München 24.7.14Wedekinds 50. Geburtstag war am 24.7.1914..
Sehr verehrter Herr ReuckerAlfred Reucker war Direktor des Stadttheaters (verbunden mit dem Pfauentheater) in Zürich [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1915, S. 598].!
Mit tiefer Beschämung denke ich an unsere Unterredung von
heute Morgen. Sie haben derweil gehört, daß ich
Ihr Telegrammnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Alfred Reucker an Wedekind, 23.7.1914. doch erhalten
hatte. Mein glattes Ableugnen muss ich damit zu entschuldigen versuchen, daß
ich in diesen Tagen mitten in
angestrengtester Arbeit stecke und daß ich noch
die ganze
GeneralprobeWedekind notierte am 25.7.1914: „Probe von Franziska“ und „Franziskavorstellung“ [Tb]; an den Tagen davor hatte er mehrerer Proben zu „Franziska“ notiert; das Stück wurde im Rahmen des Wedekind-Zyklus vom 25. bis 31.7.1914 an den Münchner Kammerspielen gespielt (Vorstellungen vom 25. bis 28.7.1914 und am 31.7.1914; „Hidalla“ wurde am 29. und 30.7.1914 gespielt). vor mir hatte. Der
beigelegte Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Schauspielhaus Düsseldorf an Wedekind, 5.1.1914. b/z/eigt
Ihnen, daß die |
Verhandlungen mit DüsseldorfDas in Aussicht genommene Gastspiel Frank und Tilly Wedekinds am Düsseldorfer Schauspielhaus [vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 8.7.1914] kam nicht zustande. Wedekind hat am 17.7.1914 „Unterredung mit Holl von Düsseldorf“ [Tb] notiert, ein Gespräch mit Fritz Holl, Regisseur und Schauspieler am Schauspielhaus Düsseldorf (Direktion: Louise Dumont-Lindemann und Gustav Lindemann) [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1915, S. 391f.], wohl über das dann nicht realisierte Gastspiel, zu dem ein nicht unterzeichneter Vertrag existiert (vorgesehen waren Auftritte in „Erdgeist“, „Marquis von Keith“, „Der Stein der Weisen“ und „Der Kammersänger“ vom 1. bis 10.9.1914 und vom 12. bis 19.9.1914), der datiert ist auf „Juli 1914.“ [Theatermuseum Düsseldorf, Dumont-Lindemann-Archiv, SHD 8008-2/3]. weit zurückreichen. Der
AbschlußDer Gastspielvertrag mit dem Schauspielhaus Düsseldorf wurde nicht unterzeichnet und insofern nicht abgeschlossen (siehe oben).
war durch die reinkünstlerischen Gründe bedingt, die ich heute früh
erwähnte. Das
Gastspiel in Zürichaktuell nicht realisiert. Wedekind reiste zwar im Herbst in die Schweiz und war vom 4. bis 6.10.1914 und dann nochmals vom 11. bis 13.10.1914 in Zürich, wo er dem Tagebuch zufolge Alfred Reucker am 5.10.1914 („Besuch im Theater bei Reucker“) und 11.10.1914 („Seehof mit Reucker [...]. Reucker will Schloß Wetterstein mit uns spielen“) traf, Gastspiele in Zürich kamen aber erst 1917 zustande (darunter die Uraufführung von „Schloß Wetterstein“) [vgl. Wedekind an Alfred Reucker, 12.10.1917]. ist um sehr viel ehrenvoller für mich, trägt
mir aber die Vorwürfe der Anmaßung, der Aufdringlichkeit und der plattesten
Eitelkeit ein, während ich in
Düsseldorf schlechtweg drei Wochen lang Zeit
habe, für meine Dramatik zu wirken. Wenn Sie, verehrter Herr Reucker, meine
undankbare Lüge mit dieser Begründung entschuldigen können, dann soll es mich
freuen, | wenn ich meine Verpflichtungen Ihnen gegenüber möglichst bald
erfüllen kann. Jedenfalls haben Sie den Beweis, daß ich nicht dem Vergnügen nachgehe
sondern lediglich der Arbeit, da mir voraussichtlich ja doch nicht mehr viel Zeit
übrig bleibt, um selber für die Interpretation meiner Stücke eintreten zu
können. Ihrer freundlichen Entscheidung entgegensehend
in größter Hochschätzung
Ihr ergebener
Frank
Wedekind.