Lieber Walther,
ich hatte ursprünglich im Sinn beiliegende ZeilenDie Beilage fehlt. Vermutlich handelte es sich um den Brief an Erika Wedekind, den Frank Wedekind am selben Tag verfasste, an dem er zunächst telegraphisch und dann noch einmal per Brief von Walther Oschwald die Zusage für das von ihm erbetene Darlehen erhielt [vgl. Frank Wedekind an Erika Wedekind, 3.9.1900]. Diese positive Nachricht mag Wedekind bewogen haben, den Brief an seine Schwester, in dem er sich bitter über ihren Ehemann beklagte, zunächst nicht abzuschicken. an deine Frau zu schicken.
Aber ich bringe es nicht übers Herz. Dir selbst möchte ich Ihren Inhalt nicht
gerne vorenthalten.
Ich gratuliere dir dazu, daß Du einen für mich
demütigenden Briefwahrscheinlich Wedekinds Brief von Ende August [vgl. Wedekind an Walther Oschwald, 30.8.1900], in dem er den Ton seines vorherigen Briefes [vgl. Wedekind an Walter Oschwald, 1.8.1900], der von seinem Schwager als kränkend empfunden worden war [vgl. Erika Wedekind an Frank Wedekind, 29.8.1900], zu rechtfertigen suchte. in Händen hast und gratuliere dir vor allem zu der Art und
Weise wie du ihn dir verschafft hastWedekind erfuhr durch seine Schwester Erika von seiner Kränkung Walther Oschwalds [vgl. Erika Wedekind an Frank Wedekind, 29.8.1900], nachdem er sich mit seiner Bitte um ein Darlehen an sie gewandt hatte [vgl. Frank Wedekind an Erika Wedekind, 24.8.1900 und 28.8.1900], das ihm deswegen wohl versagt wurde. Den daraufhin als „Achtungsbeweis“ [Frank Wedekind an Erika Wedekind, 3.9.1900] verfassten Brief an Walther Oschwald [vgl. Wedekind an Walther Oschwald, 30.8.1900], empfand er offenbar als erpresst.. – Pfui Teufel!
Dein
Frank.