Briefwechsel

Henry, Marc und Wedekind, Frank

4 Dokumente

München, 28. März 1897 (Sonntag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Henry, Marc, Schaumberg, Georg, Schaumberger, Julius, Dreßler, Anton, Dreßler, Lotte und Hegeler, Wilhelm
an Wedekind, Frank

Königreich Bayern.
POSTKARTE.


An
Herrn Frank Wedekind
Schriftsteller
in Berlin
Marien-Strasse 9 IIIWedekind wohnte in Untermiete bei der als Vermieterin oder gar „Zimmervermieterin“ [Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 806] ausgewiesenen Witwe W. Marggraf (geb. Nethe) in der Marienstraße 9 (3. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1896, Teil I, S. 668; vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil III, S. 367], tatsächlich im 3. Stock angesiedelt: „Marienstr. 9 III“ [Adreßbuch für Berlin 1898, Teil I, S. 841]; gleichwohl wohnte Wedekind im 4. Stock [vgl. Wedekind an Wilhelm Bölsche, 30.4.1897]. |


La plus belle fille(frz.) Das schönste Mädchen der Welt kann nur das geben, was es hat. du monde ne peut donner que ce quʼelle a. – Richard.


Gruß Hegelerder Schriftsteller Wilhelm Hegeler, im Vorjahr wie Hans Richard Weinhöppel (Pseudonym: Hans Richard) und Wedekind Mitarbeiter des „Mephisto. Wochen-Rundschau über das gesammte Münchener Theaterleben“, herausgegeben „von Julius Schaumberger unter ständiger Mitwirkung von Max Halbe, Wilhelm Hegeler, Oscar Panizza, Hans Richard, Georg Schaumberg, Frank Wedekind, Ernst Welisch“ [Mephisto, Jg. 1, Nr. 13, 19.12.1896, S. 1], wie es auf dem Titelblatt des möglicherweise zuletzt erschienenen Heftes heißt (mehr nicht nachweisbar).


L’homme le plus fort(frz.) Der stärkste Mann kann seine Liebe nicht allen schönen Mädchen geben, die er liebt. ne peut donner son amour aux à toutes les belles filles qu’il aime.
Schmbgr.


Restaurant Hoftheater

München


J’arrive directement(frz.) Ich komme direkt aus Paris, um Herrn Bazalgette abzulösen, aber Sie sind nicht da. Singen wir das „De profundis“, während wir auf das „te deum“ warten. de Paris pour remplacer Herr BazalgetteLéon Bazalgette, französischer Schriftsteller und Übersetzer, der seit Anfang der 1890er Jahre Kontakte zu deutschsprachigen Schriftstellern knüpfte und in Zeitschriften der Münchner Moderne veröffentlicht hat, „ein junger Pariser Dichter“ [Donald Wedekind an Frank Wedekind, 8.8.1894], der in Zürich Wedekinds Adresse von dessen Bruder erhalten hatte., mais vous êtes absent. Chantons le „de ProfundisBibelanspielung: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ (AT, Psalm 130); der Psalm 130, ein Bußpsalm und Totengebet, wird nach den lateinischen Anfangsworten („De profundis clamavi ad te Domine“) auch „De profundis“ genannt, hier metaphorisch eingesetzt – er sei zu singen, da Wedekind nicht vor Ort ist.“ en attendant le „te deumdas „Te Deum“, der feierliche christliche Lobgesang von „Te Deum laudamus“ (lat.) = ‚Dich, Gott, loben wir‘ (aufgegriffen etwa im Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“), wiederum metaphorisch (siehe oben).“.
A. d’Ailly de VaucheretAchille George d’Ailly de Vaucheret (geboren: Achille Georges Thuret), französischer Journalist und Übersetzer, der später als Leiter des 1900 von ihm gegründeten Münchner Kabaretts Die Elf Scharfrichter unter dem Pseudonym Marc Henry bekannt war, zeichnete hier noch mit seinem eigentlichen Namen; er war im Begriff, von Paris nach München überzusiedeln.


Salue! Fromage de Brie!(frz.) Sei gegrüßt! Briekäse! Servus! Entschuldigen Sie mein schlechtes Fränzösisch es kommt von Herzen Schaumberg.


Bitte um Antwort ob Paket erhaltenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zum Paket; erschlossenes Korrespondenzstück: Lotte Dreßler an Wedekind, 15.3.1897.. Lotte.


Gruß Anton Dreßler.

Einzelstellenkommentare

Frankfurt am Main, 30. März 1903 (Montag)
von Henry, Marc
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Heinrich Kunolt vom 3.4.1903 aus München:]


Henry schrieb mir [...] vor einigen Tagen [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 6. Januar 1906 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Delvard, Marya, Henry, Marc

[Hinweis von Marc Henry (Mr. Henry und Frank Wedekind. Eine Zuschrift. In: Neues Wiener Journal, Jg. 14, Nr. 4515, 19.5.1906, S. 4):]


[...] Frank Wedekind [...] sandte uns noch vor einigen Wochen die herzlichsten Grüße auf offener Postkarte.

Einzelstellenkommentare

Wien, 27. März 1906 (Dienstag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Delvard, Marya, Friedell, Egon, Henry, Marc, Hollitzer, Carl Leopold, Kraus, Karl, Lebrun, Heinz und Mühsam, Erich
an Wedekind, Frank

Postkarte – Carte postale
Correspondenzkarte – Levelezö-Lap
Weltpostverein – Union postale universelle
[...]


Nur für die Adresse


Herrn Frank Wedekind
Schriftsteller
Berlin
Schiffbauerdamm 6/III


Für briefliche Mitteilungen


Lieber Frank,

geliebtes Scheusal – Du schweigst – das ist nicht lieb! Trotzdem denk ich Dein und grüße Dich! RichardHans Richard Weinhöppel und die anderen Unterzeichner der Karte gehörten – mit Ausnahme des Schriftstellers Karl Kraus – zum Ensemble des Künstlerkabaretts Nachtlicht, das am 5.1.1906 im Etablissement Brady in Wien (I, Ballgasse 6) eröffnet worden war. Die künstlerische Leitung lag bei Marc Henry, die musikalische übernahm (unter seinem Pseudonym Hannes Ruch) Weinhöppel, der jedoch nur anfangs und im Frühjahr 1906 in Gastspielen persönlich an den Aufführungen mitwirkte. Das Nachtlicht sollte an die Erfolge der Elf Scharfrichter in München anknüpfen, zu dessen Stammbesetzung neben Marc Henry und seiner Lebensgefährtin, der Diseuse Marya Delvard, auch Wedekind und Weinhöppel gehört hatten. Die Bildpostkarte wurde – wie Weinhöppels Nachschrift auf der Bildseite nahelegt – im Casino de Paris in Wien (I, Am Petersplatz) geschrieben, einem bekannten Nachtlokal und Treffpunkt verschiedener Wiener Künstlerkreise..

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Je t’embrasse, mon vieux(frz.) Ich umarme dich, mein Alter.
MDelvard

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moi, Je t’emmerde(frz.) Ich scheiß dich an., M. Henry

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Prost!
Erich Mühsam

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Heinz Lebrun.

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Egon Friedell

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Allerherzlichst Kraus

CHollitzer |


Wien

K. K. Hofburg



Casino de Paris!Das Casino de Paris in Paris (Rue de Clichy 16), eine der ältesten und berühmtesten Konzerthallen der Stadt, gehörte zu den Etablissements, die Hans Richard Weinhöppel und Wedekind während ihres gemeinsamen Aufenthalts in der französischen Hauptstadt regelmäßig aufgesucht hatten [vgl. Tb 13.6.1892]. Weinhöppel bezieht sich hier zugleich auf das gleichnamige Wiener Nachtlokal, wo die Bildpostkarte geschrieben worden sein dürfte (siehe oben). Es weckt wehmütige Erinnerungen. Wien & Paris – Was liegt dazwischen! R.

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