Lieber Max, würdest Du so rasch wie
möglich zu mir kommen. Ich möchte Dich gerne noch einmal sehenMax Halbe notierte am 8.11.1903 morgens den Empfang des vorliegenden Zettels (als Brief wahrgenommen) und reagierte sofort: „Erhalte gleich nach dem Aufstehen Brf. von Wedekind, daß er mich noch einmal sehen will, bin sehr bestürzt, finde ihn in sehr schlechtem Zustand. Bildet sich ein, er habe Aneurisma u. müsse heute sterben. Ich suche es auszureden. Arzt kommt u. diagnostiziert Lungenentzündung“ [Tb Halbe]; ein Aneurysma ist eine krankhafte Gefäßausstülpung, die „sehr gefährliche Blutungen bedingen kann“ [Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. Bd. 1. Leipzig 1905, S. 511]. Aber komm bitte
allein – und laß mein Mädchennicht identifiziert. beim eintreten in die Wohnung nichts
merken da sie keine Ahnung hat was los istWedekind hatte eine Lungenentzündung (siehe oben), wie auch die Presse meldete: „Aus München wird berichtet: Frank Wedekind liegt seit drei Tagen an Lungenentzündung nicht unbedenklich krank darnieder.“ [Erkrankung Frank Wedekinds. In: Neue Freie Presse, Nr. 14084, 11.11.1903, Morgenblatt, S. 6] Max Halbe notierte am 12.11.1903: „Wedekind auf dem Wege der Besserung“ [Tb Halbe], am 17.11.1903: „Wedek. fieberfrei, aber schlechter Laune“ [Tb Halbe] und am 19.11.1903 (er war im Begriff, zu verreisen): „besuche vor der Abfahrt noch Wedek., der aufgestanden“ [Tb Halbe].
Dein Frank