Briefwechsel

Kutscher, Artur und Wedekind, Frank

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München, 26. Februar 1909 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Dem unerschrockenen tapfren selbstherrlichen Kämpfer

Dem weitblickenden Geist

Meinem lieben langjährigen KameradenWedekind kannte Artur Kutscher seit dem Jahr 1900, wie dieser sich erinnerte: „Kennengelernt habe ich Wedekind gleich nach seiner Festungshaft auf dem Königstein, noch vor der Scharfrichterzeit, in Verbindung mit unserem Akademisch-Dramatischen Verein, bei dem er dann Fühlung suchte“, was am 22.2.1902 zur „Uraufführung von Wedekinds Schauspiel ‚König Nicolo oder So ist das Leben‘ im Schauspielhaus“ (veranstaltet vom Akademisch-Dramatischen Verein) führte und zum gemeinsamen „Kampf um die Moderne“ [Kutscher 1960, S. 37].
Arthur Kutscher
in der Freude gemeinsamen/r/ Wirkens Arbeit
FrW


München im Februar 1909

Einzelstellenkommentare

München, 27. Februar 1909 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Dr. Arthur Kutscher
München
Mauerkircherstrasse 6. |


Sehr geehrter Herr Doctor!

Da Dr. von Jakoby morgen AbendDr. phil. Bernhard von Jacobi, Schauspieler vom Deutschen Theater zu Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1909, S. 285], gab am 28.2.1909 (Sonntag) ein Gastspiel in Henrik Ibsens „Nora“ (er spielte die Rolle des Dr. Rank) am Münchner Residenztheater (in dessen Ensemble er dann bald wechselte) und kam nach der Vorstellung – Ende nach 22 Uhr [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 62, Nr. 98, 28.2.1909, S. 4] – in das Münchner Weinlokal Zur Torggelstube (Platzl 8), wie Wedekind am 28.2.1909 notierte: „Torggelstube mit Jakoby Kutscher Henckell und den Andern.“ [Tb] spielt und nachher in die Torggelstube kommt so kommen Sie vielleicht auch dorthin mit Ihrer verehrten Frau GemahlinArtur Kutscher war seit dem 27.9.1907 mit der Schriftstellerin Gertrud Schaper verheiratet., so daß wir den MontagabendWedekind war dem Tagebuch zufolge am 1.3.1909 (Montag) ebenfalls in der Torggelstube (weitere Personen sind nicht notiert). Er hatte sich wahrscheinlich zuerst für diesen Abend mit Artur Kutscher dort verabredet, in dessen Seminar er am 27.2.1909 als Autor zu Gast war: „Bei Dr. Kutscher im Colleg“ [Tb]. vorderhand morgen (Sonntag) feiern könnten.

Ich schreibe auch an Karl Henckellvgl. Wedekind an Karl Henckell, 27.2.1909.

Mit besten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.


27.2.9.

Einzelstellenkommentare

München, 24. Juni 1909 (Donnerstag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 27.6.1909 aus München:]


In Erwiderung Ihres ersten Briefes [...]

Einzelstellenkommentare

München, 25. Juni 1909 (Freitag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 27.6.1909 aus München:]


Ihre Zeilen vom 25. [...]

Einzelstellenkommentare

München, 27. Juni 1909 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Lieber Herr Doctor!

In Erwiderung Ihres ersten Briefesnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 24.6.1909. muß ich Ihnen leider mittheilen, daß mich die „Jugend“, an die ich den Stein der Weisen verkauftWedekind hat den Vorabdruck seines Stücks „Der Stein der Weisen“ an die Münchner Zeitschrift „Jugend“ verkauft. Er notierte am 14.6.1909 in sein Kontobuch: „Honorar von der Jugend für Stein der Weisen 500“ [KSA 6, S. 907]. Möglicherweise war er bei seinem „Besuch auf der Jugend“ [Tb] am 15.6.1909 von der Redaktion gebeten worden, vor der Veröffentlichung auf Lesungen zu verzichten. habe, ausdrücklich bat, das Stück vor seiner VeröffentlichungWedekinds Versdrama erschien im Zeitschriftenvorabdruck in der von Georg Hirth herausgegebenen Münchner Illustrierten „Jugend“ [vgl. Frank Wedekind: Der Stein der Weisen. Eine Geisterbeschwörung. In: Jugend, Jg. 14, Nr. 30, 22.7.1909, S. 694-706]; im Heft ist auf der letzten Seite der Redaktionsschluss 20.7.1909 angegeben. nicht mehr vorzulenSchreibversehen, statt: vorzulesen..

Ihre Zeilen vom 25. nicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 25.6.1909.| wollte ich gestern nach der ProbeWedekind notierte am 26.6.1909: „Kostümprobe So ist d. Leben.“ [Tb] Das war eine Probe für die Premiere von „So ist das Leben“ am 1.7.1909 zum Auftakt des ersten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus. Georg Stollberg, Direktor am Münchner Schauspielhaus [vgl. Neuer Theater-Almanach 1909, S. 539], war verreist. schon Stollberg zeigen, er war aber nicht/r/gends mehr zu finden. Ich werde es also morgenWedekind war am 28.6.1909 zur Probe des „Marquis von Keith“ am Münchner Schauspielhaus [vgl. Tb], das zweite Stück, das im Rahmen des dortigen ersten Wedekind-Zyklus Premiere haben sollte. Den Direktor Georg Stollberg traf er wieder nicht an. tun. Ich zweifle nicht daran, daß sich die SacheWedekind wollte sich bei Georg Stollberg wohl für eine Vortragsmöglichkeit für Artur Kutscher am Münchner Schauspielhaus oder für das Theater als repräsentativen Rahmen für einen von Artur Kutschers Autorenabenden einsetzen [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 30.6.1909 (Brief)]. machen lassen wird.

Mit besten Grüßen
Ihr
Wedekind.


[Kuvert:]


Herrn Dr. Arthur Kutscher
München
Kuffsteinerstrasse 4Dr. phil. Artur Kutscher, Privatdozent an der Königlichen Universität in München, wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315; Teil II, S. 349]. Der Kufsteinerstraße, die wie die Mauerkircherstraße den Kufsteinerplatz kreuzt, war seinerzeit nur ein Haus mit der Hausnummer 2 zugewiesen.

Einzelstellenkommentare

München, 30. Juni 1909 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München Bogenhausen
Kuffsteiner Strasse 4 (oder 5)Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]. Der Kufsteinerstraße, die wie die Mauerkircherstraße den Kufsteinerplatz kreuzt, war seinerzeit nur ein Haus mit der Hausnummer 2 zugewiesen. |


Lieber Herr Doctor!

Für die morgige VorstellungDie Premiere von „So ist das Leben“ am 1.7.1909 bildete den Auftakt des ersten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus. (Donnerstag) liegen zwei gute Plätze für Sie an der Kasse des Schauspielhauses bereit. Das gleiche wird für die folgenden PremierenDer erste Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus bot nach „So ist das Leben“ Premieren von „Marquis von Keith“ (3.7.1909), „Musik“ (13.7.1909), „Erdgeist“ (17.7.1909), „Hidalla“ (22.7.1909) sowie als Doppelpremiere „Die Zensur“ und „Der Kammersänger“ (27.8.1909). der Fall sein. VielleichSchreibversehen, statt: Vielleicht. sehen wir uns nachher in der TorggelstubeWedekind notierte nach der Premiere von „So ist das Leben“ (siehe oben) zum Auftakt des ersten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus am 1.7.1909 schlicht: „Torggelstube.“ [Tb].

Mit besten Grüßen
Ihr
Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 30. Juni 1909 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Sehr geehrter Herr Doctor!

Da Stollberg heute erst zurückkamWedekind hatte den Direktor des Münchner Schauspielhauses bereits drei Tage zuvor sprechen wollen [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 27.6.1909]. Georg Stollberg dürfte am 30.6.1909 wieder in München gewesen sein, pünktlich zum Beginn des ersten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus am 1.7.1909. hatte ich noch keine Gelegenheit, wegen eines Passe partout(frz.) Rahmen. Wedekind wollte sich bei Georg Stollberg wohl für eine Vortragsmöglichkeit für Artur Kutscher am Münchner Schauspielhaus oder für das Theater als repräsentativen Rahmen für einen von Artur Kutschers Autorenabenden einsetzen. Seine zahlreicher gewordenen Vorträge jedenfalls hat Artur Kutscher auch „im Schauspielhaus gehalten“ [Kutscher 1960, S. 70]. für Sie mit ihm zu sprechen. Ich werde das morgen thun. Für die morgige Vorstellungdie Premiere von „So ist das Leben“ am 1.7.1909 zum Auftakt des ersten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus. ersuche ich Sie schlicht von inliegender Kartenicht überliefert. Die wohl von Georg Stollberg gezeichnete Karte dürfte eine Anweisung enthalten haben, Artur Kutscher die für ihn an der Theaterkasse des Münchner Schauspielhauses hinterlegten zwei Premierenkarten für „So ist das Leben“ auszuhändigen, die Wedekind ihm zugesagt hat [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 30.6.1909 (Postkarte)]. an der Kasse GebrauchUmstellung, zuvor: Gebrauch an der Kasse. zu machen zu wollen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
FrWedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 2. Juli 1909 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München Bogenhausen
Kuffsteiner Straße 4 oder 5Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]. Der Kufsteinerstraße, die wie die Mauerkircherstraße den Kufsteinerplatz kreuzt, war seinerzeit nur ein Haus mit der Hausnummer 2 zugewiesen.. |


Lieber Herr Doctor

für Morgen Samstagder 3.7.1909, an dem „Marquis von Keith“ im Rahmen des ersten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus Premiere hatte. liegen zwei Plätzezwei Theaterkarten. für Sie an der Kasse

mit besten Grüßen
Ihr
W.

Einzelstellenkommentare

München, 12. Juli 1909 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München Bogenhausen
Kuffsteinerstraße 3 ‒ 5Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]. Der Kufsteinerstraße, die wie die Mauerkircherstraße den Kufsteinerplatz kreuzt, war seinerzeit nur ein Haus mit der Hausnummer 2 zugewiesen. |


Verehrter Herr Doctor

für Morgen Donnerstag Dienstagder 13.7.1909, an dem „Musik“ im Rahmen des ersten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus Premiere hatte., liegen zwei Plätzezwei Theaterkarten. für Sie an der Kasse.

Mit besten Grüßen
Ihr
FrWedekind.


Im Verwendungsfall bitte ich sie bei Zeiten in Empfang zu nehmen

Einzelstellenkommentare

München, 23. August 1909 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München Bogenhausen
Kuffsteinerstrasse 4Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]. Der Kufsteinerstraße, die wie die Mauerkircherstraße den Kufsteinerplatz kreuzt, war seinerzeit nur ein Haus mit der Hausnummer 2 zugewiesen. Er war allerdings im Spätsommer 1909 für viele Wochen nicht in seiner Wohnung in München erreichbar, da er als Reservist eine „pflichtmäßige Übung [...] in Munster und im Manöver“ [Kutscher 1960, S. 42] in der Lüneburger Heide absolvierte (ablesbar in den Postzustellvermerken der vorliegenden Bildpostkarte)..


Lieber Herr Doctor! Mit großem Genuß habe ich eben „Die Kunst und unser Leben“ gelesen. Ich habe mir vieles darin angestrichen und freue mich sehr darauf mit Ihnen darüber sprechenEs dauerte wohl längere Zeit, bis Wedekind mit Artur Kutscher über dessen Broschüre „Die Kunst und unser Leben. Grundstein zu einer Kritik“ (47 Seiten, erschienen 1909 im Verlag Max Steinebach in München) zu sprechen Gelegenheit hatte. Das nächste Treffen ist erst am 13.11.1909 belegt [vgl. Tb]. zu können. Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für fröhliche FerientageWedekind war nicht darüber informiert, dass der Privatdozent Dr. phil. Artur Kutscher seine vorlesungsfreie Zeit als Reservist mit einer Militärübung in Norddeutschland verbrachte (dies geht aus den Postzustellvermerken der Bildpostkarte hervor).
Ihr
Frank Wedekind.

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Frank und Tilly Wedekind
i. Rabbi Esra

Einzelstellenkommentare

München, 14. September 1909 (Dienstag)
von Wedekind, Frank und Wedekind, Tilly
an Kutscher, Gertrud, Kutscher, Artur

Prinzregentenstraße 50 III.


Herr und Frau Frank Wedekind
beehren sich
Herrn und Frau Dr. Arthur Kutscher
zum einer Tasse Thee
auf Samstag den 18ten SeptemberDie Eröffnung der Schackgalerie, jene bedeutende Münchner Kunstsammlung, die in einen repräsentativen Neubau in der Prinzregentenstraße zog [vgl. Neubau der Schackgalerie und der preußischen Gesandtschaft in München. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. 29, Nr. 81, 9.10.1909, S. 533-535; https://digital.zlb.de/viewer/image/14688302_1909/552/], erfolgte am 18.9.1909, an jenem Samstag, an dem Frank und Tilly Wedekind zu diesem Anlass einen Tee in ihrer Wohnung Prinzregentenstraße 50 gaben, um das Geschehen von dort aus mit Gästen zu verfolgen. Wedekind notierte am 14.9.1909, er habe „mit Tilly die Einweihung vorbereitet“ [Tb], durch den Versand von Einladungen wie die an Artur und Gertrud Kutscher, und am 18.9.1909: „Einweihung der Schackgalerie. 35 Personen. Die Familie Hirth, Professor Clemen aus Bonn mit Frau“ [Tb]. Artur Kutscher war nicht unter den Gästen [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 17.9.1909].
um 3 Uhr15 Uhr. Nachmittags ergebenst einzuladen.


U.A.w.g.


[Kuvert:]


Herrn und Frau
Dr. Arthur Kutscher
München
Mauerkirchstrasse 4Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]. Er war allerdings im Spätsommer 1909 für viele Wochen nicht in seiner Wohnung in München erreichbar, da er als Reservist eine „pflichtmäßige Übung [...] in Munster und im Manöver“ [Kutscher 1960, S. 42] in der Lüneburger Heide absolvierte (ablesbar an den Postzustellvermerken auf dem Kuvert der vorliegenden Briefkarte)..

Einzelstellenkommentare

München, 16. September 1909 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Dr. Arthur Kutscher
München Bogenhausen
Mauerkirchstrasse 4Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]. Er war allerdings im Spätsommer 1909 für viele Wochen nicht in seiner Wohnung in München erreichbar, da er als Reservist eine „pflichtmäßige Übung [...] in Munster und im Manöver“ [Kutscher 1960, S. 42] in der Lüneburger Heide absolvierte (ablesbar an den Postzustellvermerken auf der vorliegenden Postkarte). |


Verehrter Herr Doctor,

Da die Einweisungdie Einweisung der Gäste bei der nachmittäglichen Eröffnungsfeier zum Umzug der Schackgalerie am 18.9.1909, die in der Wohnung Frank und Tilly Wedekinds in der Prinzregentenstraße 50 stattfand und zu der auch Artur und Gertrud Kutscher eingeladen waren [vgl. Frank und Tilly Wedekind an Artur und Gertrud Kutscher, 14.9.1909]. schon um zwei Uhr14 Uhr. beginnt würde ich Sie bitten mit Ihrer verehrten Frau Gemahlin schon um 1 Uhr13 Uhr. bei uns sein zu wollen

Mit besten Grüßen
Ihr
FW.

Einzelstellenkommentare

München, 15. Oktober 1909 (Freitag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 16.10.1909 aus München:]


Sie haben mir eine große Freude durch das Geschenk Ihrer Schillerausgabe bereitet.

Einzelstellenkommentare

München, 16. Oktober 1909 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

[1. Briefentwurf:]


Lieber Herr Doctor

Sie haben mir eine große Freude durch das Geschenk Ihrer Schillerausgabe bereitet. Aber Sie haben mir auch ein sehr großes Geschenk gemacht. Ich bin stolz auf das Geschenk, aber ich freue mich doch unvergleichlich mehr über unsere neunjährige Freundschaft der ich mehr als die Ihre Schillerausgabe zu danken habe verdanke. Ein Lob dürfen Sie von mir nicht erwarten, da/der/ ich mich durchaus als Laie fühle als dankbarer Beschenkter meine Unwissenheit als den zu nur bei Ihnen bereichern kann. Aber meine herzlichsten aufrichtigen Glückwünsche zu Ihrer Schillerausgabe Wirksamkeit und jedem noch folgenden Werk sende ich Ihnen im festen Vertrauen auf unsere Ihre aus vollem Herzen

Mit besten Grüßen


[2. Abgesandter Brief:]


Lieber Herr Doctor!

Sie haben mir eine große Freude durch das Geschenk Ihrer SchillerausgabeHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zum Buchgeschenk (oder auf eine Widmung); erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 15.10.1909. Artur Kutscher hat zu Friedrich Schillers 150. Geburtstag am 10.11.1909 eine Volksausgabe „Schillers Werke“ in der Reihe „Goldene Klassiker-Bibliothek“ im Deutschen Verlagshaus Bong & Co. in Berlin herausgegeben – „Auf Grund der Hempelschen Ausgabe neu herausgegeben, mit Biographie, Einleitungen und Anmerkungen versehen von Privatdozent Dr. Arthur Kutscher“ [Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 76, Nr. 230, 4.10.1909, Umschlag]; sie wurde von dem Germanisten und Ordinarius in Halle an der Saale Prof. Dr. Philipp Strauch anerkennend besprochen: „Vor mir liegen in vier stattlichen, geschmackvollen roten Einbänden Schillers Werke in zehn Teilen zu dem außerordentlich niedrigen Preis von 6 M. Die Ausgabe empfiehlt sich [...] durch die Gediegenheit der Bearbeitung, der sich ein jüngerer Fachmann, Dr. A. Kutscher, Privatdozent an der Münchner Universität, unterzogen hat [...]. Der Herausgeber beherrscht und berücksichtigt in seinen Vorbemerkungen und Anmerkungen am Schluß überall die neuere Schillerforschung, behält dabei aber stets im Auge, daß seine Ausgabe im besten Sinn populäre Zwecke verfolgt. [...] Schillers Werke auf Grund der Hempelschen Ausgabe von R. Boxberger und W. v. Maltzahn neu herausgegeben mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Artur Kutscher und Hans Heinrich Zisseler. Berlin- Leipzig-Wien-Stuttgart, Deutsches Verlagshaus Bong & Co.“ [Philipp Strauch: Eine Volksausgabe Schillers. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 62, Nr. 522, 8.11.1909, S. 19] bereitet. Aber Sie haben mir auch ein sehr großes Geschenk gemacht. Ich bin stolz auf Ihr Geschenk, aber ich freue mich doch noch unvergleichlich mehr über unsere neunjährige FreundschaftWedekind kannte Artur Kutscher seit dem Jahr 1900, wie dieser sich erinnerte: „Kennengelernt habe ich Wedekind gleich nach seiner Festungshaft auf dem Königstein, noch vor der Scharfrichterzeit, in Verbindung mit unserem Akademisch-Dramatischen Verein“ [Kutscher 1960, S. 37]., der ich mehr als Ihre Schillerausgabe verdanke. Ein Lob | dürfen Sie von mir nicht erwarten, der ich mich vollkommen als Laie fühle und mich als dankbarer Beschenkter nur bei Ihnen bereichern kann. Aber meine aufrichtigen Glückwünsche zu Ihrer Wirksamkeit und meine besten Wünsche zu jedem folgenden Werk sende ich Ihnen aus vollem Herzen.

Mit besten Grüßen auf baldiges Wiedersehn
Ihr
Frank Wedekind.


16.10.9.


[Kuvert:]


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München
Mauerkirchstrasse 4Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]..

Einzelstellenkommentare

München, 27. Oktober 1909 (Mittwoch)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 28.10.1909 aus München:]


Besten Dank für Ihre liebenswürdige Einladung.


[2. Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 9.11.1909 aus München:]


[...] Ihre Einladung [...]

Einzelstellenkommentare

München, 28. Oktober 1909 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Lieber Herr Doctor!

Besten Dank für Ihre liebenswürdige Einladungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 27.10.1909.. Also Montagder 8.11.1909, an dem Wedekind allerdings nicht bei Artur Kutscher erschien [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 9.11.1909]. Abend um 8um 20 Uhr.. WirFrank und Tilly Wedekind. freuen uns sehr darauf.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.


29Schreibversehen, statt 28. Wedekind hat sich im Datum vertan. Er dürfte dem Datum des Poststempels auf dem Kuvert zufolge ‒ 28.10.1909 ‒ seinen Brief am 28.10.1909 geschrieben haben, nicht am 29.10.1909..10.9.


[Kuvert:]


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München Bogenhausen
MauerkirchstrasseSchreibversehen, statt: Mauerkircherstrasse. Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315]. 6.

Einzelstellenkommentare

München, 9. November 1909 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Sehr verehrter Herr Doctor!

WirFrank und Tilly Wedekind. haben gestern, ohne es zu ahnen Ihre Einladungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 27.10.1909. Wedekind hatte die Einladung angenommen [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 28.10.1909]. versäumt. Das ist lediglich meine Schuld. Ich hatte Ihre Einladung keineswegs vergessen, ich hatte aber vergessen, daß es Montagder 8.11.1909, für den die Einladung (siehe oben) galt. war. Ich kam erst nach acht Uhr20 Uhr. nach Hause nach einer anstrengenden UnterhandlungWedekind war wegen der angestrebten Trennung von seinem Verleger Bruno Cassirer am 8.11.1909 bei dem Rechtsanwalt Wilhelm Rosenthal, wie er notierte: „Setze mit Rosenthal Brief an Cassirer auf.“ [Tb] über sehr unerquickliche DingeWedekinds Auseinandersetzungen mit seinem Verleger Bruno Cassirer.. Dann ging ich sofort nach Tisch wieder weg weil ich mich sehnte an meine ArbeitWedekind schrieb am 8.11.1909 in Münchner Lokalen an seinem Einakter „Mit allen Hunden gehetzt“ [vgl. KSA 7/II, S. 656]: „Arbeite im Heck Hoftheaterrestaurant und Torgelstube.“ [Tb] zu kommen, während ich den ganzen Tag | an andere Dinge hatte denken müssen. Ich bin eben am Ende des zweiten Drittels einer Arbeit, die all meine Kraft in Anspruch nimmt. Ich bitte Sie herzlich, mir das Versehn nicht übel zu nehmen und mich bei ihrer verehrten Frau Gemahlin so gut zu entschuldigen, wie Sie es irgend fertig bringen. Ich hoffe daß Sie mir nicht zürnen und sage: Auf baldiges WiedersehnEin Wiedersehen fand vier Tage später statt, wie Wedekind am 13.11.1909 notierte: „Torggelst. mit [...] Kutscher“ [Tb]..

Mit besten Grüßen und Empfehlungen
Ihr
Frank Wedekind.


9.11.9.


[Kuvert:]


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München-Bogenhausen
MauerkirchstrasseSchreibversehen, statt: Mauerkircherstrasse. Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil I, S. 315] 6.

Einzelstellenkommentare

München, 22. Juni 1910 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Sehr verehrter Herr Doctor!

Es thut mir ungemein leid, aber ich möchte heute abend nicht gerne im Freien sitzen und auch nicht anhaltend sprechen. „In allen Wassern“, was ich vorzulesen gedachte, würde immerhin eine Stunde in Anspruch nehmen. Ich habe aber heute morgenWedekind war am 22.6.1910 in der „Probe von Keith“ [Tb], die zweite der am Vortag begonnenen Proben für den zweiten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus, der am 1.7.1910 begann. zwei Stunden ununterbrochen gesprochen und werde morgen VormittagWedekind hatte am 23.6.1910 wiederum eine „Probe von Keith“ [Tb] in Vorbereitung des anstehenden zweiten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus. ebensoviel zu | thun haben. Ich bitte Sie mich mit der Aufgabe, die ich vor mir haben entschuldigen zu wollen. Es wäre mir das größte Vergnügen gewesen, in Ihrem Seminarvon Artur Kutscher organisierte außeruniversitäre Treffen in der Regel wöchentlich mit Studierenden an wechselnden Orten (längere Zeit im Hotel Union), zu denen Schriftsteller geladen wurden [vgl. Buglioni 2017, S. 164-173 und passim]. Artur Kutschers „literarisches Seminar, das nach und nach zu einer eigenen Brutstätte Schwabinger Geistes wurde“ [Mühsam 2003, S. 138], verstand sich als „kameradschaftlicher Kreis“ [Kutscher 1960, S. 72], die sogenannte „Kutscher-Kneipe“ [Günther 1938, S. 103]. Wedekind war mehrfach als Gastautor in Artur Kutschers Seminar, zuerst am 26.2.1909: „Bei Dr. Kutscher im Colleg.“ [Tb] etwas vorzutragen. Aber dazu fühle ich mir nicht sicher genug. Ich wage es nicht, zumal ich diesen Sommer noch keinen Abend im Freien zugebracht habe.

Wollen Sie bitte, geehrter Herr Doctor, auch Ihren Schülern mein | aufrichtiges Bedauern aussprechen, daß ich Ihrer liebenswürdigen Aufforderung nicht folgen kann. Es liegt nur in dem Zusammentreffen mit den Proben, die bei unserenmSchreibversehen, statt: unserem. letzten ZusammentreffenWedekind hat Artur Kutscher zuletzt am 11.6.1910 in der Torggelstube getroffen: „TSt. mit Kutscher e.ct. mit dem ich nach Haus fahre.“ [Tb] noch nicht festgesetzt waren.

Mit herzlichen Grüßen auch von meiner Frau an Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin
Ihr
Frank Wedekind.


München, 22.6.10.


[Kuvert:]


Herrn Dr. Arthur Kutscher
München-Bogenhausen
Mauerkircherstrasse 6 IV.

Einzelstellenkommentare

München, 24. Dezember 1910 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Sehr geehrter Herr Doktor!

Gestern AbendWedekind hatte am 23.12.1910 (im Tagebuch kein Eintrag dazu) Besuch von dem in München lebenden Schriftsteller Eugen Albu (Kufsteiner Straße 2) [vgl. Adreßbuch für München 1911, Teil I, S. 6], der vom Neuen Verein zunächst wohl eine Zusage für einem Vortragsabend erhalten hatte, die dann offenbar durch Artur Kutscher zurückgenommen wurde. Die Lesung sollte dann doch stattfinden, am 3.3.1911, musste aber verschoben werden: „Der für heute abend 8 Uhr angezeigte Intime Abend, im Gobelinsaale der Vier Jahreszeiten, der eine Vorlesung von Eugen Albu bringen sollte, muß verschoben werden, weil der Vater des Vortragenden plötzlich verstorben ist.“ [Vom Neuen Verein. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 103, 3.3.1911, Vorabendblatt, S. 3] Sie fand am 4.4.1911 statt: „Der vierte Intime Abend bringt am Dienstag, 4. April, im Gobelinsaale der Vier Jahreszeiten abends 8 Uhr eine Vorlesung von Eugen Albu aus eigenen Werken.“ [Vom Neuen Verein. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 147, 3.4.1911, S. 3] war Herr Albu bei mir wegen einer Angelegenheit, die soweit ich sie beurtheilen kann, sich doch vielleicht von zwei verschiedenen Seiten ansehen läßt. Sie haben sicherlich recht darin, daß die intimen AbendeFormat im Veranstaltungsangebot des Neues Vereins: „Intime Abende wurden veranstaltet und haben sich ausgebildet zu einer Institution, zu welcher ein kaum zu bewältigendes Angebot von Autoren erfolgt. Die Abende stehen im Dienste junger oder weniger bekannter Schriftsteller, Rezitatoren, Musiker, denen der Verein zum Vortrage Gelegenheit und Raum gibt. Das Niveau dieser Abende erwirbt die größere Aufmerksamkeit der Presse und erzeugt einen Andrang von Zuhörern, der fast die Intimität der Veranstaltung bedroht.“ [Kutscher 1912, S. 289] des N.V.Der Ende 1903 in Nachfolge des Akademisch-Dramatischen Vereins gegründete Neue Verein e.V. (Vereinslokal: Türkenstraße 28, Geschäftsstelle: Buchhandlung Heinrich Jaffe, 1. Vorsitzender: Dr. Wilhelm Rosenthal [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil III, S. 185]) veranstaltete vor allem geschlossene Vorstellungen neuer Dramen. „Die von der Polizei verbotenen Stücke Wedekinds wurden vom ‚Neuen Verein‘ vor geladenem Publikum gespielt“ [Mühsam 2003, S. 137]. Dem Vorstand gehörte ein Beirat an: „Der Vorstandschaft trat an die Seite ein aus etwa zehn Köpfen bestehender künstlerischer Beirat von Vertretern der Literatur, der bildenden Künste und der Musik.“ [Kutscher 1912, S. 288] Vorstand und Beirat waren am 28.11.1910 neu gewählt worden: „Am Montag abend fand die ordentliche Mitgliederversammlung des Neuen Vereins im Künstlerhaus statt. [...] Bei der darauf erfolgten Wahlhandlung wurden in den Vorstand wiedergewählt: zum ersten Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. W. Rosenthal; zum zweiten Vorsitzenden Schriftsteller Wilhelm Weigand; zum Kassier Direktor Julius Kaufmann; zum Schriftführer Dr. Viktor Mannheimer. In den Beirat wurden wiedergewählt: Professor Fritz Erler, Direktor Georg Fuchs, Schriftsteller Paul L. Fuhrmann, Kunstmaler Georg Ganß, Schriftsteller Karl Henckell, Dr. Georg Hirth, Privatdozent Dr. A. Kutscher, Kunstmaler Leo Pasetti, die Schriftsteller Josef Ruederer, Frank Wedekind und Wilhelm Weigand.“ [Vom Neuen Verein. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 63, Nr. 562, 1.12.1910, Morgenblatt, S. 3] nicht für Experimente daDer Neue Verein war „ein Experimentier-Institut für moderne, gefährliche, dem Zensor unsympathische Aufführungen“ [Mühsam 2003, S. 137] ‒ so die Sicht der durch Neubesetzung seit 1913 wirkenden innovationsoffenen Fraktion des Beirats, zu der Artur Kutscher eher nicht gehörte: „Dr. Kutscher war gewiß kein übertrieben revolutionärer Mann“ [Mühsam 2003, S. 138]. sind. Es fragt sich nur ob Herr Albu durch ein Zurücknehmen der ihm gegebenen Zusage nicht mehr blos gestellt wird, als die Sache werth ist. Ich glaube, wenn sich Herr Albu an den Verein als solchen wendete, müßte der Verein sich auch diese Frage in Berücksichtigung ziehen. Wenn Sie, geehrter Herr Doctor, sich durch einen Albu-|Abend zu sehr zu exponieren glauben, was ich nicht einsehen kann, so wäre es für Sie ja vielleicht ein Leichtes, die Verantwortung auf Karl Henckels und meine SchulternKarl Henckell und Wedekind waren ebenso wie Artur Kutscher Beiratsmitglieder des Neuen Vereins (siehe oben). abzuladen. Auf jeden Fall glaube ich Sie Ihnen auch in Ihrem eigenen Interesse den Vorschlag machen zu müssen, in dieser Angelegenheit nicht weiter entscheiden zu wollen, bevor wir nicht Gelegenheit gefunden uns mündlich darüber auszusprechenDie Aussprache fand wohl erst am 28.3.1911 stand (in der Torggelstube): „T.St. mit Dr. Kutscher und Beyrer“ [Tb]; unklar ist, ob die weitere Person Elisabeth Beyrer-Witting war oder ihr Gatte Eduard Beyrer (siehe unten).. Ich nehme an, und auch Herr Albu hat den Eindruck, daß Ihr BriefArtur Kutschers Brief an Eugen Albu ist nicht überliefert. einer etwas nervösen Stimmung entsprang an der vielleicht die TreibereienAntreiben, Hetzen. Wedekind ging wohl davon aus, dass die Bildhauerin Elisabeth Beyrer (geb. Witting) ihren vermutlich im Neuen Verein aktiven Gatten, den katholischen Münchner Bildhauer Eduard Beyrer (Gaußstraße 12) [vgl. Adreßbuch für München 1911, Teil I, S. 47], gegen Eugen Albu einzunehmen suchte. von der Beirer schuldig waren. Aber in dieser Angelegenheit wäre es meines Erachtens wie gesagt ein leichtes für Sie, die Verantwortung abzulehnen und dadurch Herrn Albu eine völlig unverdiente Beschämung zu ersparen. |

Ihnen, Ihrer verehrten Frau Gemahlin und den Ihrigen senden meine Frau und ich die herzlichsten Wünsche für recht frohe Feiertage.

Mit herzlichemnSchreibversehen, statt: herzlichem. Gruß auf baldiges Wiedersehn
Ihr ergebener
Frank Wedekind.


24.12.10.


[Kuvert:]


Herrn Dr. Arthur Kutscher
München-Bogenhausen
Mauerkirch-StrasseSchreibversehen, statt: Mauerkircherstrasse. Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1911, Teil I, S. 327]. 6. |


Bitte an die Adresse in HannoverArtur Kutschers Mutter, die Witwe Dora Kutscher (geb. Zieseniß), wohnte in Hannover (siehe den Postzustellvermerk auf dem Kuvert): Auf dem Emmerberge 7 [vgl. Adreßbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover 1910, Teil II, S. 71]. Der Sohn war offenbar über Weihnachten zu ihr gefahren. nachzusenden.


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München, 31. Dezember 1910 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

[Hinweis und Zitat in Kutscher 3, S. 31:]


Wedekind [...] las [...] sich in Bücher meist nur soweit ein, bis er Bescheid wußte. So schenkte er mir den schwach angelesenen Emanuel Quint HauptmannsAusgabetermin der Buchausgabe von Gerhart Hauptmanns Roman „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ im S. Fischer Verlag in Berlin war der 24.11.1910 [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 77, Nr. 268, 19.11.1910, S. 14199]. mit den Worten: Das muß nur ein Literarhistoriker weiterlesen.

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München, 16. April 1911 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Lieber Herr Doctor!

Wollen Sie wirklich an diesem herrlichen Tag in meinen VortragWedekind notierte am 16.4.1911 (Ostersonntag) in München: „Nachmittag Texte durchgelesen. Abends Vortrag im Kl. Theater.“ [Tb] Das geplante Programm des von Emil Meßthaler am Kleinen Theater in München veranstalteten Wedekind-Abends am 16.4.1911 mit Texten und Liedern ist handschriftlich unter dem Titel „Meßthaler Programm“ [KSA 1/IV, S. 1326] erhalten, „wobei wegen möglicher Zensurmaßnahmen gefährdet war, ob alle geplanten Programmpunkte zur Aufführung gebracht werden konnten“ [KSA 1/III, S. 348]; angekündigt war: „Frank Wedekind bringt Ostersonntag und Ostermontag halb 9 Uhr im ‚Kleinen Theater‘ ‚Aufklärungen‘, ‚Rabbi Esra‘ und ‚Stein der Weisen‘, eine Geisterbeschwörung, zum Vortrag.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 180, 16.4.1911, S. 2] Die Veranstaltung um 20.30 Uhr war noch für weitere Tage angekündigt: „Kleines Theater / Oster-Sonntag und -Montag 8½ Uhr sowie 18. u. 19. April 1911 / Wedekind-Abende / Frank Wedekind: Aufklärungen aus: ‚Feuerwerk‘, ‚Stein der Weisen‘, rezitiert vom Autor.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 64, Nr. 177, 14.4.1911, General-Anzeiger, S. 2] Der erste Abend scheint konfliktreich verlaufen zu sein, denn Wedekind teilte Emil Meßthaler mit, er werde nicht mehr weiter auftreten [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 17.4.1911]. kommen. Außerdem werden Sie voraussichtlich gar nichts neues, vielleicht auch gar nichts hören, was irgendjemanden interessieren konnte, da die Polizei Meßthaler und mir alle Schwierigkeiten in den Weg legt, die sie erfinden kann. Platz wird natürlich massenhaft vorhanden sein und Meßthaler | wird sich ebenso freuen wie ich wenn Sie kommen wollen. Inliegend eine KarteBeilage war eine Visitenkarte [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 16.4.1911].. Wenn ich Meßthaler sehe werde ich es ihm übrigens auch sagen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.


16.4.11.

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München, 12. Mai 1911 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Was übertrifftDie fünf wohl aus dem Gedächtnis zitierten Verse stammen ‒ im letzten Vers mit einer Variante (siehe unten) ‒ aus Wedekinds Stück „König Nicolo oder So ist das Leben“, 3. Aufzug, 8. Bild [vgl. KSA 4, S. 285]. des Künstlers Brust an Wonnen!
Das Unglück ist ihm reichster Freudenbronnen,
Aus wilden Klagen schöpft er selge Lust. ‒
Wie aber lahmen selber ihm die Schwingen
Im Ungemach! – Und bei des Goldes Klingen
Ist er sich tiefster Menschlichkeitim Stück (siehe oben): „tiefsten Menschentums“ [KSA 4, S. 285]. bewußt.


Frank Wedekind.

12.5.11Wedekind notierte am 12.5.1911 in München: „Vorlesung in Dr. Kutschers Seminar von Totentanz.“ [Tb].

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München, 26. Mai 1911 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Lieber Herr Doctor!

Die Pannummerdas Heft der von Wilhelm Herzog und Paul Cassirer herausgegebenen Zeitschrift „Pan“ mit Wedekinds Beitrag „Autobiographisches“ [Pan, Jg. 1, Heft 5, 1.1.1911, S. 147-149], wie aus einem Brief an einen der Herausgeber hervorgeht [vgl. Wedekind an Wilhelm Herzog, 26.5.1911]. kann ich zu meinem Bedauern nicht mehr finden und habe infolge dessen an die Redaktion in Berlin geschriebenvgl. Wedekind an Wilhelm Herzog, 26.5.1911. mit der Bitte, sie Ihnen zu senden. In einer ruhelosen NachtFrank Wedekinds Tochter Pamela Wedekind war krank; nach dieser Nacht notierte er am 26.4.1911 den Hausarztbesuch und eine Besserung: „Hauschild kommt. Annapamela fieberfrei und munter.“ [Tb] Dr. med. Johannes Hauschildt musste abends aber nochmals kommen, da es Pamela Wedekind wieder schlechter ging. die ich hinter mir habe und deren UrsachSchreibversehen, statt: Ursache. Gott sei Dank so gut wie gehoben scheint las ich noch einmal Ihre Schillerbiographiedas „Lebensbild“ in Band 1 von Artur Kutschers Edition „Schillers Werke“ (1909), die er Wedekind geschenkt hatte [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 16.10.1909]. durch mit ungetheiltem Genuß. Dann lernte ich auch den WarbeckFriedrich Schillers Dramenfragment „Warbeck“ ist in Teil 14 („Dramatische Fragmente“) von Artur Kutschers Edition „Schillers Werke“ (siehe oben) abgedruckt. kennen, von dessen Größe ich noch keine Ahnung hatte.

Herzlichste Grüße von uns beidenFrank und Tilly Wedekind. an Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin
Ihr
Frank Wedekind.


26.5.11.


[Kuvert:]


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München
MauerkirchstrasseSchreibversehen, statt: Mauerkircherstrasse. Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1911, Teil I, S. 327]. 6.

Einzelstellenkommentare

München, 9. Juli 1911 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Privatdozent
Dr. Artur Kutscher
München Bogenhausen
MauerkirchstrasseSchreibversehen, statt: Mauerkircherstrasse. Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1911, Teil I, S. 327]. 4 oder 6. |


Lieber Herr Doctor! Ich bat Direktor Stollberg darum, Ihnen für das ganze Gastspielder dritte Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg) [vgl. NeuerTheater-Almanach 1912, S. 560] vom 8. bis 31.7.1911; er hatte am 8.7.1911 mit der Premiere von „König Nicolo“ begonnen, es folgten die Premieren von „Marquis von Keith“ (10.7.1911), „Erdgeist“ (13.7.1911), „Musik“ (16.7.1911), „Hidalla“ (22.7.1911) sowie als Doppelpremiere „Die Zensur“ und „Der Kammersänger“ (26.7.1911). Eintritt zu gewähren. Er hat an der Kasse dem entsprechend Weisung gegeben. Wenn Sie also nur morgen Abendam 10.7.1911 die „Marquis von Keith“-Premiere im Rahmen des dritten Wedekind-Zyklus am Münchner Schauspielhaus (siehe oben), die Artur Kutscher besuchte und anschließend mit Frank und Tilly Wedekind sowie mit Gustav Werner Peters und dessen Gattin in der Torggelstube war, wie Wedekind am 10.7.1911 notierte: „Keithvorstellung Nachher T.St. mit Tilly. Kutscher, Peters und Frau.“ [Tb] kommen wollen würden Sie jedenfalls einen Platz reserviert finden.

Mit herzlichem Gruß
Ihr
Frank Wedekind.

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München, 9. Februar 1912 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

In der StundeDer Zweizeiler ist wörtlich so [vgl. J. A. Stargardt: Katalog 606 (1975), Nr. 386] auf einer nur sekundär überlieferten undatierten und namentlich signierten Postkarte Wedekinds überliefert [vgl. KSA 1/II, S. 1724]; er ist auch in einem Dialogentwurf zu „Oaha“ [vgl. KSA 8, S. 112] notiert: „Im ersten Theil des Faust sagt Göthe bekanntlich: / In der Stunde da der Mensch sich sicher fühlt / Hat er schon so gut wie ausgespielt.“ [KSA 1/II, S. 1725], da der Mensch sich sicher fühlt,
Hat er schon so gut wie ausgespielt.


Frank Wedekind.

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München, 4. April 1912 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Herrn Privatdozent
Dr. Artur Kutscher
München-Bogenhausen
Mauerkircherstrasse 4. od. 6.Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1912, Teil I, S. 340].

Einzelstellenkommentare

München, 11. Juli 1912 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern
Postkarte


Herrn Privatdozent
Dr. Artur Kutscher
München Bogenhausen
Mauerkircherstrasse 5Dr. phil. Artur Kutscher wohnte in der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1912, Teil I, S. 340]..


Lieber Artur!

MorgenWedekind las am 12.7.1912 (Freitag) um 21 Uhr als Gastautor in Artur Kutschers Seminar (siehe seine Widmung [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 12.7.1912] im Gästebuch) im Hotel Union sein Stück „Musik“, wie er am 12.7.1912 notierte und dabei einen früheren Besuch vergegenwärtigte: „Abends lese ich Musik in Kutschers Seminar. Nachher mit ihm und Fräulein Helbig in der T.St. Er hat ein Verhältnis mit ihr, begonnen nach der Franziska-Vorlesung in seinem Seminar.“ [Tb] Mit Fräulein Helbig ist Helly Steglich gemeint. Die Lesung aus „Franziska“ (Wedekind trug auch „Das Lied vom armen Kinde“ und „Galathea“ vor) hat am 9.2.1912 stattgefunden: „Kutscher Seminar. Franziska 4. Akt. Das arme Kind Galathea T.St. mit Kutscher Albus und einer Kunststudentin aus Stettin.“ [Tb] Mit der Kunststudentin ist wiederum Helly Steglich gemeint, die ihren Namen unmittelbar vor Wedekinds Widmung in Artur Kutschers Gästebuch eingetragen hat., Freitag, 9 Uhr21 Uhr. werde ich mich also mit „Musikim Hotel | UnionDie Autorenabende in Artur Kutschers Seminar fanden längere Zeit im Münchner Hotel Union (Barerstraße 7) statt, „jede Woche [...]; die Teilnehmerzahl konnte 40, manchmal sogar 50 Studierende erreichen“ [Buglioni 2017, S. 164]. einfinden. Ich freue mich sehr darauf, einmal wieder einen ganzen Abend mit Dir zusammen zu sein. Dein Ausbleiben am MontagArtur Kutscher war am 8.7.1912 nicht in der Krokodil genannten Stammtischrunde im Münchner Ratskeller erschienen, wie Wedekind notiert hat: „Abend im Krokodil. Kutscher nicht anwesend. In d. T.St. erzählt Mühsam daß seine Stellung an der Universität erschüttert sei.“ [Tb] Artur Kutschers Lehrveranstaltungen über Wedekind hatten dem Privatdozenten Schwierigkeiten mit der Fakultät eingetragen. war mir sehr bedauerlich.

Mit der Bitte, mich Frau Doctorwohl nicht die erste Ehefrau Gertrud Kutscher (geb. Schaper), die in der vorangehenden Korrespondenz Wedekinds mit Artur Kutscher stets als Gemahlin bezeichnet ist, sondern die Geliebte Helly Steglich, eine promovierte Kunsthistorikerin, die am 12.7.1912 bei Wedekinds Lesung dabei war (siehe oben). bestens zu empfehlen und
herzlichem Gruß
Dein
Frank

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München, 12. Juli 1912 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 6. Dezember 1912 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Zum WeiberfeindDie vier wohl aus dem Gedächtnis zitierten Verse stammen ‒ mit Varianten vor allem in Groß- und Kleinschreibung sowie in der Interpunktion ‒ aus Wedekinds Einakter „Der Stein der Weisen oder Laute, Armbrust und Peitsche. Eine Geisterbeschwörung“, 6. Auftritt [vgl. KSA 6, S. 264]. laß ich mich nichtim Stück (siehe oben): „bin ich nicht zu“ [KSA 6, S. 264]. bekehren,
Fehlts mir zum Weiberknecht doch anim Stück (siehe oben): „am“ [KSA 6, S. 264]. Geschick:
Lernst Du der Weiber Dienste nur entbehren,
Dann spenden sie dir lautres Sinnenglück.


Frank Wedekind.

6.12.12Wedekind notierte am 6.12.1912 in München: „In Kutschers Seminar lese ich Brand von Egliswyl und Rabbi Esra.“ [Tb].

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München, 17. Dezember 1912 (Dienstag)
von Wedekind, Frank, Friedenthal, Joachim, Streit, Ludwig, Netto, Walter, Mühsam, Erich, Henckell, Karl und Wilm, Hubert
an Kutscher, Artur

Königreich Bayern

Postkarte


Herrn Privatdocent
Dr. Artur Kutscher
Förderer des schönen Kunstes

Pertisau (Tirol)

bei Herrn Josef WenterArtur Kutscher war in Pertisau am Ammersee zu Besuch bei dem aus Tirol stammenden Schriftsteller Josef Wenter, der in München studiert hatte..


Lieber Freund! Das KrokodilStammtischrunde, von Artur Kutscher mitinitiiert: „Im April 1911 gründeten Karl Henckell, Hubert Wilm und ich das ‚Junge Krokodil‘, das ein künstlerisch bedeutendes Zentrum wurde“, eine „Gelegenheit zu regelmäßigen, ungezwungenen Zusammenkünften mit Gleichgesinnten“; die Treffen fanden im Münchner Ratskeller statt, „dienstags, später montags von 8½ bis mindestens zur letzten Trambahn“, also von 20.30 Uhr bis tief in die Nacht; Frauen waren im Grunde ausgeschlossen: „Damen waren nur ausnahmsweise geduldet, etwa nach einem Theaterabend“ [Kutscher 1960, S. 67-69]. sendet Dir schönste Grüße
Dein Frank.

Ludwig Streit.

Walter Netto.

Jener Erich Mühsam

Karl Henckell

Herzlichen Gruss Hubert Wilm |

Mit den schönsten Grüßen und Wünschen für gute Erholung
Ihr Joachim Friedenthal

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München, 9. Mai 1913 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Frank Wedekind.

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München, 9. Juli 1913 (Mittwoch)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Bildpostkarte an Artur Kutscher vom 11.7.1913 aus Rom:]


Mit herzlichem Dank für die liebe Karte [...]

Einzelstellenkommentare

Rom, 11. Juli 1913 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Herrn Privatdozent
Dr. Artur Kutscher
München
Mauerkircherstrasse 6.


Lieber Artur!

Mit herzlichem Dank für die liebe Kartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 9.7.1913. sende ich Dir die schönsten Grüße aus dem herrlichen RomWedekind war am 19.6.1913 von München nach Rom abgereist. Die Bildpostkarte schrieb er am Tag seiner Abreise von Rom nach Lenzburg am 11.7.1913: „Abfahrt von Rom. Arbeite im Zug.“ [Tb].

Auf baldiges WiedersehnWedekind war am 16.7.1913 zurück in München; ein Treffen mit Artur Kutscher ist erst am 6.10.1913 notiert [vgl. Tb].
Dein
Frank. |


ROMAFontana di Trevi
(Arch. Nicolò Salvi)

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München, 14. November 1913 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Wenn schamlosDie zitierten Verse stammen aus „Simson oder Scham und Eifersucht. Dramatisches Gedicht in drei Akten“, 2. Akt, 4. Auftritt [vgl. KSA 7/I, S. 530], aus dem Versdrama, das Wedekind am 14.11.1913 in Artur Kutschers Seminar vorgetragen hat (siehe unten).
ich mich gezeigt, geschah es/das/, meine Kunst,
Gefallen zu erwecken, die Ih ihr lästert,
In ihrer vollsten Macht euch zu beweisen


Frank Wedekind.

14.11.13Wedekind notierte am 14.11.1913 in München: „Am Abend Vortrag von Simson in Kutschers Seminar“ [Tb]..

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München, 13. Februar 1914 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

einverstandenWedekind bezieht sich auf den unmittelbar vorangehenden Eintrag von Max Pirker, der ein Wort des österreichischen Schriftstellers Peter Rosegger zitierte: „‚Der Dichter kann nit dumm gnua sein‘ Peter Rosegger zu Max Pirker. München, 13. Febr. 1914“ [Mü, ArK D 32 I]. Frank Wedekind.

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München, 25. April 1914 (Samstag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 26.4.1914 aus München:]


[...] Deine freundliche Aufforderung [...] Deiner Einladung [...]

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München, 26. April 1914 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Lieber Artur!

Mit herzlichem Dank für Deine freundliche Aufforderungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 25.4.1914. muß ich Dir leider mitteilen daß ich lieber nicht folge leiste aus dem einfachen Grunde weil ich finde daß ich bei dieser Gelegenheit überflüssig bin und nichts vernünftiges dabei zu tun habe. Offen gesagt finde ich es auch nicht ganz richtig, daß Du eine Damenicht identifiziert; eine wohl neue Freundin Artur Kutschers, der 1912 und 1913 (vor seiner Scheidung von seiner ersten Ehefrau Gertrud Kutscher, geb. Schaper) mit mindestens zwei anderen Frauen liiert war. mit andern Herrn zusammenführstArtur Kutscher hat Wedekind offenbar zu einem Abend in der Stammtischrunde Krokodil eingeladen (vermutlich für Montag, den 27.4.1914), bei der er ihm und weiteren Herren wohl seine neue Freundin (siehe oben) vorstellen wollte. Beim Krokodil waren Frauen im Grunde ausgeschlossen: „Damen waren nur ausnahmsweise geduldet, etwa nach einem Theaterabend“ [Kutscher 1960, S. 69]. Die Treffen des Krokodils fanden im Münchner Ratskeller statt. Wedekind hatte Artur Kutscher dort zuletzt am 23.4.1914 getroffen: „RK mit Lewin Martens Kutscher Walter und Aretin“ [Tb]); er war dann am 27.4.1914 wieder dort, nicht aber Artur Kutscher: „Krokodil. ohne Kutscher Mit Lewin allein“ [Tb]. | solange Dir die Dame nicht die Gefälligkeit erweist, Dich mit anderen Damen zusammenzuführen. Sobald das der Fall ist werde ich Deiner Einladung mit umso größerem Vergnügen folgen.

Mit schönsten Grüßen
Dein alter getreuer
Frank Wedekind.


München 26.4.14.


[Kuvert:]


Herrn Privatdozent
Dr. Arthur Kutscher
München
Helmtrudenstrasse 5Dr. phil. Artur Kutscher war inzwischen, vermutlich im Zusammenhang seiner Scheidung im Vorjahr, innerhalb Münchens von der Mauerkircherstraße 6 (4. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1913, Teil I, S. 352] in die Helmtrudenstraße 5 (3. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1914, Teil I, S. 368] umgezogen..

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München, 18. Juni 1914 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

FRANK WEDEKIND BANKETTDas am 24.6.1914 von Wedekind notierte „50 Geburtstagsbankett“ [Tb] im Hotel Bayerischer Hof in München (Promenadeplatz 19) aus Anlass seines 50. Geburtstags am 24.7.1914 hatte ein kleinerer Freundeskreis organisiert, darunter Kurt Martens und Joachim Friedenthal, der dem Autor als Ehrengabe das „Wedekindbuch“ übereichte, nachdem schon eine Reihe Reden gehalten waren. Einer der Festredner war Artur Kutscher; er „erinnerte [...] an Frau Tilly, die Mitkämpferin“ [Kutscher 3, S. 178]. Erhalten ist ein Foto, auf dem von den rund 120 Gästen über 40 Personen zu sehen sind (ein „Festessen zu Frank Wedekinds 50. Geburtstag im Bayerischen Hof“ betitelter Abzug befindet sich im Thomas-Mann-Archiv der ETH-Bibliothek Zürich [Signatur: TMA_0055] und ist online zugänglich: https://tma.e-pics.ethz.ch/#1597852696489_0).
im Hotel Bayerischer Hof
München / am Mittwoch den 24. Juni 1914

‒‒


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Verschiedene Vorspeisen

Mock-turtle-Suppeunechte Schildkrötensuppe (statt Schildkrötenfleisch in der Regel Verwendung von Kalbfleisch).

Plattensee-FogasZander aus dem Plattensee (Balaton) in Ungarn. in Butter gebraten

Rehbraten auf Hubertus-ArtZubereitung mit Pilzen und Zwiebeln.

Königin-Charlotteüppige Süßspeise in zylindrischer Form (außen Biskuit, innen eine Creme), angeblich nach der englischen Königin Charlotte, Gemahlin Georgs III., benannt.

Feinbäckereien


Dr. Artur Kutscher

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Salzburg, 11. Juli 1914 - 12. Juli 1914
von Kutscher, Artur, Strindberg, Friedrich und Mühsam, Erich
an Wedekind, Frank

Herr Frank Wedekind

München

Prinzregentenstr. 50 |


Salzburg 11–12 VII.14.


Lieber Frank von fröhlicher Tafelrunde nach Aufführung vom KyklopenArtur Kutscher hatte mit Studierenden seines Seminars von der Universität München am 11.7.1914 auf der Felsenbühne des Steintheaters im Park des Schlosses Hellbrunn bei Salzburg das antike Satyrspiel „Der Kyklop“ (Zyklop) von Euripides aufgeführt (in der Übersetzung von Adolf Wilbrandt). Einen Theaterzettel der Aufführung klebte er in sein Gästebuch [vgl. Mü, Nachlass Artur Kutscher, ArK D 32 I] des Euripides senden wir dir als Zeichen unseres Gedenkens herzliche Grüße dein Artur Kutscher

Ihre Pariser AdresseWedekind hielt sich vom 2. bis 13.7.1914 in Paris auf und wohnte dort im Grand Hotel [vgl. Tb]. ist nicht zu ermitteln. Aber in Erinnrung an die Clauserie de LilasDas 1883 eröffnete „La Closerie des Lilas“ ist ein bekanntes Pariser Künstlercafé im Quartier Montparnasse. Wedekind besuchte das Lokal am 9.7.1914: „Spaziergang in den Champs Elisee Nachmittag Mont Parnasse Closerie des Lila“ [Tb]. und unter dem Eindruck der famosen Leistung des KutscherseminarsDie Presse lobte die Aufführung: „Die Anregung zu dieser wirkungsvollen Vorstellung hatte Dr. Artur Kutscher gegeben, der auch die Regie führte.“ [Wiener Abendpost. Beilage zur Wiener Zeitung, Nr. 159, 14.7.1914, S. 3] „Die Darbietung war entgegen allen skeptischen Erwartungen, die man zu haben geneigt war, in den Einzelleistungen, vor allem aber in der Regieführung und in den Bewegungsmotiven der Chöre von einer erstaunlichen Höhe. Die Vertreter aus Berlin und andern Städten des Deutschen Reiches sowie die Gäste aus Wien und das Salzburger Publikum waren seltsam gepackt und standen im Banne eines ganz ungewöhnlichen künstlerischen Erlebnisses“ [Aus dem Naturtheater in Hellbrunn. In: Neues Wiener Abendblatt, Jg. 48, Nr. 193, 15.7.1914, S. 5]. grüßt Sie Ihr Erich Mühsam.

Herzliche Grüße sendet Dir in treuem Gedenken der schönen Tage, die wir mitsammen verlebt
FriedrichWedekinds Sohn Friedrich Strindberg hatte offenbar die Aufführung des „Kyklopen“ besucht und schloss sich hinterher der „Tafelrunde“ an. Erich Mühsam kannte er von seinem Weihnachtsbesuch 1913 bei Wedekind in München persönlich [vgl. Tb]. In Artur Kutschers Gästebuch findet sich neben dem eingeklebten Theaterzettel ein Eintrag Friedrich Strindbergs: „Wenn der Mensch voll ist, geht er unter die Schweine. Ist er nicht immer voll?“ [Mü, Nachlass Artur Kutscher, ArK D 32 I] Der darauffolgende Eintrag von Bernhart Rehse ist datiert mit: „Salzburg, 11. Juli 1914.“ Das Treffen mit Artur Kutscher und Erich Mühsam führte in der Folge zu Gesprächen der beiden mit Wedekind, der im Mai den Kontakt zu seinem Sohn abgebrochen hatte, nachdem er einen Erpresserbrief erhalten hatte, den er auf die literarischen Aktivitäten Friedrichs und dessen Drama „Menschenrecht“ zurückführte [vgl. Wedekind an Friedrich Strindberg, 8.5.1914]: „Gespräch mit Mühsam über Friedrich Strindberg Menschenrecht.“ [Tb, 18.7.1914] „Mit Kutscher Gespräch über Fritz Strindberg. Schlaflose Nacht“ [Tb, 20.7.1914].

Einzelstellenkommentare

München, 15. Juli 1914 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Lieber Artur!

Von ganzem Herzen beglückwünsche ich Dich zu dem großen und offenbar durch schönste künstlerische Arbeit reichlich verdienten Erfolg Deines Kyklopen in HellbrunnArtur Kutscher hat am 11.7.1914 im Steintheater (die älteste erhaltene antike Freiluftbühne nördlich der Alpen) im Schlosspark des Schlosses Hellbrunn in Salzburg mit achtzig Studierenden seines Seminars von der Universität München das antike Satyrspiel „Der Kyklop“ (Zyklop) von Euripides aufgeführt (in der Übersetzung von Adolf Wilbrandt). Die Presse lobte: „Die Anregung zu dieser wirkungsvollen Vorstellung hatte Dr. Artur Kutscher gegeben, der auch die Regie führte.“ [Wiener Abendpost. Beilage zur Wiener Zeitung, Nr. 159, 14.71914, S. 3] „Die Darbietung war entgegen allen skeptischen Erwartungen, die man zu haben geneigt war, in den Einzelleistungen, vor allem aber in der Regieführung und in den Bewegungsmotiven der Chöre von einer erstaunlichen Höhe. Die Vertreter aus Berlin und andern Städten des Deutschen Reiches sowie die Gäste aus Wien und das Salzburger Publikum waren seltsam gepackt und standen im Banne eines ganz ungewöhnlichen künstlerischen Erlebnisses“ [Aus dem Naturtheater in Hellbrunn. In: Neues Wiener Abendblatt, Jg. 48, Nr. 193, 15.7.1914, S. 5].. | Hoffentlich erzählst Du mir recht baldWedekind traf Artur Kutscher gleich am Tag darauf, am 16.7.1914 im Hoftheaterrestaurant [vgl. Tb]. Er war dann am 17.7.1914 für eine Lesung zu Gast in „Kutschers Seminar“ und feierte anschließend „mit Kutscher Mühsam Friedenthal Dr. Blümner und Dr. v. Jakobi“ ein „Gelage“ [Tb] in der Torggelstube. ausführlicher darüber.

Mit schönsten Grüßen
Dein alter
Frank Wedekind.


15.7.14.


[Kuvert:]


Herrn Privatdozent
Dr. Artur Kutscher
München
Helmtrudenstrasse 5.

Einzelstellenkommentare

München, 17. Juli 1914 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Kann manDie wohl aus dem Gedächtnis zitierte Passage stammt ‒ mit kleinen Varianten, auch in der Interpunktion ‒ aus Wedekinds Erzählung „Rabbi Esra“ [vgl. KSA 5/I, S. 217], einer der beiden Erzähltexte, die der Autor am 17.7.1914 in Artur Kutschers Seminar vorgetragen hat (siehe unten). unglücklich sein mit einer halben Million aber kann man nicht unglücklich sein mit der Erkenntnis, daß die fleischliche Liebe nicht ist Satansdienst wenn der Mensch die Wegein der Erzählung (siehe oben): „Pfade“ [KSA 5/I, S. 217]. wandelt, die ihm der Herr gewiesen, weil er zwei Menschen hat für einander geschaffen außen und innen, an Leib und an Seelein der Erzählung (siehe oben): „und Seele“ [KSA 5/I, S. 217].

An Artur Kutschers Geburtstag den 17. Juli 1914Wedekind notierte am 17.7.1914 in München: „In Kutschers Seminar lesse ich Brand von Egliswyl und Rabbi Esra.“ [Tb]
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Nesles, 3. September 1914 (Donnerstag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 13.9.1914 aus München:]


Herzinnigen Dank für Deine liebe Karte vom 3. September, die ich heute erhielt.

Einzelstellenkommentare

München, 13. September 1914 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Sonntag, den 13. September 1914.


Lieber Artur!

Herzinnigen Dank für Deine liebe Karte vom 3. Septembernicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 3.9.1914., die ich heute erhielt. Wir waren hier schon alle einigermaßen besorgt um Dich da niemand etwas von Dir gehört hatte. Vor drei Tagen holte ich mir bei Deiner Hauswirtinnicht identifiziert. Die Hauswirtin wohnte in München offenbar in der Adelgundenstraße, während Artur Kutscher zuletzt in der Helmtrudenstraße 5 (3. Stock) [vgl. Adreßbuch für München 1914, Teil I, S. 368] gewohnt hat. in der Adelgundenstraße Deine Adresse, von der mir Fred aber gestern AbendWedekind verbrachte den Abend des 12.9.1914 „mit Fred“ [Tb], dem Schriftsteller W. Fred (Alfred Wechsler), im Hoftheaterrestaurant. noch sagte, daß sie nicht ausreiche. Der Himmel schütze Dich und | behüte Dich uns allen und Deinen lieben Angehörigen. Hier herrscht die gedrückte Stimmung des Abwartenmüssens, nur unterbrochen von der fieberhaften Spannung, mit der wir Eure SiegeAnspielung auf die in der Presse breit bejubelten Erfolge des deutschen Heeres an der Westfront. verfolgen. Dr. von Jakobi hat eine leichte Verwundung am FußWedekind dürfte schon einige Tage über die Kriegsverletzung von Dr. phil. Bernhard von Jacobi, Münchner Hoftheaterschauspieler [vgl. Neuer Theater-Almanach 1914, S. 559], informiert gewesen sein ‒ wie Erich Mühsam, der am 8.9.1914 notierte: „Bernhard v. Jacoby ist verwundet. Er liegt mit einer Schußwunde im Fuß in Tübingen [...]. Es scheint also keine allzu gefährliche Blessur zu sein, und der Invalide wird wohl in einigen Tagen in München eintreffen“ [Tb Mühsam], was dann am 16.9.1914 der Fall war: „Jacobi ist in München angelangt“ [Tb Mühsam]. Wedekind hat Bernhard von Jacobi nachweislich zuletzt nach seinem Autorenabend in Artur Kutschers Seminar am 17.7.1914 bei einem „Gelage“ [Tb] gesehen. Artur Kutscher unternahm mit Bernhard von Jacobi kurz vor Kriegsbeginn am 25.7.1914 eine Reise nach Tirol, die Anfang August abgebrochen wurde [vgl. Kutscher 1960, S. 103-106; Kutscher 1915, S. 1-5] ‒ für beide ging es danach an die Front. erhalten, die ihn in einigen Tagen nach München bringen soll. Heute steht zum ersten Mal etwas von einem schüchternen FriedensvermittlungsversuchDie deutschsprachigen Pressemeldungen beriefen sich auf Berichte in englischen, französischen, russischen und amerikanischen Zeitungen [vgl. Angebliche Versuche des Präsidenten Wilson zur Friedensvermittlung. In: Neue Freie Presse, Nr. 17979, 13.9.1914, Morgenblatt, S. 6; Eine Friedensaktion des Präsidenten Wilson. In: Neues Wiener Journal, Jg. 22, Nr. 7501, 13.9.1914, S. 1; Wilsons Vermittlungsabsichten. In: Prager Tagblatt, Jg. 39, Nr. 251, 13.9.1914, Abend-Ausgabe, S. 1]. des amerikanischen Präsidenten in den Blättern. Der hartnäckigste Widerstand | scheint in GalizienAnspielung auf die am 23.8.1914 begonnene sogenannte Schlacht in Galizien (eigentlich mehrere Schlachten), bei der es den russischen Truppen bis zum 2.9.1914 gelang, weite Teile Galiziens mit dem Großteil der Bukowina zu besetzen, ein Rückschlag für Österreich. zu bestehen, während in OstpreußenAnspielung auf die Schlacht von Tannenberg vom 26. bis 30.8.1914, die mit einem bedeutenden (später propagandistisch überhöhten) Sieg der deutschen über die russischen Truppen endete, ein großer Erfolg an der Ostfront für die deutsche Seite. sich offenbar alles zum Guten gewandt hat. Gerhart Hauptmann hat eine ZeitungsfehdeNach Gerhart Hauptmanns Artikel „Gegen Unwahrheit“ am 26.8.1914 im „Berliner Tageblatt“ [Jg. 43, Nr. 431, Morgen-Ausgabe, S. (2-3)], in dem er sich gegen Zuschreibungen wandte, die Deutschen seien ‚Barbaren‘, und dabei namentlich Maurice Maeterlinck angriff (der „verblendete Gallomanne Maeterlinck“ habe von „Barbaren“ gesprochen, aber „bei uns seinen Ruhm und sein Gold gewonnen“), publizierte Romain Rolland einen auf den 29.8.1914 datierten offenen Brief an Gerhart Hauptmann im „Journal de Genève“ [Jg. 85, Nr. 241, 2.9.1914, S. 1], der andernorts mit einem anders lautenden Auftakt gedruckt wurde, welcher sich direkt auf die Polemik gegen Maurice Maeterlinck bezog: „Gerhart Hauptmann a écrit un article violent contre Maeterlinck“ [Une lettre de Romain Rolland. In: Gazette de Lausanne, Nr. 240, 2.9.1914, S. (2)]. Romain Rollands offener Brief aus dem „Journal de Genève“ wurde übersetzt am 10.9.1914 zusammen mit Gerhart Hauptmanns Antwort in der „Vossische Zeitung“ abgedruckt [vgl. Romain Rolland und Gerhart Hauptmann. Ein Briefwechsel. In: Vossische Zeitung, Nr. 640, Abend-Ausgabe, S. (2-3)]. Gerhart Hauptmanns Artikel „Gegen Unwahrheit“ war eine Quelle für Wedekinds Kriegsrede (siehe unten) in den Münchner Kammerspielen [vgl. KSA 5/III, S. 506]. mit Maeterlink und Romain Rolland ausgefochten. Die Gesellschaft, die ich hier treffe, besteht aus Halbe Mühsam Friedenthal Martens und Fred. Man erzählte, daß Du sicherlich gleich an den ersten Kämpfen theilgenommen habest, mehr hatte bis jetzt niemand über Dich erfahren. Halbe sprach einen sehr schönen Prolog zu seiner ,,FreiheitMax Halbe sprach sein kriegsbegeistertes Gedicht „Krieg!“ am Vorabend der Vorstellung seines Historiendramas „Freiheit. Ein Schauspiel von 1812“ am 23.8.1914 am Münchner Schauspielhaus (am 22.8.1914 stand nichts auf dem Spielplan), worauf auch die redaktionelle Vormerkung zum Erstdruck von Max Halbes Gedicht Bezug nimmt: „Die folgenden Verse wurden als Prolog zu Max Halbes Schauspiel ‚Freiheit‘ in München am 22. August 1914 gesprochen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 43, Nr. 452, 6.9.1914, Morgen-Ausgabe, 2. Beiblatt, S. (1)] Max Halbes Gedicht zählt zu den Quellen für Wedekinds Kriegsrede (siehe unten) in den Münchner Kammerspielen [vgl. KSA 5/III, S. 506f.]. die im Schauspielhaus aufgeführt wurde. | Nächsten Freitag soll ein patriotischer AbendWedekind hielt zu seinem am 18.9.1914 in den Münchner Kammerspielen gehaltenen Kriegsvortrag fest: „Patriotischer Abend in den Kammerspielen. Ich spreche die Einleitung“ [Tb]. Die Veranstaltung fand in der Presse eine Wedekinds Ausführungen durchaus lobende Resonanz [vgl. KSA 5/III, S. 508f., 518f.]. Sein handschriftlich nur in Entwürfen erhaltener Vortrag ist in unterschiedlichen Druckfassungen überliefert, als „Kriegsworte Frank Wedekinds (Vortrag des Dichters, gehalten in der Vaterländischen Feier der Münchner Kammerspiele)“ und als „Deutschland bringt die Freiheit“ [KSA 5/II, S. 520-529] am 21. und 27.9.1914 in Berliner Zeitungen gedruckt [vgl. KSA 5/III, S. 496-506]. in den Kammerspielen stattfinden, den ich voraussichtlich mit einigen Worten über den Krieg einleiten werde. Den Ort Zonaque oder JonanneDer französische Ortsname war in Artur Kutschers verschollener Postkarte vom 3.9.1914 (siehe oben) offenbar schwer leserlich; der gemeinte Ort ist nach Kutschers „Kriegstagebuch“ nicht zu identifizieren. finde ich ers im Register meines Atlas, aber nicht auf der Karte. Offenbar liegt er westlich von Paris. Dann hättest Du also den weitesten Weg mitgemacht den unsere Truppen bis jetzt zurückgelegt. Hoffentlich treffen Dich diese Zeilen gesund und wohl. Ich warte nicht auf Antwort, um Dir wieder Nachricht zu geben. In einigen Tagen erhältst Du eine Cartevgl. Wedekind an Artur Kutscher, 22.9.1914.. Bleib gesund und frohen Mutes. Mit treuen Wünschen und herzlichsten Grüßen auch von meiner Frau
Dein treuer
Frank Wedekind.


[Kuvert:]


Feldpostbrief


An den Leutnant und KompanieführerArtur Kutscher wurde am 1.9.1914 „zum Kompanieführer der 8. Kompanie ernannt“ [Kutscher 1915, S. 77]. Dr. Artur Kutscher
Bayer. II Armee korps.
19. Reserve .... Division
8. Reserve Infant. Regiment Nr. 92
Bataillon Nr.

Abteilung Nr. Kompanie Nr. Eskadron Batterie

Kolonne Nr.

Die Angabe eines Bestimmungsorts unterbleibt, wenn der Empfänger zu den Truppen gehört, die infolge von Marschbewegungen den Standort wechseln. (5. 13) |


Absender Name Frank Wedekind
Wohnung in München Prinzregenten Straße Nr. 50

Einzelstellenkommentare

München, 19. September 1914 (Samstag)
von Wedekind, Frank, Halbe, Max, Jacobi, Bernhard von, Friedenthal, Joachim, Goldschmidt, Albert, Herzog, Wilhelm, Maassen, Carl Georg von, Mann, Heinrich, Mühsam, Erich, Schmitz, Jodocus, Steinrück, Albert und Jacobi, Lucy von
an Kutscher, Artur

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 21.10.1914 aus München:]


Eine Karte schrieben wir, Halbe, Jacobi e.ct aus der Torggelstube.

Einzelstellenkommentare

München, 22. September 1914 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

Feldpostkarte


An den Leutnant und Kompanieführer Dr. Artur Kutscher
Bayer. II. Armee korps.
19. Reserve Division
Infanterie Regiment Nr. 92.
III Bataillon Nr.

Abteilung Nr.

Kompanie Nr.

Eskadron

Batterie

Kolonne Nr.


Absender Name
Wohnung in   Straße Nr. |


Lieber Artur!

Hoffentlich trifft Dich diese Karte gesund und munter. Hier ist gar nichts los. Jakobi war am SamstagDer verwundet von der Westfront zurückgekehrte Hoftheaterschauspieler Bernhard von Jacobi war in geselliger Runde mit Wedekind am 19.9.1914 in der Torggelstube und zwar im Keller, im Raum von Max Halbes Kegelgesellschaft Unterströmung, wie Wedekind sarkastisch vermerkte: „T.St. Bernhardt von Jacoby mit Halbe und seiner Gesellschaft in den Bombensichern Katakomben.“ [Tb] Dort wurde eine Gruppenpostkarte an Artur Kutscher geschrieben [vgl. Wedekind, Joachim Friedenthal, Albert Goldschmidt, Bernhard von Jacobi, Lucy von Jacobi, Max Halbe, Wilhelm Herzog, Carl Georg von Maaßen, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Jodocus Schmitz, Albert Steinrück an Artur Kutscher, 19.9.1914]. mit uns in der Torggelstube und zwar unten in der Kegelbahn, da sonst alle Lokale um 12 Uhrum 24 Uhr, die kriegsbedingte Sperrstunde in den Münchner Lokalen. geschlossen werden. Übermorgenam 24.9.1914, an dem Rudolf Eucken seinen Vortrag im Münchner Hotel Vier Jahreszeiten (Maximilianstraße 4) hielt, wie angekündigt war: „‚Unsere gerechte Sache‘. Ueber dieses Thema wird auf Einladung der Gesellschaft für ethische Kultur Geheimrat Rudolf Eucken aus Jena am Donnerstag, 24. September, im Konzertsaal der Vier Jahreszeiten einen Vortrag halten. Der mit dem Nobel-Preis gekrönte Gelehrte war als Austauschprofessor in Amerika tätig und stand vor Ausbruch des Krieges gerade im Begriff, eine Reise nach Japan anzutreten, um dort für das deutsche Geistesleben Interesse zu erwecken. Der Reinertrag des Vortrages wird dem Wohlfahrtsausschuß der Stadt München überwiesen.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 482, 20.9.1914, Vorabendblatt, S. 3] Wedekind notierte am 24.9.1914: „Vortrag von Rudolf Eucken in Vier Jahreszeiten“ [Tb]. hält Prof. Eucken aus Jena einen Vortrag in den Jahreszeiten. Voraussichtlich folgt eine Zusammenkunft Nach dem Besuch von Rudolf Euckens Vortrag am 24.9.1914 im Hotel Vier Jahreszeiten ging Wedekind zunächst „mit Friedenthal“ [Tb] ins Hoftheaterrestaurant und anschließend mit Joachim Friedenthal, Albert Steinrück, Eugen Albu und Erich Mühsam in die Torggelstube: „TSt. mit Friedth Steinrück Albu Mühsam“ [Tb].darauf. Ich denke jetzt auf einige Tage in die SchweizWedekind reiste am 4.10.1914 ab nach Zürich [vgl. Tb], von dort am 6.10.1914 nach Lenzburg, wo seine Mutter wohnte und seine Schwester ihn am Bahnhof abholte: „Mati erwartet mich am Bahnhof. Abend mit Mama und Mati.“ [Tb] Er kehrte am 19.10.1914 aus der Schweiz zurück nach München [vgl. Tb]. zu gehen, meine alte Mutter und meine Schwester aus Paris besuchen. Mit äußerster Spannung erwarten wir den Ausgang der Schlacht bei ReimsDie Schlacht an der Aisne vom 12. bis 20.9.1914 und 25. bis 29.9.1914 markiert den Beginn des Stellungskrieges an der Westfront, wo Artur Kutscher stationiert war.. Laß es Dir gut gehn! Herzlichste Grüße auch von meiner Frau. Dein alter Frank Wedekind

Einzelstellenkommentare

Epoye, 4. Oktober 1914 (Sonntag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 21.10.1914 aus München:]


[...] Deine liebe Karte vom 4.10 [...]

Einzelstellenkommentare

München, 21. Oktober 1914 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

München, 21. Oktober 1914.


Mein lieber Artur!

Nimm den herzlichsten Dank für Deine liebe Karte vom 4.10nicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 4.10.1914., die mir eine große Freude war. Jeder Satz darauf ist mir ein Labsal, ich habe die Karte schon mehr als zehn Mal gelesen. Daß Du wohl und munter bist, (hoffentlich treffen Dich diese Zeilen ebenso an!) daß Du zwei PferdeDas Privileg stand im Zusammenhang mit der Funktion des Kompanieführers: „Am 1. September [1914] wurde ich Führer der 240 Mann starken Kompanie und bekam meine zwei Pferde“ [Kutscher 1960, S. 106]. Im „Kriegstagebuch“ notierte Kutscher: „Ich bekomme zwei Burschen und zwei Pferde“ [Kutscher 1915, S. 78]. zur Erholung hast und vor allem das Eiserne KreuzNach dem Angriff auf Reims bekam Artur Kutscher Mitte September 1914 diesen aus der Zeit der Befreiungskriege 1813 stammenden und oft verliehenen Orden (erneuert 1870 zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges sowie zu Beginn des Ersten Weltkriegs von Wilhelm II. wiederum erneuert): „Der Oberstleutnant kommt zu unserem Lagerplatz und bringt jedem Offizier ‒ wir sind sechs ‒ das Eiserne Kreuz.“ [Kutscher 1915, S. 109]. Artur Kutscher war sehr stolz darauf und trug ihn nach seiner Rückkehr ins Zivilleben als Dozent, wie Ernst Toller sich 1933 in seiner Autobiografie erinnerte: „Ich vergnüge mich im literaturgeschichtlichen Seminar des Professor Kutscher. In Hauptmannsuniform, das Eiserne Kreuz auf der Brust, [...] steht er auf dem Katheder, schmuck und ein Freund der Modernen“ [Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Reinbek bei Hamburg 1979, S. 54f.]., zu dem ich Dich von ganzem Herzen beglückwünsche. Um unsere Sache kann es wohl nicht besser stehen, als daß unser Land vom Feinde frei ist und in Österreich der Feind zurückgeht. Sicherlich hast Du bis jetzt den schwersten und interessantesten Theil | des Feldzuges mitgemacht. Seit meinem Briefvgl. Wedekind an Artur Kutscher, 13.9.1914. den Du erhalten hast habe ich Dir zwei oder drei Kartennicht überliefert; nur eine der Postkarten ist konkret erschließbar (die nachfolgend erschlossene Gruppenkarte). geschrieben. Eine Kartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind, Joachim Friedenthal, Albert Goldschmidt, Bernhard von Jacobi, Lucy von Jacobi, Max Halbe, Wilhelm Herzog, Carl Georg von Maaßen, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Jodocus Schmitz, Albert Steinrück an Artur Kutscher, 19.9.1914. schrieben wir, Halbe, Jacobi e.ct aus der TorggelstubeWedekind notierte am 19.9.1914 zur Torggelstube, dem Schreibort der Gruppenpostkarte (siehe oben): „T.St. Bernhardt von Jacoby mit Halbe und seiner Gesellschaft“ [Tb]. Erich Mühsam hielt zu dem Abend des 19.9.1914 am 20.9.1914 fest: „‚Was bedeuten gewonnene Schlachten? Sieg und Niederlage sind Begriffe. Wie kann ein Volk siegen, das in der ganzen Welt gehaßt wird?‘ Das sind Worte, die mir gestern abend Heinrich Mann sagte. Wedekind saß am Tisch und Halbe, B. v. Jacobi und Frau, v. Maaßen, Schmitz, Steinrück, Herzog, Dr. Goldschmidt und Friedenthal. Mann sagte seine sehr herben Dinge nur zu mir. Es hätte sich auch trotz des neutralen Raumes (die Kegelbahn unter der Torggelstube) wenig empfohlen, sie laut zu sagen.“ [Tb Mühsam]. Seitdem war ich einige Tage in SalzburgWedekind reiste am 26.9.1914 nach Salzburg und traf dort seinen inzwischen 17jährigen unehelichen Sohn aus der Beziehung mit Frida Strindberg: „Fahrt nach Salzburg. Hotel d l’Europe. Treffe Friedrich Strindberg bei Tisch“ [Tb]. Er reiste am Tag darauf abends bereits zurück, notierte an diesem 27.9.1914 aber noch zu seinem Sohn, mit dem er wohl noch den Tag verbrachte: „Friedrich weckt mich Frühstück im Hotel“ [Tb]., erzählte Friedrich Strindberg von Dir, der mich bat, Dir einen Gruß zu bestellen, und bis gesternam 20.10.1914. Wedekind traf allerdings bereits am 19.10.1914 wieder in München ein (siehe unten). 14 TageWedekind war vom 4. bis 19.10.1914 in der Schweiz, überwiegend in Lenzburg, mit Aufenthalten in Zürich [vgl. Tb]. in der Schweiz, in Lenzburg, wo ich kurz vor der Abreise Deine Karte erhielt. Am SonntagWedekinds Neffe Armin Wedekind (Sohn seines gleichnamigen Bruders in Zürich) besuchte mit seiner Schwester Lili seinen schon fast im Aufbruch befindlichen Onkel am 18.10.1914 in Lenzburg: „Armin jun und Lili kommen“ [Tb]. las ich Deine Karte Armin Wedekind vor, der mich gleichfalls bittet, Dich zu grüßen. Er steht unter den Schweizern an der Französischen GrenzeDie Schweiz hatte zur Sicherung ihrer Neutralität eine sogenannte Grenzbesetzung durch Soldaten eingerichtet, einer davon der seinen Militärdienst leistende Neffe Wedekinds.. Seit meiner Rückkehr habe ich hier noch niemanden gesehen, werde aber Deine Grüße bei der nächsten Gelegenheit bestellen und bin sicher, allen, eine große Freude damit zu bereiten. An Deine liebe FrauGertrud Kutscher (geb. Schaper) war inzwischen von Artur Kutscher geschieden (Scheidung am 10.12.1913), das Paar hatte zu Kriegsbeginn aber offenbar eine versöhnliche Aussprache, wie er im „Kriegstagebuch“, ohne ihren Namen zu nennen (er sprach formalhaft von „Frau und Kind“), andeutete: „Wir können uns dann doch auch noch aussprechen.“ [Kutscher 1915, S. 6] schreibe ich heute nochHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Gertrud Kutscher, 21.10.1914. und frage an, ob ich mir Dein TagebuchArtur Kutscher hatte gleich Ende Juli 1914 bei der Generalmobilmachung begonnen, ein dann weitgehend veröffentlichtes „Kriegstagebuch“ zu schreiben [vgl. Kutscher 1960, S. 104], worüber er Wedekind informiert haben muss. Das bisher fertiggestellte Manuskript lag in München bei der Schriftstellerin Gertrud Kutscher (geb. Schaper), der geschiedenen ersten Ehefrau Artur Kutschers (siehe oben). bei ihr abholen | kann. Die Stimmung hier in München ist zuversichtlich aber eher gedrückt als gehoben. Das Theaterleben schleppt sich mühselig fort. Von sämmtlichen Künstlern, Schriftstellern, Malern, Musikern hört man, daß es ihnen furchtbar schwer wird, ja ganz unmöglich ist, etwas zu arbeiten. Ich meinerseits beschäftige mich seit Ausbruch des Krieges mit dem Studium der DiplomatieLektüren in Vorbereitung des „Bismarck“-Dramas [vgl. KSA 8, S. 657f., 697-711].. Bei einer patriotischen FeierWedekind hielt zu seinem am 18.9.1914 in den Münchner Kammerspielen gehaltenen Kriegsvortrag fest: „Patriotischer Abend in den Kammerspielen. Ich spreche die Einleitung“ [Tb]; angekündigt war: „Die Münchner Kammerspiele bereiten für Ende nächster Woche eine Vaterländische Feier vor, die hauptsächlich älteren und jüngeren Vertretern der modernen zeitgenössischen Kunst gewidmet sein wird. Frank Wedekind wird den Abend mit einer Ansprache eröffnen.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 463, 10.9.1914, Vorabendblatt, S. 3]. Im Programm hieß es: „Münchener Kammerspiele. Freitag, den 18. September / Vaterländische Feier. (Der gesamte Reingewinn wird der Sammlung Ostpreußen überwiesen.) Einleitende Worte: ‚Vom deutschen Vaterlandsstolz‘ – ‚Deutschland bringt die Freiheit‘. (Frank Wedekind).“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 4479, 18.9.1914, General-Anzeiger, S. 2] Nach Wedekind sprachen auf der Veranstaltung am 18.9.1914 (von 19.30 Uhr bis gegen 22 Uhr) Detlev von Liliencron, Erich Ziegel, Richard Dehmel, Cäsar Flaischlen, Peter Scher, Katharina Botsky, Johannes R. Becher und Ludwig Thoma; nach einer Gesangseinlage wurde Klabunds Einakter „Rußland marschiert“ uraufgeführt, es folgten musikalisch gerahmte Gedichtvorträge. in den Kammerspielen hielt ich einen einleitenden Vortrag, den ich Dir hier beilegeDie Beilage ist nicht überliefert. Es dürfte sich um den Durchschlag eines nicht erhaltenen Typoskripts [vgl. KSA 5/III, S. 496] von Wedekinds Vortrag (siehe oben) gehandelt haben. Artur Kutscher vermerkte den Erhalt in seinem „Kriegstagebuch“ („Frank Wedekind schickt mir einen prächtigen Aufsatz mit dem Titel: ‚Deutschland bringt die Freiheit‘“), zitierte den Text durch Auslassungen gekürzt und fügte eine Schlussbemerkung an: „Ich habe diesen Ausführungen nichts hinzuzufügen, ich habe sie selbst erlebt und betätigt.“ [Kutscher 1915, S. 163f.] Wedekinds Vortrag erschien am selben Tag, an dem er den vorliegenden Brief schrieb, als „Kriegsworte Frank Wedekinds (Vortrag des Dichters, gehalten in der Vaterländischen Feier der Münchner Kammerspiele)“ im „Berliner Börsen-Courier“, dann am 27.9.1914 im „Berliner Tageblatt“ in abweichender Fassung unter dem Titel „Deutschland bringt die Freiheit“ [vgl. KSA 5/III, S. 496f.], unter dem auch Artur Kutscher den Text erhalten hat.. Seit drei Wochen haben wir hier das herrlichste sonnigste Wetter, während ich mit tiefer Betrübnis höre, daß bei Euch schwere Regengüsse fallen. Als einziges Literarisches Ereignis in München ist die Premieredie Uraufführung von Hermann Bahrs Komödie „Der Querulant“ am 16.10.1914 um 19.30 Uhr im Münchner Schauspielhaus: „Uraufführung: Der Querulant. Komödie in 4 Aufzügen von H. Bahr.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 531, 16.10.1914, General-Anzeiger, S. 2] Wedekind besuchte die Vorstellung vom 5.11.1914: „Mit Tilly in Querulant von Bahr.“ [Tb] von ,,Der Querulant“ von Hermann Bahr zu verzeichnen, die vor wenigen Tagen im Schauspielhaus stattfand. Daneben hat Alfred Henschke mit Kriegsein|akternmit den drei Einaktern „Rußland marschiert. Eine russische Scene“, „Der feiste Kapaun. Ein französischer Schwank“ und „Tommy Atkins. Eine englische Komödie“ des von Artur Kutscher geförderten Schriftstellers Klabund (Alfred Henschke), die sich über die Kriegsgegner Russland, Frankreich und England lustig machten und unter dem Gesamttitel „Kleines Kaliber. Drei Komödien vom Feinde“ am 10.10.1914 in den Münchner Kammerspielen zusammen uraufgeführt wurden [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 67, Nr. 520, 10.10.1914, General-Anzeiger, S. 2]. Wedekind kann sie nicht gesehen haben, da er in der Schweiz war und dem Tagebuch vom 19. und 20.10.1914 zufolge zuhause geblieben ist. Gesehen hat sie dagegen Erich Mühsam [vgl. Tb Mühsam, 11.10.1914]. in den Kammerspielen sehr wohlverdiente Erfolge. Aber über allen Veranstaltungen liegt eine bleierne Schwere.

Der Himmel gebe, daß Dich diese Zeilen so frisch und munter treffen wie Du mir Deine letzte Karte schriebst. Meine Frau geht diesen Nachmittag (22.) Deine liebe Frau aufzusuchenTilly Wedekind traf Gertrud Kutscher am 22.10.1914 nicht an [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 9.11.1914].. Von Friedensaussichten zeigt sich bis jetzt leider noch nichts am Horizont, was zu ernsten Hoffnungen berechtigte. Alles deutet jetzt darauf hin als sollte die Entscheidung auf Englischem Boden gesucht werden. Das würde Euch in Frankreich wol auch etwas entlasten.

Nun sei herzlich gegrüßt. Mit den besten Wünschen für Dein Glück und Wohlergehen von meiner Frau und mir
Dein alter getreuer
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Cernay-lès-Reims, 29. Oktober 1914 (Donnerstag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 9.11.1914 aus München:]


[...] Deine liebe Karte vom 29 Oktober.

Einzelstellenkommentare

Cernay-lès-Reims, 5. November 1914 (Donnerstag)
von Kutscher, Artur
an Wedekind, Frank

[1. Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 27.11.1914 aus München:]


[...] herzlichsten Dank für Deine beiden ausführlichen Briefe. Seit dem ersten vom 5. November [...]


[2. Hinweis in Wedekinds Brief an Artur Kutscher vom 16.1.1915 aus München:]


Deinen ausführlichen Brief vom 5.XI habe ich wohl schon beantwortet.

Einzelstellenkommentare

München, 9. November 1914 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Kutscher, Artur

München 9. November 1914.


Lieber Artur!

Von Herzen danke ich Dir für Deine liebe Karte vom 29 Oktobernicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 29.10.1914.. Gleich nach Deiner vorigen Nachrichtnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Artur Kutscher an Wedekind, 4.10.1914. hatte meine Frau Deine Gattin aufgesuchtTilly Wedekind unternahm am 22.10.1914 den Versuch, die Schriftstellerin Gertrud Kutscher (geb. Schaper), von Artur Kutscher geschieden, aber in gutem Einvernehmen mit ihm, zu besuchen [vgl. Wedekind an Artur Kutscher, 21.10.1914], traf sie dem vorliegenden Brief zufolge aber nicht an., leider nicht getroffen. Vorgestern SamstagGertrud Kutscher hat in Begleitung ihrer Tochter Rotraut am 7.11.1914 Frank und Tilly Wedekind in der Prinzregentenstraße 50 besucht und von Artur Kutschers „Kriegstagebuch“ berichtet: „Besuch von Frau Dr. Kutscher wegen Kriegstagebuch.“ [Tb] waren Deine Gattin und Rotraut bei uns. Rotraut ist ein entzückend schönes Mädchen und scheint mir vollkommen Dein Naturell zu haben. Deine liebe Frau erzählte von Deinem Kriegstagebuch, das sie eben in die Maschine diktiert. Ich riet mit dem Diktat gleich zwei Durchschläge herstellen zu lassen. Müller habe ich seit Wochen nicht gesehen da er viel verreist ist und die Geschäfte gänzlich stocken. Von Deinem Kriegstagebuch erzähle ich ihm bei erster Gelegenheit, wäre aber natürlich froh | und hielte es für gut wenn ich ihm dann gleich wenigstens eine Probe vorlegenWedekind hat dann bei seinem Verleger angefragt, ob er ihm das Manuskript von Kutschers „Kriegstagebuch“ zur Einsicht schicken soll [vgl. Georg Müller an Wedekind, 16.2.1915]. könnte. Dagegen kann ich Dir jetzt schon mittheilen, daß sich Friedenthal sehr für Dein Tagebuch interessiert und es gerne fürs Berliner Tageblatt erwerbenArtur Kutscher „Kriegstagebuch“ erschien nicht im „Berliner Tageblatt“, trotz der Bemühungen von dessen Münchner Korrespondenten Joachim Friedenthal. würde. Ich glaube nicht, daß die Buchausgabe dadurch geschädigt würde. Im Gegentheil. Aber vielleicht bist Du anderer Ansicht darüber. Laß mich bitte wissen wie Du darüber denkst. Von ganzem Herzen beglückwünsche ich Dich zu der bedeutenden verantwortungsvollen StellungArtur Kutscher war Kompanieführer., die Du Dir erkämpft hast. Offenbar ist ja vor kurzem wieder in Eurer Gegendin der Gegend von Reims an der Westfront. gekämpft worden, aber zu den furchtbaren Anstrengungen der ersten Kriegswochen wird es ja voraussichtlich nicht mehr kommen. Über ein eventuelles Kriegsende erfährt man hier nichts als daß Deutschland seine | Friedensbedingungen in London und Paris bekannt gegeben hat. Auch nach den Schweizer Blättern, die ich zuweilen lese, stehen unsere Angelegenheiten besonders durch das Eingreifen der TürkeiSchweizer Presse hat über den Kriegseintritt der Türkei berichtet, darunter auch über eine „Sympathiekundgebung für die Türkei in Berlin“ [Neue Zürcher Nachrichten, Jg. 10, Nr. 302, 2.11.1914, Morgenblatt, S. (2)], und die Einschätzung vertreten: „In Petersburg, London und Paris gibt man sich den Anschein, den Eintritt der Türkei in den Krieg auf die leichte Achsel zu nehmen. In Wirklichkeit ist man in hellem Entsetzen darüber.“ [Neue Zürcher Nachrichten, Jg. 10, Nr. 303, 2.11.1914, Abendblatt, S. (1)] Das „Eingreifen der Türkei in den Krieg“ [Tb Mühsam, 19.10.1914 und 31.10.1914] wurde im Kreis um Max Halbe diskutiert, der „überglücklich wegen des Eingreifens der Türkei“ [Tb Mühsam, 1.11.1014] gewesen sei. so gut wie nur irgend möglich.

Hier in München findet man sich immer seltener zusammen. Letzten Donnerstag war ich mit Martens, Friedenthal und Schmidtbonn im Ratskeller und las ihnen Deine Karte vor. Sie lassen Dich herzlich grüßen und senden Dir die besten Wünsche für Dein Wohlergehen. Heute früh wurde Dr. von Jacobi zur letzten Ruhe geleitet. Max Halbe hielt eine Ansprache. Das andauernd milde Wetter hier erfreut mich in der Voraussetzung, daß es Euch ebenfalls zugute kommt. Vor einigen Tagen sah ich hier im Schauspielhaus Hermann Bahrs neues Drama: Der Querulant, meiner Ansicht nach ein ausgezeichnetes Stück | mit weitem ethischen Horizont, künstlerisch gedrungen, als Lustspiel ebenso wohlthuend wie als Volksstück. Sonst ist das Leben hier trüb und gedrückt, ohne indes sonst im geringsten beschwerlich zu sein, bis jetzt. Wir rechnen aber mit allen möglichen Zuständen, die der Winter bringen kann. Jeder Gedanke an Unzufriedenheit ist natürlich Angesichts Eurer Entbehrungen und der Schrecknisse, die Andere über sich ergehen lassen müssen ausgeschlossen. Hoffentlich finden Dich diese Zeilen ebenso munter und wohlauf wie Du mir Deine Karte schriebst. Der Himmel behüte Dich! Und gebe uns baldigen Frieden!

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen von meiner Frau und mir
in alter Freundschaft
Dein
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

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