Berlin, 1.IV.1906.
Sehr geehrter Herr Doktor!
Fräulein Tilly Newes hatte mich vorgesternam 30.3.1906, an dem Wedekind notierte: „Besuch mit Gerhäuser bei Rathenau. Abends mit Gerhäuser Tilly und Greves im Treppchen.“ [Tb] beauftragt, Ihnen
mitzutheilen, daß sie sich mit mir verlobtWedekind hatte sich am 18.2.1906 in Berlin mit Tilly Newes verlobt, wie er dem mit ihr befreundeten Regierungsrat noch am Verlobungstag zuerst mitteilte [vgl. Wedekind an Julius Greve, 18.2.1906]. hätte und daß wir uns
demnächst heirathenWedekind und Tilly Newes heirateten am 1.5.1906 in Berlin [vgl. Tb]. würden. Fräulein Newes fürchtete, ich denke wol mit
Unrecht, sich dadurch, daß Sie, Herr Doktor, sie mehrfach in meiner
GesellschaftWalther Rathenau hat Tilly Newes nachweislich zuletzt am 17.3.1906 in Wedekinds Gesellschaft erlebt [vgl. Tb] – von „seiner leckeren Lulu“ [Hellige 1983, S. 469] sprach Maximilian Harden in seinem Brief an Rathenau vom 17.3.1906 anzüglich über Wedekinds Geliebte; wahrscheinlich war sie auch am 24.3.1906 bei dem „Diner bei Rathenau“ [Tb] dabei [vgl. Wedekind 1969, S. 107-109]. sahen, sich einer unrichtigen Schätzung auszusetzen. Ich nehme mir
daher die Ehre, den Auftrag auszurichten.
Mit herzlichem Gruß Ihr ergebener Frank Wedekind.