Vor 2 Jahren, vielleicht
auch noch vor 1 JahrDie Münchner Zensurbehörde hatte am 24.5.1910 eine öffentliche Aufführung von „Tod und Teufel“ („Totentanz“) untersagt, nachdem sie Gutachten eingeholt hatte [vgl. Meyer 1982, S. 215-217], darunter auch ein am 20.4.1910 angefragtes Gutachten von Fritz Basil, der sich in seiner undatierten Stellungnahme gegen eine öffentliche Aufführung aussprach: „Wedekind will sicher moralisch und sittlich wirken, verfolgt sein Ziel aber auf ganz falschem Wege; ich muß mich dem Urteil des Herrn Weigand anschließen, daß man einem Publikum in öffentlicher Aufführung dieses Stück nicht vorsetzen darf, es eignet sich höchstens für eine intime Darstellung.“ [KSA 6, S. 686] wäre ich gegen eine öffentliche Aufführung des „Totentanzes“
gewesen – das Theaterpublikum war damals noch nicht reif genug, um Wirklichkeit
und Theorie darin zu unterscheiden. – Jetzt liegt die Sache anders und
besonders in München: Wedekind, der „Theoretiker und Moralist„Theoretiker“ und „Moralist“ – beide Charakterisierungen des Autors sind in der zeitgenössischen Wedekind-Rezeption zu finden.“, hat sich seine
große Gemeinde hier geschaffen, sie wächst von Jahr zu Jahr, das beweisen die
ausverkauften Häuser des Schauspielhauses im Monat JuliSpielzeit der beiden Wedekind-Zyklen am Münchner Schauspielhaus; der erste Wedekind-Zyklus fand im vorvorigen Jahr statt (1. bis 30.7.1909), der zweite im Vorjahr (1. bis 31.7.1910).. Dieser Gemeinde, meine
ich, kann man den „Totentanz“ oder „Mephistos TodWedekind hat in einem Briefentwurf einmal bekannt, als möglichen Titel für „Totentanz“ habe ihm anfänglich „Mephistos Tod“ vorgeschwebt, was er aber aus mehreren Gründen wieder verworfen habe [vgl. Wedekind an Victor Barnowsky, 4.6.1907].“ – diesen Untertitel würde
ich zu größerem Verständnisse entschieden hinzufügen – getrost in die Hände
legen und es wird erschütternd auf sie wirken als eine fern von der
Wirklichkeit auf Theorien aufgebaute Menschheitstragödie.
BasilFritz Basil ist außer als Hofschauspieler ausgewiesen als „K. Regisseur“ [Adreßbuch für München 1911, Teil I, S. 25], also als königlicher Regisseur, genau genommen war er als Regisseur am Münchner Hoftheater königlich bayrischer Regisseur.,
kgl. b. Reg.
München, April 1911.