Briefwechsel

Wedekind, Frank und H. R. Sauerländer’s Verlagsbuchhandlung [(Verlag)]

2 Dokumente

Aarau, 13. Februar 1884 (Mittwoch)
von H. R. Sauerländer’s Verlagsbuchhandlung, (Verlag)
an Wedekind, Frank

Herrn F. Wedekind Hierin Aarau.


in Aarau; Wedekind wohnte in der Schulzeit bei der Privatiere Frau Regula Huber (geborene Aschmann) am Zollrain 88.

Aarau 13. Februar 1884


Indem wir das Vergnügen haben Ihnen in der Anlage circa 100 à(frz.) bis. 200 Exemplare Ihres „PrologesSeinen „Prolog zur Abendunterhaltung der Kantonsschüler“ trug Wedekind am 1.2.1884 (Beginn 19.30) im neuen Festsaal in Aarau mit großem Beifall vor [vgl. Aargauer Nachrichten, Jg. 30, Nr. 26, 31.1.1884, S. (4)]. Über die Veranstaltung schrieb die Kantonsschule: „Das Programm, aus einem Prolog, mehreren Vocal- und Orchesternummern, Declamationen und dramatischen Darstellungen bestehend, hatte eine unerwartet große Zahl Zuhörer angezogen; die Leistungen der Schüler haben, Dank den eifrigen Bemühungen einiger unsrer Collegen die Erwartungen des Publikums durchaus befriedigt. [...] Da dieser Versuch durchaus günstig ausgefallen ist, und da nun ein sehr schönes und geräumiges Lokal zur Verfügung steht (woran es bisher mangelte), so hoffen wir den Schülern jeden Winter einen oder zwei solcher Abende bieten zu können.“ [Programm der Aargauischen Kantonsschule für das Schuljahr 1883/84, S. 9; vgl. KSA 1/II, S. 1983-1985] zu übermitteln, hoffen wir daß Sie Ihren Commilitonen & Freunden durch Ueberreichung eines ExemplaresExemplare schenkte Wedekind unter anderem Oskar Schibler, Carl Schmidt, Lina Renold, Anny Barck, Blanche Zweifel, Olga Plümacher, Otto Lindt, Eduard Leupold (siehe die jeweiligen Korrespondenzen). Freude bereiten werden.

Mit aller Achtung
H. R. Sauerlaender’sBuchdruckerei und Buchbinderei des Verlags H. R. Sauerlaender befanden sich in der Laurenzenvorstadt Nr. 420 und 421, die Buchhandlung im Graben 220 [vgl. Adressbuch Aarau 1884, S. 73].
inf. A.

Einzelstellenkommentare

Lenzburg, 16. Februar 1884 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an H. R. Sauerländer’s Verlagsbuchhandlung, (Verlag), Sauerländer, Karl Heinrich Remigius

Schloß Lenzburg, Februar, 1884.


Hochverehrter Herr,

Ich beehre mich hiemit, Ihnen anzuzeigen, daß ich Ihre freundliche SendungEin Paket mit 100 bis 200 gedruckten Exemplaren von Wedekinds Prolog zur Abendunterhaltung der Kantonsschüler mit dem Begleitbrief des Verlags [vgl. H. R. Sauerländers Verlagsbuchhandlung an Wedekind, 13.2.1884]. gestern Abendsehr wahrscheinlich Freitagabend, der 15.2.1884. Die innerhalb Aaraus ungewöhnlich lange Laufzeit der am 13.2.1884 datierten „Sendung“ (siehe Anmerkung oben) von 2 Tagen dürfte kalendarisch begründet sein, denn der 14.2.1884 (Valentinstag) war ein schulfreier Feiertag, weshalb Wedekind am 13.2.1884 nach Schulschluss nach Lenzburg gefahren sein wird, von wo er am 15.2.1884 morgens direkt zur Schule und von dort erst am Abend sein Pensionszimmer (bei Frau Regina Huber, Zollrain 88) aufgesucht haben dürfte, wo er das Päckchen vorfand. erhalten habe. Empfangen Sie meinen besten, herzlichsten Dank dafür. Es gehört wol zu den angenehmsten Jugendfreuden, sich zum ersten Male gedrucktDer Prolog zur Abendunterhaltung der Kantonsschüler war die erste selbstständige Publikation Wedekinds, als Zeitschriftenbeiträge waren die Gedichte Eduard von Hartmann [Erholungsstunden, eine Beilage des Thuner Wochenblatts, Winter 1881/82 (vgl. KSA 1/II, S. 1409)] und Turnergruss [Festblatt für das Eidgenössische Turnfest in Aarau, Nr. 2, 30.7.1882, S. 4] erschienen. zu wissen; und Sie werden solch’ | naive Empfindung gewiß begreifen, besonders, da ich mein Geisteskind in so schönem, schimmernd-weißem Gewandeder Einband. in die Welt hinaustreten sehe. Weiß ich doch recht gut, wie gerne der unerfahrene Leser sich in seinem Urtheil durch die leichtere oder schwerere Leslich/g/keit des Druckes bestechen läßt. Und meine Jungpfer Muse ist wahrhaftig noch nicht in der glänzenden Lage, in der sie solche Vortheile verschmähen dürfte. Um so angenehmer überraschte mich demnach die herrliche Ausstattung, die Sie ihrem Söhnlein zu Theil werden ließen.

Der gestrengen Kritik möchte ich zwar in keiner Weise vorgreifen, glaube aber dennoch, Ihnen, werther | Herr, auch im Namen meiner lieben Comilitonen und Freunde aufs Wärmste danken zu dürfen für Ihre Freundlichkeit, die meiner Umgebung eine recht lebhafte Erinnerung an den schönen Abend bereiten wird. Ebenso beauftragen mich meine lieben Eltern, Ihnen ihren höflichsten Dank zu melden, und ich selber verbleibe indessen voll dankbarer Hochachtung
Ihr ergebenster
Franklin Wedekind.

Einzelstellenkommentare