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Kennung: 8

Lenzburg, 17. Oktober 1883 (Mittwoch), Brief

Autor*in

  • Greyerz, Minna von

Adressat*in

  • Wedekind, Armin (Hami)
  • Wedekind, Frank

Inhalt

An Boreasin der griechischen Mythologie der personifizierte den Winter bringende Nordwind. Beiname für Frank Wedekinds Bruder Armin in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund. und Zephyrin der griechischen Mythologie der personifizierte den Frühling bringende Westwind. Beiname für Frank Wedekind in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund. zur gefälligen Einsicht von ihrem getreuen Sturmwindauch Windsbraut (griech.) Aello; in der griechischen Mythologie zu den weiblichen stürmischen Winden (Harpyien) gehörend, die als geflügelte Mischwesen (Vögel mit Frauenkopf) beschrieben werden. Beiname für Minna von Greyerz in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund.. Folgende NamenMinna von Greyerz machte Namensvorschläge für den später Fidelitas genannten Freundschaftsbund zwischen Armin Wedekind (Boreas), Frank Wedekind (Zephyr), Minna von Greyerz (Sturmwind), Mary Gaudard (Nordpol) und Anny Barck (Glanzpunkt). sind meinem Gedankenfluß entsprungen: „Vorwärts“ – die Zusammengehörigen – die Verbundenen – die geistig verwandten Seelen – (natürlich müßte man diese Benennungen in’s Latein oder Griechische übertragen, was sich jedenfalls besser ausnimmt.) „Confluenzia“ heißt glaub’Schreibversehen, statt: glaub’ ich.: die Zusammengeschmolzenen oder Zusammengeflossenen. Ferner: „Einfall“ – Idee – (Hamyim familiären Kreis gebräuchlicher Kosename für Armin Wedekind.’s: „Dämmerung“) oder: das Unbewußte weil unser Zeichenein Kreis mit einem nach oben weisenden Pfeil an der rechten Seite. [Symbol] sich auf das Willkommsgedichtnicht ermittelt. stützt, u dasselbe der unbewußte Grund zu unsrer Verbindung gegebenSchreibversehen, statt: gewesen.; denn auf das hin seid Ihr meine lieben Windgenossen auf die Idee einer solchen Vereinigung gekommen. NordpolPseudonym Mary Gaudards in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund. fand Alles wunderschön und außergewöhnlich, lachte aber nicht minder zu der Vereinigung mit dem ihr ihm persönlichen unbekannten Zephyr. | Was den Schatz in Schwarzwald’s Gründen Anny Barck in Freiburg im Breisgau, die im Juli 1883 ihre Freundin Minna von Greyerz in Lenzburg besucht hatte, dort mit den Brüdern Frank und Armin Wedekind zusammengetroffen war, und im Freundschaftsbund Fidelitas den Beinamen ‚Glanzpunkt‘ wählte.anbelangt, wird er jedenfalls einverstanden seinMinna von Greyerz dürfte sich hier auf ein nicht überliefertes kurzes Schreiben ihrer Freundin Anny Barck beziehen, mit dem diese ihr Einverständis zum angefragten Freundschaftsbund gab. – Diese schnelle Einwilligung („sofort“), für die sich Wedekind ausdrücklich bei ihr bedankte [Wedekind an Anny Barck, 28.11.1883], kann Minna von Greyerz frühestens am 17.10.1883 vorgelegen haben – zwei Tage für den Postweg (Anfrage und Antwort) von Lenzburg nach Freiburg im Breisgau und zurück gerechnet.; doch gehts noch 14 Tage bis seine Antwort einläuft u werdet Ihr daher dem/n/ Namen schriftlich wählen müssen von GöttingenDer Medizinstudent Armin Wedekind wechselte zum Wintersemester 1883/84 an die Universität Göttingen. Die Vorlesungszeit begann dort am 15.10.1883 [vgl. Verzeichnis der Vorlesungen auf der Georg-August-Universität zu Göttingen während des Winterhalbjahrs 1883/84. Göttingen 1883 (Titelblatt)]. Armin Wedekind, der am 14.10.1883 noch mit seinem Bruder Frank und Minna von Greyerz zusammen war [vgl. Minna von Greyerz an Wedekind, 14.10.1883] und sich bei vorliegendem Brief offenbar noch in Lenzburg aufhielt, dürfte frühestens am 18.10.1883 (spätestens am 21.10.1883) abgereist sein. Er machte Zwischenstationen bei einem Freund in Basel, Verwandten in Darmstadt, war zwei Tage zur Besichtigung in Frankfurt und wurde von der Familie Theodor Wedekinds, dem Bruder seines Vaters, in Göttingen empfangen [vgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Armin Wedekind, 21.-28.11.1883; Familienarchiv Wedekind, Leichlingen; Kopie in der EFFW]. Am 27.10.1883 wurde er für Medizin immatrikuliert [vgl. Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen. Hildesheim 1974, S. 562, Nr. 139]. nach Lenzburg. Unser Bund hat bereits den Erfolg erzielt daß Nordpol demnächst nach Freiburg schreiben wird. Wegen unsern Farben bin ich ist mir eingefallen, daß wir drei harmoniren sollten z. B. Zephyr weiß, Boreas schwarz od. umgekehrt u ich als Verbindungsglied grau. Anny himmelblau u Mary rosa: Nichtwahr?
Mit herzlichem Gruß verbleibe ich Euer,
Sturmwind.

Einzelstellenkommentare

Materialität des Dokuments

Bestehend aus 1 Blatt, davon 2 Seiten beschrieben

Schrift:
Kurrent.
Schreibwerkzeuge:
Feder. Tinte.
Schriftträger:
Liniertes Papier. 13 x 16,5 cm. Gelocht.
Schreibraum:
Im Hochformat beschrieben.

Datum, Schreibort und Zustellweg

Der 17.10.1883 ist als Ankerdatum gesetzt – das früheste mögliche Schreibdatum nach der Gründung des Freundschaftsbunds (später Fidelitas genannt) am Abend des 14.10.1883 und der frühestens drei Tage später erhaltenen Zustimmung durch Anny Barck (zwei Tage für den Postweg von Lenzburg nach Freiburg im Breisgau und zurück vom 15.10.1883 an gerechnet). Das späteste mögliche Schreibdatum wäre der 21.10.1883, Armin Wedekinds Reise nach Göttingen zufolge [vgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Armin Wedekind, 21.-28.11.1883; Familienarchiv Wedekind, Leichlingen; Kopie in der EFFW], wo er nach mehreren Zwischenhalten am Tag vor der Immatrikulation (27.10.1883) angekommen sein müsste.

  • Schreibort

    Lenzburg
    17. Oktober 1883 (Mittwoch)
    Ermittelt (unsicher)

  • Absendeort

    Lenzburg
    Datum unbekannt

  • Empfangsort

    Lenzburg
    Datum unbekannt

Erstdruck

Pharus I. Frank Wedekind. Texte, Interviews, Studien

Titel des Aufsatzes:
Eine Lenzburger Jugendfreundschaft. Der Briefwechsel zwischen Frank Wedekind und Minna von Greyerz.
Autor:
Elke Austermühl
Herausgeber:
Elke Austermühl, Alfred Kessler, Hartmut Vinçon. Editions- und Forschungsstelle Frank Wedekind
Ort der Herausgabe:
Darmstadt
Verlag:
Verlag der Georg Büchner Buchhandlung
Seitenangabe:
348-349
Status:
Sicher

Informationen zum Standort

Aargauer Kantonsbibliothek

Aargauerplatz
5001 Aarau
Schweiz

Informationen zum Bestand

Name des Bestandes:
Wedekind-Archiv
Signatur des Dokuments:
Wedekind-Archiv B, Schachtel 11, Mappe 6, Autographen

Danksagung

Wir danken der Aargauer Kantonsbibliothek für die freundliche Genehmigung der Wiedergabe des Korrespondenzstücks.

Zitierempfehlung

Minna von Greyerz an Armin (Hami) Wedekind, Frank Wedekind, 17.10.1883. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (03.04.2025).

Status der Bearbeitung

In Bearbeitung
Zum Prüfen bereit
Freigegeben

Erstellt von

Anke Lindemann

Überarbeitet von

Tilman Fischer

Zuletzt aktualisiert

25.02.2025 16:00
Kennung: 8

Lenzburg, 17. Oktober 1883 (Mittwoch), Brief

Autor*in

  • Greyerz, Minna von

Adressat*in

  • Wedekind, Armin (Hami)
  • Wedekind, Frank
 
 

Inhalt

An Boreasin der griechischen Mythologie der personifizierte den Winter bringende Nordwind. Beiname für Frank Wedekinds Bruder Armin in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund. und Zephyrin der griechischen Mythologie der personifizierte den Frühling bringende Westwind. Beiname für Frank Wedekind in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund. zur gefälligen Einsicht von ihrem getreuen Sturmwindauch Windsbraut (griech.) Aello; in der griechischen Mythologie zu den weiblichen stürmischen Winden (Harpyien) gehörend, die als geflügelte Mischwesen (Vögel mit Frauenkopf) beschrieben werden. Beiname für Minna von Greyerz in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund.. Folgende NamenMinna von Greyerz machte Namensvorschläge für den später Fidelitas genannten Freundschaftsbund zwischen Armin Wedekind (Boreas), Frank Wedekind (Zephyr), Minna von Greyerz (Sturmwind), Mary Gaudard (Nordpol) und Anny Barck (Glanzpunkt). sind meinem Gedankenfluß entsprungen: „Vorwärts“ – die Zusammengehörigen – die Verbundenen – die geistig verwandten Seelen – (natürlich müßte man diese Benennungen in’s Latein oder Griechische übertragen, was sich jedenfalls besser ausnimmt.) „Confluenzia“ heißt glaub’Schreibversehen, statt: glaub’ ich.: die Zusammengeschmolzenen oder Zusammengeflossenen. Ferner: „Einfall“ – Idee – (Hamyim familiären Kreis gebräuchlicher Kosename für Armin Wedekind.’s: „Dämmerung“) oder: das Unbewußte weil unser Zeichenein Kreis mit einem nach oben weisenden Pfeil an der rechten Seite. [Symbol] sich auf das Willkommsgedichtnicht ermittelt. stützt, u dasselbe der unbewußte Grund zu unsrer Verbindung gegebenSchreibversehen, statt: gewesen.; denn auf das hin seid Ihr meine lieben Windgenossen auf die Idee einer solchen Vereinigung gekommen. NordpolPseudonym Mary Gaudards in dem am 14.10.1883 initiierten (später Fidelitas genannten) Freundschaftsbund. fand Alles wunderschön und außergewöhnlich, lachte aber nicht minder zu der Vereinigung mit dem ihr ihm persönlichen unbekannten Zephyr. | Was den Schatz in Schwarzwald’s Gründen Anny Barck in Freiburg im Breisgau, die im Juli 1883 ihre Freundin Minna von Greyerz in Lenzburg besucht hatte, dort mit den Brüdern Frank und Armin Wedekind zusammengetroffen war, und im Freundschaftsbund Fidelitas den Beinamen ‚Glanzpunkt‘ wählte.anbelangt, wird er jedenfalls einverstanden seinMinna von Greyerz dürfte sich hier auf ein nicht überliefertes kurzes Schreiben ihrer Freundin Anny Barck beziehen, mit dem diese ihr Einverständis zum angefragten Freundschaftsbund gab. – Diese schnelle Einwilligung („sofort“), für die sich Wedekind ausdrücklich bei ihr bedankte [Wedekind an Anny Barck, 28.11.1883], kann Minna von Greyerz frühestens am 17.10.1883 vorgelegen haben – zwei Tage für den Postweg (Anfrage und Antwort) von Lenzburg nach Freiburg im Breisgau und zurück gerechnet.; doch gehts noch 14 Tage bis seine Antwort einläuft u werdet Ihr daher dem/n/ Namen schriftlich wählen müssen von GöttingenDer Medizinstudent Armin Wedekind wechselte zum Wintersemester 1883/84 an die Universität Göttingen. Die Vorlesungszeit begann dort am 15.10.1883 [vgl. Verzeichnis der Vorlesungen auf der Georg-August-Universität zu Göttingen während des Winterhalbjahrs 1883/84. Göttingen 1883 (Titelblatt)]. Armin Wedekind, der am 14.10.1883 noch mit seinem Bruder Frank und Minna von Greyerz zusammen war [vgl. Minna von Greyerz an Wedekind, 14.10.1883] und sich bei vorliegendem Brief offenbar noch in Lenzburg aufhielt, dürfte frühestens am 18.10.1883 (spätestens am 21.10.1883) abgereist sein. Er machte Zwischenstationen bei einem Freund in Basel, Verwandten in Darmstadt, war zwei Tage zur Besichtigung in Frankfurt und wurde von der Familie Theodor Wedekinds, dem Bruder seines Vaters, in Göttingen empfangen [vgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Armin Wedekind, 21.-28.11.1883; Familienarchiv Wedekind, Leichlingen; Kopie in der EFFW]. Am 27.10.1883 wurde er für Medizin immatrikuliert [vgl. Die Matrikel der Georg-August-Universität zu Göttingen. Hildesheim 1974, S. 562, Nr. 139]. nach Lenzburg. Unser Bund hat bereits den Erfolg erzielt daß Nordpol demnächst nach Freiburg schreiben wird. Wegen unsern Farben bin ich ist mir eingefallen, daß wir drei harmoniren sollten z. B. Zephyr weiß, Boreas schwarz od. umgekehrt u ich als Verbindungsglied grau. Anny himmelblau u Mary rosa: Nichtwahr?
Mit herzlichem Gruß verbleibe ich Euer,
Sturmwind.

Einzelstellenkommentare

Materialität des Dokuments

Bestehend aus 1 Blatt, davon 2 Seiten beschrieben

Schrift:
Kurrent.
Schreibwerkzeuge:
Feder. Tinte.
Schriftträger:
Liniertes Papier. 13 x 16,5 cm. Gelocht.
Schreibraum:
Im Hochformat beschrieben.

Datum, Schreibort und Zustellweg

Der 17.10.1883 ist als Ankerdatum gesetzt – das früheste mögliche Schreibdatum nach der Gründung des Freundschaftsbunds (später Fidelitas genannt) am Abend des 14.10.1883 und der frühestens drei Tage später erhaltenen Zustimmung durch Anny Barck (zwei Tage für den Postweg von Lenzburg nach Freiburg im Breisgau und zurück vom 15.10.1883 an gerechnet). Das späteste mögliche Schreibdatum wäre der 21.10.1883, Armin Wedekinds Reise nach Göttingen zufolge [vgl. Friedrich Wilhelm Wedekind an Armin Wedekind, 21.-28.11.1883; Familienarchiv Wedekind, Leichlingen; Kopie in der EFFW], wo er nach mehreren Zwischenhalten am Tag vor der Immatrikulation (27.10.1883) angekommen sein müsste.

  • Schreibort

    Lenzburg
    17. Oktober 1883 (Mittwoch)
    Ermittelt (unsicher)

  • Absendeort

    Lenzburg
    Datum unbekannt

  • Empfangsort

    Lenzburg
    Datum unbekannt

Erstdruck

Pharus I. Frank Wedekind. Texte, Interviews, Studien

Titel des Aufsatzes:
Eine Lenzburger Jugendfreundschaft. Der Briefwechsel zwischen Frank Wedekind und Minna von Greyerz.
Autor:
Elke Austermühl
Herausgeber:
Elke Austermühl, Alfred Kessler, Hartmut Vinçon. Editions- und Forschungsstelle Frank Wedekind
Ort der Herausgabe:
Darmstadt
Verlag:
Verlag der Georg Büchner Buchhandlung
Seitenangabe:
348-349
Status:
Sicher

Informationen zum Standort

Aargauer Kantonsbibliothek

Aargauerplatz
5001 Aarau
Schweiz

Informationen zum Bestand

Name des Bestandes:
Wedekind-Archiv
Signatur des Dokuments:
Wedekind-Archiv B, Schachtel 11, Mappe 6, Autographen

Danksagung

Wir danken der Aargauer Kantonsbibliothek für die freundliche Genehmigung der Wiedergabe des Korrespondenzstücks.

Zitierempfehlung

Minna von Greyerz an Armin (Hami) Wedekind, Frank Wedekind, 17.10.1883. Frank Wedekinds Korrespondenz digital. https://briefedition.wedekind.fernuni-hagen.de (03.04.2025).

Status der Bearbeitung

In Bearbeitung
Zum Prüfen bereit
Freigegeben

Erstellt von

Anke Lindemann

Überarbeitet von

Tilman Fischer

Zuletzt aktualisiert

25.02.2025 16:00