Kartenbrief
An Herrn
Maximilian Harden
in Berlin Grunewald
Wohnung (Straße und Hausnummer) Wernerstrasse. |
Abs: Wedekind
Schiffbauerdamm 6.III. |
Sehr geehrter Herr Harden!
Seit einigen Tagen bin ich wieder hierWedekind traf am 8.9.1905 in Berlin ein und mietete sich am 9.9.1905 in einer Wohnung „Schiffbauerdamm No 6 ein.“ [Tb]. Es wäre mir eine
große Freude, wenn ich Sie gelegentlich einmal wiedersehnZu einem Wiedersehen kam es gleich am darauffolgenden Samstag (entsprechend ist von fremder Hand auf den Kartenbrief „Sonnabend abend!“ notiert), dem 7.10.1905: „Triclinium mit Harden bei Rathenau.“ [Tb] Das wird, da Wedekind auch an diesem Samstagabend in „Hidalla“ spielte (siehe unten), kaum vor 23 Uhr gewesen sein. könnte. Sind Sie
vielleicht NachmittagsAls ein Treffens zu dritt ‒ Wedekind, Maximilian Harden und Walther Rathenau ‒ zur Debatte stand und Rathenau einen Abend vorschlug, verwies Harden auf Wedekinds Vorschlag und bemerkte am 5.10.1905 gegenüber Rathenau, Wedekind käme doch sicher erst gegen 23.30 Uhr und dann würde es wieder 3 Uhr nachts: „Hätten Sie [...] mich gefragt! [...] Der Knabe kommt gegen 11½; es wird 3. Hätten Sie ihn, wie er mir vorschlug, für nachmittag gebeten! ‚Jause‘ nennt mans in Wien.“ [Hellige 1983, S. 428] einmal im Café | zu treffen? AbendsWedekind war abends gebunden durch die fast täglichen Vorstellungen von „Hidalla“ am Berliner Kleinen Theater (Direktion: Victor Barnowsky), die jeweils um 20 Uhr begannen. Er spielte in dem Stück, das am 26.9.1905 Premiere gehabt hatte, die Hauptrolle des Karl Hetmann. wird es Ihnen zu spät
sein, da ich selten vor 11 Uhr frei bin. Bei meinem letzten HierseinWedekinds Kurzbesuch vom 11. bis 13.5.1905 in Berlin [vgl. Tb]. habe ich
Sie leider verfehltWedekind hatte Harden am 11.5.1905 nicht in seiner Wohnung im Grunewald angetroffen, wie er notierte: „Besuch bei Maximilian Harden, Walter Rathenau und Gertrud Eysold die ich alle drei nicht treffe.“ [Tb].
Mit besten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.
Schiffbauerdamm 6.III.
2.10.5.