Sehr geehrter Herr Müller!
Darf ich Sie höflichst bitten, meine drei
Einakter zu sendenGleich in der ersten Nummer (und in den folgenden Heften) der in Berlin neu gegründeten „Deutschen Montags-Zeitung“ (siehe unten) veröffentlichte Georg Müller eine große Verlagsanzeige zu Wedekinds Werken, besonders hervorgehoben zum Auftakt die drei Einakter „Mit allen Hunden gehetzt. Schauspiel in einem Aufzug“, „In allen Wassern gewaschen. Tragödie in einem Aufzug“ und „In allen Sätteln gerecht. Komödie in einem Aufzug“ als im Jahr 1910 erschienene Neuheiten [vgl. Deutsche Montagszeitung, Jg. 1, Nr. 1, 3.10.1910, S. (4)], deren Versand durch den Georg Müller Verlag Wedekind Georg Brandes [vgl. Wedekind an Georg Brandes, 27.8.1910] und wahrscheinlich auch Artur Landsberger [vgl. Wedekind an Artur Landsberger, 27.8.1910] ankündigte. an
Dr. Artur Landsberger, Berlin W. Philippistr. 2Die neue Adresse von Dr. jur. Artur Landsberger, nun als Verlagsbuchhändler, Zeitungsverleger und Kunstkritiker verzeichnet, war die Philippistraße 2 (2. Stock) in Charlottenburg [vgl. Berliner Adreßbuch 1911, Teil 1, S. 1638]..
und an
Professor Georg Brandes
z.Z. Hotel Phoenix, Kopenhagen.
Dr. LandbergerSchreibversehen, statt: Landsberger., früher HerausgeberArtur Landsberger war nie Herausgeber, aber von Anfang an verantwortlicher Schriftleiter (Chefredakteur) und treibende Kraft der Zeitschrift „Morgen“ gewesen. Er schied im Sommer 1908 nach Differenzen mit dem Mitherausgeber Werner Sombart aus der Redaktion aus. | des „Morgen“,
leitet in Berlin ein neues MontagsblattArtur Landsberger hat eine neue Wochenzeitung initiiert, die zunächst den Titel „Der Bär“ tragen sollte, dann aber den Titel „Deutsche Montags-Zeitung“ (kurz: „DMZ“) erhielt (Schreibweise zunächst: „Deutsche Montagszeitung“). Bei der Gründung waren außer Artur Landberger an dem Blatt Hanns Heinz Ewers, Siegfried Jacobsohn und August Stehle beteiligt, als Chefredakteur war auf dem Titelblatt dann aber genannt: Claus von Bredow [vgl. Deutsche Montagszeitung, Jg. 1, Nr. 1, 3.10.1910, S. (1)]. Wie Wedekind sprach auch Erich Mühsam vom „Montagsblatt“ [vgl. Tb Mühsam, 28.9.1910, 1.10.1910, 5.10.1910]. Artur Landsberger hatte für die Zeitung am 2.8.1910 eigens einen Verlag gegründet, der am 18.8.1910 in das Handelsregister des Amtsgerichts Berlin-Mitte eingetragen wurde: „Verlag ‚Der Bär‘ Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Berlin. Gegenstand des Unternehmens: Der Druck und Verlag von Zeitungen und Büchern jeder Art, sowie die Ausübung aller damit zusammenhängender Rechtsgeschäfte. Das Stammkapital beträgt 30 000 M. Geschäftsführer: Verlagsbuchhändler Dr. Artur Landsberger in Charlottenburg. Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 2. August 1910 festgestellt worden.“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 392, 23.8.1910, Abend-Ausgabe, S. 12] Das war dann der am 28.1.1911 mit erhöhtem Stammkapital im Handelsregister eingetragene Verlag der Deutschen Montags-Zeitung in Berlin [vgl. Vossische Zeitung, Nr. 59, 4.2.1911, Morgen-Ausgabe, 3. Beilage, S. (1)]., das am 3. OktoberDie erste Nummer der „Deutschen Montags-Zeitung“ kam am 3.10.1910 heraus und enthielt eine große Verlagsanzeige der Werke Wedekinds im Georg Müller Verlag (siehe oben); in der zweiten Nummer erschien in der Rubrik „Theater“ ein größerer Artikel von Siegfried Jacobsohn über Wedekind [vgl. S.J.: Die Wedekinds. In: Deutsche Montagszeitung, Jg. 1, Nr. 2, 10.10.1910, 2. Beilage, S. (1)]. in 200000 Exemplaren
verbreitet werden soll. Professor Georg Brandes läßt bei durch Landsberger eine
erweiterte AusgabeEine solche Neuausgabe des Bandes „Moderne Geister. Literarische Bildnisse aus dem neunzehnten Jahrhundert“ (1882) von Georg Brandes scheint im Verlag Der Bär oder im Verlag der Deutschen Montags-Zeitung (siehe oben) nicht erschienen zu sein. seiner „modernen Geister“ erscheinen, in der er mir einen
Abschnitt widmen wird.
Dann möchte ich Sie auch ersuchen, mir hierher
ein Exem|plar von „Oaha“ schicken zu lassen. Ich möchte mich während der
nächsten acht Tage hierWedekind notierte am 2.9.1910: „Abreise von Lenzburg.“ [Tb] gerne noch etwas mit der Umarbeitung des StückesÜberarbeitung und teilweise Neufassung von „Oaha“ für die zweite umgearbeitete Auflage „Óaha, die Satire der Satire. Eine Komödie in vier Aufzügen“ 1911 im Verlag Georg Müller [vgl. KSA 8, S. 420f.].
beschäftigen.
Mit bestem Dank im voraus und hochachtungsvollem
Gruß
Ihr
Frank Wedekind.
Lenzburg, Ct. Aargau, Schweiz.
26.8.10.