Briefwechsel

Gulbransson, Olaf und Wedekind, Frank

2 Dokumente

München, 3. Oktober 1915 (Sonntag)
von Gulbransson, Olaf
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Olaf Gulbransson vom 4.10.1915 aus München:]


Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilen.

Einzelstellenkommentare

München, 4. Oktober 1915 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Gulbransson, Olaf

München 4. Oktober 1915


Sehr verehrter Herr Gulbransson!

Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Olaf Gulbransson an Wedekind, 3.10.1915. Der als langjähriger Zeichner des „Simplicissimus“ bekannte Kunstmaler Olaf Gulbransson lebte in München (Keserstraße 10) [vgl. Adreßbuch für München 1915, Teil I, S. 224].. Die dargebotene HandHinweis auf ein Versöhnungsangebot, das Olaf Gulbransson in seinem verschollenen Schreiben Wedekind angeboten haben dürfte; anzunehmen ist, dass der Streit von 1908 infolge der Affäre um „Oaha“ (siehe unten) bis dahin noch im Raum stand. ergreife ich mit Vergnügen und bewahre sie als eine liebe Erinnerung auf. Diese Gelegenheit nehme ich wahr, Ihnen für manchen großen bleibenden Genuß | zu danken, den Ihre vornehme KunstDer Kunstmaler hat Wedekind am 6.3.1905 porträtiert: „Gulbrandson zeichnet mich.“ [Tb] Die vier seinerzeit auf einem Blatt entstandenen Porträtstudien sind im Nachlass Olaf Gulbranssons erhalten. Der Künstler hat außerdem das Umschlagbild von „Feuerwerk. Erzählungen von Frank Wedekind“ (1906) entworfen [vgl. KSA 5/I, S. 604f.]. Wedekind wurde allerdings von ihm auch karikiert, nachdem er die Verhältnisse im „Simplicissimus“ in seinem Schlüsselstück „Oaha“ (1908) persifliert hatte und der „Simplicissimus“ sich seinerseits durch die Satire „Der Satanist. Zwei Szenen von Peter Schlemihl“ (hinter dem Pseudonym verbirgt sich Ludwig Thoma) rächte, die mit einer Karikatur von Wedekind vor Gericht illustriert ist; sie als „Zeichnung von O. Gulbransson“ ausgewiesen und zeigt einen Wedekind mit fettem Bauch und Dreitagebart, der dem Richter devot sein Gebiss übergibt [vgl. Simplicissimus, Jg. 13, Nr. 30, 26.10.1908, S. 490]. Wedekind registrierte am 26.10.1908: „Erster Angriff des Simpl. auf mich.“ [Tb] Der nicht persönlich ausgetragene Streit mit dem „Simplicissimus“-Zeichner Gulbransson lag insofern Jahre zurück, scheint aber erst 1915 ad acta gelegt worden zu sein, wie der vorliegende Brief nahe legt. mir seit fünfzehn JahrenOlaf Gulbransson war erst seit Ende 1902 als Zeichner für den „Simplicissimus“ tätig, seit knapp dreizehn Jahren. bereitet hat.

Mit schönsten Grüßen
Ihr
Frank Wedekind.

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