Euer
Wohlgeboren!
Indem ich Ihr mir zugesandtes LiedHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Jakob Geis, 8.3.1886. Beilage war möglicherweise Wedekinds zu Lebzeiten ungedruckt gebliebenes, 1885 in Lenzburg „nach einem Krankenhausaufenthalt“ [KSA 1/II, S. 1260] entstandenes Gedicht „Der Mensch ist ein Chamäleon“ [KSA 1/I, S. 198-199]: „Wahrscheinlich war es dies Gedicht, das er [...] an den Münchner Komiker Papa Geis schickte“ [Kutscher 1, S. 127]. Der Bezug zu diesem „Gedicht ist zu vermuten, aber nicht belegbar.“ [KSA 1/II, S. 1263] wieder retournire, muß ich Ihnen leider mittheilen, daß ich leider keinen Gebrauch davon machen kann, denn für einen Komiker ist es absolut nicht passend. Der Stoff den Sie verwendet, ist ein zu verbrauchter und oft besungener, das Publikum will drastische, komisch wirkende Sachen und kauft sich nichts dafür, wenn ich demselben Lebensereigniße die täglich widerkehren, erzähle. In Gesellschaften, Vereinen, mit guter Stimme vorgetragen wird das Lied jedoch seine Wirkung haben. Entschuldigen Sie und nehmen Sie meinen besten Gruß, indeß ich
mit aller Hochachtung zeichne
J. Geis
SalonkomikerJakob Geis in München (Baaderstraße 50) ist als „Salonkomiker“ [Adreßbuch von München für das Jahr 1886, Teil I, S. 145] ausgewiesen.
München 9/III 86.