrolle in der Münchner Premiere von Bjørn Bjørnsons Schauspiel „Johanna“ spielte Emma Berndl vom Hoftheater in Karlsruhe (siehe oben), „Fräulein Sarrow gab die Titelheldin“ [Berliner Tagblatt, Jg. 27, Nr. 442, 1.9.1898, Morgen-Ausgabe, S. (2)] in Berlin, wie Fritz Mauthner wenig begeistert bemerkte, Lotti Sarrow, Schauspielerin im Ensemble des Deutschen Theaters [vgl. Neuer Theater-Almanach 1899, S. 252]. entgehen lässt.

Ich bitte Sie, mich Ihrer verehrten Frau GemahlinIngeborg Bjørnson (geb. Aas), als Gina Oselio eine gefeierte Opernsängerin. „Frau Gina Oselio, eigentlich Olsen, die zweite Gattin des künftigen Direktors des Norwegischen Nationaltheaters, Björn Björnson“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 425, 11.9.1898, 2. Beilage, S. (9)], mit dem sie seit 1893 verheiratet war; sie war als seine Gemahlin mit nach München gekommen, wie die Presse gemeldet hatte: „Angekommen sind: [...] Im Hotel ‚Leinfelder‘: [...] Direktor Björnson m. Gem., Christiania.“ [Fremdenverkehr. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 51, Nr. 368, 12.8.1898, Vorabendblatt, S. 4] bestens zu empfehlen und bin mit herzlichem Gruss
Ihr ergebener

Frank Wedekind.


München 29. August 98.

Einzelstellenkommentare

Materialität des Dokuments

Bestehend aus 2 Blatt, davon 3 Seiten beschrieben

Schrift:
Lateinische Schrift.
Schreibwerkzeuge:
Feder. Tinte.
Schriftträger:
Papier. Doppelblatt. Seitenmaß 12,5 x 20 cm. Mit gedrucktem Briefkopf.
Schreibraum:
Im Hochformat beschrieben.

Datum, Schreibort und Zustellweg

  • Schreibort

    München
    29. August 1898 (Montag)
    Sicher

  • Absendeort

    München
    Datum unbekannt

  • Empfangsort

    Berlin
    Datum unbekannt

Informationen zum Standort

Nasjonalbiblioteket Oslo – Norwegische Nationalbibliothek

Henrik Ibsens gate 110
0203 Oslo
Postboks 2674
Norwegen

Informationen zum Bestand

Name des Bestandes:
Brevsamlingen
Signatur des Dokuments:
Brevs. nr. 252
Standort:
Nasjonalbiblioteket Oslo – Norwegische Nationalbibliothek (Oslo)

Danksagung

Wir danken der Norwegischen Nationalbibliothek für die freundliche Genehmigung der Wiedergabe des Korrespondenzstücks.

Zitierempfehlung

Frank Wedekind an Bjørn Bjørnson, 29.8.1898. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (03.04.2025).

Status der Bearbeitung

In Bearbeitung
Zum Prüfen bereit
Freigegeben

Erstellt von

Cordula Greinert

Überarbeitet von

Ariane Martin

Zuletzt aktualisiert

23.12.2024 12:02