Briefwechsel

Wedekind, Frank und Wolff, Kurt

7 Dokumente

Leipzig, 13. Januar 1917 (Samstag)
von Wolff, Kurt
an Wedekind, Frank

13. Januar
77

W./Z.

Herrn
Frank Wedekind
München
––––––––––––––
Prinzregentenstrasse 50


Sehr geehrter Herr!

Den 17. ds.M. beabsichtige ich, in München zu verbringen und würde mich freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben wollten, Sie an diesem Tage aufzusuchenKurt Wolff wollte Wedekind als Autor für seinen Verlag gewinnen und strebte eine Übernahme aller Buch- und Bühnenrechte vom Georg Müller Verlag an, wie die weitere Korrespondenz belegt. Bereits im Dezember hatte sich Wedekind diesbezüglich mit seinem Rechtsanwalt getroffen: „Besprechung mit Adler wegen Kurt Wolf“ [Tb 11.12.1916]., und zwar würde mir an sich die Nachmittagsstunde zwischen halb vier und halb fünf Uhr am besten passen, wenn Sie Ihrerseits damit einverstanden sind.

Ich bitte Sie, nach eigenem Ermessen freundlichst zu entscheiden, ob wir uns in Ihrer WohnungWedekind hielt sich seit dem 6.1.1917 im Krankenhaus Josephinum auf, wo er sich am 8.1.1917 seiner dritten Bachoperation unterziehen musste und erst am 31.1.1917 wieder entlassen wurde [vgl. Tb]. Kurt Wolffs Brief hat daher Tilly Wedekind für ihren Mann am 15.1.1917 beantwortet und ein Treffen in der Klinik vorgeschlagen: „Sehr geehrter Herr! Im Auftrag meines Mannes teile ich Ihnen mit, dass er sich zur Zeit einer unbedeutenden Operation wegen in der Heilanstalt Josephinum, Schönfeldstraße 16 aufhalten muss und sich sehr freuen würde wenn Sie ihn am 17. in der von Ihnen angegebenen Zeit aufsuchen würden.“ [Kurt Wolff-Archiv, Yale University Library; abgedruckt in: Vinçon 1989, S. 450] Ob das Treffen zu diesem Termin dort stattgefunden hat, ist nicht belegt, die weitere Korrespondenz bezeugt jedoch, dass es zu einer Unterredung zwischen Kurt Wolff und Wedekind kam. oder in meinem Hotel ( Hotel Marienbad, Barerstrasse) treffen sollen.

Es würde mich ausserordentlich freuen, wenn sich ein Zusammentreffen ermöglichen liesse. Inzwischen begrüsse ich Sie
in vorzüglicher Hochachtung
Ihr sehr ergebener

Einzelstellenkommentare

Leipzig, 1. Februar 1917 (Donnerstag)
von Wolff, Kurt
an Wedekind, Frank

1. Februar 7.
W/P

Herrn
Frank WedekingSchreibversehen, statt: Wedekind.
München
––––––––––


Sehr verehrter Herr Wedekind!

Durch Herrn Rechtsanwalt Adlerder Münchner Rechtsanwalt Siegfried Adler (Habsburgerstraße 10, Kanzlei Briennerstraße 55) [vgl. Adreßbuch für München 1917, Teil I, S. 3 und Teil II, S. 116]. Er vertrat Wedekind bei seinen Auseinandersetzungen mit dem Georg Müller Verlag, wie die Korrespondenz [vgl. Georg Müller an Wedekind, 11.12.1915] und Tagebucheinträge vom 9.12.1915 („Besuch bei Dr. Adler wegen Müller“), vom 17.12.1915 („Unterredung mit Müller über Auszahlung der III Auflage Ges. Werke. Unterredung mit Adler.“) und vom 11.12.1917 („Besprechung mit Adler wegen Kurt Wolf“) belegen. Später wandte er sich an ihn wegen seiner Scheidungspläne [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 16.1.1918]. ist mir inzwischen Einsichtnahme in Ihre Verträge mit dem Verlag Georg Müller möglich gemacht worden. Nun ist es selbstverständlich ohne weiteres möglich, dass ich Ihnen Verlagsvorschläge übermittele, die in mehrfacher Hinsicht für Sie bedeutend günstiger wären, als es die gegenwärtigen Bedingungen für Sie sind. Meine Vorschläge jedoch können so mannigfacher Art sein, dass ich, bevor ich sie brieflich und im verabredeten SinneKurt Wolff hatte sich mit Wedekind vermutlich am 17.1.1917 im Krankenhaus Josephinum getroffen [vgl. Kurt Wolff an Wedekind, 31.1.197], um einen Verlagswechsel zu besprechen. Ihnen gegenüber formuliere, gern zunächst noch einmal von Ihnen hören möchte, in welchem Sinne namentlich Ihnen eine Abänderung des gegenwärtigen Vertragsmodus erwünscht ist.

Einmal könnte von meinem Verlag aus– die Übergabe des Buchverlags und evtl. auch des Bühnenvertriebs zu annehmbaren Bedingungen an mich vorausgesetzt – Ihnen anstelle der völlig schwankenden Einnahmen, die Sie jetzt sowohl vom Buchverlag wie Bühnenvertrieb haben, auf eine längere Reihe von Jahren eine feste Jahresrente garantiert werden. | Der Verrechnungsmodus, d.h. das 20%tige Honorar könnte bleiben. Alljährlich würde dann einmal abgerechnet werden und eine Differenz zwischen der Höhe der Gesamteinnahmen und der Ihnen gezahlten festen Rente, falls diese Differenz zu Ihren Gunsten, an Sie ausgezahlt werden; wäre die Differenz zu Gunsten des Verlages, so würde sie lediglich Ihrem Konto belastet, ohne auf die garantierte Jahreseinnahme auch für die nächsten Jahre irgendwelchen Einfluss zu haben und ohne Verpflichtung Ihrerseits, die Differenz zu Ungunsten des Verlages jemals zu begleichen.

Legen Sie auf den Bezug einer festen Jahre srenteSchreibversehen, statt: Jahresrente. kein Gewicht, so könnten Ihnen im andern Sinne günstigere Bedingungen geboten werden, als es von Seiten des Georg Müller Verlages gegenwärtig geschieht: anstelle von 2000 Exemplaren könnte eine etwa doppelt so hohe Zahl von jedem neuen Ihrer Bücher bei Erscheinen voraushonoriert werden.

Das sind nun 2 Vorschläge, während naturgemäss eine ganze Reihe weiterer Modificationen denkbar ist.

Bevor ich nun Vorschläge dieser Art in die Form eines bestimmten Angebots bringe, wäre mir, wie gesagt, erwünscht, von Ihnen zu erfahren, in welchem Sinne speziell Ihnen eine VerbesseungSchreibversehen, statt: Verbesserung. des gegenwärtigen Vertragsverhältnisses angenehm ist.

Ich hoffe, dass Sie diese Zeilen bei völlig wiederhergestellter GesindheitSchreibversehen, statt: Gesundheit. erreichen und begrüsse Sie
in ausgezeichneter Hochschätzung
als Ihr sehr ergebener

Einzelstellenkommentare

München, 6. Februar 1917 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Wolff, Kurt

München 6. Februar 1917.


Sehr geehrter Herr Kurt Wolff!

Empfangen Sie verbindlichsten Dank für Ihre freundlichen Vorschlägevgl. Kurt Wolff an Frank Wedekind, 1.2.1917.. Seit einigen Tagen bin ich aus der Klinik zurückWedekind war am 31.1.1917 aus der Heilanstalt Josephinum, wo er sich einer Bauchoperation unterzogen hatte, entlassen worden [vgl. Tb]. aber noch so gehindert in meinen Bewegungen, daß ich keinen Schritt unternehmen kann. Sobald ich die nötige Bewegungsfreiheit habe werde ich mit Ihrem Brief zu Georg Müller gehenDer Georg Müller Verlag, bei dem Wedekinds Bücher erschienen, befand sich zu der Zeit in der Elisabethstraße 26 [vgl. Adreßbuch für München 1917, Teil I, S. 478]. und ihn | direkt fragen wie er sich zu der Hergabe meiner Werke stellt. Sie erhalten dann sofort Nachricht über das Ergebnis der Besprechung.

In vorzüglicher Hochschätzung
Ihr sehr ergebener
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Leipzig, 8. Februar 1917 (Donnerstag)
von Wolff, Kurt
an Wedekind, Frank

Wedekind Prinzregentenstrasse 50
München


Bitte mein letztes Schreibenvgl. Kurt Wolff an Wedekind, 1.2.1917. Müller nicht vorlegenvon dieser Absicht hatte Wedekind Kurt Wolff geschrieben [vgl. Wedekind an Kurt Wolff, 6.2.1917].

Brief unterwegs Kurt Wolff

Einzelstellenkommentare

Leipzig, 8. Februar 1917 (Donnerstag)
von Wolff, Kurt
an Wedekind, Frank

W/P   8. Februar    7.


Herrn
Frank Wedekind
Prinzregentenstrasse 50
München


Sehr verehrter Herr Wedekind!

Ich telegraphierte Ihnenvgl. Kurt Wolff an Wedekind, 8.2.1917. heute die Bitte, mein letztes Schreibenvgl. Kurt Wolff an Wedekind, 1.2.1917. dem Georg Müller’schen Verlage nicht vorzulegen. Wenn Sie es noch einmal durchlesen wollen, so werden Sie selbst finden, dass es dazu nicht geeignet ist, dass ich Sie vielmehr mit jenem Brief zunächst nur bat, mir durch Übermittelung Ihrer besonderen Wünsche die Möglichkeit zu festerer Formulierung meiner Vorschläge zu geben. – Kenne ich Ihre besonderen Wünsche, so wird sofort ein Brief an Sie abgehen, der zur evtl. Vorlage bei Georg Müller geeignetei/r/st/i/st, als es jener vom 1.II. war.

Mit ergebensten Empfehlungen

Einzelstellenkommentare

Leipzig, 17. Februar 1917 (Samstag)
von Wolff, Kurt
an Wedekind, Frank

den 17. Februar 1917


Sehr verehrter Herr Wedekind,

zwar besitze ich noch nicht Ihre Antwort auf mein Schreibenvgl. Kurt Wolff an Wedekind, 8.2.1917. vom 8. ds., möchte Ihnen aber trotzdem heute erneut IhnenSchreibversehen (Wortwiederholung), statt: erneut. folgendes in der Angelegenheit Georg Müller vertraulich mitteilen:

Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, sind die anscheinend vorhanden gewesenen finanziellen Schwierigkeiten des Müllerschen Verlages durch Zuschuss eines beträchtlichen Betrages (es handelt sich um über ½. Million) von finanziell sicherster und zuverlässigster Seite behoben worden. Diese Tatsache lässt wohl mit Recht den Schluss zu, dass der gegenwärtige Zeitpunkt für den Beginn der von Ihnen und von mir gleichermassen gewünschten Verhandlung so ungeeignet wie möglich ist. Ich halte es für meine Pflicht, Sie hiervon vertraulich in Kenntnis zu setzen, weil ich nicht schuld daran sein möchte, dass Sie etwa jetzt in Verhandlungen mit Georg Müller eintreten, die zu keinem Ergebnis führen und infolge dieser Verhandlungen Ihre weiteren Beziehungen zum Georg Müller’schen Verlage getrübt wären.

So sehr ich mich für den Georg Müller Verlag an sich aufrichtig freue, dass ihm durch die angedeutete Finanzierung freieres und leichteres Arbeiten ermöglicht wurde, so sehr bedaure ich naturgemäss, dass durch diese Umstände die Verwirklichung meiner Hoffnung, Ihr Gesamtwerk für meinen Verlag zu gewinnen, erschwert erscheinen muss. |

Immerhin erscheint mir die Erschwerung sido/ch/ch/d/och nur auf eine sofortige Ablösung des gesamten erschienenen Werkes vom Müller Verlag zu beziehen, nicht aber auf die Aussicht, meinerseits schon jetzt Verleger Ihrer neuen Arbeiten„Wolff hatte lediglich die Verlagsrechte für eine Neuausgabe von ‚Mine-Haha‘ erworben, verwertete sie aber nicht mehr.“ [Wolfram Göbel: Der Kurt Wolff Verlag 1913 – 1930. Expressionismus als verlegerische Aufgabe. Frankfurt 1975, Sp. 751] werden zu können.

Im übrigen bitte ich Sie ganz unbeeonflusstSchreibversehen, statt: unbeeinflusst. nach Ihrem Gutdünken zu handeln. Es bedarf nicht der Versicherung, dass mein Wunsch, verlegerisch für Sie zu wirken, nach wie vor unverändert bestehen bleibt. Den Ihnen in diesen Zeilen gegebenen vertraulichen Hinweis jedoch halte ich für meine Pflicht.

Ihnen in Hochschätzung und Verehrung
ergebener

Einzelstellenkommentare

München, 19. Februar 1917 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Wolff, Kurt

München den 19. Februar
1917.


Sehr geehrter Herr Kurt Wolff!

Leider habe ich noch drei Wochen seit Empfang Ihrer Vorschläge vom 1. Februar zu laborierenan einer Krankheit leiden, gesundheitliche Probleme wenig erfolgreich bekämpfen. gehabt und war dadurch verhindert mich mit meinen Geschäften zu befassen. Auch mit Georg Müller habe ich seit meiner KrankheitWedekind hatte sich am 6.1.1917 für eine „Bruchoperation“ [Tb 8.1.1917] ins Krankenhaus Josephinum begeben und war am 31.1.1917 wieder entlassen worden. Am 4.2.1917 notierte er: „Zum ersten Mal ausgegangen“ [Tb]. noch nicht gesprochen, werde mich aber nächster Tage mit ihm auseinandersetzen. Von den beiden Vorschlägen, die Sie mir | in Ihrem Briefe vom 1. ds. machen, sagt mir der erste, der ein festes Jahreseinkommen einschließt am meisten zu. Wenn Sie mir einen Vertrag vorlegen, der mir in diesem Sinne einen angemessenen festen Ertrag meiner Arbeit sichert, so bin ich bereit und entschlossen das meinige zu tun um von Georg Müller loszukommen. Vermuten Sie bitte nicht, daß ich Ihr Anerbieten nur in Händen haben möchte, um bei Georg Müller bessere Bedingungen zu erreichen. |

Soweit hatte ich geschrieben als ich heute Ihre geehrten Zeilenvgl. Kurt Wolff an Wedekind, 17.2.1917. vom 17. bekam. Empfangen Sie verbindlichen Dank für Ihre wertvolle Benachrichtigung. Der Gedanke, künftige Werke Ihrem Verlag zu übergeben sagt mir durchaus zu. Natürlich muß ich jetzt aber zuerst meine Angelegenheiten mit Müller ordnen.

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochschätzung
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare