Briefwechsel

Wedekind, Frank und Gerhäuser, Emil

9 Dokumente

München, 25. Juli 1904 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Gerhäuser, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 25.7.1904 in München:]


Brief an Gerhäuseran den befreundeten Münchner Kammersänger Emil Gerhäuser, vermutlich in Tölz, wo Wedekind ihn am 17.7.1904 besucht hat: „Vormittags bei Gerhäuser in seinem Landhaus.“ [Tb].

Einzelstellenkommentare

Halensee, 3. Februar 1906 (Samstag)
von Gerhäuser, Emil
an Wedekind, Frank

Berlin-HalenseeEmil Gerhäuser wohnte im Berliner Vorort Halensee (Kronprinzendamm 20, 3. Stock rechts) vermutlich bei der Witwe Clara Loewenthal (geb. Rosenthal) in Untermiete [vgl. Berliner Adreßbuch 1906, Teil V, S. 480; Teil I, S. 1359]., Kronprinzendamm 20/IIIr.
3. Febr. 1906


Mein lieber Frank!

Dir und Deiner schönen Freundin sende ich je ein Exemplar des Molocje ein Exemplar des von Emil Gerhäuser nach dem gleichnamigen Dramenfragment von Friedrich Hebbel geschriebenen Librettos zu der Oper „Der Moloch“ (1906) von Max von Schillings („Der Moloch. Musikalische Tragödie in drei Aufzügen. Dichtung frei nach Fr. Hebbels ‚Moloch-Fragment‘ von Emil Gerhäuser“), das außerhalb des Buchhandels im Verlag von Bote & Bock in Berlin erschienen ist, für Wedekind und seine Freundin Tilly Newes.h; bitte, nehmt die kleine Gabe als einen schwachen Dank für den gestrigen Abendnicht am 2.2.1906, an dem Wedekind die Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals Drama „Ödipus und die Sphinx“ (1906) im Deutschen Theater besuchte und anschließend zusammen mit Tilly Newes an einem Bankett im Grand Hôtel de Rome teilnahm [vgl. Tb], sondern am 1.1.1906, an dem Wedekind den Besuch des Freundes und einen gemeinsamen Besuch mit Hans Richard Weinhöppel und Tilly Newes in der Weinstube Gebrüder Habel (Unter den Linden 30) notierte: „Abends kommt Gerhäuser zu mir. Gerhäuser Weinhöppel Tilli und ich bei Habel.“ [Tb] Emil Gerhäuser dürfte Tilly Newes hier erstmals begegnet sein. an. Es hat mir so wohlgethan mit Dir nach so langer ZeitEmil Gerhäuser hat Wedekind zuletzt am 2.8.1905 in München gesehen: „Abends Intimes Theater mit Gerhäuser e.ct. Toggelstube.“ [Tb] wieder zusammen zu sein; in Dir ist etwas Neues: Du sitzest mit freudigem Stolz heute am Fest des Lebens u. das gibt Dir und Deinem Leben einen neuen Schimmer. Auch der Verschwender steht Dir gut zu Gesicht. Vielleicht besonders, weil Du lange gedarbt hast. Fräulein Tilly ist einfach entzückend; schön und apart. Ihre zweierlei Augen geben ihr einen Charme, wie ihn die alten französischen Maler dargestellt haben. Und sie liebt Dich so selbstverständlich, als ob es ein kleines | und leichtes wäre, einen Tiger zu streicheln. Ob sie dich wirklich zähmen wird? Wärst Du nicht mein Freund, ich würde ihr zu Füssen liegen – ah, wie wohl thut doch solch ein Bad in jungen glücklichen Augen.

Ich suche Dich morgen gegen AbendWedekind notierte am 4.2.1906 Besuche der Weinstube Steinert & Hansen (Albrechtstraße 24/25) und der Künstlerklause Carl Stallmann (Jägerstraße 14) mit Tilly Newes und Emil Gerhäuser: „Abends mit Tilli und Gerhäuser bei Hansen und Steiner und bei Stallmann.“ [Tb] wieder auf. Lass mir sagen, wo ich Dich treffen kann, wenn Du nicht zu Hause bist und grüsse Deine Freundin von mir.

Herzlichst Dein
Emil Gerhäuser

Einzelstellenkommentare

Halensee, 27. Februar 1906 (Dienstag)
von Gerhäuser, Emil
an Wedekind, Frank

Berlin-Halensee, Kronprinzendamm 20.


Lieber Frank!

Ich komme heute Abend gegen 10ham 27.2.1906 gegen 22 Uhr. Wedekind notierte für diesen Abend, dass er die Nacht vom 27. auf den 28.2.1906 bis in die frühen Morgenstunden im Café Bauer (Unter den Linden 26) [vgl. Berliner Adreßbuch 1906, Teil IV, S. 57] verbrachte: „Bis 4 Uhr im Café Bauer.“ [Tb] Ob er am 27.2.1906 vor 22.30 Uhr dort war (siehe unten) – bis dahin wollte Emil Gerhäuser auf ihn warten – ist unklar. ins Café Bauer I Stock. Vielleicht sehen wir uns? Ich werde bis 10½hbis 22.30 Uhr. warten.

Unsere neuliche Unterredungüber Wedekinds Plan, Tilly Newes, mit der er sich am 18.2.1906 verlobt hatte, zu heiraten. Wedekind hat sich dem Tagebuch zufolge zuletzt am 22.2.1906 („Abends mit Gerhäuser im Nürnberger Hof Franziskaner, Café Josti und bei Stallmann“) und 23.2.1906 („Mit Gerhäuser im Nürnberger Hof“) mit Emil Gerhäuser getroffen. Tilly Wedekind erinnerte sich später (in ihren Memoiren, in denen Emil Gerhäuser unter dem Pseudonym ‚Otto Fehr‘ firmiert): „Es trug auch nicht gerade dazu bei, ihn mir sympathischer zu machen, daß Frank mir wiedererzählte, wie Fehr reagiert hatte, als Frank ihn in unseren Heiratsplan einweihte und ihn bat, sein Trauzeuge zu sein. ‚Na‘, hatte Fehr skeptisch geäußert, ‚zehn Jahre wird’s wohl gut gehen –‘ Damit hatte Fehr natürlich gleich von Anfang an Franks wundesten Punkt getroffen und ihn in seinen schlimmsten Befürchtungen bestärkt. Es war, als säße mit Otto Fehr schon bei unserer Hochzeit das Verhängnis unserer Ehe mit am Tisch.“ [Wedekind 1969, S. 70f.] Emil Gerhäuser war bei der Heirat Wedekinds mit Tilly Newes am 1.5.1906 Trauzeuge., bei welcher wohl die Phantasie uns einen Streich gespielt hat, hat der helle Tag und nüchterne Betrachtung wohl längst als überflüssig erscheinen lassen. Nach wie vor sage ich: heirate Deine Tilly. Du bist gegenwärtig so in Deinem Innern von ihr abhängig, dass nur eine Kur hilft: die Ehe. Dann gibt sich alles wieder von selbst. Was kannst Du Dir besseres wünschen als das liebliche und exzentrische Wesen vereint? – Grüsse Sie von mir u. sag ihr, ich sei ein Dummkopf!

Noch eins! Ich kann von MünchenEmil Gerhäusers Gattin, Ottilie Gerhäuser (geb. Saint-Georges), lebte als Schauspielerin an den Vereinigten Theatern Theater am Gärtnerplatz und Münchner Schauspielhaus in München (Widenmayerstraße 5) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 486]. erst gegen Ende der Woche wieder Geld bekommen u. meine Moneten haben bald ein Ende. Kannst Du mir eventuell bis wenigstens 1. März 100 M. leihen? Anfrage sans façon(frz.) zwanglos, unbefangen. – Antwort ohne Rücksicht erwünscht. Herzlichsten Gruss

Dein
Emil.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 20. Oktober 1906 (Samstag)
von Wedekind, Tilly und Wedekind, Frank
an Gerhäuser, Emil, Gerhäuser, Ottilie

Habe inzwischen die Bekanntschaft von Fr. HimmelsbachMarie Stange (eine gelernte Schneiderin), die sich später offiziell Marie Himmelsbach nannte [vgl. Berliner Adreßbuch 1914, Teil I, S. 1205], die Inhaberin des Modesalons für Damen M. Himmelsbach (Schellingstraße 5, 1. Stock) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 911; Teil II, S. 2358], den sie 1903 oder 1904 übernommen haben und mit ihm an die nun aktuelle Adresse umgezogen sein dürfte [vgl. Berliner Adreßbuch 1904, Teil I, S. 713; Berliner Adreßbuch 1905, Teil I, S. 798]. Der vorherige Betreiber, ein Schneider für Damenkonfektion, hatte das Geschäft 1888 eröffnet und sich auf Theaterkostüme – „M. Himmelsbach [...] Atelier für historische und moderne Damengarderobe“ [1899, Teil IV, S. 280] – spezialisiert; entsprechend war es im „Führer durch den Theater-Geschäfts-Verkehr“ – zuletzt 1903 – für Bühnentoiletten verzeichnet [vgl. Neuer Theater-Almanach 1903, S. 219]. Frank Wedekind hatte seine junge Gattin in den Modesalon von Marie Stange eingeführt, wie er am 21.9.1906 notierte: „Ich führe Tilly zu Frau Himmelsbach.“ [Tb] Und am 29.9.1906 hielt er fest: „Tilly bekommt ihr Kleid von Frau Himmelsbach.“ [Tb] gemacht, die mir viel von Ihnen vorschwärmte u. Sie herzl. grüßen lässt.

Herzl. Grüße
Tilly Wedekind


Beste Grüße an Dich und Emil
Frank


[Hinweis auf Zitat in Antiquariat DAS BÜCHERHAUS – Hermann Wiedenroth, ungedrucktes Katalogisat: 9502-a-49670-bh-WAG:]


WEDEKIND, Tilly [...] u. Frank Wedekind [...]. Eigenhändige Porträtpostkarte ‚Frank Wedekind u. Frau‘ (Verlag Jos. Paul Böhm, München 1906) mit Unterschriften und Adresse. Berlin (Poststempel), 20.10.(19)06.

An den [...] Heldentenor Emil Gerhäuser [...] und seine Frau, die Schauspielerin Ottilie Gerhäuser [...] in München: [...]

Einzelstellenkommentare

Halensee, 21. November 1906 (Mittwoch)
von Gerhäuser, Emil
an Wedekind, Frank

Halensee. Friedrichsruherstr 7/IrEmil Gerhäuser hatte im Berliner Vorort Halensee eine neue Adresse (Friedrichsruherstraße 7, 1. Stock rechts) und wohnte erneut in Untermiete [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil V, S. 533]..
21.XI.06


Lieber Frank

herzlichen Dank für Deine Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Emil Gerhäuser, 21.11.1906.; der morgige Abend passt mir ausgezeichnet, weil ich übermorgen früh bei Frau Lehmann nicht zu singenTilly Wedekind erinnerte sich später (in ihren Memoiren, in denen Emil Gerhäuser unter dem Pseudonym ‚Otto Fehr‘ firmiert), Emil Gerhäuser habe „seit einiger Zeit Schwierigkeiten mit seiner Stimme“ gehabt „und nahm nun wieder Gesangsunterricht bei der berühmten Lilli Lehmann.“ [Wedekind 1969, S. 71] Die Kammersängerin Lilli Lehmann-Kalisch wohnte im Grunewald (Herbertstraße 20) [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 1373], wo sie auch ihren Gesangsunterricht gegeben haben dürfte. habe wegen ihres KonzertesLilli Lehmann gab am Abend des 23.11.1906 um 19.30 Uhr in der Berliner Philharmonie ein Konzert mit Arien und Liedern von Edvard Grieg, Georg Friedrich Händel, Oscar Kolbe und Richard Wagner, annonciert als „I. Lilli Lehmann-Abend.“ [Berliner Tageblatt, Nr. 595, 23.11.1906, Morgen-Ausgabe, 3. Beiblatt, S. (1)].. Auch würde ich mich sehr freuen, Frühlingserwachen in Tillys GesellschaftEmil Gerhäuser besuchte gemeinsam mit Tilly Wedekind am 22.11.1906 in den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Direktion: Max Reinhardt) zu Berlin nach der Uraufführung von „Frühlings Erwachen“ am 20.11.1906 die zweite Vorstellung (Frank Wedekind stand als vermummter Herr auf der Bühne); das war die „Pressevorstellung von Fr Erw.“ [Tb], wie Wedekind am 22.11.1906 notierte, außerdem: „Nachher Souper bei Borchart. [...] Nachher mit Tilly und Gerhäuser im Café Austria.“ [Tb] zu sehen. Ich schreibe Dir dies heute noch, damit Du morgen früh orientiert bist; ich werde aber versuchen, Dich bei Steinert und Hansen, Kurfürstendammnicht bei Steinert & Hansen (Albrechtstraße 24/25), sondern in der Weinstube Eugen Steinert am Kurfürstendamm 22 [vgl. Berliner Adreßbuch 1907, Teil I, S. 2375], die Wedekind aufsuchte und Emil Gerhäuser dort traf (siehe unten). heute Abend nochWedekind notierte am 21.11.1906: „Abends treffe ich Gerhäuser bei Steinert und gehe mit ihm zu Hohenzollern.“ [Tb] zu begrüssen.

Herzlichst
Dein Emil.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 21. November 1906 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Gerhäuser, Emil

[Hinweis in Emil Gerhäusers Brief an Wedekind vom 21.11.1906 aus Halensee:]


[...] herzlichen Dank für Deine Zeilen [...]

Einzelstellenkommentare

Berlin, 17. September 1908 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Gerhäuser, Emil

[Hinweis in Wedekinds Notizbuch (Nb 54, Blatt 50v):]


OAHA senden an
[…]
Emil Gerhäuser
[...]

Einzelstellenkommentare

München, 14. Dezember 1908 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Gerhäuser, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 14.12.1908 in München:]


Brief an Gerhäuseran Emil Gerhäuser in Stuttgart (Hackstraße 32) [vgl. Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Stuttgart für das Jahr 1909, Teil I, S. 221], der dort als Oberregisseur an der Oper des Stuttgarter Hoftheaters tätig war [vgl. Neuer Theater-Almanach 1909, S. 618]. [...]

Einzelstellenkommentare

Stuttgart, 20. Dezember 1908 (Sonntag)
von Gerhäuser, Emil
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Joachim Gans zu Putlitz vom 21.12.1908 aus München:]


[...] mich auf eine Benachrichtigung des Herrn Kammersänger Gerhäuser zu berufen [...]

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