Lieber Franklin!
Da ich gegenwärtig gar kein flüssiges GeldArmin Wedekind verwaltete nach dem Tod des Vaters das Barvermögen der Familie, das in Wertpapieren angelegt war, und zahlte auf Wunsch Gelder an die Geschwister und seine Mutter aus. Folgt man der Übersicht in Frank Wedekinds Tagebuch, erhielt er am 3.10.1890 200 Mark [vgl. Tb, Übersicht, S. 117].
vorräthig habe u erst etwas von den Werthschriften verkaufen muß um solches zu
erhalten so muß ich Dich um einige Tage Geduld bitten. Die 50 Mark die Du
Donald geliehen habe ich auf diesem sein Conto gesetzt. Wie Du wohl von ihm
selber wissen wirst hat Donald Mama’s entschiedener Aufforderung die Schule in SolothurnDonald Wedekind besuchte seit Frühjahr 1890 zunächst die 5. Klasse des Gymnasiums in Solothurn, das entsprach der 2. Gymnasialklasse in Aarau. Von Konflikten mit dem Rektorat berichtete er bereits im März [vgl. Donald Wedekind an Frank Wedekind, 28.3.1890]. Im Herbst wechselte er in die 6. Klasse [vgl. Donald Wedekind an Frank Wedekind, 29.7.1890]. am letzten Montagam 29.9.1890.
wieder aufzusuchen u D/s/ich den Maßregeln der dortigen Lehrerschaft als
den Consequenzen | seiner eigenen Handlungen zu unterziehen dadurch
geantwortet, daß er sich aus dem Staube machte. Er hat durch sein ebenso
langweiliges als aufdringliches Geschwäz es dahin gebracht, daß n/N/iemand
seinen Weggang betrauerte, allein und da wohl Niemand behaupten kann,
daß Mama ihm gegenüber nicht mehr gethan als ihre Pflicht allein sie hieß u
mehr geduldet als das beste u treuste Gemüth ertragen kann, so ist es
begreiflicheSchreibversehen, statt: begreiflich. daß sein Weggang allen eine Erlösung war. Allein trotzdem interessirt es mich zu wissen
ob er seinen Lebensweg, dessen Verantwortung von nun | an selbstverständlich
auf ihm allein u denen lastet, die an seiner kurzsichtigen Ueberhebung etwa
noch Antheil haben, nun nach München gefunden hat. Sollte dies der Fall sein so
bitte ich um eine kurze Benachrichtigung.
Das Geld also sobald es mir möglich. Bis dahin
mit bestem Gruß
Armin.