Briefwechsel

Halbe, Max und Wedekind, Frank

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Ammerland am Starnberger See, 7. September 1892 (Mittwoch)
von Schaumberger, Julius, Schaumberger, Mimi, Halbe, Luise, Halbe, Max und Weinhöppel, Hans Richard
an Wedekind, Frank

Mr Frank Wedekind
in Paris
rue de Crébillon
Hotel Crebillon |


Ammerland am Starnberger See
7.IX 92.


Auch hier gibt es ein „Frühlingserwachen“! Mein Hoch. Prosit! Achtung dem Frühlings Erwachen! –
Schaumberger
Mimi Schaumberger

Gruß Luise Halbe. Verehrerin von „Frühlingserwachen“ Des gleichenDie Erstausgabe von „Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie“ war im Oktober 1891 im Verlag von Jean Groß (Zürich) erschienen [vgl. KSA 2, S. 771]. Wedekind ließ Max Halbe, wie dieser sich erinnerte, ein Exemplar der Buchausgabe im Sommer 1892 durch seinen Freund Hans Richard Weinhöppel zukommen: „Ich hatte die ‚Kindertragödie‘ im Sommer 1892 gelesen, als wir für eine Reihe von Monaten von Berlin nach Ammerland gegangen waren. Ein junger Musiker, Komponist und Lautenspieler, Hans Richard Weinhöppel, hatte sie mir eines schönen Tages aus Paris mitgebracht. Er kam im Auftrage von Wedekind, den ich ja damals schon kannte, aber seit 1890 noch nicht wiedergesehen hatte. Ich las das Stück mit dem höchsten Interesse und war entzückt von seiner genialen Frische und Ursprünglichkeit.“ [Halbe 1935, S. 310] Max Halbe, der sich mit Ihnen jetzt vor zwei JahrenWedekind hielt sich im Sommer 1890 in München auf, wo er Max Halbe kennenlernte [vgl. KSA 4, S. 675], der nach München gereist war; er machte dort die Bekanntschaft mit „Frank Wedekind, mit dem ich [...] in jenen Münchner Augusttagen 1890 zum erstenmal zusammentraf.“ [Max Halbe: Scholle und Schicksal. Geschichte meines Lebens. München 1933, S. 409] Das war in der zweiten Augusthälfte, wie Max Halbe sich am 15.9.1910 erinnerte: „15 Aug. 90 [...]. Ich ging auf 14 Tage nach München, lernte dort Schaumberger u. Wedekind kennen“ [Tb Halbe]. oft gezankt hat, zwischen 1 – 2 Uhr nachts! Erinnern Sie sich? Habe die Absicht über das famose Stück zu schreibenMax Halbe hat sein Vorhaben, über „Frühlings Erwachen“ zu schreiben, nicht realisiert.. H

Ein AusreißerAnspielung auf die gemeinsam mit Wedekind verbrachte Zeit in Paris bis zum Sommer 1892, die durch das Pariser Tagebuch umfangreich dokumentiert ist (zuletzt am 3.8.1892). grüßt Sie: vive moulin rouge(frz.) es lebe Moulin Rouge. Wedekind und Hans Richard Weinhöppel hatten das Moulin Rouge noch am 25.7.1892 gemeinsam besucht [vgl. Tb]., vive la Danselle(frz.) es lebe (die) Danselle (falls Danselle ein Eigenname war). Bedeutung unklar; vielleicht auch abgeleitet von (frz.) ‚danse‘ = ‚Tanz’ oder eine Verfremdung von (frz.) ‚donzelle‘ = leichtes Mädchen.au lavoir(frz.) in der Waschküche, im Waschhaus. Bedeutung unklar; möglicherweise Anspielung auf das Künstlerateliers beherbergende Haus Le Bateau-Lavoir am Montmartre (Rue Ravignan 13).! Richard.

Einzelstellenkommentare

München, 30. Mai 1896 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Herr Halbe,

dem liebenswürdigen Entgegenkommen Herrn Rüderer’sJosef Ruederer, Zentralfigur der Nebenregierung (siehe unten) und Schriftsteller in München (Giselastraße 7) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1896, Teil I, S. 400], der Wedekind die Lesung seines Dramenfragments „Das Sonnenspectrum“ (siehe unten) ermöglicht hatte, wie Max Halbe sich erinnerte: „Natürlich war auch Ruederer an der Spitze der Seinen erschienen. Er liebte Wedekind durchaus nicht, hatte ihm aber – ob mit, ob ohne Hintergedanken – den Abend für die Vorlesung eingeräumt.“ [Halbe 1935, S. 159] danke ich es, daß ich Montag Abendam 1.6.1896, an dem Wedekind im Münchner Café Minerva aus dem Manuskript seines Dramenfragments „Das Sonnenspectrum. Ein Idyll aus dem modernen Leben“ [vgl. KSA 3/I, S. 669-708] las (siehe unten). in der N.R.im Café Minerva (Akademiestraße 9) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1896, Teil I, S. 316], in dem die Nebenregierung, jene 1892 von Josef Ruederer in Opposition zur Gesellschaft für modernes Leben um Michael Georg Conrad (und zum Literatenkreis um Paul Heyse) gegründete „Vereinigung Münchner Künstler, die sich regelmäßig im Café Minerva traf“ [KSA 3/II, S. 1450], literarische Abende veranstaltete, darunter Wedekinds Lesung vom 1.6.1896. „Im Sommer 96 las er der ‚Nebenregierung‘ [...] im Kafe Minerva sein ‚Sonnenspektrum‘ vor“ [Kutscher 2, S. 6]. Max Halbe erinnerte sich an die Lesung: „Unter den vielen bewegten Abenden der ‚Nebenregierung‘ wohl der bewegteste war jener, an dem Frank Wedekind uns sein ‚Sonnenspektrum‘ im ‚Kaffee Minerva‘, gegenüber der Akademie, vorlas oder, um es richtiger zu bezeichnen, an den Kopf schleuderte. Es wird im Frühjahr 1896 gewesen sein [...]. Sein Name, schon dazumal alle Geister des Widerspruchs entfesselnd, hatte den ganzen Heerbann der ‚Nebenregierung‘ auf den Plan gerufen. Dicht gedrängt saß die Gemeinde in dem engen Nebenzimmer des Boheme-Kaffees.“ [Halbe 1935, S. 158f.] Lovis Corinth, der Veranstaltungen der „Vereinigung die ‚Nebenregierung‘“ besuchte, erinnerte sich: „Im Café Minerva hielt einstmals Wedekind einen Leseabend über sein Theaterstück ‚Sonnenspektrum‘.“[Corinth 1926, S. 113] mein „SonnenspectrumvorlesenBerichte über Wedekinds „Sonnenspectrum“-Lesung vom 1.6.1896 existieren von Max Halbe [vgl. Halbe 1935, S. 158-160], Eugene Spiro – „die ‘Nebenregierung’ […]. Ich erinnere mich besonders an einen Abend, als Wedekind sein eben vollendeten ‚Sonnenspektrum‘ dem Kreise vorlas“ [Eugene Spiro: Student in München, 1994-1897. In: Hans Lamm: Von Juden in München. Ein Gedenkbuch. München 1958, S. 117] – und Lovis Corinth, der sich an Wedekinds „Leseabend über sein Theaterstück ‚Sonnenspektrum‘“ erinnerte: „Wir lagen mehr auf der Erde, als daß wir gleich gesitteten Menschen auf Stühlen saßen und kriegten Lachkrämpfe. Er deklamierte das Stück mit einem fast unheimlichen, ernsthaften Pathos, so daß man nicht recht wußte, war es seinerseits, daß er sich einen Ulk mit uns machen wollte oder war es ihm doch heiliger Ernst. Als er gar noch ein sentimentales Lied aus einem Akt zu singen anfing, waren wir vollständig aus dem Häuschen [...]. Darauf fragte ihn Eckmann, ob er doch nicht die Karikatur zu weit getrieben hätte und Wedekind antwortete ihm darob mit ernsthaftester Leichenbittermiene: ‚Mein Werk ist eine Ode an die Schönheit!‘“ [Corinth 1926, S. 113f.] Dazu Max Halbe: „Ich sah Lovis Corinth halb unter dem Tisch liegen und beinahe vor Lachen bersten.“ [Halbe 1935, S. 160] werde. Darf ich Sie bitten, an der Vorlesung mit theilnehmenMax Halbe besuchte die Lesung (siehe oben) und nannte später weitere Teilnehmer: „Von bekannten Namen erinnere ich mich an Wilhelm Hegeler, Hans Olden, Karl Strathmann, Otto Eckmann, Lovis Corinth. Natürlich [...] auch Ruederer“ [Halbe 1935, S. 159]; einem brieflichen Bericht Wedekinds über die Lesung zufolge haben außerdem auch Max Bernstein und Julius Schaumberger teilgenommen [vgl. Wedekind an Otto von Grote, 6.6.1896], ferner Eugene Spiro [vgl. KSA 3/II, S. 1449]. zu wollen. Ich werde Ihnen sehr dankbar sein. Mit herzlichem Gruß Ihr ergebener
Frank Wedekind. |


FRANK WEDEKIND

Adalbertstrasse 34Wedekind war vom 21.3.1896 bis 23.8.1896 in der Wohnung Adalbertstraße 34 (Parterre) in München gemeldet [vgl. EWK/PMB Wedekind]..


Einzelstellenkommentare

Berlin, 9. Februar 1897 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Berlin, Jägerstraße 63a.III. – 9.2.97.


Lieber Herr Halbe,

gestern im Lauf des Tages war ich zwei Mal bei IhnenWedekind hat am 8.2.1897 zweimal versucht, den vor einigen Tagen in Berlin eingetroffenen Max Halbe vermutlich in dessen Hotel zu erreichen. Max Halbes erster aus Berlin geschriebener Brief an seine Frau Luise Halbe datiert vom 4.2.1897 und enthält die Wedekind betreffende Mitteilung, die er nicht von ihm erfahren haben dürfte: „Wedekind hat sich mit Frida Strindberg verlobt!“ [Mü, MH B 589] Max Halbe reiste am 13.2.1897 wieder von Berlin ab, wie er Luise Halbe am 12.2.1897 mitteilte: „Heute ist hier mein letzter Abend. Morgen Nachm. reise ich nach Breslau. […] Von da ab nach Wien, hauptpostlagernd.“ [Mü, MH B 589] und hätte Sie gerne getroffen. Seit ich hier binWedekind war seit spätestens Mitte Dezember 1896 in Berlin, um sich vor Ort um die Aufführung seiner Stücke zu bemühen (siehe unten)., lag es mir manchmal auf der Seele, daß ich Ihnen nicht nach MünchenMax Halbe lebte seit dem 15.3.1895 wieder in München [vgl. Halbe 1935, S. 139]. geschrieben. Nachdem Sie selber sich davon überzeugt, wie mißlich meine Bühnen-AngelegenheitenWedekind suchte seine Dramen „Der Erdgeist“ (1895) und „Die junge Welt“ (1897) in Berlin auf die Bühne zu bringen (siehe seine Korrespondenz mit Ludwig Fulda und Otto Erich Hartleben) – bis dahin ohne Erfolg. stehen, werden Sie | das vielleicht begreifen.

Gestern Abend war ich mit meiner BrautFrida Strindberg, mit der Wedekind seinerzeit liiert und die bei ihm seit etwa drei Wochen in Berlin zu Besuch war [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 20.1.1897]. bei Frau Professor DoeplerBertha Doepler (geb. Schüler) in Berlin (Bülowstraße 18) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 221], Gattin von Carl Emil Doepler [vgl. GB 1, S. 355], 1870 als Professor an das Kunstgewerbe-Museum nach Berlin berufen, Historienmaler, Buchillustrator und Kostümbildner. Max Halbe war mit Bertha Doepler spätestens seit Ende 1894 bekannt, wie eine Postkarte von ihm an sie vom 9.12.1894 belegt [vgl. Antiquariat Abaton (München), Liste 10 (2010), Nr. 65, S. 27].. Wir sprachen unter anderm viel von Ihnen und Frau Doepler bedauerte, Sie noch nicht gesehen zu haben. Sie hat uns dann auf nächsten Freitagam 12.2.1897. Abend eingeladen und bat mich, Ihnen zu sagen Sie möchten auch kommen. Ich hatte ihr gesagt, daß Sie, soviel ich wisse, hier sehr durch die Intro|ductionEinführung. Ihres neues StückesMax Halbes fünfaktiges Drama „Mutter Erde“ (1898), das er am 15.1.1897 in Kufstein abgeschlossen hatte [vgl. Halbe 1935, S. 169]. Die Presse meldete: „Dr. Max Halbes neues Drama führt den Titel ‚Mutter Erde‘ und spielt wie die ‚Jugend‘ in der Heimath des Dichters. Halbe hat sich nach Kufstein zurückgezogen, um in der Bergeinsamkeit dieses Grenzstädtchens die letzte Hand an das Stück zu legen.“ [Allerlei aus München. In: Berliner Tageblatt, Jg. 26, Nr. 39, 22.1.1897, Abend-Ausgabe, S. (2)] Max Halbe ist „in Berlin bei Brahm gewesen [...], der das soeben vollendete Werk sofort für das ‚Deutsche Theater‘ annahm“ [Halbe 1935, S. 169]. „Mutter Erde“ wurde am 18.9.1897 am Deutschen Theater zu Berlin (Direktion: Otto Brahm) uraufgeführt [vgl. Berliner Tageblatt, Jg. 26, Nr. 472, 17.9.1897, Morgen-Ausgabe, 1. Beiblatt, S. (4)]. in Anspruch genommen seien.

Wenn ich Morgen oder übermorgen Zeit finde spreche noch einmal bei Ihnen vor. Sollte ich Sie nicht zu Hause treffen, so haben Sie wol die Güte, mit Frau Doepler oder mir durch einige Zeilen zu antworten.

Mit herzlichem Gruß und den besten Wünschen
Ihr
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Zürich, 20. November 1898 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Freund,

gestern erhielt ich einen Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Georg Stollberg an Wedekind, 18.11.1898. worin Stollberg in den unfläthigsten Ausdrücken über meinen Bruder Donald herfällt. Ich glaube, daß mir die SituationDonald Wedekind hat sich Georg Stollbergs Gattin Grete Stollberg gegenüber ungebührlich betragen (vermutlich ein verbaler oder tätlicher sexueller Übergriff) [vgl. Wedekind an Georg Stollberg, 21.11.1898], sie möglicherweise „sexuell belästigt“ [Buchmayr 2011, S. 202], ein Vorfall jedenfalls, der Georg Stollberg äußerst erzürnt und dazu veranlasst hat, die nach Frank Wedekinds Flucht nach Zürich frei gewordene Stelle als Theatersekretär am Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg) nicht mit dem Bruder Donald Wedekind als Nachfolger zu besetzen [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 14.11.1898]. vollkommen klar ist, und es kann mir natürlich nicht einfallen, meinen Bruder in Schutz zu nehmen. Ich habe Stollberg sofort einen deh-Schreibversehen, statt: de- (verkürzt für: demütigen; in Verbindung mit dem nachfolgenden: wehmütigen). und wehmütigen Entschuldigungsbriefvgl. Wedekind an Georg Stollberg, 21.11.1898. geschrieben. Nun wende ich mich aber an Dich, lieber Freund, mit der offenen Bitte, meinen Bruder, trotz des | Vorgefallenen, gesellschaftlich nicht fallen zu lassen. Wenn Du glaubst daß Dir das nicht möglich wäre, dann theile es mir bitte durch wenige Worte mit, damit ich ihn eventuell hierhernach Zürich, wohin Wedekind, um der drohenden Verhaftung wegen Majestätsbeleidigung in der „Simplicissimus“-Affäre zu entgehen, am 30.10.1898 aus München geflohen war [vgl. Wedekind an Beate Heine, 12.11.1898]. kommen lasse.

Sehr Unrecht thut Stollberg, wenn er mir und vielleicht auch Anderen des langen und breiten herzählt, was er alles für Donald gethan habe. Thatsächlich, das sehe ich aus seinen eigenen Worten, hat er nichts für ihn gethan sondern er und nichts thun wollen. Er hat ihm in einem unglücklichen Augenblick 20 Mark aufgedrängt Das war aber auch alles.

Beiläufig kann ich Dir die Versicherung geben, daß Donald | durch ÜbersetzungenDer Münchner Verleger Albert Langen, der wie sein Autor Frank Wedekind im Zuge der „Simplicissimus“-Affäre ebenfalls nach Zürich geflohen war, hatte vor, Donald Wedekind als Übersetzer zu beschäftigen [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 29.11.1898] und dieses Vorhaben realisiert. Donald Wedekind, der auch Erzählungen im „Simplicissimus“ veröffentlichte, hat die Skizzen „Flirt“ von Marcel Prévost übersetzt [vgl. Marcel Prévost: Flirt. Einzig autorisierte Übersetzung aus dem Französischen von Donald Wedekind. München 1900], die im Albert Langen Verlag erschienen [vgl. Abret/Keel 1989, S. 200], wobei Korfiz Holm am 27.11.1900 gegenüber dem Verleger bemerkte, er mache in „seinen Übersetzungen [...] oft sehr grobe Böcke.“ [Abret/Keel 1989, S. 223] e. ct. pekuniär vollkommen geborgen ist. TrotdemSchreibversehen, statt: Trotzdem. würde ich ihn, wenn es wirklich der Fall ist, wie mir Stollberg schreibt, daß er sich in München absolut unmöglich gemacht habe, hierher kommen lassen.

Ich bitte Dich sehr, lieber Freund, zu entschuldigen daß ich Dich mit einer so unerquicklichen Angelegenheit behellige. Viel lieber wäre es mir, mich in München Deiner Gesellschaft und des Augenblickes, der uns zusammenführt freuen zu können.

Mit der Bitte, mich Deiner Frau Gemahlin empfehlen zu wollen, bin ich Dein alter
Frank Wedekind.


Zürich, Leonhardstraße 12 II.


20.11.98.

Einzelstellenkommentare

München, 21. November 1898 (Montag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 1.12.1898 aus Zürich:]


Gleichzeitig danke ich dir für deine mir sehr tröstlichen Zeilen à propos Stollberg.


Einzelstellenkommentare

München, 30. November 1898 (Mittwoch)
von Halbe, Max, Weber, Hans von, Martens, Kurt und Steiger, Edgar
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 1.12.1898 aus Zürich:]


[...] als dem Würdigsten der Tafelrunde, die mich mit ihren Grüßen beschenkt [...], bitte ich dich den Übrigen meinen Dank zu sagen. [...] Was gäbe ich darum an jenem Abend unter Euch gewesen zu sein. Herzliche Grüße an Weber, Martens und Steiger; auch an die anderen Herren die ich persönlich zu kennen nicht das Vergnügen habe.


Einzelstellenkommentare

Zürich, 1. Dezember 1898 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Freund,

als dem Würdigsten der Tafelrunde, die mich mit ihren Grüßennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Halbe an Wedekind, 30.11.1898. Es dürfte sich um eine Postkarte oder Bildpostkarte aus einem Münchner Wirtshaus gehandelt haben, die außer Max Halbe auch Wedekinds Freunde Kurt Martens, Edgar Steiger und Hans von Weber sowie weitere nicht identifizierte Herren (siehe unten) mitunterzeichnet hatten. beschenkt in meiner EinsamkeitWedekind ist am 30.10.1898 aus München nach Zürich geflohen, um der drohenden Verhaftung wegen Majestätsbeleidung in der „Simplicissimus“-Affäre zu entgehen [vgl. Wedekind an Beate Heine, 12.11.1898]. bitte ich dich den Übrigen meinen Dank zu sagen. Gleichzeitig danke ich dir für deine mir sehr tröstlichen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Halbe an Wedekind, 21.11.1898. à propos StollbergWedekinds Konflikt mit Georg Stollberg betreffend [vgl. Wedekind an Max Halbe, 20.11.1898].. Voraussichtlich gehe ich Ende dieses Jahres noch nach ParisWedekind reiste am 22.12.1898 von Zürich nach Paris [vgl. Wedekind an Beate Heine, 7.1.1899]., da hier eine Geistesarmut herrscht wie ich sie in Zürich noch nicht gefunden. Was gäbe ich darum an jenem Abend unter Euch gewesen zu sein. Herzliche Grüße an Weber, Martens und Steiger; auch an die anderen Herrennicht identifiziert. die ich persönlich zu kennen | nicht das Vergnügen habe.

Ich sehe mein Abenteurerleben von neuem beginnen und blicke mit Wehmut auf die Stätte zurück, die mir eine Heimat zu werden versprach. Ich habe meine Beziehungen zu den unglaublichsten Existenzen wieder aufgenommen, da ich doch ohne alle Anregung nicht arbeiten kann. Wer weiß wo und unter welchen Verhältnissen wir uns wiedersehen.

Empfiehl mich deiner werthen Frau Gemahlin aufs beste und sei herzlich gegrüßt von deinem

alten treuen
Wedekind.


Zürich. 1. Dec. 98
St. Leonhardstr. 12.II.

Einzelstellenkommentare

München, 1. Januar 1899 (Sonntag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Schaumberg, Georg, Schaumberger, Julius, Dreßler, Anton, Dreßler, Lotte und Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Hans Richard Weinhöppel vom 10.1.1899 aus Paris:]


Ueber die Neujahrskarte habe ich mich herzlich gefreut, auch weil der Name ... daraufstand. [...] Grüße bitte alle die lieben Seelen, die mir geschrieben, Halbe, Schaumberger, Schaumberg, Dreßler.

Einzelstellenkommentare

München, 22. Juli 1899 (Samstag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Dreßler, Anton, Schaumberger, Julius, Halbe, Max und Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Hans Richard Weinhöppel vom 27.7.1899 aus Leipzig:]


Grüße Max Halbe herzlich, ebenso Lotte, wenn Du so mit ihr stehst, wie ich aus eurer lieben Rathskellerkarte zu meiner Freude entnehmen zu dürfen glaube. Dann auch Anton und Schaumberger.

Einzelstellenkommentare

Festung Königstein, 21. September 1899 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank und Heine, Thomas Theodor
an Halbe, Max

Deutsche Reichspost.
Postkarte.


An
Herrn Dr Max Halbe
in München
American-Bar
Hôtel Vier Jahreszeiten |


Gruss aus Königstein


Stadt Königstein

Proviantmagazin u. Kirche

Eingang zur Festung

Alte Kaserne

Festung Königstein gegen Morgen


1000 herzliche GrüsseWedekind, der sich am 2.6.1899 den Behörden in Leipzig gestellt hatte und zunächst in Untersuchungshaft saß, wurde am 3.8.1899 von der Strafkammer des Landgerichts Leipzig zu einer siebenmonatigen Gefängnisstrafe wegen Majestätsbeleidigung in der „Simplicissimus“-Affäre verurteilt; er wurde am 14.9.1899 zu Festungshaft begnadigt und am 21.9.1899 von Leipzig auf die Festung Königstein überführt [vgl. Wedekind an Beate Heine, 22.9.1899]. Dort traf er auf den in derselben Sache verurteilten Zeichner Thomas Theodor Heine, der sich am 2.11.1898 den sächsischen Behörden gestellt hatte, am 19.12.1898 in Leipzig zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, was ebenfalls in Festungshaft umgewandelt worden ist, so dass er bereits seit dem 29.3.1899 auf der Festung Königstein einsaß. Die gemeinsame Grußkarte wurde noch an Wedekinds Ankunftstag auf der Festung Königstein am 21.9.1899 geschrieben.
Th Th Heine
Frank Wedekind.



Einzelstellenkommentare

Festung Königstein, 30. Dezember 1899 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Freund,

es ist mir eine große Freude, Dir und Deiner geehrten Frau Gemahlin mein/zum/ neuen Jahrhundert meine herzlichsten Glückwünsche zum Tausendjährigen Reich schicken zu können. Es werden noch Andere auf diese Zusammenstellung verfallen; aber die Nachricht von dem durschschla|gendenSchreibversehen, statt: durchschlagenden. ErfolgMax Halbes historisches Drama „Das tausendjährige Reich“ (1900) war am 28.12.1899 am Königlichen Residenztheater in München unter der Regie von Jocza Savits uraufgeführt [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 52, Nr. 596, 28.12.1899, Vorabendblatt, S. 3] und von der Kritik gelobt worden: „In uns Allen, die wir uns an den zarten Gebilden der modernen Dichtung erfreuen, lebt bewußt oder unbewußt die Sehnsucht nach der großen Kunst. [...] Auch Max Halbe, dessen ‚Tausendjähriges Reich‘ am Donnerstag im Residenztheater seine Feuerprobe bestand, kann sich noch nicht rühmen, das große Kunstproblem unserer Zeit gelöst zu haben. Aber einen gewaltigen Schritt vorwärts hat er mit seinem neuesten Werke gethan. [...] Freuen wir uns [...], daß wir diesen neuen Halbe besitzen, und daß es das Münchner Hoftheater war, das ihn uns bescheerte. Ueber die vortreffliche Inszenirung, Regie und Darstellung des Dramas, die unserer Hofbühne zur größten Ehre gereicht, werde ich morgen ausführlicher berichten.“ [Edgar Steiger: Das tausendjährige Reich. Drama in vier Aufzügen von Max Halbe. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 52, Nr. 600, 30.12.1899, Vorabendblatt, S. 2]. und die hohe Anerkennung die man dabei dem poetischen Gehalt Deiner Dichtung zollt erwecken in mir geradezu das Gefühl persönlicher Genugthuung. Ich freue mich sehr darauf, das Stück auf der Bühne zu sehen.

Mit den herzlichsten Grüßen
bin ich dein getreuer
Wedekind.


Festung KönigsteinWedekind saß vom 21.9.1899 bis 3.2.1900 wegen Majestätsbeleidigung in der Festung Königstein bei Dresden ein.
30. Dec. 99.

Einzelstellenkommentare

München, 5. Februar 1901 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

FRANK WEDEKIND.


Lieber Max,

Du erlaubst mir, Dir beiliegenden Grußnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Frank Wedekind an Erika Wedekind, 5.2.1901. Erika Wedekind war als Hofopernsängerin am Dresdner Hoftheater engagiert [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 320], wo auch das neueste Stück Max Halbes uraufgeführt werden sollte (siehe unten). an meine liebe Schwester aufzutragen. Sie selbst ist von Deinem Aufenthalt in DresdenMax Halbe ist zur Uraufführung seines Schauspiels „Haus Rosenhagen“ (1901) nach Dresden gereist, die am 14.2.1901 am Dresdner Hoftheater stattfand, vermutlich bereits, wie in Wien (siehe unten), zu den Proben. Er traf am 7.2.1901 um 19 Uhr in Dresden ein, wie er Luise Halbe in seinem an diesem Tag geschriebenen Brief (gedruckter Briefkopf: „Weber’s Hôtel“) von dort mitteilte: „Vor einer Stunde, sieben Uhr Abends, bin ich glücklich hier angelangt und wohne im obigen Hotel, wo ich sehr gut aufgehoben zu sein scheine.“ [Mü, MH B 589] In der Presse war angekündigt: „Max Halbe hat sein neuestes dramatisches Werk, das dreiaktige Drama ‚Haus Rosenhagen‘ der Generaldirektion der Königl. Hoftheater zur ersten Aufführung überlassen. ‚Haus Rosenhagen‘ wird nach den vorläufigen Dispositionen in der ersten Hälfte des Monats Februar am Königl. Schauspielhause zum ersten Male in Scene gehen.“ [Dresdner Nachrichten, Nr. 15, 15.1.1901, S. (3); vgl. Dresdner Journal, Nr. 11, 14.1.1901, nachmittags, S. 85] schon seit | vierzehn Tagen unterrichtet. Daß ich mich hoch und herzlich über Deine Siege und Eroberung WienʼsMax Halbes Drama „Jugend“ (1893), das in Österreich bis dahin von der Zensur verboten war, hatte am 23.1.1901 am Deutschen Volkstheater in Wien Premiere, die österreichische Erstaufführung, die ein großer Erfolg war. „Ein Beifallssturm erbrauste [...]. Der Dichter Max Halbe wurde [...] lärmend gefeiert [...]. Nach dem ersten Akte stürmte ihn ein frenetischer Achtungsapplaus hervor, der nach dem zweiten und letzten Aufzuge ehrliche Begeisterung war.“ [o. t–b.: „Jugend.“ (Ein Liebesdrama in drei Aufzügen von Max Halbe. – Zum erstenmal im Deutschen Volkstheater aufgeführt am 23.Jänner.) In: Neues Wiener Journal, Jg. 9, Nr. 2605, 24.1.1901, S. 8] Der Autor war bei der Premiere dabei: „Herr Max Halbe, der Dichter des Liebesdramas ‚Jugend‘, wird morgen (Mittwoch) im Deutschen Volkstheater der ersten Aufführung seines Werkes beiwohnen.“ [Wiener Allgemeine Zeitung, Nr. 6861, 23.1.1901, S. 4] Er war bereits zu den Proben angereist: „Max Halbe ist in Wien eingetroffen, um an den Proben zur Aufführung seines Schauspiels ‚Jugend‘ am Deutschen Volkstheater theilzunehmen.“ [Neues Wiener Abendblatt, Jg. 35, Nr. 16, 16.1.1901, S. 4] und über den rauschenden Beifall gefreut habe, brauche ich Dir nicht zu sagen.

Auf den 16.am 16.2.1901, das Premierendatum der Inszenierung von Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ (1899) am Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg), bei der er die Hauptrolle des Gerardo spielte – mit Erfolg: „Der gestrige Einakter-Abend verlief sehr angeregt. [...] Mit dem ‚Kammersänger‘ von Frank Wedekind wurden wir schon im letzten Sommer durch das Gastspiel des Heine-Ensembles bekannt gemacht. Die Attraktion der zweiten ‚Erstausführung‘ war das Auftreten des Verfassers in der Titelrolle.“ [Rth. (d.i. Willy Rath): Münchner Schauspielhaus. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 82, 18.2.1901, S. 4]. Der Einakter wurde achtmal gespielt [vgl. Seehaus 1973, S. 730]. Wedekind spielte in 5 der 8 Vorstellungen die Hauptrolle [vgl. Frank Wedekind an Erika Wedekind, 26.2.1901]. ds hat Stollberg den Kammersänger angesetzt. Ich bin in großer Aufregung | über mein neues DebutWedekinds Auftritt im „Kammersänger“ am 16.2.1901 (siehe oben); hier entweder Anspielung auf die erste Aufführung des Einakters in München, die Premiere am 24.7.1900 im Münchner Schauspielhaus durch das Gastspiel des Berliner Dr. Heine Ensembles (Direktion: Carl Heine) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1901, S. 262] ohne Wedekinds Mitwirkung [vgl. Münchner Schauspielhaus. (Gastspiel des Berliner Ensembles. Zum ersten Male: „Der Kammersänger“. Drei Szenen von Frank Wedekind.) In: Münchner Neueste Nachrichte, Jg. 53, Nr. 342, 26.7.1900, S. 2], oder Anspielung auf sein erstes Auftreten in einem eigenen Stück am Münchner Schauspielhaus, sein Auftritt als Dr. Schön im „Erdgeist“ am 29.10.1898, bei dem Wedekind bei Publikum und Kritik durchgefallen war [vgl. KSA 3/II, S. 1203, 1220-1222]; unmittelbar nach der Premiere, die zugleich die letzte Vorstellung war, floh er aus München, um der Strafverfolgung in der „Simplicissimus“-Affäre zu entgehen [vgl. Wedekind an Beate Heine, 12.11.1898]. aber das Lampenfieber thut mir sehr gut. Gestern waren wir auf dem BauernballBauernbälle fanden in München im Zuge des Karnevals statt (mit entsprechend ländlich geprägter Kostümierung), in der Regel von Vereinen veranstaltet. So wurde etwa für „Faschingsdienstag“ ein „großer Bauernball“ [Gebirgstracht-Erhaltungs-Verein „Birkenstoana“ München. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 57, 4.2.1901, General-Anzeiger, S. 1] angekündigt, oder für den 6.2.1901: „Der Seerosenbund veranstaltet am nächsten Mittwoch [...] einen Bauernball“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 59, 5.2.1901, S. 8] Der Bauernball, den Wedekind und Luise Halbe am 4.2.1901 besuchten, ist nicht ermittelt; es dürfte sich um eines der Künstlerfeste gehandelt haben, die zur Faschingszeit in München veranstaltet wurden – vermutlich sind sie „zu dem als Münchner Spezialität berühmt gewordenen ‚Schwabinger Bauernball‘“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 53, Nr. 63, 8.2.1900, Vorabendblatt, S. 3] gegangen., haben uns sehr gut amüsirt. Die Müdigkeit hatte Louise leider veranlaßt früh nach Haus zu gehen. Wir fr Alle freuen uns sehr darauf Dich recht bald wiederzusehen. | Mit den herzlichsten Grüßen und besten Wünschen

Dein getreuer
Frank.


München 5.2.1901.

Einzelstellenkommentare

München, 21. Mai 1901 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 18. Juli 1901 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

[...] Postkarte [...]

[...] Weltpostverein [...]


Herrn Dr. Max Halbe
Schriftsteller
Bad ZoppotZoppot war „in schöner Lage an der Ostsee [...] ein besuchtes Seebad“ [Meyers Konversations-Lexikon. 6. Aufl. Bd. 20. Leipzig, Wien, 1908, S. 994].
an der Ostsee
. |


Lieber Max. MorgenWedekind, Ensemblemitglied der Elf Scharfrichter, brach am 19.7.1901, unmittelbar nach der ersten Spielzeit des Münchner Kabaretts (letzte Vorstellung war am 18.7.1901), mit der Truppe zu einer Tournee auf, von der er am 3.8.1901 zurück in München war [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 5.8.1901]. Die Presse meldete: „Die Elf Scharfrichter beschließen ihre heurige Saison mit der Vorstellung am morgigen Donnerstag. Am Samstag beginnt der Verein mit einem fünftägigem Gastspiel im kgl. Wilhelmatheater in Stuttgart-Cannstatt, an das sich voraussichtlich eine kurze Gastreise durch eine Reihe größerer deutscher Bäder anschließt.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 54, Nr. 328, 18.7.1901, Vorabendblatt, S. 2] fahren die Scharfrichter nach StuttgartDie Tournee der Elf Scharfrichter begann am Wilhelma-Theater in Cannstatt bei Stuttgart, wo sie vom 20. bis 25.7.1901 auftraten (siehe oben)., von dort wahrscheinlich nach DarmstadtDie Elf Scharfrichter gastierten vom 26. bis 30.7.1901 in Darmstadt, im Spielhaus der Künstlerkolonie; über den Premierenabend wurde berichtet: „Im Spielhaus begannen gestern abend die ‚Elf Scharfrichter‘ aus München ein auf drei Abende vorgesehenes Gastspiel. [...] Herr Frank Wedekind würde sein Publikum zu Dank verpflichten, wenn er künftig die [...] Balladen, die sich durch eine tadelnswerte Rücksichtslosigkeit gegen das Schicklichkeitsgefühl auszeichnen, aus der Liste seiner Darbietungen für Darmstadt streichen würde.“ [Darmstädter Zeitung, Jg. 125, Nr. 348, 27.7.1901, Nachmittags-Blatt, S. 1497] Das Gastspiel in Darmstadt wurde verlängert und anschließend in Kreuznach und Ems fortgesetzt.. Keyserling kommt übermorgen nach Stuttgart. AdresseDas Königliche Wilhelma-Theater, das zum Stuttgarter Hoftheater (Intendant: Joachim Gans zu Putlitz) gehörte und in der Sommerspielzeit 1901 vermietet war (Direktion: Martin Klein), hatte seine Spielstätte in Cannstatt [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 539] neben dem zoologisch-botanischen Garten Wilhelma; die Wilhelmatheatergesellschaft hatte ihren Sitz in Stuttgart (Herdweg 19) [vgl. Adreß- und Geschäftshandbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Stuttgart für das Jahr 1902, Teil I.2, S. 489].: Wilhelma-Theater. Kannstadt bei Stuttgart. Besten Gruß auch an Frau Louise.

Frank.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 3. September 1901 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max,

Director FerenzciJosé Ferenczy, Direktor des Central-Theaters in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 255], plante ein literarisches Kabarett, das Martin Zickel, Regisseur am Berliner Residenztheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 251], initiiert hatte [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 20.5.1901]. Wedekind hatte Bedenken gegen José Ferenczys Geschäftsgebaren, sich gleichwohl auf einen Vertrag für das Kabarett-Projekt eingelassen, den er dann bald zu lösen suchte [vgl. Wedekind an Martin Zickel, 21.9.1901], was ihm nicht gelang, und er schließlich eine hohe Konventionalstrafe an José Ferenczy zahlen musste [vgl. Wedekind an José Ferenczy, 1.4.1903]. beabsichtigt sein Überbrettl, welches übrigens eher ein musikalisch-literarischer Salon sein soll in der allervornehmsten Art zu arrangieren. Das Etablissement soll geistige Unterhaltung der besten Art bieten. Deshalb beauftragt er mich, bei Dir anzu|fragen, ob du geneigt wärest, bei ihm vorzulesenMax Halbe ist, soweit ermittelt, auf das Angebot einer Lesung nicht eingegangen, möglicherweise, weil die Zeit zwischen dem 29.9.1901 und 15.10.1901 teilweise von Premieren seiner Dramen (siehe unten) tangiert war., entweder Gedichte oder dann eine kürzere Novelle. Es würde sich um die Zeit zwischen dem 29. Sept. und fünfzehnten Oktober handeln. Bedingung wäre allerdings die Mitwirkung am Eröffnungsabend, dessen Datum noch nicht genau bestimmt ist. Es würde sich daher um ein festes Engagement auf 14 Tage handeln. Ich entgegnete Ferenzcy, daß ich mir wol denken könne | daß Du damit einverstanden wärest, vorausgesetzt, daß die Zeit nicht mit Deinen PremièrenMax Halbes neuestes Stück „Haus Rosenhagen“ (1901), das am 14.2.1901 am Dresdner Hoftheater uraufgeführt worden war, hatte am 21.9.1901 am Lessingtheater in Berlin Premiere – „Max Halbes in Dresden sowie in Hamburg, München, Breslau, Frankfurt a.M. bereits aufgeführtes Drama ‚Haus Rosenhagen‘“ [Dresdner Journal, Nr. 222, 23.9.1901, nachmittags, S. 1777] hatte zeitgleich mit Berlin auch am Stadttheater Barmen sowie am Stuttgarter Hoftheater Premiere; die Premiere am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg fand am 7.9.1901 statt, am 9.10.1901 gab es dann jeweils Premieren an den Stadttheatern in Koblenz und Halle an der Saale. Der Autor war an der Berliner Premiere beteiligt, wie die Presse meldete: „Max Halbe, der Dichter des dreiaktigen Dramas ‚Haus Rosenhagen‘, das am Sonnabend im Lessing-Theater zur ersten Aufführung gelangt, ist von seinem Münchner Wohnsitze in Berlin eingetroffen und nimmt an den Proben Theil.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 474, 18.9.1901, Morgen-Ausgabe, S. (3)] Premiere hatte am 6.10.1901 auch sein älteres Erfolgsdrama „Jugend“ (1893) am Wilhelma-Theater in Cannstatt bei Stuttgart. collidiere. Ich würde Dich bitten mich telegraphisch wissen zu lassen, ob Du im Prinzip nicht abgeneigt wärest, Dich auf die Angelegenheit einzulassen. Ich glaube, daß jede Anforderung, die Du stellen würdest, anstandslos bewilligt wird.

Über meine Erfolgesarkastisch über die Publikumsresonanz auf „Der Kammersänger“ (1899), vom 31.8.1901 bis 15.9.1901 an insgesamt 14 Abenden unter der Regie von Martin Zickel am Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 251] in Berlin gespielt; es folgte auf Wedekinds Einakter in den abendlichen Doppelvorstellungen jeweils die Boulevardkomödie „Leontines Ehemänner“ (1900) von Alfred Capus, ein bereits eingeführtes Stück, so dass Wedekinds Stück „als Beigabe“ [Seehaus 1973, S. 60] erscheint. habe ich bis jetzt noch nicht viel Erhebendes erfahren. Das Publicum | ist ziemlich kühl, ebenso der Darsteller des KammersängersWilly Martini, Schauspieler im Ensemble des Berliner Residenztheaters [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 251], spielte in Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ die Titelrolle des Gerardo. Die Kritik meinte, er „stattete den Kammersänger mit einem Unterton von Bonhommie und Humor aus“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 443, 1.9.1901, Sonntags-Ausgabe, S. (2)]. „Man rief den Autor mehrmals hervor und zollte auch den Darstellern gebührenden Beifall. Von diesen gab Herr Martini den Kammersänger recht gewandt und liebenswürdig, ohne indessen jenen Zug suggestiver Kraft zu treffen, die dieser Gestalt entströmen soll.“ [Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Jg. 40, Nr. 206, 3.9.1901, Beilage, S. 2].

Grüße Deine l/L/ieben aufs herzlichste und sei bestens gegrüßt von Deinem
Frank.


Berlin 3.IX.1901.
Lindenhotel, kleine Kirchgasse.

Einzelstellenkommentare

Tutzing, 6. September 1901 (Freitag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 7.9.1901 aus Berlin:]


Herzlichen Dank für Deine lieben Zeilen

Einzelstellenkommentare

Berlin, 7. September 1901 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max,

Morgen Sonntag AbendWedekind übernahm am 8.9.1901 in der Inszenierung seines Einakters „Der Kammersänger“ (Premiere: 31.8.1901) am Berliner Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) unter der Regie von Martin Zickel die Titelrolle des Gerardo, die bis dahin Willy Martini gespielt hatte [vgl. Wedekind an Max Halbe, 3.9.1901]. Die Presse meldete: „In der im Residenztheater am Sonntag stattfindenden Aufführung des Einakters ‚Der Kammersänger‘ wird die Titelrolle von dem Verfasser, Frank Wedekind, selbst dargestellt werden.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 455, 7.9.1901, Abend-Ausgabe, S. (2)] spiele ich im Residenztheater Kammersänger. Du wirst das nicht recht begreifen aber es war nicht anders möglich. Wenn die Sache nur nicht schief geht. Nachher treffen wir unsMax Halbe dürfte Wedekind in einem nicht überlieferten Schreiben (siehe unten) seine Ankunft in Berlin am 8.9.1901 angekündigt und ein Treffen an diesem Abend vorgeschlagen haben. viel|leicht bei Wedelim Restaurant Wedl zur Stadt Pilsen (Inhaber: Franz Mandl) in Berlin (Unter den Linden 13) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1902, Teil I, S. 1364]. unter den Linden. (Pilsner Restaurant)

Herzlichen Dank für Deine lieben Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Halbe an Wedekind, 6.9.1901. – Es handelte sich um eine Antwort auf Wedekinds letzten Brief [vgl. Wedekind an Max Halbe, 3.9.1901] und zugleich wohl um eine Ankündigung, nach Berlin zu kommen (siehe oben). Max Halbe dürfte nach einem Kurzaufenthalt in Tutzing (eine am 6.9.1901 in Tutzing an Josef Ettlinger in Berlin geschriebene Postkarte Max Halbes [Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain, Hs. 349] ist überliefert) weiter nach Berlin gereist sein, um dort an den Proben für die Premiere seines letzten Dramas am 21.9.1901 im Lessingtheater teilzunehmen; unklar ist, ob er tatsächlich bereits am 8.9.1901 in der Stadt eintraf (der erste in Berlin geschriebene und jedenfalls überlieferte Brief an seine Frau Luise Halbe [Mü, MH B 589] datiert vom 13.9.1901). Die Presse meldete: „Max Halbe, der Dichter des dreiaktigen Dramas ‚Haus Rosenhagen‘, das am Sonnabend im Lessing-Theater zur ersten Aufführung gelangt, ist von seinem Münchner Wohnsitze in Berlin eingetroffen und nimmt an den Proben Theil.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 30, Nr. 474, 18.9.1901, Morgen-Ausgabe, S. (3)]. Alles weitere mündlich.

Mit herzlichsten Grüßen
Dein getreuer
Frank.

Einzelstellenkommentare

München, 30. März 1902 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 7. Mai 1902 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Postkarte


An Herrn Dr. Max Halbe
in München
Wohnung (Straße und Hausnummer) Wilhelmstrasse 6.2Max Halbes Wohnung in München (Wilhelmstraße 6, 2. Stock) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1902, Teil I, S. 222].. |


Lieber Max; Ich bin glücklich hier angekommenWedekind traf am 5.5.1902 in Berlin ein [vgl. Frank Wedekind an Emilie Wedekind, 7.5.1902] – zu einem Gastspiel an Ernst von Wolzogens Buntem Theater (Überbrettl) vom 14. bis 26.5.1902 (siehe unten). und wo habe ReßnerFranz Ressner (Pseudonym von Carl Rößler) war Oberregisseur und Schauspieler an Ernst von Wolzogens Buntem Theater (Überbrettl) in Berlin (Direktion: Ernst von Wolzogen und Moritz Muszkat) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 263] und wechselte an das Deutsche Theater (Direktion: Otto Brahm) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1903, S. 250]. Wedekind war mit ihm befreundet. sein behagliches ZimmerWedekind wohnte in dem von Carl Rößler (siehe oben) übernommenen Zimmer in Untermiete bei der Witwe Elise Schwabe (Köpenicker Straße 109, 1. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1902, Teil I, S. 1595]; es lag ganz in der Nähe des Bunten Theaters (Köpenicker Straße 68) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1902, Anhang Theaterpläne, S. 36]. abgemiethet, da er sobald nicht hierher zurückkommt. An den Trümmernwohl im Zusammenhang mit dem heftigen Unwetter in Berlin am 14.4.1902 (in der zeitgenössischen Presse ausführlich dokumentiert), das nach einem Wolkenbruch mit Hagel und Flut die Straßen Berlins unter Wasser setzte, Dammrutsche und Hauseinstürze verursachte, außerdem massive Schäden an Teilen der Eisenbahngleise., unter denen ich dank deiner Fürsorge nicht liegen, fuhren wir bei herrlichenSchreibversehen, statt: herrlichem. Sonnenaufgang mit großer Vorsicht vorbei. Den Moses im Rabbi EsraWedekind sprach bei der Gastspielpremiere am Bunten Theater (Überbrettl) in Berlin (siehe oben) am 14.5.1902 um 20 Uhr den Prolog zum „Erdgeist“ [vgl. KSA 3/II, S. 1210f.] und spielte die Titelrolle im eigens dafür eingerichteten szenischen Dialog „Rabbi Esra“ [vgl. KSA 6, S. 319, 341-344], während Elsa Laura von Wolzogen in der Rolle des Moses auftrat. Ein Kritiker („E.B.“) meinte dazu: „In Wolzogens Buntem Theater fand gestern ein Novitätenabend statt. Er brachte eine besondere Sensation: Frank Wedekind trat zum ersten Male im Rahmen des Ueberbrettls vor das Berliner Publikum. Freilich zeigt er nur einen Theil dessen, was er kann. Anstatt uns einen zwar pointenreichen, aber doch gequälten Prolog zu sprechen (im Kostüm des Menageriedirektors, wie man ihn auf Jahrmärkten zu treffen pflegt), anstatt uns in Verbindung mit Frau Elsa Laura v. Wolzogen, die sich hier übrigens im Ton beträchtlich vergriff, seinen unmöglichen, aber geistreichen Dialog ‚Rabbi Esra‘ vorzuführen, hätte er besser gethan, wie er es sonst pflegt, zu Guitarrenbegleitung eines seiner kecken, prächtigen Lieder zu singen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 31, Nr. 242, 15.5.1902, Morgen-Ausgabe, S. (2)] Wedekind hatte zunächst angenommen, sein erster Auftritt mit Elsa Laura von Wolzogen, der zweiten Ehefrau des Theaterdirektors Ernst von Wolzogen, werde bereits am 9.5.1902 stattfinden [vgl. Frank Wedekind an Emilie Wedekind, 7.5.1902]. wird vermuthlich Frau Baronin von Wolzogen spielen. GesternWedekind traf am 6.5.1902 den befreundeten Schriftsteller Julius Schaumberger, der ebenfalls in Berlin war, da eine Szene von ihm am Abend des 14.5.1902 im Bunten Theater (Überbrettl), an dem Wedekind erstmals an dieser Bühne auftrat (siehe oben), aufgeführt wurde, wie die Presse meldete: „Der heutige Neuheitenabend des Bunten Theaters“ bringe als eine der dramatischen „Szenen: ‚Ein Werkzeug der Vorsehung‘ von Jul. Schaumberger [...]. Außerdem wird, wie bereits bekannt gegeben, Frank Wedekind als ‚Prolog‘ und als ‚Rabbi Esra‘ auftreten.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 31, Nr. 240, 14.5.1902, Morgen-Ausgabe, S. (3)] war ich mit Schaumberger zusammen. Donalds konnte ich noch nicht habhaftFrank Wedekind hatte seinen Bruder Donald Wedekind, der sich in Berlin aufhielt [vgl. Willy Ganske, Donald Wedekind an Frank Wedekind, 16.4.1902], noch nicht getroffen. werden. Herzliche GrüßeWedekind hatte Luise Halbe, Heinrich Kunolt, Eduard von Keyserling und Arthur Holitscher, die zu seinem engeren Münchner Freundeskreis gehörten, am Ostersonntag in größerer Runde bei Max Halbe getroffen [vgl. Wedekind an Max Halbe, 30.3.1902]. an Louise, an Dich, an Kunold, an Keyserling, an Holitscher.

Dein Frank.


Köpenickerstraße 109. 1.1.

Einzelstellenkommentare

Güttland, 19. September 1902 (Freitag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 21.9.1902 aus München:]


Herzlichen Dank für Deine liebe Carte.


Einzelstellenkommentare

München, 21. September 1902 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

FRANK WEDEKIND.


Lieber Max!

Herzlichen Dank für Deine liebe Cartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Halbe an Wedekind, 19.9.1902. Die Postkarte oder Bildpostkarte dürfte Max Halbe von Güttland geschickt und darin mitgeteilt haben, er sei dann in Berlin im Hotel Habsburger Hof zu erreichen [vgl. Wedekind an Max Halbe, 22.9.1902]; spätestens am 22.9.1902 war er in Berlin (seiner am 22.9.1902 in Berlin geschriebenen Postkarte an Luise Halbe [Mü, MH B 589] zufolge), zurück in München war er am 26.2.1903, wie er in seinem Brief an Luise Halbe vom 23.9.1902 aus Berlin ankündigte: „Ich bleibe doch noch morgen hier u. fahre Donnerstag nach Leipzig. […] Freitag treffe ich dann in München ein.“ [Mü, MH B 589].. Ich freue mich von Herzen darüber, daß der Walpurgistag so bald vor die Welt trittMax Halbes Stück „Walpurgistag. Eine Dichter-Komödie“ (1903) sollte am 2.10.1902 am Dresdner Hoftheater uraufgeführt werden, wie angekündigt war: „Königliches Schauspielhaus. [...] Donnerstag, 2. Oktober (außer Abonnement): zum ersten Male: Walpurgistag. Eine Dichterkomödie in fünf Aufzügen von Max Halbe.“ [Dresdner Journal, Nr. 221, 23.9.1902, nachmittags, S. 1738] „Am Donnerstag steht eine Novität als Erstaufführung [...] bevor: ‚Walpurgistag‘ [...]von Max Halbe.“ [Neueste Nachrichten, Nr. 261, 21.9.1902, 1. Ausgabe, S. (2)] Die Uraufführung wurde dann auf den 13.10.1902 verschoben: „M. Halbes ‚Walpurgistag‘ wird am 13. d. M. im Kgl. Schauspielhaus bei Anwesenheit des Verfassers zum ersten Male aufgeführt.“ [Sächsische Volkszeitung, Jg. 1, Nr. 30, 8.10.1902, S. (3)] Die Inszenierung war, wie Max Halbe sich später erinnerte, „vor allem im Nachhall der Presse [...] nur ein halber und bedingter Erfolg“ [Halbe 1935, S. 362f.].. An einem günstigen Ausgang habe ich keinen Zweifel. Wenn Du nach Dresden kommst dann grüße bitteFrank Wedekind hatte Max Halbe auch bei einem früheren Aufenthalt in Dresden Grüße an seine Schwester, die Hofopernsängerin Erika Wedekind, ausrichten lassen [vgl. Wedekind an Max Halbe, 5.2.1901]; spätestens am 7.10.1902 war Max Halbe in Dresden (seiner am 7.10.1902 in Dresden geschriebenen Postkarte an Luise Halbe [Mü, MH B 589] zufolge). auch meine Schwester wieder von mir. Sie wird sehr erfreut sein, Dich wiederzusehen; dessen bin | ich gewiß. Was Du mir von Moses Mayervermutlich der Berliner Germanist Richard M(oritz) Meyer, dessen Mittelinitial von Zeitgenossen oft bewusst falsch als ‚Moses‘ aufgelöst wurde, auch in der Absicht, dessen jüdische Herkunft zu betonen. und von Kerr schreibstZusammenhang mit Richard M. Meyer (siehe oben) nicht ermittelt. Alfred Kerr hatte Wedekinds „So ist das Leben“ am 21.8.1902 in „Der Tag“ (Nr. 387) – „Die illustrirte Zeitung ‚Der Tag‘ bringt in ihrer heutigen Nummer folgende Artikel: [...] ‚So ist das Leben‘ (Essai über das neueste Drama Frank Wedekinds von Alfred Kerr)“ [Badische Presse, Jg. 18, Nr. 194, 21.8.1902, Abendausgabe, S. 2] – kritisch besprochen, worauf in einem Pressereferat hingewiesen wurde: „Alfred Kerr giebt eine Analyse von Frank Wedekinds ‚So ist das Leben‘ (Der Tag 387), bewundert die dichterische Kraft einiger Stellen, betont im übrigen aber die Einseitigkeit des Dargestellten. Alles, was Wedekind bisher gedichtet habe, sei ein Text zu der seltsamen Armeseelenmelodie, die er in dieses Stück aufnahm. Alles sei eine Elendenkirchweih, mit den zwei Bestandteilen: Kirchweih und Elend. ‚Es wäre aber schade, wenn die Kirchweih wegfiele und jetzt allein das Elend bliebe. Wenn Wedekind auf die Rührung käme‘“ [Das litterarische Echo, Jg. 4, Heft 24, September 1902, Sp. 1696]. hat mich sehr erquickt. Ich danke Dir bestens dafür. Schall und Rauchdie Brettl-Bühne Schall und Rauch in Berlin (Unter den Linden 44), 1901 von einem Kreis um den Schauspieler Max Reinhardt gegründet, unter der Direktion von Hans Oberländer [vgl. Neuer Theater-Almanach 1902, S. 263], dann Kleines Theater (Schall und Rauch), ebenfalls unter der Direktion von Hans Oberländer [vgl. Neuer Theater-Almanach 1903, S. 259], schließlich Kleines Theater (Direktion: Hans Oberländer), zusammen mit dem Neuen Theater (Direktion: Max Reinhardt) unter der Gesamtleitung von Max Reinhardt [vgl. Neuer Theater-Almanach 1904, S. 245]; das ehemalige literarische Kabarett einer Kleinkunstbühne entwickelte sich zu einer reinen Schauspielbühne mit Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Moderne. scheint leider wieder eine Fata Morgana für mich gewesen zu sein; wenigstens wird die Aufführung immer wieder von neuem hinaus und hinaus geschobenWedekind stritt mit dem Kleinen Theater (Schall und Rauch) um die Aufführung seiner Stücke „Der Erdgeist“ (1895) und „Die junge Welt“ (1897) [vgl. Wedekind an Berliner Börsen-Courier, 23.9.1902], von denen der „Erdgeist“ am 17.12.1902 am Kleinen Theater Premiere hatte (Gertrud Eysoldt als Lulu) und ein großer Erfolg wurde [vgl. KSA 3/II, S. 1203, 1223-1225].. Aber ich will Dir nicht wieder vorjammern. Was kannst Du für mein Pech; Du, dem ich so manche Nachhilfe auf meiner Laufbahn danke. Zum Glück | habe ich aus dieser gedrückten Stimmung auch wieder den Ausweg zu einer Arbeitnicht ermittelt. gefunden, nicht dramatisch sondern rein philosophisch. – Keyserling lag mehrere Tage magenkrank und geht vielleicht erst heute wieder aus. Das OktoberfestDas Oktoberfest, seit 1810 jährlich auf der Theresienwiese in München ausgerichtet, hatte am 20.9.1902 begonnen, wie die Presse meldete: „Das Oktoberfest hat am Samstag Mittags 12 Uhr seinen Anfang genommen mit Eröffnung der verschiedenen Bierquellen.“ [Rosenheimer Anzeiger, Jg. 48, Nr. 216, 23.9.1902, S. (2)] hat gestern begonnen. Die Scharfrichter wollen in acht TagenDas Münchner Kabarett Die Elf Scharfrichter, dessen Ensemblemitglied Wedekind war, eröffnete am 29.9.1902 seine dritte Spielzeit [vgl. Allgemeine Zeitung, Jg. 105, Nr. 261, 22.9.1902, Abendblatt, S. 4]; bei dieser Eröffnung der Wintersaison wurde von den Elf Scharfrichtern „Frühlingsstürme. Eine Execution vom Scharfrichter Frank Wedekind“ [vgl. KSA 3/II, S. 1295] uraufgeführt, eine Kabarettbearbeitung des 1. Akts von „Der Erdgeist“ als „Parodie naturalistischen Theaters“ [KSA 3/II, S. 861] mit Wedekind in der Rolle des Kunstmalers Rudolf Knote. Hedwig Pringsheim notierte: „Programm, in dem leider Frank Wedekind durch platte Gemeinheit recht abfiel.“ [Tb Pringsheim, 29.9.1902] wieder anfangen, wovor mir entsetzlich graut; dagegen ist Keith selbstverständlich hinaus geschobendie Münchner Erstaufführung von Wedekinds „Marquis von Keith“ (1901) durch den Akademisch-Dramatischen Verein (Vorsitzender: Fritz Brüggemann) am Münchner Schauspielhaus (Direktion: Georg Stollberg), die mit Wedekind in der Titelrolle unter seiner und Fritz Brüggemanns Regie am 20.10.1902 als geschlossene Vorstellung stattfand (am 27.10.1902 eine öffentliche Vorstellung). Die Premiere wurde zunächst vage angekündigt: „Vom Akademisch-dramatischen Verein wurde der Marquis von Keith von Frank Wedekind zur Aufführung angenommen und soll am Münchener Schauspielhaus in Szene gehen“ [Allgemeine Zeitung, Jg. 105, Nr. 273, 4.10.1902, 2. Morgenblatt, S. 6], dann konkret: „Die vom Akademisch-dramatischen Verein veranstaltete Aufführung des Marquis von Keith von Frank Wedekind findet als Sondervorstellung des Münchener Schauspielhauses Montag, den 20. Oktober, nur vor geladenem Publikum statt.“ [Allgemeine Zeitung, Jg. 105, Nr. 278, 9.10.1902, 2. Mittagblatt, S. 3].

Ich bitte Dich um etwas, was Du, so wie ich Dich kenne, wol | auch sonst gethan hättest. Wenn Du in Dresden einen großen unbestrittenen Erfolg erzielt hast, und daran zweifle ich nicht, dann sprich mit Graf SeebachNikolaus von Seebach, Generaldirektor des Dresdner Hoftheaters [vgl. Neuer Theater-Almanach 1903, S. 330]; zu einer Aufführung von „So ist das Leben“ (uraufgeführt am 22.2.1902 am Münchner Schauspielhaus durch den Akademisch-Dramatischen Verein) in Dresden kam es nicht. bitte über So ist das Leben. – Grüße Frau Louise aufs Herzlichste von mir. Auf baldiges frohes Wiedersehen

mit besten Grüßen
Dein Frank


München. 21. September 1902.

Einzelstellenkommentare

München, 22. September 1902 (Montag)
von Wedekind, Frank, Keyserling, Eduard von und Wilke, Rudolf
an Halbe, Max

[...] Postkarte [...]
[...] Levelezö-Lap [...]
[...] Weltpostverein [...]
[...] Postcard [...]


Herrn Dr. Max Halbe
in
Güttland bei Danzig

Westpreussen.|


Lieber Max! eben höre ich von Keyserling daß Du noch in GüttlandMax Halbe hatte Ferien auf dem Gut seiner Eltern – Robert und Bertha Halbe (geb. Alex) – im westpreußischen Güttland verbracht und ist dann nach Berlin gereist, wo er spätestens am 22.9.1902 eingetroffen ist (seiner am 22.9.1902 in Berlin geschriebenen Postkarte an Luise Halbe [Mü, MH B 589] zufolge). Insofern hat ihn die Bildpostkarte, die ihm von Güttland nach München nachgesandt wurde (siehe die Angaben zur Materialität) erst verspätet nach seiner Rückkehr aus Berlin erreicht. bist. Ich habe Dir nach Berlin, Habsburger Hof, geschriebenvgl. Wedekind an Max Halbe, 21.9.1902.. Herzlichen Gruß auch an Frau Louise. Bitte, mich Herrn und Frau Halbe ergebenst zu empfehlen
Dein Frank.


[um 90 Grad nach links gedreht in der Mitte:]

Gruß
Keyserling


[um 90 Grad nach rechts gedreht am rechten Rand:]

Herzl. Gruß Dir u. D. Frau Wilke

Einzelstellenkommentare

München, 1. Januar 1903 (Donnerstag)
von Halbe, Max, Rau, Meinhold, Rau, Karl, Steiger, Edgar, Weinhöppel, Hans Richard, Schanderl, Josef, Weinhöppel, Stella, Halbe, Luise, Langheinrich, Max, Dannegger, Adolf, Popp, Hermann, Dudek, Mathilde, Langheinrich, Franz und Heck, Bertha
an Wedekind, Frank


POST-KARTE.


Herrn
Löbl. Frank Wedekind
Lindenhotel
in Berlin N. W.
Kl. Kirchstr. |


[Foto]

ED BEYRER SCULP.

MARYA DELVARD


M. Langheinrich

ELF SCHARFRICHTER

Oh verflucht
Schon wieder KegelbahnAnspielung Max Halbes auf die Unterströmung (eine Fortsetzung der Nebengesellschaft), seine Kegelrunde, die sich über viele Jahre in einem Münchner Lokal (Türkenstraße 33) in unmittelbarer Nähe zur Spielstätte der Elf Scharfrichter (Türkenstraße 28) traf [vgl. Kemp 2017, S. 29]..


Süßer Frank!
Wann kommst du wiederLuise Halbe fragt, wann Wedekind aus Berlin zurückkomme, wohin er der „Erdgeist“-Inszenierung am Kleinen Theater wegen (siehe unten) gefahren war.
Deine Luise


Herzlichste Grüße
Dein Max Halbe


Best wishes(engl.) Beste Wünsche. – Stella Weinhöppel (geb. Brokow), Richard Weinhöppels zweite Ehefrau, war Amerikanerin.
Stella


Karl Rau


Ein Prosit
H Popp


Frau DudekMathilde Dudek, Schauspielerin und Sängerin vom Stadttheater in Teplitz [vgl. Neuer Theater-Almanach 1904, S. 511], die offenbar gerade in München war.


Fz. Langheinrich


Bei den ScharfrichternDie Bildpostkarte wurde offenbar im Anschluss an die Silvesterfeier des Kabaretts Die Elf Scharfrichter geschrieben (mitverfasst von den Ensemblemitgliedern Max Langheinrich und Hans Richard Weinhöppel), an der Wedekind (ebenfalls Ensemblemitglied), der zu dieser Zeit in Berlin weilte, nicht teilnahm; im gedruckten Programm der Silvesterfeier findet sich bei seinem Namen der Hinweis „sofern er da ist!“ [Kemp 2017, S. 80] In der Presse war angezeigt: „Die Elf Scharfrichter veranstalten wie im Vorjahre eine Sylvesterfeier, deren Programm fast vollständig für den besonderen Zweck verfaßt und inszenirt ist. [...] Nach der Gala-Exekution soll ein inoffizieller Theil die Besucher der Scharfrichter noch lang zusammenhalten.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 55, Nr. 605, 31.12.1902, Vorabendblatt, S. 3] wars fein Gruß M. Rau


Du fehlst uns, doch ist uns Dein Erfolgdie erfolgreiche „Erdgeist“-Inszenierung am Kleinen Theater in Berlin (Premiere: 17.12.1902) mit Gertrud Eysoldt als Lulu (Regie: Richard Vallentin), nach der „sich das Stück konstant im Spielplan der deutschen Bühnen“ [KSA 3/II, S. 1203] hält. ein Trost! Richard


Dem Erdgeist!
Diese Freude vom Edgar Steiger


[um 90 Grad gedreht am rechten Rand:]

Bertha Heckeine Schwester von Luise Halbe (geb. Heck).


Schanderl


P. N. Dannegger


Einzelstellenkommentare

Salò, 21. April 1903 (Dienstag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 22.4.1903 aus München:]


Herzlichen Dank für Deine freundliche Carte.

Einzelstellenkommentare

München, 22. April 1903 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max!
Herzlichen Dank für Deine freundliche Cartenicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Halbe an Wedekind, 21.4.1903. Die Postkarte oder Bildpostkarte kam aus Italien (siehe unten), aus Salò (den fünf zwischen dem 9. und 21.4.1903 in Salò geschriebenen Briefen und Postkarten Max Halbes an Luise Halbe [Mü, MH B 589] zufolge); seine am 21.4.1903 an Luise Halbe geschriebene Postkarte kam noch aus Salò, er war aber im Aufbruch nach Venedig und kündigte seine Rückkehr nach München für den 25.4.1903 an: „Ich reise soeben noch nach Venedig [...]. Freitag will ich von Venedig noch nach Bozen, am Samstag will ich zu Hause sein.“ [Mü, MH B 589].. Eben war HauschildDr. med. Johannes Hauschildt, praktischer Arzt in München (Schackstraße 6) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1903, Teil I, S. 241], war Wedekinds Hausarzt; er gehörte zum Bekanntenkreis Max Halbes, wie dessen Notiz vom 17.11.1903 – „besuche Hauschild, dessen Geburtstag heute“ [Tb Halbe] – nahelegt. bei mir und hat mir einen Gipsverbandinfolge eines Beinbruchs; Wedekind musste „wochenlang das Bett hüten“ [Kutscher 2, S. 112], nachdem er sich am 10.4.1903 „das Bein gebrochen“ [Wedekind an Korfiz Holm, 12.4.1903] hatte, „den rechten Unterschenkel“ [Wedekind an Wolfgang Geiger, 12.4.1903]. Die Presse berichtete: „Frank Wedekind glitt in München auf der Straße aus und erlitt einen Beinbruch.“ [Neue Hamburger Zeitung, Jg. 8, Nr. 176, 16.4.1903, Abend-Ausgabe, S. (1)] angelegt. Meine Stimmung läßt bis jetzt nichts zu wünschen übrig. Ich erhalte täglich Besuch; einer der angenehmsten darunter ist deine liebe Tochter Anna Liese, die mir im AuftrageLuise Halbe hatte ihre Tochter damit beauftragt, dem bettlägerigen Wedekind die Berliner Tageszeitungen „Berliner Tageblatt“ und „Der Tag“ zu bringen. ihrer Mama das Berliner Tageblatt | und den Tag bringt. Zwei Mal war auch Meßthaler bei mirEmil Meßthaler, Direktor des Intimen Theaters in Nürnberg [vgl. Neuer Theater Almanach 1904, S. 453], wohnte noch in München (Bürkleinstraße 42) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1903, Teil I, S. 429].; er sagt, er beneide mich, mein Zubettliegen sei die beste Nervenkur, die er sich denken könne. Und wie geht es Dir? Ich höre zu meiner Freude, daß nun auch Neroder mit Max Halbe und Wedekind befreundete Verleger und Redakteur Fritz Schwartz in München (Richard Wagnerstraße 3) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1903, Teil I, S. 611]: „Fritz Schwartz, genannt ‚Nero‘. Den Spitznamen hatten ihm seine Freunde gegeben, und er hatte ihn höchst zutreffend gefunden und bediente sich seiner wie selbstverständlich.“ [Halbe 1935, S. 350] bei Euch ist, um Euere Tage zu versüßen. Jedenfalls wirst Du viel zu erzählen haben wenn Du zurückkommstMax Halbe, der sich seit mehreren Wochen auf einer Italienreise befand, notierte am 25.4.1903: „Kehre Abends von Venedig zurück. Luise [...] holt mich von der Bahn ab.“ [Tb Halbe] Wedekind besuchte er gleich am 26.4.1903: „Besuche Wedekind, der das Bein gebrochen hat, finde ihn fröhlich und philosophisch“ [Tb Halbe], dann wieder am 28.4.1903: „Besuch bei Wedekind. Er spricht seine Bedenken gegen den Strom aus.“ [Tb Halbe] Wedekind war am 24.3.1903 bei Max Halbes Lesung des Dramas „Der Strom“ dabei gewesen (siehe unten).. Ich freue mich schon darauf. Vor acht Tagenam 14.4.1903 (genau gerechnet). kam mein Bruder Donald von einer Schweizerreise hier an. Er hat einen | RomanDonald Wedekinds Roman „Ultra montes“ (1903) war bereits vor rund zwei Monaten im Verlag Hermann Costenoble in Berlin erschienen [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 70, Nr. 47, 26.2.1903, Umschlag], knapp einen Monat zuvor ist Frank Wedekind von seinem Bruder darauf aufmerksam gemacht worden [vgl. Donald Wedekind an Frank Wedekind, 20.3.1903]. Ultra Montes vollendet und befindet sich in jeder Beziehung besser als ich ihn seit Jahren gesehen. Er selber preist Berlin als das große Sanatorium gegen Mangel an Lebensgeist. Übrigens war auch Rosenthal bei mirDr. jur. Wilhelm Rosenthal, Rechtsanwalt in München (Briennerstraße 8) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1903, Teil I, S. 540], der sich im Akademisch-Dramatischen Verein engagierte und nach dessen Auflösung im Neuen Verein aktiv war [vgl. Der Neue Verein. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 56, Nr. 583, 13.12.1903, S. 3f.], dessen Vorsitzender er später wurde [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1906, Teil III, S. 144]. und erzählte, daß Reinhart das Deutsche Theater übernehmenOtto Brahm, nach wie vor Direktor des Deutschen Theaters zu Berlin [vgl. Neuer Theater Almanach 1904, S. 238], übergab die Leitung dieser Bühne 1904 an Paul Lindau [vgl. Neuer Theater Almanach 1905, S. 285], dessen Nachfolger erst 1905 Max Reinhardt wurde [vgl. Neuer Theater Almanach 1906, S. 227]; insofern blieb die Leitung des Kleinen und Neuen Theaters zunächst bei Max Reinhardt [vgl. Neuer Theater Almanach 1904, S. 245]. und Lindau sich ins Privatleben zurückziehen werde. Donald sagt mir, Neumann-Hofer werde mit dem Übersetzer Eisenschitz zusammen | eine Zeitungnicht ermittelt; vermutlich wurde der Plan nicht realisiert. gründen, deren Namen aber noch nicht feststeht. In München wird von Steiger und Gumppenberg eine neue Gesellschaft zur Pflege des Humorsnicht ermittelt; möglicherweise ein Scherz Wedekinds auf Kosten des mit ihm und Max Halbe befreundeten Münchner Schriftstellers Edgar Steiger (Friedrichstraße 33) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1903, Teil I, S. 647] sowie des Schriftstellers Hanns von Gumppenberg, Feuilletonredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“ und ‚Henkersknecht‘ bei den Elf Scharfrichtern – vielleicht angeregt durch die „Schlaraffia (Gesellschaft zur Pflege d. Humors und der Kunst)“ [Adreß-Buch der Stadt Augsburg 1895, Teil III, S. 116], die in Augsburg einmal existierte, dann nur noch als Gesellschaft „Humor“ bezeichnet [vgl. Adreß-Buch der Stadt Augsburg für das Jahr 1902, Teil III, S. 143]. mit öffentlichen Vorstellungen gegründet. Ich hoffe auf ein recht baldiges WiedersehnWedekind dürfte Max Halbe zuletzt am 24.3.1903 gesehen haben, als dieser in München sein soeben abgeschlossenes Drama „Der Strom“ (1904) vorlas: „Strom beendigt! Abends Vorlesung mit großem Erfolg (Keyserling, Wedekind, Richard, Danegger, Allesch, Holitscher, Wilke.)“ [Tb Halbe]! Hauschild läßt Dich bestens grüßen, ebenso mein Bruder.
Mit den herzlichsten Grüßen und besten Wünschen Dein
getreuer
Frank.


22.IV.03

Einzelstellenkommentare

München, 30. April 1903 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max!

Morgen, Freitagam 1.5.1903, an dem Max Halbe notierte: „Bier- und Sektabend an W.’s Bett. Holm, Keyserling, Langheinrich, Martens“ [Tb Halbe], er selbst, Kurt Martens, Eduard von Keyserling und Max Langheinrich, außerdem Korfiz Holm, einen geselligen Abend bei Wedekind (Franz Josefstraße 42, 2. Stock) verbrachten, der um 21 Uhr begann [vgl. Wedekind an Kurt Martens, 30.4.1903]., Abend also wird die Sitzung stattfinden. Geladen sind Martens, Keyserling und Langheinrich. Ich hoffe, Ihr werdet Euch trotz des schönen Wetters | nicht zu sehr an meinem öden KrankenlagerWedekind hatte sich am 10.4.1903 „das Bein gebrochen“ [Wedekind an Korfiz Holm, 12.4.1903] und war noch immer bettlägerig [vgl. Wedekind an Max Halbe, 22.4.1903]. langweilen. Die Hauptsache ist natürlich, daß Ihr gute Laune mitbringt.

Mit herzlichem Gruß
Dein
Frank.

Einzelstellenkommentare

München, 30. Mai 1903 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

[1. Briefentwurf:]


Lieber Max Freund!
Ich habe es gründlich satt, jeden Abend, an dem wir uns treffen, ein hochnotpeinliches Verhör über mich ergehen lassen zu müssen, welches Gefühle tractiert, die Du bei mir von in mich hinein phantasierst denkst, die ich nie empfunden habe und über die ich mich noch nie mit einem Wort geäußert habe. Ich halte es daher für s/v/ernünftig, sodaßSchreibversehen, statt: daß. wir uns so lange nicht absichtlich begegnen bis wir uns gegenseitig nicht mehr mit so unerquicklichen abgeschmackten Erörterungen zu behelligen haben. Ich bitte Dich deshalb auch nächsten Dienstag, so sehr ich Dir für Deine Einladung danke, nicht | auf mich rechnen zu wollen. Sollten wir uns unabsichtlich zufällig begegnen so werden wir uns hoffentlich mit Fassung darein finden.

Mit besten Grüßen
Dein Frank


[2. Abgesandter Brief:]


Lieber FreundMax Halbe notierte am 31.5.1903 (Pfingstsonntag) zum vorliegenden Brief: „Wedekind kündigt mir brieflich die Freundschaft, fühle sich schlecht von mir behandelt. Ich finde das Gleiche umgekehrt.“ [Tb Halbe] Er schickte den Brief später an Wedekind zurück [vgl. Max Halbe an Wedekind, 29.6.1903].!
ich habe es gründlich satt, jeden Abend, an dem wir uns treffenWedekind hat Max Halbe vor dessen Reise vom 14. bis 26.5.1903 (nach Wien, Budapest und Berlin) nachweislich zuletzt am 7.5.1903 gesehen, wie der Freund notierte: „Besuch bei Wedekind“ [Tb Halbe], danach am 28. und 29.5.1903 (siehe unten)., ein hochnotpeinliches VerhörInquisitionsmetapher für: zugespitzte Fragen. über mich ergehen lassen zu müssen, welches Gefühle tractiert, die ich, im Gegensatz zu Deinen V/B/ehauptungen und Vorwürfen, nie empfunden und nie mit einem Wort geäußert habe. Gegen den Vorwurf, daß ich Dir eine feindliche Gesinnung entgegenbringe und dadurch Anlaß zu den wiederholten Streitigkeiten gegeben habe, werde | ich mich vertheidigen, wo und wie ich irgend kann. Ebenso vertheidige ich mich gegen Deinen VorwurfMax Halbe dürfte sich bei den letzten Gesprächen mit Wedekind am 28. und 29.5.1903 (siehe unten) über Wedekinds Haltung zu den Kompositionen seines Freundes Hans Richard Weinhöppel, Wedekind wiederum zu dessen Verhalten gegenüber dem Musiker Anton Dreßler geäußert haben., daß ich Richard eine feindselige Gesinnung entgegenbringe. Ich bin einer Neigung, die mir seine Production manchmal zum Nachempfundenen zu haben schien, allerdings sehr feindlich gesinnt. Ebenso kann ich, von seinem eigenen Interesse ausgehend, sein Verhalten gegenüber Dreßler nicht billigen. Mit meinen Gefühlen gegenüber seiner Persönlichkeit und seiner Kunst im großen Ganzen haben diese Empfindungen nichts zu schaffen. Was uns Beide betrifft, so halte ich es für vernünftig, daß wir uns so lange nicht absichtlich | begegnen, bis wir uns nicht mehr mit so abgeschmackten Erörterungen wie gesternMax Halbe notierte am 29.5.1903: „Torggelstube m. Wedekind. Gereizte Stimmung.“ [Tb Halbe] und vorgesternMax Halbe notierte am 28.5.1903: „Frank bei der Heimkehr vom Kegelabend“ [Tb Halbe]. Abend zu behelligen haben. Ich bitte Dich deshalb, auch nächsten Dienstag, so sehr ich Dir für Deine Einladung danke, nicht auf mich rechnen zu wollen. Ich habe aus den Streitigkeiten, die Du seit zwei Monaten mir gegenüber vom Zaun brichst, bis jetzt noch keinerlei Schlußfolgerungen gezogen, weil ich die Frage nicht entscheiden konnte, ob ihnen nicht doch vielleicht eine freundschaftliche Gesinnung zu Grunde liegt. Ich würde mein Benehmen aber fu eines anständigen Menschen für unwürdig halten, wenn ich mich einer solchen Behandlung noch | weiter mit bewußter Absicht aussetzen wollte. Sollten wir uns zufällig unabsichtlich begegnenBegegnungen gab es in den nächsten Tagen – am 4.6.1903: „Im Café kühle Begegnung mit Frank“ [Tb Halbe], am 8.6.1903: „Im Café Begegnung mit Frank“ [Tb Halbe] – oder Max Halbe konstatierte, wenn es sie nicht gab, so am 10.6.1903: „Dichtelei mit Keyserling u.s.w Frank unsichtbar!“ [Tb Halbe], so werden wir uns hoffentlich mit Ruhe und Fassung in die Sachlage finden.

Mit besten Grüßen
Dein Frank.


München 30 Mai 1903.

Einzelstellenkommentare

München, 29. Juni 1903 (Montag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

München 29/VI 03


Lieber Frank!
hier übersende ich Dir durch Robert Deinen Brief vom Pfingstsamstagvgl. Wedekind an Max Halbe, 30.5.1903. Max Halbes Sohn Robert hat den Brief Wedekind als Beilage (hier nicht nochmals wiedergegeben) zum vorliegenden Brief überbracht..

Sei überzeugtMax Halbe, mit Wedekind im Streit liegend [vgl. Wedekind an Max Halbe, 30.5.1903], reagierte mit dem vorliegenden Brief auf die zwei Tage zuvor stattgefundene Versöhnung mit Wedekind, die sich nach seiner Rückkehr nach München (er war am 14.6.1903 zu einer Reise nach Wien, Berlin und Leipzig aufgebrochen) am 27.6.1903 ergeben hatte: „Gegen Abend in München. Im Hoftheaterrestaur. erscheint Frank. Aussöhnung.“ [Tb Halbe], daß mir nichts ferner gelegen hat und fern liegt, als die Absicht Dich zu kränken oder zu verletzen oder gar Intrigen gegen Dich zu | spinnen. Wenn mir in vorgerückten Nachtstunden, wie ich gern zugebe, manchmal die Zunge durchgegangen ist, so mag zu meiner Entschuldigung dienen, daß dies aus einem vielleicht überreiztem Freundschaftsgefühl für Dich und Dein künstlerisches Schaffen geschehen ist.

Ich hoffeSpannungen blieben nach der Aussöhnung (siehe oben), wie Max Halbe am 1.7.1903 feststellte: „Kegelabend mit David. Wedekind auch da, aber gereizt. Geht nachher mit Dressler. Es wird nicht wieder das Alte mit ihm!“ [Tb Halbe] Und am 11.7.1903: „Mit Wedekind scheint der Bruch definitiv, schimpft hinterrücks über mich, intriguirt nach Kräften.“ [Tb Halbe] Schließlich konstatierte er am 13.7.1903: „Wedekind reist morgen ab.“ [Tb Halbe] Wedekind fuhr den Sommer über nach Lenzburg und feierte den Abend vor seiner Abreise seinen Abschied vom Freundeskreis ohne Max Halbe, wie dieser am 14.7.1903 festhielt: „Ich habe W. nicht mehr gesehen, hat gestern in der Torggelstube Abschiedscour gehalten. Keyserling ging nicht hin.“ [Tb Halbe], der „Winter unseres MißvergnügensMax Halbe zitiert aus dem Auftakt, den beiden ersten Versen, von William Shakespeares Tragödie „König Richard III.“ (I/1): „Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens / Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks“ (metaphorisch veranschaulicht der Wechsel vom ‚Winter‘ zum ‚Sommer‘ die Überwindung des Streits mit Wedekind). wird nun wieder „glorreichem Sommer“ weichen. Herzliche Grüße!

Dein Max

Einzelstellenkommentare

München, 8. November 1903 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max, würdest Du so rasch wie möglich zu mir kommen. Ich möchte Dich gerne noch einmal sehenMax Halbe notierte am 8.11.1903 morgens den Empfang des vorliegenden Zettels (als Brief wahrgenommen) und reagierte sofort: „Erhalte gleich nach dem Aufstehen Brf. von Wedekind, daß er mich noch einmal sehen will, bin sehr bestürzt, finde ihn in sehr schlechtem Zustand. Bildet sich ein, er habe Aneurisma u. müsse heute sterben. Ich suche es auszureden. Arzt kommt u. diagnostiziert Lungenentzündung“ [Tb Halbe]; ein Aneurysma ist eine krankhafte Gefäßausstülpung, die „sehr gefährliche Blutungen bedingen kann“ [Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. Bd. 1. Leipzig 1905, S. 511]. Aber komm bitte allein – und laß mein Mädchennicht identifiziert. beim eintreten in die Wohnung nichts merken da sie keine Ahnung hat was los istWedekind hatte eine Lungenentzündung (siehe oben), wie auch die Presse meldete: „Aus München wird berichtet: Frank Wedekind liegt seit drei Tagen an Lungenentzündung nicht unbedenklich krank darnieder.“ [Erkrankung Frank Wedekinds. In: Neue Freie Presse, Nr. 14084, 11.11.1903, Morgenblatt, S. 6] Max Halbe notierte am 12.11.1903: „Wedekind auf dem Wege der Besserung“ [Tb Halbe], am 17.11.1903: „Wedek. fieberfrei, aber schlechter Laune“ [Tb Halbe] und am 19.11.1903 (er war im Begriff, zu verreisen): „besuche vor der Abfahrt noch Wedek., der aufgestanden“ [Tb Halbe].

Dein Frank

Einzelstellenkommentare

München, 25. Juni 1904 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Frank WedekindMax Halbe notierte am 25.6.1904: „Vorbereitungen für die Gesellschaft heute Abend zu Ehren Reinhardts u. seiner Leute. [...] Von 10 Uhr ab Eintreffen der Gäste, darunter auch Wedekind, der später seine Balladen singt. Lustige Nacht, allgemeines Vergnügen.“ [Tb Halbe] Der Abend begann um 22 Uhr und dauerte die ganze Nacht hindurch, wie der Gastgeber am 26.6.1904 festhielt: „Ich komme erst um 7 Uhr früh in’s Bett.“ [Tb Halbe] Neben Wedekind haben sich an diesem Abend Max Reinhardt, Richard Vallentin, Eduard von Winterstein, Wilhelm Goldmann, Felix Hollaender, Hans Wassmann, Maria Blei, Annie Holm, Friedrich Kayßler, Max Langheinrich, Eduard von Keyserling, Emil Lind, August Weigert, Emmy Loewenfeld, Else Heims, Else Aram, Kurt Aram, Edgar Steiger, Hermann Popp und Centa Bré in Max Halbes Gästebuch eingetragen. Das Fest haben Max und Luise Halbe zum Abschluss von Max Reinhardts Gastspiel (17. bis 24.6.1904), das er mit dem Ensemble des Berliner Kleinen Theaters am Münchner Volkstheater gegeben hat, veranstaltet..

Einzelstellenkommentare

München, 27. Juni 1904 (Montag)
von Wedekind, Frank, Wassmann, Hans, Brüggemann, Fritz, Dreßler, Anton, Goldmann, Wilhelm, Hollaender, Felix, Langheinrich, Max, Lind, Emil, Reinhardt, Max, Stahl, Fritz und Winterstein, Eduard von
an Halbe, Luise, Halbe, Max

Königreich Bayern
Postkarte


An Familie Halbe
in Schwabing
Wohnung (Straße und Hausnummer) Wilhelmstr. 2 |


Ist noch etwas HäringssalatSchreibversehen, statt: Heringssalat. – Max und Luise Halbe hatten zwei Tage zuvor, am Abend des 25.6.1904 in ihrer Münchner Wohnung (Wilhelmstraße 2, 3. Stock) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1905, Teil I, S. 177], „ein großes Gelage“ [Wedekind an Carl Rößler, 25.6.1904] veranstaltet, ein Festessen anlässlich des erfolgreichen Abschlusses von Max Reinhardts Gastspiel (17. bis 24.6.1904), das er mit dem Ensemble des Berliner Kleinen Theaters am Münchner Volkstheater gegeben hat. Wedekind hat sich an diesem Abend, der um 22 Uhr begann und die ganze Nacht hindurch dauerte, in Max Halbes Gästebuch eingetragen [vgl. Wedekind an Max Halbe, 25.6.1904], außerdem 20 weitere Personen, darunter von den Mitunterzeichnern der vorliegenden Postkarte vom Neuen und Kleinen Theater in Berlin der Direktor Max Reinhardt, die Schauspieler Eduard von Winterstein und Hans Wassmann sowie der Dramaturg Felix Hollaender [vgl. Neuer Theater-Almanach 1904, S. 245], außerdem Max Langheinrich, Emil Lind und Wilhelm Goldmann. übrig? Bitte ihn sofort (persönlich) ins Hoftheater-RestaurantSchreibort der vorliegenden Postkarte, vermutlich im Biergarten. Das Hoftheater-Restaurant in München (Residenzstraße 12) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1905, Teil I, S. 214] war ein beliebter Treffpunkt der Boheme, in dem Wedekinds Münchner Freundeskreis oft zusammenkam. zu bringen. Wir sehnen uns sehr – danach!
Frank


(Prosit Max Reinhardt)


v. Winterstein.


Ich trinke auf das Wohl der Familie Halbe! Hans Wassmann


Ich schließe mich an. Hollaender.


Viele Grüße Dreßler


Prost Langheinrich


Ich beginne eben zu erwachen. Emil Lind

Auch so.
Fritz Stahl


Ergebenen Gruss! Fritz KrotiPseudonym von Fritz Brüggemann, ehemals Herausgeber der Zeitschrift „Freistatt“ (bis Ende 1902) und Vorsitzender des Akademisch-Dramatischen Vereins.-Brüggemann


[am rechten Rand um 90 Grad gedreht:]

Vater ReinhardtWilhelm Goldmann war Max Reinhardts Vater.

Einzelstellenkommentare

München, 8. Juli 1904 (Freitag)
von Wedekind, Frank und Keyserling, Eduard von
an Langheinrich, Max, Halbe, Max

Herrn Max Langheinrich
München


Ich erkläreMax Halbe erklärt Max Langheinrich sein Bedauern. Hintergrund war eine Duellforderung nach einer ‚feierlichen‘ Rauferei am 6.7.1904 bei einem Treffen von Max Halbes Münchner Kegelrunde Unterströmung [vgl. Halbe 1935, S. 379f.], zu der Wedekind festhielt: „Schluß Kegelbahn mit Solenner Rauferei“ [Tb]. Max Halbe notierte am 6.7.1904: „Vorbereitungen zur Schlußkegelbahn. Große Betheiligung. Catastrophe m Langheinrich“ [Tb Halbe]; gemeint war eine Duellforderung, die Wedekind am 7.7.1904 überbrachte – „Ich überbringe Halbe eine Pistolenforderung von Langheinrich“ [Tb] – und Max Halbe dazu am 7.7.1904 festhielt: „Wedek., bringt Forderung v. L., die ich annehme. Rücksprache mit Keys., der mein Combattant.“ [Tb Halbe] Wedekind sollte Max Langheinrichs Sekundant sein, Eduard von Keyserling der Max Halbes [vgl. Kutscher 2, S. 75], die aber das drohende Duell durch schlichtendes Eingreifen verhindern konnten. Eduard von Keyserling bat Wedekind um ein Treffen [vgl. Eduard von Keyserling an Wedekind, 8.7.1904] und suchte ihn am 8.7.1904 auf, wie Wedekind notierte: „Tausche mit Keyserling die Entschuldigungen zwischen Langheinrich und Halbe aus“ [Tb]. Wedekind schrieb die vorliegenden „gegenseitigen Entschuldigungen und Ehrenerklärungen“ [Kutscher 2, S. 75], die Eduard von Keyserling an Max Halbe überbrachte (während Wedekind sich entsprechend mit Max Langheinrich verständigt haben dürfte). Max Halbe hielt am 8.7.1904 fest, er müsse die „Erledigung mit Langheinrich abwarten. Mittags kommt Keys. mit gegenseitigen Erklärungen, die ich annehme. Geg. Abend im Hofgarten, wo Keys. mir Langheinrichs Unterschrift bringt.“ [Tb Halbe] Damit hatte sich das drohende Duell erledigt. hiemit, daß ich es bedaure mich gegen Herrn Max Langheinrich zu Thätlichkeiten habenSchreibversehen, statt: habe. hinreißen zu lassenSchreibversehen, statt: lassen. und bitte ihn deshalb um Verzeihung

München, den 8 Juli 1904


Herrn Dr. Max Halbe
München


Ich bedaureMax Langheinrich erklärt sich gegenüber Max Halbe vor dem Hintergrund der Rauferei vom 6.7.1904 und seiner nachfolgenden Duellforderung, die sich mit der Entschuldigung auch von seiner Seite erledigte (siehe oben), keineswegs aber die Spannungen im Freundeskreis, insbesondere, was die „konfliktgeladene Freundschaft“ [KSA 1/I, S. 993] zwischen Max Halbe und Wedekind anging. Max Halbe notierte am 9.7.1904 eine Begegnung mit Wedekind und Max Langheinrich (und anderen): „Gest. Nacht beim Heimweg trafen wir Wedek., Lng., Dresslers u.s.w., die mir gefeiert zu haben scheinen. Würdelose Blase!“ [Tb Halbe] Er erinnerte sich am 9.7.1914: „Auf der gestrigen Kegelbahn leben die Erinnerung an den katastrofalen Abend, genau vor zehn Jahren, wieder auf; mein Bruch mit Wedekind, Langheinrich, Dressler.“ [Halbe Tb] Wedekind verarbeitete das Geschehen 1905 im Gedichtfragment „Max Pipifax“ [KSA 1/I, S. 755], im Entwurf des komischen Heldenepos „Max Pipifax“ [KSA 1/I, S. 755f.] sowie 1908 in den fragmentarischen Versen „Max Knacks hat den Max Pipifax“ [KSA 1/I, S. 757], wobei Max Knacks Max Langheinrich (sein Pseudonym bei den Elf Scharfrichtern: Max Knax) und Max Pipifax Max Halbe meint [vgl. KSA 1/II, S. 1847-1853]. hiemit Herrn Dr. Max Halbe durch meine Äußerungen verletzt zu haben und nehme das beleidigende dieser Äußerungen zurück.

München, den 8 Juli 1904.

Einzelstellenkommentare

München, 19. Juli 1904 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max,

wenn ich mich recht erinnere dann schulde ich Dir eine Summe von 150 Mark. Es ist möglich daß meine Berechnung falsch ist, in diesem Fall bitte ich Dich, es mir mitzutheilen. Darf ich Dich nun bitten, eine Abzahlung von 100 MarkWedekind notierte am 19.7.1904: „100 Mark Schulden an Halbe zurückbezahlt.“ [Tb] entgegenzunehmen, die ich Dir mit gleicher | PostHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zur Geldsendung (siehe oben); erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Max Halbe, 19.7.1904. übersende. Die bleibenden M. 50Wedekind notierte bereits am 30.7.1904: „Halbe M. 50 zurückbezahlt.“ [Tb] hoffe ich Dir nächsten Monat zurückgeben zu können.
Indem ich Dir für Deine Gefälligkeit nochmals meinen herzlichen Dank sage
mit besten Grüßen
Dein
Frank.


München 19.VII 04.

Einzelstellenkommentare

München, 19. Juli 1904 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 19.7.1904 aus München:]


Darf ich Dich nun bitten, eine Abzahlung von 100 Mark entgegenzunehmen, die ich Dir mit gleicher Post übersende.

Einzelstellenkommentare

München, 21. Juli 1904 (Donnerstag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Max Halbes Antwortvermerk auf Wedekinds Brief an Max Halbe vom 19.7.1904 aus München:]


21/VII 04Max Halbe notierte am 21.7.1904: „Nachm. erledige ich viel Correspondenz“ [Tb Halbe]; darunter dürfte sich der hier erschlossene Brief befunden haben, eine Antwort, deren Abfassung er mit blauem Buntstift auf dem von Wedekind erhaltenen Brief [vgl. Wedekind an Max Halbe, 19.7.1904] vermerkte.
Brf, Dank, Zustimmung.

Einzelstellenkommentare

München, 4. Oktober 1904 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max!

Als ich vor acht Tagenam 26.9.1904, an dem Wedekind notierte: „Abfahrt nach München.“ [Tb] Er war seit dem 22.9.1904 zu Gastspielauftritten (als Tierbändiger im Prolog zum „Erdgeist“ am 23. und 25.9.1904 in der „Erdgeist“-Inszenierung im Neuen Theater) in Berlin gewesen. in Berlin war, kam Otto ErichWedekind notierte am 24.9.1904 in Berlin die Begegnung mit Otto Erich Hartleben: „Versöhnung mit Hartleben.“ [Tb] Der persönliche Verkehr zwischen Wedekind und Otto Erich Hartleben war Anfang 1897 abgebrochen, nach den gescheiterten Versuchen Wedekinds, seine Dramen durch die Dramatische Gesellschaft zu Berlin (deren Vorstandsmitglied Hartleben war) aufführen zu lassen (siehe Wedekinds Korrespondenz mit Otto Erich Hartleben vom 14.11.1896 bis 18.1.1897). mit den Worten auf mich zu: „Ich weiß nicht, ob Sie sich meiner noch erinnern, mein Name ist Otto Erich.“ Ich werde morgen (Mittwoch)am 5.10.1904, an dem Wedekind notierte: „Besuch bei Halbe.“ [Tb] Max Halbe notierte am 5.10.1904: „Besprechung m. Popp über einen Brf. Wedekinds, worin er mir sein Kommen ankündigt. Ich verstehe das nicht. – Wedek. war um 5 da, ging resultatlos wieder weg. Jetzt ist es wohl definitiv aus.“ [Tb Halbe] Max Halbe sprach bei einem Beisammensein im Hoftheater-Restaurant am 8.10.1904 mit Franz Blei, Hermann Popp und Eduard von Keyserling über Wedekind: „im H.-R. m Blei, Popp, Keys. Viel von Wedek.“ [Tb Halbe] um fünf Uhrum 17 Uhr. Wedekind war pünktlich (siehe oben). zu DirMax Halbe wohnte in der Wilhelmstraße 2 (3. Stock) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1905, Teil I, S. 177]. kommen um Dir zu sagen: „Ich weiß nicht, ob Du Dich meiner noch erinnerst, mein | Name ist Frank.“ Ich rechne dabei mit der Thatsache, daß Du mich abweisen läßt. Dann ist dieser Gang zu Dir ein Mißerfolg gewesen, aber ein Mißerfolg, den ich mir, dessen bin ich gewiß, Zeit meines Lebens zur Ehre anrechnen werde. Es steht Dir ja aber auch frei, mich erst abzuweisen, nachdem Du gehört hast, weshalb ich komme und was ich Dir sagen möchte.

Mit bestem Gruß
Frank.


4 X 04Wedekind notierte am 4.10.1904: „Brief an Halbe.“ [Tb] Max Halbe hatte am 4.10.1904 Geburtstag: „Ich bin heute 39 Jahre alt. ‚Denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon‘ [...] Ich fühle mich niedergedrückt u. schwermüthig. [...] Abends Herrengesellschaft, sehr fidel.“ [Tb Halbe] Die Beziehung zwischen Wedekind und Max Halbe war seit längerer Zeit gestört, was den vorliegenden eigenartigen Geburtstagsbrief und die Tatsache erklärt, dass Wedekind bei der Geburtstagsfeier nicht dabei war..

Einzelstellenkommentare

Berlin, 17. September 1908 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

[Hinweis in Wedekinds Notizbuch (Nb 54, Blatt 50v):]


OAHA senden an
[…]
Max HalbeDie „konfliktgeladene Freundschaft“ zwischen Max Halbe und Wedekind war von „persönlichen Querelen“ und „Streitigkeiten“ [KSA 1/I, S. 992] geprägt, die zu einer jahrelangen Unterbrechung des näheren Umgangs geführt hatte. Erst am 3.6.1908 kam es zu „einer dauerhaften Versöhnung der Freunde“ [KSA 1/I, S. 993], wie Wedekind notierte: „Ich versöhne mich mit Max Halbe.“ [Tb] Diese Versöhnung kam im übersandten „Oaha“-Exemplar zum Ausdruck.

Einzelstellenkommentare

München, 27. Oktober 1908 (Dienstag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

MAX HALBE


MÜNCHEN
WILHELMSTRASSE 2


Lieber Frank, wie ich aus einem mir zugegangenen BriefeDer Brief von Leonor Goldschmied, Schriftsteller in Nikolassee bei Berlin [vgl. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1908, Teil II, Sp. 516], an Max Halbe, der hier aus diesem Brief zitiert, ist nicht überliefert. des Herrn Goldschmied ersehe, befindet er sich in dem sehr irrthümlichen Glauben, ich wolle vor GerichtLeonor Goldschmied rechnete mit einer erneuten Gerichtsverhandlung – er hatte nach einem verlorenen Prozess am 8.10.1908 vor dem Amtsgericht in Charlottenburg Berufung eingelegt, die er aber zurückzog, als am 28.4.1909 vom Landgericht II in Berlin eine Beweiserhebung abgelehnt wurde [vgl. Literatenzänkerei. In: Vorwärts, Jg. 26, Nr. 99, 29.4.1909, 2. Beilage, S. (3)] – und hatte sich daher an Max Halbe gewandt; am 8.10.1908 vormittags wurde die Beleidigungsklage Leonor Goldschmied gegen Erich Mühsam verhandelt, der ihn im Sommer im Café Sezession in Berlin als Polizeispitzel bezeichnet habe, wobei Mühsam sich durch beleidigenden Äußerungen gereizt gesehen habe. „Vor dem Amtsgericht Charlottenburg wurde am Donnerstag eine Klage des Schriftstellers Leonor Goldschmidt gegen den Schriftsteller Erich Mühsam verhandelt. Mühsam hatte Goldschmidt als ‚Polizeispitzel‘ bezeichnet, behauptet aber, dazu durch allerlei Belästigungen in einem Café beim Billardspiel gereizt worden zu sein. [...] Durch Vernehmung einiger Zeugen wurde festgestellt, wie Mühsam provoziert worden ist. Ihn und Genossen bezeichnete Goldschmidt als ‚Idiotenbande‘ und nannte ihn einen ‚Trottel‘, ‚genialen Schiefling‘ und ‚Schnorrer‘. Dieser Ausdrücke wegen erhob Mühsam durch seinen Rechtsanwalt Caro Widerklage. Das richterliche Urteil ging dahin, daß der Angeklagte Mühsam der Beleidigung schuldig, aber straffrei erklärt wurde, da er zu schwer gereizt worden ist, der Privatkläger Goldschmidt dagegen wegen Beleidigung zu 20 Mk. Geldstrafe oder 4 Tagen Haft verurteilt werde. Die Gerichtskosten hat der Privatkläger zu tragen.“ [Der bestrafte Kläger. In: Vorwärts, Jg. 25, Nr. 237, 9.10.1908, 1. Beilage, S. (3)] Bei der Gerichtsverhandlung fielen auch die Namen von Max Halbe und Wedekind, wie die Presse berichtete: „Die Boheme hatte ihre Sensation. Erich Mühsam, der zarteste Anarchist der Welt, hatte vor Monaten den Schriftsteller Leonor Goldschmidt einen Polizeispitzel genannt, und deshalb kam es zum Prozeß. Leonor Goldschmidt war nicht erschienen; ahnte er, was ihm bevorstand? Hätte er es nicht ertragen, wenn ihm die lange Liste der berühmten Ohrfeigen vorgetragen würde, die er in seinem Leben erhalten hat? Max Halbe, Frank Wedekind, Hans Heinz Ewers und andere Kapazitäten wurden als Verabreicher dieser Ohrfeigen vor dem Gericht benannt.“ [Der lyrische Anarchist. In: Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 514, 8.10.1908, Abend-Ausgabe, 1. Beiblatt, S. (1)] „Zeugniß für ihn ablegen“. Da ich annehmen muß, daß er in diesem Sinne auch an Dich | geschriebenWedekind hat von Leonor Goldschmied ebenfalls einen Brief erhalten [vgl. Wedekind an Max Halbe, 29.10.1908]. hat, so halte ich es für geboten, dem „Irrthum“ des Herrn G. energisch entgegenzutreten und festzustellen, daß ich weiter nichts gethan habe, als ihm auf sein Drängen hin mit wenigen Worten zu bestätigen, daß keine „ThätlichkeitenTätlichkeiten (Leonor Goldschmied sei von Max Halbe und Wedekind geohrfeigt worden), von denen im Prozess am 8.10.1908 die Rede war (siehe oben) – wohl irrtümlich. Leonor Goldschmied hatte in einer Pressemitteilung bereits eine Erklärung dazu abgegeben: „Der lyrische Anarchist. Zu dem unter dieser Spitzmarke veröffentlichten Bericht über die Beleidigungsklagen Erich Mühsams gegen Leonor Goldschmied schreibt uns dieser: ‚Es ist unwahr, daß ich mit Max Halbe oder – wie in der Verhandlung behauptet wurde – mit Frank Wedekind jemals derart zusammengeraten bin, daß es zu Tätlichkeiten gekommen ist. Lediglich mit Hanns Heinz Ewers, der eine Behauptung von mir, die Kabarets betreffend, nicht besser als mit einem tätlichen Anfall zu parieren wußte, hatte ich eine Affäre, wofür indessen nicht ich, sondern er von mir abgeführt wurde.‘“ [Berliner Tageblatt, Jg. 37, Nr. 522, 13.10.1908, Morgen-Ausgabe, 1. Beiblatt, S. (3)]“ zwischen uns vorgekommen sind. Alles Weitere habe ich vollständig dahingestellt sein lassen. Meine alte Meinung über ihn bleibt bis auf Weiteres bestehen. Mit bestem Gruß
Dein Max Halbe

Einzelstellenkommentare

München, 29. Oktober 1908 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max!

ich hätte Dir gesternder 28.10.1908, an dem abends allerdings kein Auftritt der Schwestern Wiesenthal (siehe unten) stattfand, wie Wedekind wohl irrtümlich angenommen und mit Max Halbes Besuch der Vorstellung gerechnet hatte. schon geantwortetauf Max Halbes Brief über einen Brief an ihn von Leonor Goldschmied [vgl. Max Halbe an Wedekind, 27.10.1908]. wenn ich nicht gedacht hätte, wir würden uns vielleicht bei den WiesenthalsDie Wiener Tänzerinnen Elsa, Bertha und Grete Wiesenthal gastierten mit großem Erfolg im Münchner Schauspielhaus [vgl. Die Schwestern Wiesenthal. In: Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 61, Nr. 500, 25.10.1908, S. 3]. Wedekind hatte sie bereits am 15.2.1908 in Berlin gesehen: „Die Tänzerinnen Wiesenthal treten auf.“ [Tb] In München besuchte zunächst seine Frau am 23.10.1908 eine Vorstellung: „Tilly geht in die Wiesenthalmatinée“ [Tb], dann sah er mit ihr zusammen am 26.10.1908 die Tänzerinnen auf der Bühne: „Mit Tilly bei den Wiesenthals.“ [Tb] Am Münchner Schauspielhaus, wo Wedekinds „Musik“ im Spielplan war, wurde für den 27.10.1908 kurzfristig ein Auftritt der Tänzerinnen im unmittelbaren Anschluss an eine Vorstellung seines Einakters „Der Kammersänger“ gleich zweifach angekündigt (im einen Tag vordatierten Vorabendblatt): „Schauspielhaus. Am Dienstag, 27. Oktober, geht dem Gastspiel der drei Schwestern Wiesenthal nicht ‚Musik‘, sondern ‚Der Kammersänger‘ voran.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 61, Nr. 502, 27.10.1908, Vorabendblatt, S. 2] „Münchner Schauspielhaus. Dienstag, den 27. Okt. Der Kammersänger. Drei Szenen von Frank Wedekind. Hierauf: Die drei Schwestern Wiesenthal. Anf. 7½, Ende 10 Uhr.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 61, Nr. 502, 27.10.1908, Vorabendblatt, S. 4] Entsprechend war im Theaterprogramm dann nach der „Kammersänger“-Vorstellung am 27.10.1908 angezeigt: „Die drei Schwestern Wiesenthal aus Wien mit ihren Tanzdichtungen.“ [Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 61, Nr. 503, 27.10.1908, General-Anzeiger, S. 2] Wedekind notierte am 27.10.1908: „Tilly geht zu den Wiesenthals und Kammersänger.“ [Tb] Max Halbe hat für den 27.10.1908 seinen Besuch der Doppelvorstellung festgehalten: „Abends zum Kammersänger u. den Schwestern Wiesenthal. Hübsche anmutige, nicht weiter aufregende Tänze.“ [Tb Halbe, 28.8.1908] Wedekind hat diese Doppelvorstellung nicht besucht; am 28.10.1908 ist kein Auftritt der Tänzerinnen nachzuweisen. treffen. Ich erhielt von Goldschmidt eine Zuschriftnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Leonor Goldschmied an Wedekind, 26.10.1908. Leonor Goldschmied, Schriftsteller in Nikolassee bei Berlin [vgl. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender auf das Jahr 1908, Teil II, Sp. 516], hatte in einem Beleidigungsprozess gegen Erich Mühsam Berufung eingelegt und erhoffte sich Unterstützung von Wedekind und Max Halbe [vgl. Max Halbe an Wedekind, 27.10.1908]., in der er mir mitteilte daß er auch an dich geschrieben hätte und wenn ich mich recht | erinnre eine Abschrift seines Briefeseine Abschrift von Leonor Goldschmieds Brief an Max Halbe (nicht überliefert). beilegte. Das Ganze verbreitete aber einen so üblen durchdringenden Geruch daß ich es möglichst rasch in den Ofen steckte. Von dem InhaltDer Inhalt des verschollenen Schreibens von Leonor Goldschmied an Wedekind (siehe oben) dürfte dem des ebenfalls nicht überlieferten Schreibens an Max Halbe entsprochen haben, aus dem Max Halbe zitierte [vgl. Max Halbe an Wedekind, 27.10.1908]. ist mir nichts in Erinnerung.

Neulich Abendam 24.10.1908, an dem Wedekind nach der Vorstellung seines Stücks „Musik“ am Münchner Schauspielhaus [vgl. Münchner Neueste Nachrichten, Jg. 61, Nr. 499, 24.10.1908, General-Anzeiger, S. 2] mit dem Ehepaar Cohn (siehe unten) das Hoftheater-Restaurant besuchte: „Abends im Theater um die Vorstellung zu korrigieren. [...] Nachher im HTR mit Cohn und Frau“ [Tb]. hoffte ich Dich noch zu sprechen da Dr. Cohn und FrauDr. med. Max Cohn, praktischer Arzt und Geburtshelfer in München (Schwanthalerstraße 95) [vgl. Adreßbuch für München 1908, Teil I, S. 76], und seine Frau Gisela Cohn (geb. Schwarz). Wedekind, der das Ehepaar am 24.10.1908 im Münchner Hoftheater-Restaurant getroffen hat (siehe oben), hatte dort mit ihm am 14.1.1905 einen Abend verbracht: „Mit Dr. Cohn und Frau im Hoftheaterrestaurant.“ [Tb] sich nur auf einen Moment zu mir gesetzt hatten. Ich bedauerte sehr | daß es nicht dazu kam.
Mit besten Grüßen
Dein
Frank Wedekind.


29.10.8.

Einzelstellenkommentare

München, 12. April 1909 (Montag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Herrn Dr. Max Halbe, München.


Lieber Max!

aus den Zeilennicht überliefert. Frank Wedekind notierte am 12.4.1909 den Empfang des Briefs an seine Frau: „Brief von Max Halbe an Tilly“ [Tb]. Max Halbe hat seinen Brief an Tilly Wedekind ebenfalls notiert (siehe unten)., die Du an meine Frau richtest ersehe ich daß der ich den VorfallFrank Wedekind notierte am 3.4.1909 einen Abend bei dem befreundeten Verlagsbuchhändler Fritz Schwartz (genannt Nero) in München (Richard Wagnerstraße 3) [vgl. Adreßbuch für München 1910, Teil III, S. 144], an dem etwas vorgefallen ist, auf das sich der vorliegende Brief bezieht: „Abendgesellschaft bei Schwarz. Max Halbes Handgreiflichkeiten.“ [Tb] Max Halbe war offenbar an diesem Abend ein Tischnachbar Tilly Wedekinds (sowie einer anderen Dame, der Gattin des Münchner Regierungsrats Ernst Soehlke), rutschte aus und hielt sich an ihr fest (wurde insofern ‚handgreiflich‘), ein Fauxpas, den er in seinen Erinnerungen übergeht, in denen gleichwohl die Rede ist von den „glänzenden Gastmählern [...] im Hause meines Freundes Fritz Schwartz“ [Halbe 1935, S. 344]. Er hat für den 3.4.1909 „Gesellschaft bei Schwartz“ [Tb Halbe, 4.4.1909] notiert, außerdem ausführlicher festgehalten: „Das Essen bei Schw. war sehr opulent. Sehr viel Litteratur war anwesend, Ganghofers, Bernsteins, Wedekinds usw. Außerdem viel Theater u. Hoftheater. Ich hatte eine Frau Regierungsrath Söhlke als Tischdame. Recht hübsch, charmante Polin, die leider hinkt. Die Stimmung wurde gegen Schluß sehr aufgekratzt. Ich hatte kleinen Zusammenstoß mit Wedekind in Erinnerung an sein einstiges Urtheil über ‚Treue‘. Es hat aber wohl nichts auf sich.“ [Tb Halbe, 5.4.1909] Frank Wedekind hat den Vorfall nochmals rekapituliert [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 11.5.1909]., der mir zu meinen gestrigen ÄußerungenFrank Wedekind äußerte sich zu dem Vorfall vom 3.4.1909 (siehe oben), als er Max Halbe am 11.4.1909 begegnete: „Begegnung auf der Post mit Max Halbe“ [Tb]. Daraufhin schrieb Max Halbe an Tilly Wedekind (siehe oben) und notierte zu seiner Begegnung mit Frank Wedekind am 11.4.1909 (Sonntag) zunächst: „Sonnt. [...] Ich treffe Wedekind, der mich in irrsinniger Weise beschuldigt, weil ich seine Frau bei Schwarzens angefaßt hätte“ [Tb Halbe, 33.4.1909], dann: „Der Fall Wedekind also in ein neues Stadium getreten. Die Periode der Freundschaft u. Zuvorkommenheit ist wieder einmal gefallen. ‚Wenn Du wieder einmal mit meiner Frau zusammenkommst, rathe ich dir, deine Pfoten aus dem Spiel zu lassen!‘ Ich sagte nur: ‚Du kannst mir leid thun!‘ u. drehte ihm den Rücken, schrieb dann an seine Frau einen ganz offiziellen Entschuldigungsbrief in einer Form, die ihm zeigen mußte, daß ich mit ihm nichts mehr zu thun haben will. Das ekle treulose feige Raubthier hat sich wieder einmal gezeigt. Es läßt sich auf die Dauer nicht mit ihm leben!...“ [Tb Halbe, 14.4.1909] Anlaß gab, mißverstanden hatte. Ich konnte das nicht ohne weiteres ver/ann/ehmen, da ich die Ehre habe, Deine Frau Dr Halbe seit dreizehn Jahrenseit 1896. Wedekind dürfte in diesem Jahr Luise Halbe (geb. Heck), die Max Halbe am 15.1.1891 in Berlin geheiratet hatte, in München persönlich kennengerlernt haben und trug sich jedenfalls in ihr Gästebuch ein [vgl. Wedekind an Luise Halbe, 30.6.1896]. zu kenne, ohne meines Wissens jemals an ihrer Seite ausgeglittenironische Anspielung auf den Vorfall vom 3.4.1909 (siehe oben). Max Halbe dürfte sich in seinem nicht überlieferten Brief an Tilly Wedekind (siehe oben) damit entschuldigt haben, er sei ausgerutscht und habe sich an ihr festhalten müssen, um nicht hinzufallen. zu sein. Ich zögre nun auch nicht, die Ausdrücke die ich bei unserer gestrigen Begegnung brauchte zurückzunehmen und das Verletzende, das in ihnen liegte mochte zu bedauern.

Mit ergebemSchreibversehen, statt: ergebenem. Gruß
Dein Frank Wedekind.



Einzelstellenkommentare

München, 11. Mai 1909 (Dienstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Sehr geehrter Herr DoctorDr. phil. Max Halbe, der in dem nur als Briefentwurf erhaltenen Brief, der in einer Abschrift beigelegt werden sollte, mit dem akademischen Titel genannt ist [vgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 11.5.1909].,

gestatten Sie mir Ihnen mitzutheilen daß ich beiliegenden Briefvgl. Wedekind an Emil Meßthaler, 11.5.1909.

Einzelstellenkommentare

Wien, 12. Dezember 1909 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 12.12.1909 in Wien:]


Ich schreibeDie gesamte Formulierung legt zwar die Abfassung eines Briefs an Max Halbe in dem Wiener Bierhaus nahe (das hier erschlossene Korrespondenzstück), nicht vollkommen auszuschließen ist aber, dass Wedekind auch an einem Text über Max Halbe geschrieben haben könnte, wie im Frühjahr 1909, als er den Prosaentwurf „Max Halbe. Ein literarischer Irrthum“ [KSA 5/II, S. 317f.] schrieb [vgl. KSA 5/III, S. 553]. bei Perschill Max Halbe.

Einzelstellenkommentare

München, 15. September 1910 (Donnerstag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 16.9.1910 aus München:]


Empfang meinen besten Dank für Deine freundlichen Zeilen.


Einzelstellenkommentare

München, 16. September 1910 (Freitag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max!

Empfang meinen besten Dank für Deine freundlichen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Halbe an Wedekind, 15.9.1910. Max Halbe hat am 15.9.1910 seine zwanzigjährige Bekanntschaft mit Wedekind vergegenwärtigt – „1890 [...] in diesen Augustsommertagen [...] 15 Aug. 90 [...]: [...] Ich ging auf 14 Tage nach München, lernte dort [...] Wedekind kennen“ [Tb Halbe] – und könnte den Freund brieflich daran erinnert haben.. In BeiliegendemDie Beilage ist nicht überliefert. sende ich Dir das AutogrammWedekind hat Max Halbe knapp ein Jahr später ein eigenwilliges ‚Autogramm‘ von sich anempfohlen [vgl. Wedekind an Max Halbe, 3.9.1911].. Ich bitte Dich, Frau Louise meine beste Empfehlung auszusprechen.

Mit herzlichem Gruß
Dein alter
Frank Wedekind.


16.9.10.

Einzelstellenkommentare

München, 16. Juni 1911 (Freitag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 17.6.1911 aus München:]


[...] Dank für das [...] Geschenk, das Du mir mit der ,,That des Dietrich Stobäus“ machst und für die liebe Widmung.

Einzelstellenkommentare

München, 17. Juni 1911 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

Lieber Max!

Empfang meinen herzlichen Dank für das schöne GeschenkMax Halbes Roman „Die Tat des Dietrich Stobäus“ (1911), der etwa drei Wochen zuvor im Albert Langen Verlag in München erschienen ist [vgl. Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Jg. 78, Nr. 118, 23.5.1911, S. 6270]; Max Halbe notierte am 3.6.1911: „Die erste Kritik über ‚Stobäus‘ ist erschienen“ [Tb Halbe]. Das Wedekind gewidmete Exemplar (siehe unten) ist nicht überliefert., das Du mir mit der ,,That des Dietrich Stobäus“ machst und für die liebe Widmungnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Halbe an Wedekind, 16.6.1911.. Ich freue mich sehr auf den Genuß, das Werk zu lesen und werde sofort damit beginnen. Ich hoffe auch oft Gelegenheit zu haben, mit Dir darüber zu sprechen.

Mit den besten Grüßen und Empfehlungen an Dich und Frau Luise von Tilly und mir

Dein alter
Frank Wedekind.


München 17.6.11.

Einzelstellenkommentare

München, 13. August 1911 (Sonntag)
von Halbe, Max und Halbe, Luise
an Wedekind, Tilly, Wedekind, Frank

Herr und Frau Dr. Max Halbe | senden beste Grüße und WünscheGlückwünsche an Frank und Tilly Wedekind zur Geburt ihrer zweiten Tochter Kadidja am 6.8.1911 in München. Frank Wedekind hat am 6.8.1911 (Sonntag) morgens die Geburt seines Kindes und abends eine gesellige Runde mit Max und Luise Halbe (außerdem mit Hanns Fuchs, Josef Giampietro und Eduard von Winterstein) in der Torggelstube notiert: „Fannykadidja geboren. Ich erwache nachdem sie eben da ist. [...] große Feier im T.St. Halbe und Frau Fuchs Gianpietro Winterstein.“ [Tb] Max Halbe hielt zu dem Abend fest: „Sonntag Abend [...] mit Luise Torggelst., wo sich ein größerer Abend entwickelt, Wedekind, v. Jacobi und Frau, ein Schriftsteller Fuchs aus Venedig u.s.w. Ganz spät noch Winterstein, der auf der Durchreise hier, mit Giampietro. Wedekind beklagt sich wieder über mangelhaftes Interesse der Schauspieler für seine Werke.“ [Tb Halbe 8.8.1911] für Mutter und Kind


München, 13.VIII.11der 13.8.1911. Wedekind hat den vorangehenden Abend mit Max und Luise Halbe (sowie mit Gustav Waldau und August Weigert) in der Torggelstube verbracht, wie er am 12.8.1911 notierte: „T.St mit Halbe Luise, Waldau Weigert.“ [Tb] In Max Halbes Tagebuch ist der Eintrag vom 12.8.1911 herausgeschnitten..


Einzelstellenkommentare

München, 3. September 1911 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Halbe, Max

POST-KARTE |


Datum des Poststempels.

P. P.


Wegen eines AutogrammesWedekind hat Max Halbe schon einmal ein „Autogramm“ [Wedekind an Max Halbe, 16.9.1910] von sich übermittelt. von mir wenden Sie sich wohl am besten an die Münchner Polizeidirektion, die mir unter der Behauptung und Begründung, ich hätte die öffentliche Meinung gegen michZitat einer mündlichen Äußerung des Münchner Polizeipräsidenten Julius von der Heydte, den Wedekind zusammen mit Georg Stollberg, dem Direktor des Münchner Schauspielhauses, wegen des Verbots von „Oaha“ (siehe unten) am 2.6.1911 im Münchner Polizeipräsidium aufsuchte – „Audienz mit Stollberg beim Polizeipräsidenten“ [Tb] – und die Formulierung auch im offenen Brief „Drei Fragen“, den Wedekind dem Tagebuch zufolge am 20.9.1911 schrieb („Zeitungsnotiz geschrieben“), am 21.9.1911 diktierte („Diktat der Zeitungsnotiz)“ und am 22.9.1911 an mehrere Zeitungen versandte („Zeitungsnotiz expediert“) [vgl. Wedekind an Frankfurter Zeitung, an Münchner Neueste Nachrichten, an Berliner Börsen-Zeitung, an B.Z. am Mittag, an Berliner Tageblatt, an Vorwärts, 20.9.1911], ebenfalls zitierte: „Herr Polizeipräsident von der Heydte [...] entgegnete mir auf meine Frage in Gegenwart des Herrn Direktors Stollberg: ‚Sie haben die öffentliche Meinung gegen sich. Solange das der Fall ist, gebe ich das Stück nicht frei.‘“ [KSA 5/II, S. 418], die harmlosesten Werke verbietetDie Münchner Zensurbehörde hat eine Aufführung von „Oaha“ am 24.5.1911 erneut verboten [vgl. KSA 5/III, S. 286; KSA 8, S. 608, 620f.]. und mit der ich infolgedessen eine ebenso umfangreiche wie bisher nutzlose Korrespondenz zu führen genötigt bin.

Hochachtungsvoll ergeben
Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 18. Juni 1912 (Dienstag)
von Mühsam, Erich, Strauß, Ludwig, Steinrück, Albert, Waldau, Gustav, Basil, Fritz, Halbe, Max, Rosenthal, Wilhelm und Hagen, Hertha von
an Wedekind, Frank

Bankett Frank Wedekind. Berlin. Hotel Esplanade. Wir freuen uns von Herzen der Eroberung Berlins. Fritz Basil. Hertha v. Hagen. Max Halbe. Erich Mühsam. RechtsanwälteWilhelm Rosenthal und Ludwig Strauß, die Wedekind in juristischen Auseinandersetzungen vertraten, betrieben in München gemeinsam eine Anwaltskanzlei. Rosenthal und Strauß. Albert Steinrück. Gustav Waldau.


[Hinweis und Zitat in Erich Mühsams Tagebuch vom 19.6.1912 in München (Tb Mühsam):]


Wedekind hatte in den letzten Wochen in Berlin am Deutschen Theater einen Aufführungszyklus seiner Dramen, wie er ihn sonst jedes Jahr hier im Schauspielhause veranstaltet hatte. Der Erfolg war enorm, und gestern fand zu seinen Ehren im Berliner Esplanade-Hotel ein Festbankett statt [...]. Ich rief nachmittags Gustel Waldau telefonisch an, weil mir eingefallen war, daß ein gemeinsames Sympathie-Telegramm seiner Freunde am Platze sei. Ich bekam von ihm und Halbe Vollmacht, und telegrafierte nachts folgendes: [...] ‒ Ich denke, Wedekind wird sich über die Aufmerksamkeit gefreut haben. Morgen wird er wohl wieder im Torggelhaus sein.

Einzelstellenkommentare

München, 30. Mai 1913 (Freitag)
von Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Max Halbe vom 31.5.1913 aus München:]


Für Deine lieben freundlichen Zeilen nimm meinen herzlichen Dank.

Einzelstellenkommentare

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