Briefwechsel

Goldschmied, Leonor und Wedekind, Frank

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Nikolassee bei Berlin, 26. Oktober 1908 (Montag)
von Goldschmied, Leonor
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 29.10.1908 aus München:]


Ich erhielt von Goldschmidt eine Zuschrift [...]

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München, 14. April 1912 (Sonntag)
von Goldschmied, Leonor
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Erich Mühsams Tagebuch vom 16.4.1912 in München (Tb Mühsam):]


Gesternam 15.4.1912, an dem Wedekind notierte: „RK mit [...] Mühsam“ [Tb]. abend [...] war merkwürdigerweise Herr Leonor GoldschmiedDer Schriftsteller Leonor Goldschmied, der inzwischen im Münchner Vorort Solln wohnte (Böcklinstraße 3) [vgl. Adreßbuch für München 1912, Teil I, S. 188], hatte vor Jahren gegen Erich Mühsam einen Beleidigungsprozess geführt und verloren, der am Rande auch Max Halbe [vgl. Max Halbe an Wedekind, 27.10.1906] und Wedekind [vgl. Wedekind an Max Halbe, 29.10.1908] tangiert hatte. Gegenstand der Unterhaltung. Die Polizei hat ihm die öffentliche Vorlesung seiner ‚Entweihung der Erde. Tragödie der Gewalt‘ verboten. Es soll unerhörter Mist sein. Goldschmied selbst ist – darüber sind alle Meinungen einig – ein unerträglicher, aufdringlicher, widerlicher Kerl, dem es darauf ankommt, überall für sich persönliche Ehren einzuheimsen und der mit seinem aufdringlichen Anliegen alle Leute belästigt. Der hat sich nun an eine Reihe von Leuten, darunter an Wedekind, gewandt und sie aufgefordert, einen Protest gegen das PolizeiverbotDer Protest gegen das Verbot einer öffentlichen Lesung von Leonor Goldschmieds Stück „Die Entweihung der Erde. Eine Tragödie der Gewalt in fünf Akten“ (1909) erschien am 19.4.1912 in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ (im Vorabendblatt einen Tag vordatiert) – unterschrieben von Michael Georg Conrad, Karl Ettlinger, Leonor Goldschmied, Korfiz Holm, Joseph August Lux, Georg Stollberg, Ludwig Thoma und Frank Wedekind [vgl. Ein neuer Protest gegen die Münchner Zensur. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 65, Nr. 200, 20.4.1912, Vorabendblatt, S. 3]. Erich Mühsam notierte am 21.4.1912: „Zuerst wieder der Fall Leonor Goldschmied. Ich stellte Wedekind zur Rede, weil er [...] einen ganz unglaublichen, offenbar von der Wanze selbst verfaßten Aufruf unterschrieben hat. Ich behauptete, und außer Wedekind stimmte mir der ganze Tisch zu, Wedekind habe einen Protest gegen das Vorlesungsverbot unterschreiben dürfen, niemals aber eine Kundgebung für den Dichter Goldschmied.“ [Tb Mühsam] Der Protest fand durchaus Beachtung: „Das Verbot der öffentlichen Vorlesung der Tragödie ‚Die Entweihung der Erde‘ von Leonor Goldschmied zeitigte einen Protest münchener Schriftsteller gegen die dortige Zensur. [...] Unterzeichnet ist der Protest von [...] Frank Wedekind.“ [Das literarische Echo, Jg. 14, Heft 16, 15.5.1912, Sp. 1168] zu unterschreiben.

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