Briefwechsel

Meßthaler, Emil und Wedekind, Frank

25 Dokumente

Nürnberg, 2. Februar 1904 (Dienstag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Bruno Cassirer vom 3.2.1904 aus München:]


[...] Obiges Telegramm [...]

Einzelstellenkommentare

München, 3. Februar 1904 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

Lieber Herr Meßthaler.

Wenn Ihnen das Experiment dieser Aufführung gelungen ist, dann haben Sie schon das Unmögliche möglich gemacht. Dafür meinen feierlichsten Dank. Was den Beifall betrifft, wenn er vorhanden war,sichwirklichein Beifall geäußert hat dann wollen wir ihn Beide als Huldigung

Wenn Ihnen das ExperimentDie Uraufführung der Tragödie „Die Büchse der Pandora“ am 1.2.1904 im Intimen Theater in Nürnberg (siehe unten) wurde in der Nürnberger Presse als solches bezeichnet – der „Fränkische Kurier“ meinte am 2.2.1904, dass manche „solche Experimente nicht für unbedingt nötig halten“ [KSA 3/II, S. 1254], die „Fränkische Zeitung“ erklärte am 3.2.1904: „Wenn Direktor Meßthaler [...] das Experiment einer einmaligen Vorstellung unternahm, so konnte er es nur im Vertrauen darauf, daß das hiesige Publikum durch den Wedekind-Zyklus des Intimen Theaters auf die exzentrische Art dieses Autors besser ‚trainiert‘ war als irgend ein anderes.“ [KSA 3/II, S. 1254] Wagnis dieser Aufführungdie Uraufführung von Wedekinds Tragödie „Die Büchse der Pandora“ (1903) am Intimen Theater (Direktion: Emil Meßthaler) in Nürnberg [vgl. Neuer Theater-Almanach 1904, S. 453] am 1.2.1904 unter der Regie von Egbert Soltau mit Else Schiff als Lulu in einer geschlossenen Vorstellung [vgl. KSA 3/II, S. 1254]. Emil Meßthaler dürfte Wedekind spätestens am nächsten Tag in einem „Telegramm“ [Wedekind an Bruno Cassirer, 3.2.1904] den Erfolg der Subskriptionsvorstellung gemeldet haben. gelungen ist, dann haben Sie wohl einen g überraschenden gewaltigen Schritt gethan. Wenn außerdem auch noch Dafür meinen innigsten Dank. Wenn sich außerdem auch noch BeifallWedekind hat am 3.2.1904 auch in der Münchner Presse vom Erfolg der Nürnberger Uraufführung seiner Tragödie lesen können, vom Beifall, die sie gefunden hat: „Im Intimen Theater in Nürnberg wurden am Montag Abend die beiden ersten Akte von Frank Wedekinds ‚Büchse der Pandora‘ bei der Uraufführung, die als Subskriptionsvorstellung stattfand, mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Der Schlußakt fand starken Widerspruch; es wurde sogar gepfiffen. Doch zum Schluß überwog bedeutend der Beifall. Direktor Meßthaler hielt noch eine Ansprache, in der er hervorhob, daß die Vorstellung nicht für die breite Masse bestimmt gewesen sei.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 54, 3.2.1904, Morgenblatt, S. 2] äußerte, dann wollen wir Beide ihn als Huldigung gegenüber einer freieren Lebensauffassung mit Bescheidenheit bescheiden entgegennehmen.

Ganz der Ihrige
Ihr dankbarer F.W.

Einzelstellenkommentare

München, 23. Mai 1904 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 23.5.1904 in München:]


Brief an Meßthaler.

Einzelstellenkommentare

Leipzig, 25. Mai 1904 (Mittwoch)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Fritz Basil vom 30.5.1904 aus München:]


Meßthaler schreibt mir [...]

Einzelstellenkommentare

München, 27. Mai 1904 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 27.5.1904 in München:]


Karte an Meßthaler [...]

Einzelstellenkommentare

Büsum, 2. Juni 1904 (Donnerstag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

Postkarte


Herrn Frank Wedekind
München (Bayern)
Franz Josefstr 48 |


Adreße: Büsum
Strandhotel


Lulu.Emil Meßthaler hat den Namen der Hauptfigur aus Wedekinds Tragödie „Die Büchse der Pandora“ auf das rechte Bein der abgebildeten Frau im Badeanzug geschrieben – in Anspielung auf die Uraufführung am 1.2.1904 im Intimen Theater in Nürnberg unter seiner Direktion und auf das „einmalige Gastspiel des Nürnberger Ensembles in München“ [KSA 3/II, S. 1205] am 29.3.1904, das Wedekind notierte: „Aufführung der Büchse der Pandora in München.“ [Tb] Kile KileEmil Meßthaler hat den scherzenden Ausdruck für Kitzeln (‚killekille‘) auf die nach oben gekehrte Fußsohle des rechten Fußes der abgebildeten Frau im Badeanzug geschrieben.

2.6.1904Emil Meßthaler hat das Schreibdatum der Bildpostkarte auf das linke Bein der abgebildeten Frau im Badeanzug geschrieben.


Aus
Nordseebad Büsum. Herzlichsten Gruß
Ihr
E Meßthaler

Einzelstellenkommentare

Nürnberg, 26. Juni 1904 (Sonntag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

Postkarte


An
Herrn Frank Wedekind
in München
Franz Josefstr. 42/2. |


Emil Messthaler als „Willieine der Paraderollen von „Emil Messthaler, dessen ‚Willy‘ in ‚Sodoms Ende‘“ als eine seiner schauspielerischen „Bravourleistungen“ [Wilhelm Fischer: Die „Moderne“. Ein Beitrag zur Theatergeschichte der Gegenwart. Wiesbaden 1894, S. 58] galt.“ in „Sodoms Ende


Lieber Herr Wedekind ich freue mich herzlich über den Fortschritt des Münchener PublikumsAnspielung auf das Gastspiel des Nürnberger Intimen Theaters (Direktion: Emil Meßthaler) am 29.3.1904 – „Aufführung der Büchse der Pandora in München“ [Tb] – am Münchner Schauspielhaus, das vom Publikum mit Unverständnis aufgenommen wurde. „Das einmalige Gastspiel des Nürnberger Ensembles in München [...] endet [...] mit einem Publikumseklat.“ [KSA 3/II, S. 1205] Dagegen war es von „Erdgeist“ begeistert (siehe unten). den es gelegentlich der Aufführung Ihres „ErdgeistWedekinds „Erdgeist“ wurde am 24.6.1904 im Rahmen des erfolgreichen Ensemble-Gastspiels des Kleinen und Neuen Theaters zu Berlin (Direktion: Max Reinhardt) vom 17.6.1904 bis 3.7.1904 am Münchner Volkstheater mit Gertrud Eysoldt in der Rolle der Lulu aufgeführt und mit Beifall aufgenommen [vgl. KSA 3/II, S. 1227]. Hanns von Gumppenberg schrieb: „Im Volkstheater wurde Wedekinds ‚Erdgeist‘ in der vortrefflichen Wiedergabe durch das Ensemble des Kleinen und Neuen Theaters mit starkem, zuletzt stürmischem Beifall aufgenommen. Mit und nach den Darstellern erntete auch Wedekind selbst zahlreiche Hervorrufe. (Bericht folgt.)“ [H.v.G. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 293, 25.6.1904, Morgenblatt, S. 4] In Berlin wurde gemeldet: „Aus München telegraphiert unser Korrespondent: Wedekinds ‚Erdgeist‘ erzielte in der Wiedergabe durch das Kleine und Neue Theater im Volkstheater einen starken Erfolg. Darsteller und Wedekind wurden oft gerufen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 33, Nr. 317, 25.6.1904, Morgen-Ausgabe, S. (3)] bewiesen hat. Neugierig bin ich, wie sich ein gewißer rückständiger Kritiker & Auch-DichterAnspielung auf Hanns von Gumppenberg, Theaterkritiker der „Münchner Neuesten Nachrichten“ und Schriftsteller, der das „Büchse der Pandora“-Gastspiel des Nürnberger Intimen Theaters am Münchner Schauspielhaus (siehe oben) verrissen hatte [vgl. KSA 3/II, S. 1257]: „Im Schauspielhause wurde [...] Wedekinds dreiaktige Tragödie ‚Die Büchse der Pandora‘ durch das Meßthaler-Ensemble des Nürnberger Intimen Theaters zum ersten Male in München aufgeführt. [...] Wedekind [...] bietet [...] hier nur unzulängliche Surrogate [...]. Die Wiedergabe des Stückes [...] läßt sich weit besser denken, als wir sie gestern sahen. Schon sprechtechnisch konnte das [...] Nürnberger Ensemble der Aufgabe nur sehr mangelhaft genügen [...]. Aber auch in der Charakterzeichnung drückte gar mancher Fehlgriff die Darstellung auf ein abschreckendes Niveau herab“ [H.v.G.: Die Büchse der Pandora. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 152, 31.3.1904, Vorabendblatt, S. 3f.]. Wedekind hatte einen Protest gegen eine andere Besprechung eines im aktuellen Ensemblegastspiel gegebenen Stücks mitunterzeichnet, in dem es heißt: „Unterzeichnete Zuschauer der Vorstellung des Gorkischen ‚Nachtasyl‘ durch das Ensemble des Kleinen und Neuen Theaters (Berlin) halten es für ihre Pflicht, gegen die Besprechung dieser Vorstellung durch Herrn Hans v. Gumppenberg öffentlich Stellung zu nehmen. [...] wir verwahren uns dagegen, daß ein außergewöhnlich starker künstlerischer Erfolg dein Leserpublikum gegenüber durch hämische Redewendungen zu einem eklatanten Mißerfolg umgestempelt wird. Vor allem jedoch verwahren sich Unterzeichnete, daß einer ernsten Kunstleistung gegenüber ein so unwürdiger Ton angeschlagen wird, wie es unseres Erachtens in dieser Besprechung gebraucht wird.“ [Der kritisierte Kritiker. In: Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 311, 21.6.1904, Abend-Ausgabe, S. (2)] Darüber hat die Presse auch andernorts berichtet. verhalten wirdEmil Meßthaler war gespannt, wie Hanns von Gumppenberg (siehe oben) die „Erdgeist“-Inszenierung (siehe oben) rezensieren würde; er schrieb lediglich eine Kurzrezension, die sie verhalten lobte und auf den Publikumserfolg aufmerksam machte: „Im Volkstheater brachte gestern das Ensemble des Kleinen und Neuen Theaters Wedekinds Tragödie ‚Erdgeist‘ zu Ehren. Der groteske Prolog zur ‚Büchse der Pandora‘ hat in den ‚M.N.N.‘ bereits wiederholt Beurteilung erfahren; was darstellerisch aus ihm gemacht werden kann, das haben die Berliner mit einer schwer zu übertreffenden [...] Gesamtleistung erreicht, und zwar vor allem durch ein taktvolles Maßhalten“; es würden die „Darsteller ihren Aufgaben im wesentlichen gerecht. Der Applaus des trotz Feiertags und schönen Wetters leidlich gefüllten Hauses war von Anbeginn sehr lebhaft; vom zweiten Aktschlüsse ab wurde auch Wedekind mit und nach den Hauptdarstellern oftmals gerufen: zuletzt nahm der Beifall wieder die stürmischeren Formen einer begeisterten Huldigung an.“ [H.v.G. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 57, Nr. 294, 26.6.1904, S. 3]. Herzliche Grüße
Ihr
E Meßthaler


Was macht „Lulu“??Emil Meßthaler plante, ein Drama „Lulu“ in fünf Akten, das „beide Tragödien wieder vereinigt“ [KSA 3/II, S. 863], „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“, am Nürnberger Intimen Theater aufzuführen. Wedekind sandte ihm später ein Manuskript [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 15.9.1904], das verschollen ist; eine Buchausgabe „Lulu. Tragödie in fünf Aufzügen mit einem Prolog“ lag erst 1913 vor [vgl. KSA 3/II, S. 869].

Einzelstellenkommentare

8. Juli 1904 (Freitag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

Carte postale. – Postkarte. – Cartolina postale.
[...]
Weltpostverein.


Herrn Frank Wedekind
München
Franz-Josephstr. 42. |


Was macht Lulu??Emil Meßthaler hatte einige Tage zuvor bereits nachgefragt [vgl. Emil Meßthaler an Wedekind, 26.6.1904]. Er plante, ein Drama „Lulu“ in fünf Akten, das „beide Tragödien wieder vereinigt“ [KSA 3/II, S. 863], „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“, am Nürnberger Intimen Theater aufzuführen. Wedekind sandte ihm später ein Manuskript [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 15.9.1904], das verschollen ist; eine Buchausgabe „Lulu. Tragödie in fünf Aufzügen mit einem Prolog“ lag erst 1913 vor [vgl. KSA 3/II, S. 869]. Bei der Uraufführung der Tragödie „Die Büchse der Pandora“ am 1.2.1904 am Intimen Theater in Nürnberg sowie beim Gastspiel des Nürnberger Intimen Theaters am Münchner Schauspielhaus am 29.3.1904, beides geschlossene Vorstellungen, hatte die auf der vorliegenden Bildpostkarte abgebildete Else Schiff die Rolle der Lulu gespielt.
Herzliche Grüße
Ihr
Meßthaler

Einzelstellenkommentare

München, 15. September 1904 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 15.9.1904 in München:]


Manuskriptein Bühnenmanuskript „Lulu“, ein Drama in fünf Akten, von dem erst später, datiert auf den 13.7.1910, ein Typoskript erhalten ist [vgl. KSA 3/II, S. 866], eine Buchfassung erst 1913 [vgl. KSA 3/II, S. 869]. „Das Manuskript, das Wedekind [...] an den Direktor des Intimen Theaters in Nürnberg, Emil Meßthaler, sandte, ist verschollen.“ [KSA 3/II, S. 863] Wedekind hat Emil Meßthaler dem Tagebuch zufolge am 11.9.1904 („Mit Meßthaler dinirt“) und 13.9.1904 in München gesprochen („Mit Meßthaler und Hofphotograph Baumann dinirt“), am 14.9.1904 ist er zurück nach Nürnberg gereist („Meßthaler reist ab“).Lulu“ an Meßthaler geschickt.

Einzelstellenkommentare

München, 20. November 1904 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 20.11.1904 in München:]


Briefeein Brief an Emil Meßthaler, den Wedekind dem Tagebuch zufolge bei dessen letztem Aufenthalt in München täglich getroffen hat – am 20.10.1904 („Abends mit Meßthaler im Café de l’Opera“), 21.10.1904 („Mittags mit Meßthaler im Hoftheaterrestaurant dinirt“), 22.10.1904 („Abend mit Meßthaler Anna v. Seidlitz, Langheinrich und Mantels im Hoftheaterrestaurant“), 23.10.1904 („Abends mit Meßthaler in der Torggelstube“) und 24.10.1904 („Abend mit Meßthaler in der Torggelstube“); Abreise war am 25.10.1904 („Meßthaler reist ab“). an Meßthaler [...]

Einzelstellenkommentare

München, 2. Dezember 1904 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 2.12.1904 in München:]


BriefWedekind dürfte in diesem Brief Verabredungen für den gemeinsamen Vortragsabend in Stuttgart vorgeschlagen haben, wo er Emil Meßthaler dem Tagebuch zufolge am 10.12.1904 („Fahre nach Stuttgart. Meßthaler empfängt mich am Bahnhof. Spaziergang durch die Anlagen“) und 11.12.1904 („Spaziergang mit Meßthaler durch die Anlagen. Rückfahrt nach München“) traf. In der Stuttgarter Presse war angekündigt: „Samstag findet ein interessantes Gastspiel statt. Frank Wedekind und Direktor Emil Meßthaler, der Leiter des ‚Theaters der Modernen‘ und des Nürnberger ‚Intimen Theaters‘ werden an diesem Abend gemeinsam im Residenztheater auftreten.“ [Residenztheater. In: Schwäbischer Merkur, Nr. 569, 6.12.1904, Mittagsblatt, 1. Blatt, S. 1] Der Vortragsabend fand am 10.12.1904 um 20 Uhr statt: „Stuttgarter Residenz-Theater. [...] Samstag den 10. Dezember Gastspiel Frank Wedekind und Dir. Emil Messthaler. (Moderner Rezitations-Abend.) Anfang 8 Uhr.“ [Neues Tagblatt, Jg. 61, Nr. 290, 10.12.1904, S. 8] an Meßthaler.


Einzelstellenkommentare

Berlin, 20. März 1905 (Montag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

INTIMES THEATER IN NÜRNBERG


ZUSCHAUERRAUM


L. H. W. Rechne bestimmt auf Ihr GastspielWedekinds Gastspiel als Karl Hetmann in „Hidalla“ am Intimen Theater in Nürnberg (Direktion: Emil Meßthaler) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 516] fand vom 25. bis 30.3.1905 statt [vgl. Tb]. „Wedekinds Darstellung trifft auf allgemeinen Beifall“ [KSA 6, S. 536]. Dienstag Mittwoch Donnerstag. „Lulu10. AprilDie für das Nürnberger Intime Theater am 10.4.1905 in Aussicht genommene Vorstellung des fünfaktigen „Lulu“-Dramas, für das Emil Meßthaler ein Bühnenmanuskript vorlag [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 15.9.1904], kam nicht zustande.. Bin Donnerstag früh 10 Uhr ProbeWedekind notierte am 23.3.1905 (Donnerstag): „Fahre nach Nürnberg. Probe. [...] Abends mit Döscher und Meßthaler.“ [Tb] Hidalla. Wenn VorlesungDie für den 31.3.1905 (Freitag) in Aussicht genommene Lesung von „Frühlings Erwachen“ kam nicht zustande. Frühlings Erwachen = | Freitag den 30.ten

Herzliche Grüße
Ihr
E Meßthaler


Post card – Carte postale – Postkarte – Cartolina postale
[...]


Herrn Frank Wedekind
München
Franz Josefstr. 42/2

Einzelstellenkommentare

Nürnberg, 21. April 1905 (Freitag)
von Meßthaler, Emil, Wiehe, Charlotte und Berény, Henri
an Wedekind, Frank

Königreich Bayern
Postkarte


An
Herrn Frank Wedekind.
in München.
Wohnung (Straße und Hausnummer) Franz Josefstr. 42. |


Lieber Herr Wedekind. Bitte senden Sie an m/M/adame WieheCharlotte Wiehe (geb. Hansen), in Paris lebende dänische Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin, seit dem 7.12.1899 in zweiter Ehe mit dem ungarischen Komponisten Henri Berény verheiratet, der die Postkarte ebenfalls unterschrieben hat, befand sich auf einer Gastspieltournee durch Europa. Nach ihrem Gastspiel am Münchner Schauspielhaus vom 16. bis 19.4.1905 mit französischen Komödien [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 58, Nr. 170, 11.4.1905, Morgenblatt, S. 2] gastierte sie „mit ihrem Ensemble im Intimen Theater“ [Nürnberger Theater. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 58, Nr. 195, 26.4.1905, Morgenblatt, S. 2] in Nürnberg, um dann zu einem Gastspiel am Theater des Westens in Berlin (siehe unten) zu reisen. In München wurde sie charakterisiert: „Es gibt keine ausgesprochenere Pariserin als die Dänin Charlotte Wiehe, die jetzt im Schauspielhaus zu Gaste ist: ihr Gang, ihre Gesten, die Art, wie sie die raffinierten Toiletten zu tragen weiß [...], ihre Komik, in die sich ab und zu ein kecker grotesker Zug mischt – das alles findet man sonst nur in den eleganten Theatern an den großen Boulevards.“ [Ernst Posselt: Charlotte Wiehe. (Als Gast im Münchner Schauspielhaus.) In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 58, Nr. 182, 18.4.1905, Vorabendblatt, S. 2] 1 Erdgeist & ev 1 Lulu unter Adreße:
Berlin. Theater des WestensCharlotte Wiehe (siehe oben) gastierte im Theater des Westens (Direktion: Aloys Prasch) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 293] in Berlin (Kantstraße 12) vom 29.4.1905 bis 5.5.1905, angekündigt: „Mad. Charlotte Wiehe beginnt am Sonnabend im Theater des Westens ein dreimaliges Gastspiel mit ‚Le je ne sais quoi‘ und ‚La main‘“ [Berliner Börsen-Zeitung, Nr. 191, 23.4.1905, Morgen-Ausgabe, S. 7], wobei das Lustspiel von Francis de Croisset und die Pantomime von Henri Berény (ihrem Gatten) nur den Auftakt bildeten und sie in weiteren französischen Boulevardstücken auftrat, dasselbe Repertoire wie in den anderen Städten (siehe oben).
Herzlichen Gruß
E Meßthaler.


Gruss unbekannter Weise
von
Henri Berény


mes meilleurs compliments(frz.) meine besten Empfehlungen
Charlotte Wiehe

Einzelstellenkommentare

Monte Carlo, 9. Mai 1905 (Dienstag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

Carte Postale


Tous les pays étrangers n’acceptant pas la correspondence au recto.
Se renseigner à la poste.


Adresse


Herrn Wedekind
München
Franz Josefstr. 42
Allemagne


Correspondance


Herzliche Grüße
Ihr
E Meßthaler


Adreße: Monte Carlo
Hotel Mediterranée |


Casino de Monte-Carlo – Salle Schmitt, Table de Roulette

Einzelstellenkommentare

München, 23. Mai 1905 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Emil Meßthalers Bildpostkarte an Wedekind vom 25.5.1905 aus Monte Carlo:]


Besten Dank für Ihre Karte.

Einzelstellenkommentare

Monte Carlo, 25. Mai 1905 (Donnerstag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

Allemagne


REPUBLIQUE FRANÇAISE.
CARTE POSTALE

Mons Wedekind
München
Franz Josefstr 42/2 |


Lieber Herr Wedekind!

Besten Dank für Ihre Kartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Emil Meßthaler, 23.5.1905.. Ich wünsche Ihnen baldigste GenesungWedekinds Tagebuch enthält keinerlei Hinweis auf eine Erkrankung zu dieser Zeit; ein Zusammenhang könnte mit einer Notiz vom 10.5.1905 bestehen („Meßthaler lädt mich telephonisch nach Monte Carlo ein“), die eine Absage einer bereits getroffenen Verabredung unter dem Vorwand einer Krankheit in der nicht überlieferten Postkarte (siehe oben) vermuten lässt, da Wedekind am 26.5.1905 von München nach Wien fuhr, um dort an der Premiere seiner Tragödie „Die Büchse der Pandora“ (am 29.5.1905 als geschlossene Vorstellung unter Leitung von Karl Kraus) mitzuwirken..

Herzliche Grüße
Ihr
E Meßthaler


Monte Carlo 25.5.5.
Hotel Harter.

Einzelstellenkommentare

Baden, 4. August 1905 (Freitag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

HOTEL
STADT BADEN
BADEN-BADEN


Postkarte.
Carte postale. – Cartolina postale.


Herrn Wedekind
München
Franz Josefstr. 42/2 |


Baden 4.8./5


L. H. W. Ich erwarte von Ihrem Gerechtigkeitssinn, daß Sie in Ihrer ComödieWedekind hat keine Komödie mit dem Titel „Männerstolz vor Schweinebraten“ (siehe unten) geschrieben.Männerstolz vor SchweinebratenWedekind konstatierte am 3.8.1905: „Männerstolz vor Schweinebraten steht in der Zeitung“ [Tb] – das war „aprosdoketisch formuliert nach Friedrich Schillers ‚Männerstolz vor Königsthronen‘ in dessen Ode ‚An die Freude‘“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 41]. Die Pressemeldung lautete: „Einen etwas merkwürdigen Titel, so schreibt man uns aus München, führt Frank Wedekinds neueste dreiaktige Komödie, die in der Münchener Gesellschaft spielt. Das absonderliche Stück heißt: ‚Männerstolz vor Schweinebraten‘ und kommt womöglich noch in diesem Spieljahre auf die Bühne. Wohl wieder einmal ein urechter Wedekind!“ [Neues Wiener Abendblatt, Jg. 39, Nr. 211, 2.8.1905, S. 4; vgl. Eine neue Komödie von Frank Wedekind. In: Die Zeit, Jg. 4, Nr. 1024, 2.8.1905, Abendblatt, S. 3] Daraufhin wurde gemeldet: „Frank Wedekind hat eine neue dreiaktige Komödie, die in der Münchener Gesellschaft spielt, vollendet. Das Stück hat, wie dem ‚N. W. Tgbl.‘ geschrieben wird, den merkwürdigen Titel: ‚Männerstolz vor Schweinebraten‘!“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 58, Nr. 360, 4.8.1905, Vorabendblatt, S. 2; vgl. Berliner Tageblatt, Jg. 34, Nr. 393, 4.8.1905, Abend-Ausgabe, S. (2)] Die Meldung verbreitete sich bis kurz vor Wedekinds Dementi am Ende des Monats [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 58, Nr. 398, 27.8.1905, S. 2].“ berücksichtigt haben, daß es sich in der „Münchener GesellschaftZitat aus der Pressemeldung (siehe oben).“ nicht um gewöhnlichen
Schweinebraten
sondern um
Schweine-Sauer-Braten handelte. Sie dürfen vom Männerstolz nicht allzuviel verlangen.

Besten Gruß Ihr
E Meßthaler

Einzelstellenkommentare

München, 15. Januar 1906 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Emil Meßthalers Brief an Wedekind vom 16.1.1906 aus Nürnberg:]


Bestätige dankend den Empfang Ihrer frdl. Zeilen vom 15. crt [...]

Einzelstellenkommentare

Nürnberg, 16. Januar 1906 (Dienstag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

Intimes Theater
in Nürnberg.


Eigentümer und Direktor:
Emil Messthaler.


Telefonruf No. 328.


Nürnberg, den 16.I. 1906


Lieber Herr Wedekind.

Bestätige dankend den Empfang Ihrer frdl. Zeilen vom 15.nicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Emil Meßthaler, 15.1.1906. crt An den Eröffnungsabenden möchte ich 2 Novitätenan einem Abend die Uraufführung von Wedekinds Einakter „Totentanz“ (siehe unten) und die Nürnberger Premiere der zweiaktigen Tragikomödie „Das Gnadenbrot“ (1848, in deutscher Übersetzung1897) von Iwan Sergejewitsch Turgenew, die zuerst gespielt wurde [vgl. KSA 6, S. 672]. bringen, Totentanz und Das Gnadenbrot (Turgenieff) Paßt Ihnen das?Emil Meßthaler suchte Wedekinds Gastspiel am Intimen Theater in Nürnberg zu verabreden, das vom 2. bis 4.5.1906 stattfand und bei dem „Totentanz“ uraufgeführt wurde (an allen drei Tagen gespielt), wie Wedekind am 2.5.1906 notierte: „4 Uhr Ankunft in Nürnberg. 10 Uhr Probe. Nachmittags geschlafen. [...] Uraufführung von Totentanz.“ [Tb] Frank und Tilly Wedekind sind am Tag ihrer Heirat dem Tagebuch zufolge am 1.5.1906 abends mit dem Nachtzug von Berlin abgereist („Fahrt nach Nürnberg“) und fuhren nach ihrem „Totentanz“-Gastspiel in Nürnberg am 5.5.1906 zurück („Rückfahrt nach Berlin“). In der Zeit vom 1 – 7 Mai Kammersänger & Liebestrank einzustudiren ist unmög leider unmöglich, da gleichzeitig ein neues Stück für die folgende Woche probirt werden muß.

Ein höheres Honorar wie Stollbergals Georg Stollberg, Direktor des Münchner Schauspielhauses [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 485]. für Gastspiele in einem abendfüllenden Stück, könnte ich für Gastspiele in einem Einakter – für 6 Abende – nicht bezahlen. Ich offerire Ihnen für die 6 Abende 300 Mark. Sollten Sie diese Offerte nicht acceptiren wollen, bitte ich Sie als Kasti Piani am 1. 2 & 3. Mai für 100 Mark pro Abend zu gastiren.

Ich glaube  „Totentanz“  ist gut besetztGrethe Ilm (sie spielte die Rolle der Elfriede von Malchus), Anny Keßler (sie wurde nicht besetzt) und Anton Edthofer (er spielte die Rolle des Herrn König) waren Ensemblemitglieder des Intimen Theater in Nürnberg [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 498]. Frank Wedekind spielte in der Nürnberger „Totentanz“-Inszenierung (siehe oben) unter der Regie von Emil Meßthaler die Rolle des Casti Piani, Tilly Wedekind die Rolle der Lisiska [vgl. KSA 6, S. 672]. |

Elfriede – Grete Ilm, (ein Kreuzung von Else LehmannSchauspielerin am Berliner Lessingtheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 274]. oder Hilde WrangelFigur aus Henrik Ibsens Schauspiel „Baumeister Solneß“ (1893). und Eysoldt oder SchiffGertrud Eysoldt, Schauspielerin am Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 227], hatte am 17.12.1902 in der Berliner „Erdgeist“-Premiere am Kleinen Theater erfolgreich die Rolle der Lulu gespielt, Else Schiff, inzwischen Schauspielerin am Berliner Lessingtheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1906, S. 274], hat bei der Uraufführung der Tragödie „Die Büchse der Pandora“ am 1.2.1904 im Intimen Theater in Nürnberg als Lulu auf der Bühne gestanden.)

Herr König – Edthofer (der in Hidalla den BrühlWalo Freiherr von Brühl, Figur im Schauspiel „Hidalla“ (1904), das am 25.3.1905 am Intimen Theater in Nürnberg unter der Leitung von Emil Meßthaler über die Bühne ging und 23 Vorstellungen erreichte [vgl. KSA 6, S. 536]. spielte)

Lisiska – Anny Keßler (sehr sympathisches Geschöpf, das kindlich wirktd.).

Falls uns die öffentliche Aufführung von „Totentanz“ verboten würde„Totentanz“ konnte am 2.5.1906 „in Nürnberg anstandslos über die Bühne gehen“ [KSA 6, S. 668]. – nach der Ankündigung der Premiere – müßten wir das Gastspiel auf um eine Woche verschieben, damit wir Zeit zur Vorbereitung des SubscriptionsschwindelsSubskriptionsvorstellungen waren bei einem Verbot öffentlicher Aufführung durch die Zensur die Alternative, um ein Stück auf die Bühne zu bringen. gewinnen.

Ihrer frdl. Rückäußerung entgegensehend
mit herzl. Grüßen
Ihr
E Meßthaler

Einzelstellenkommentare

München, 11. Mai 1909 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[1. Briefentwurf:]


Sehr geehrter Herr ..

Da Herr Dr. Max Halbe wie Sie mir mittheiltenbei Gesprächen Wedekinds mit Emil Meßthaler über Max Halbe am 23.4.1909 und 3.5.1909 (siehe unten). kürzlich mit Ihnen über eine Angelegenheit VorfallFrank Wedekind notierte am 3.4.1909 einen Abend bei dem befreundeten Verlagsbuchhändler Fritz Schwartz (genannt: Nero) in München (Richard Wagnerstraße 3) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil III, S. 144], an dem etwas vorgefallen ist, auf das sich der vorliegende Briefentwurf bezieht: „Abendgesellschaft bei Schwarz. Max Halbes Handgreiflichkeiten.“ [Tb] Max Halbe war offenbar an diesem Abend ein Tischnachbar Tilly Wedekinds (sowie einer anderen Dame, der Gattin des Münchner Regierungsrats Ernst Soehlke), rutschte aus und hielt sich an ihr fest (wurde insofern ‚handgreiflich‘), ein Fauxpas, den er in seinen Erinnerungen übergeht, in denen gleichwohl die Rede ist von den „glänzenden Gastmählern [...] im Hause meines Freundes Fritz Schwartz“ [Halbe 1935, S. 346]. Er hat für den 3.4.1909 „Gesellschaft bei Schwartz“ [Tb Halbe, 4.4.1909] notiert, außerdem ausführlicher festgehalten: „Das Essen bei Schw. war sehr opulent. Sehr viel Litteratur war anwesend, Ganghofers, Bernsteins, Wedekinds usw. Außerdem viel Theater u. Hoftheater. Ich hatte eine Frau Regierungsrath Söhlke als Tischdame. Recht hübsch, charmante Polin, die leider hinkt. Die Stimmung wurde gegen Schluß sehr aufgekratzt. Ich hatte kleinen Zusammenstoß mit Wedekind in Erinnerung an sein einstiges Urtheil über ‚Treue‘. Es hat aber wohl nichts auf sich.“ [Tb Halbe, 5.4.1909] Da irrte er sich, denn Frank Wedekind kam auf den Vorfall zu sprechen, als er Max Halbe am 11.4.1909 (Sonntag) begegnete: „Begegnung auf der Post mit Max Halbe“ [Tb]. Max Halbe notierte zu der Begegnung zunächst: „Sonnt. [...] Ich treffe Wedekind, der mich in irrsinniger Weise beschuldigt, weil ich seine Frau bei Schwarzens angefaßt hätte“ [Tb Halbe, 33.4.1909], dann: „Der Fall Wedekind also in ein neues Stadium getreten. Die Periode der Freundschaft u. Zuvorkommenheit ist wieder einmal gefallen. ‚Wenn Du wieder einmal mit meiner Frau zusammenkommst, rathe ich dir, deine Pfoten aus dem Spiel zu lassen!‘ Ich sagte nur: ‚Du kannst mir leid thun!‘ u.drehte ihm den Rücken, schrieb dann an seine Frau einen ganz offiziellen Entschuldigungsbrief in einer Form, die ihm zeigen mußte, daß ich mit ihm nichts mehr zu thun haben will. Das ekle treulose feige Raubthier hat sich wieder einmal gezeigt. Es läßt sich auf die Dauer nicht mit ihm leben!“ [Tb Halbe, 14.4.1909] gesprochen hat die ich für längst erledigt hielt, beehre ich mich Ihnen in beiliegendenirrtümlich nicht gestrichen. nachfolgenden Zeilen den wirklichen Inhalt eines Briefes mitzutheilen, den Herr Dr. Halbe an eine Dame richtetan Tilly Wedekind; der Brief Max Halbes an sie ist nicht überliefert, wurde von ihm aber notiert (siehe oben). Frank Wedekind notierte am 12.4.1909 im Tagebuch diesen Brief, den Max Halbe an seine Frau geschrieben hat („Brief von Max Halbe an Tilly“) und den er selbst sogleich beantwortete („Brief an Max Halbe“) [vgl. Wedekind an Max Halbe, 12.4.1909]., deren Tischnachbar er in einer Gesellschaft bei Herrn Direktor Fritz Schwarz war vor einiger Zeit bei einer Abendgesellschaft war.

Der Hofball auf dem die Herren sich beim Ausgleiten an den Damen festhalten erspart mir meiner Ansicht nachzuerst gestrichen, durch Unterpunktung wieder hergestellt. jeden weitere Erklärung Kommentar. Mit einem Herren zu dessen Vorstellungsmöglichkeiten ein solcher HofballMax Halbe dürfte in seinem nicht überlieferten Brief an Tilly Wedekind (siehe oben) vergleichend einen Fauxpas beim Tanz auf einem Hofball (ein Herr tritt einer Dame auf die Füße) als Beispiel angeführt haben, um seinen eigenen Fauxpas am Abend des 3.4.1909 (siehe oben) zu relativieren. gehört würde kann ich mich unter keinen Umständen mehr auf eine Erörterung von Anstandsfragen einlassen. |

Ich möchte erwäge mirirrtümlich nicht gestrichen. nur die Frage erlauben ob dieser Hofball auf den sich Herr Dr Halbe in seinem Briefe beruft, in Wirklichkeit nicht vielleicht ein Kuhschweifsprichwörtlich: „Ein Tanz, bei dem es nicht nobel zugeht.“ [Wander 1867-1880, Bd. 5, Sp. 1528] gewesen sein sollte.

Ich bedaure sehr, daß wenn ich Sie auf unsere Unterredung hin durch die Mittheilung genötigt zu sein glaubte, Ihnen obigen Brief mitzutheilen und zeichne mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochschätzung
als Ihr ergebener
Fr.W.


M. d. xxx


Der Hofball auf dem die Herren beim Ausgleiten ihren Nachbarinnen auf die Füße treten oder sich beim Ausgleiten an ihrer Tischdame festhalten

Auf unsere Unterredung hin war ich zu meinem Bedauern genötigt, Ihnen obenstehenden Brief mitzutheilen.


[2. Briefentwurf:]


Sehr geehrter Herr

Im Anschluß an unser kürzliches ein Gespräch über die VorwürfeEmil Meßthaler, der am Nachmittag des 23.4.1909 (Freitag) Max Halbe begegnet ist, wie dieser notierte: „Freit. Nachm. [...] Treffe Messthaler, erzähle ihm den Fall Wedekind“ [Tb Halbe, 25.4.1909], traf dann noch am 23.4.1909 Wedekind und berichtete ihm von Max Halbes Klagen über ihn: „Auf dem Weg ins Hofbräu begegne ich Meßthaler der von Halbe erzählt, er habe sich über mich beklagt.“ [Tb] Ein weiteres Gespräch fand am 3.5.1909 statt: „Langer Spaziergang mit Meßthaler Gespräch über Max Halbe“ [Tb]. Wedekind befragte am 10.5.1909 auch Albert Steinrück und Carl Rößler (Franz Ressner) über Max Halbe: „In der Torggelstube treffe ich Steinrück und Reßner die ich über Halbes Beschwerde interpelliere.“ [Tb] Daraufhin schickte er an beide sowie an Emil Meßthaler am 11.5.1909 jeweils eine Abschrift von Max Halbes Brief (siehe oben): „Schicke Halbes Brief an Reßner Meßthaler und Steinrück.“ [Tb] die Herr Doctor Max Halbe gegen mich geltend macht, gestatten Sie mir, Ihnen nachstehenden Brief mitzutheilen |

Die Vorstellung eines Der Hofballes auf dem die Herren beim Ausgleiten ihrer Nachbardamen auf den Fuß treten erspart mir meiner Ansicht nach in Verbindung mit der Thatsache Voraussetzung, daß man sich, wenn man bei Tisch ausgleitet, um sich greift und sich unwillkürlich an Damen festhält in Verbindungen mit den Voraussetzungen daß man um sich greift wenn man bei Tisch ausgleitet und sich dabei auf diese Weise unwillkürlich an seiner Nachbarinn festhält meiner Ansicht nach jedes weitere Eingehen auf die Unzufriedenheit des Herrn Dr. Halbe. Ich möchte mir nur noch die Frage erlauben, ob der Hofball auf den sich Herr Doctor Max Halbe in seinem Briefe beruft, in Wirklichkeit nicht vielleicht ein Kuhschweif gewesen sein sollte.

In vorzüglichster Hochschätzung

Einzelstellenkommentare

München, 16. April 1911 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis und Zitat in J. G. Stargardt: Katalog 680 (2004), Nr. 321:]


WEDEKIND, Frank [...] (München, „Prinzregentenstrasse 50“) 16.IV.1911 [...]


An Emil Meßthaler [...]. „... darf ich Sie ersuchen, Herrn Privatdozent Dr. KutscherDie Visitenkarte war einem Brief an ihn beigelegt [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 16.4.1911]. zwei Plätzezwei Eintrittskarten für den Wedekind-Abend am 16.4.1911 (Ostersonntag) um 20.30 Uhr im Kleinen Theater in München; die Presse hatte angekündigt: „Frank Wedekind bringt Ostersonntag und Ostermontag halb 9 Uhr im ‚Kleinen Theater‘ ‚Aufklärungen‘, ‚Rabbi Esra‘ und ‚Stein der Weisen‘ zum Vortrag.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 180, 16.4.1911, S. 2] Wedekind notierte am 16.4.1911: „Nachmittag Texte durchgelesen. Abends Vortrag im Kl. Theater.“ [Tb] Das Programm ist handschriftlich unter dem Titel „Meßthaler Programm“ [KSA 1/IV, S. 1326] erhalten. Emil Meßthaler, Direktor des Intimen Theaters in Nürnberg, veranstaltete seinerzeit in München Gastauftritte vor allem von Mitgliedern aus seinem Ensemble – noch bis zum 30.4.1911, wie die Presse meldete: „Mit Sonntag, 30. April, schließen im Kleinen Theater die Gastspiele von Direktor Emil Meßthaler.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 203, 1.5.1911, General-Anzeiger, S. 5] für den heutigen Abend überlassen zu wollen...“

Einzelstellenkommentare

München, 17. April 1911 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis und Referat in Wedekinds Tagebuch vom 17.4.1911 in München:]


Brief an Meßthaler, daß ich nicht mehr auftreteWedekind war zwar am 16.4.1911 (Ostersonntag) an dem von Emil Meßthaler veranstalteten Abend im Kleinen Theater in München aufgetreten [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 16.4.1911], die restlichen drei Abende aber nicht mehr, die in der Presse angekündigt waren: „Kleines Theater / Oster-Sonntag und –Montag 8½ Uhr sowie 18. u. 19. April 1911 / Wedekind Abende / Frank Wedekind: Aufklärungen aus ‚Feuerwerk‘, ‚Stein der Weisen‘, rezitiert vom Autor.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 181, 17.4.1911, General-Anzeiger, S. 2] Emil Meßthaler erwog juristische Schritte, wie Wedekind dem Tagebuch zufolge am 18.4.1911 erfuhr („T.St. mit Dr. Strauß und Dr. Muhr die mir von Meßthalers Absicht erzählen mich zu verklagen“) und daraufhin am 18.4.1911 den Münchner Rechtsanwalt Ludwig Strauß aufsuchte, um dort einen Brief an Emil Meßthaler aufzusetzen („Besuch bei Dr. Strauß. Brief an Meßthaler“). Der Abend des 16.4.1911 scheint konfliktreich verlaufen zu sein, der schon von vornherein „wegen möglicher Zensurmaßnahmen gefährdet“ und unklar „war, ob alle geplanten Programmpunkte zur Aufführung gebracht werden konnten“ [KSA 1/III, S. 348]..

Einzelstellenkommentare

München, 19. April 1911 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 19.4.1911 in München:]


Brief an Meßthaler.

Einzelstellenkommentare

München, 2. Mai 1911 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Meßthaler, Emil

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 2.5.1911 in München:]


Brief an Meßthaler.

Einzelstellenkommentare

München, 8. Mai 1911 (Montag)
von Meßthaler, Emil
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 9.5.1911 in München:]


Brief von Meßthaler.

Einzelstellenkommentare