Sehr geehrter Herr Cassirer!
für die HerrenDer Vorstand der im Vorjahr in München gegründeten Dramatischen Gesellschaft setzte sich bei seiner konstituierenden Sitzung am 1.12.1903 „zusammen aus Dr. jur. Fritz Braumüller, Regisseur und Dramaturg am Münchener Schauspielhaus, erster Vorsitzender und provisorischer Schriftführer [...]; Edgar Steiger, zweiter Vorsitzender; Julius Nassauer, Schatzmeister; Kurt Aram; Friedr. Basil, Hofschauspieler und Regisseur; Hermann Bischoff, Komponist; Dr. Michael Georg Conrad; Dr. Georg Hirth; Albert Langen, Verleger; Dr. Hermann Popp, Kunsthistoriker; Alexander Salzmann, Kunstmaler; Karl Schüler, Hofbuchhändler; Bernhard Stavenhagen, Hofkapellmeister und Direktor der kgl. Akademie der Tonkunst, Beisitzer.“ [Zum Programm der Münchener Dramatischen Gesellschaft. In: Allgemeine Zeitung, Jg. 106, Nr. 346, 14.12.1903, 3. Abendblatt, S. 3] Die erste von diesem Verein organisierte Vorstellung fand am 11.2.1904 statt, die zweite am 29.3.1904 (siehe unten). von der Dramatischen Gesellschaft
hat es sich jetzt herausgestellt, daß sie nicht verpflichtet sind, von
der Pandora-VorstellungWedekind notierte am 29.3.1904: „Aufführung der Büchse der Pandora in München.“ [Tb] Das war eine einmalige geschlossene Vorstellung im Münchner Schauspielhaus, ein Gastspiel des Nürnberger Intimen Theaters, veranstaltet von der Münchener Dramatischen Gesellschaft, wie angekündigt war: „Wie wir erfahren, veranstaltet die Münchner ‚Dramatische Gesellschaft‘ Anfang nächster Woche im Schauspielhause eine Subskriptionsvorstellung, in welcher Frank Wedekinds ‚Büchse der Pandora‘ durch das Ensemble des ‚Intimen Theaters‘ in Nürnberg zur Aufführung gelangt.“ [Dramatische Gesellschaft. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 141, 24.3.1904, Morgenblatt, S. 3] Die Vorstellung „endet [...] mit einem Publikumseklat.“ [KSA 3/II, S. 1205] Tantiemen zu zahlen. Dagegen wollen sie mir persönlich
ein Honorar ausbezahlen, wenn sie die Sicherheit von Ihnen haben, daß keine
weiteren Ansprüche geltend gemacht werden. Ich weiß nun zufällig durch einen
HandelWedekind hatte mit der Literarische Gesellschaft in Dresden, die am 26.4.1903 ein Gastspiel des Berliner Kleinen Theaters mit Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ (Regie: Richard Vallentin) als Matinee im Neustädter Hoftheater, dem Königlichen Schauspielhaus (Direktion: Nikolaus von Seebach), veranstaltet hatte, um Aufführungsrechte und ein Honorar für ihn verhandelt (siehe Wedekinds Korrespondenz mit der Literarischen Gesellschaft Dresden vom 7.4.1904 bis 23.4.1904). mit der Literarischen Gesellschaft in LeipzigWedekind hat zunächst an die Literarische Gesellschaft in Leipzig gedacht, die 1898 erstmals ein Stück von ihm (den „Erdgeist“) auf die Bühne gebracht hat, um dann Leipzig durch Dresden zu korrigieren. Er hat am Vortag in einem Honorarfragen betreffenden Brief an die Literarische Gesellschaft in Dresden ausdrücklich auf die Literarische Gesellschaft in Leipzig verwiesen [vgl. Wedekind an Literarische Gesellschaft Dresden, 23.4.1904] Dresden, daß geschlossenen
Gesellschaften gegenüber keine form rechtlichen Ansprüche bestehen.
Wollen Sie also bitte mir oder der/m/ drama Vorstand der
dramatischen Gesellschaft mittheilen daß Sie damit einverstanden sind, dann
komme ich wenigstens zu meinem Geld. Ich hätte Sie mit dieser Bagatelle kaum
belästigt, wenn ich mir Ihnen gegenüber keinen Formfehler hätte zu Schulden
kommen lassene wollen. Jetzt handelt es fü/si/ch für mich nur
darum, die kleine Summe zu retten. Ihrer baldigen Antwort entgegensehend.
mit besten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.
Franz Josefstr 42.II.
24.IV.04.