Sehr geehrter Herr Stollberg!
InliegendDem Brief liegen die beiden Verträge (verschollen) nicht mehr bei, deren Versand Wedekind am 7.4.1911 notierte: „Kontrakt unterschrieben an Stollberg geschickt.“ [Tb] Die vertraglichen Vereinbarungen, wohl Ergebnis einer am 31.3.1911 notierten „Unterredung [...] mit Stollberg“ [Tb], dürften einerseits den dritten großen Wedekind-Zyklus (8. bis 31.7.1911) im Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg) zum Gegenstand gehabt haben, andererseits könnte es sich bei einem der beiden Schriftstücke auch um Vereinbarungen über die im Frühjahr 1911 hergestellte Umarbeitung von „Oaha“ (1908) gehandelt haben, die Wedekind am Münchner Schauspielhaus oder jedenfalls „in München zur Uraufführung zu bringen“ gedachte; Georg Stollberg, der sich 1908 bei der Zensurbehörde ohne Erfolg für eine Aufführung des Stücks eingesetzt hatte, „erneuerte“ am 19.4.1911 „sein Ersuchen bei der Münchner Polizeidirektion.“ [KSA 8, S. 616] die beiden Verträge. Die ExemplareDer Autor hatte „Oaha. Schauspiel in fünf Aufzügen“ (1908 bei Bruno Cassirer in Berlin erschienen) in die Fassung „Óaha, die Satire der Satire. Eine Komödie in vier Aufzügen von Frank Wedekind. Zweite umgearbeitet Auflage“ [KSA 8, S. 420] überarbeitet, die 1911 im Georg Müller Verlag (München und Leipzig) erschien – Wedekind kündigt hier Vorabexemplare dieser von ihm am 21.3.1911 vorläufig fertiggestellten Komödienfassung – „Diktat von Oaha fertig“ [Tb] – an. Ein solches Exemplar könnte er Georg Stollberg am 17.4.1911 persönlich übergeben haben: „Besuch bei Stollberg“ [Tb]. von
Oaha werden eben gebunden. Sobald eines fertig ist werde ich mir erlauben, es
Ihnen zuzuschicken.
Mit hochachtungsvollem Gruß
Ihr ergebener
Frank Wedekind.
München, 7. April 1911.