Briefwechsel

Dreßler, Lotte und Wedekind, Frank

24 Dokumente

München, 21. September 1896 (Montag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Sehr geehrter Herr Wedekind!

Eine junge Damenicht identifiziert. aus Breslau, die Sie (leider nur) aus Ihren Werken kennen gelernt hat, läßt Sie durch mich höflichst um ein Autogramm bittenWedekind kam der Bitte nach [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 24.9.1896] und legte das Autogramm (verschollen) einem nicht überlieferten Begleitschreiben bei; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Lotte Dreßler, 23.9.1896.. Es wird | nicht mißbraucht werden!

Ich bitte Sie, daß/s/selbe an mich zu senden! Mit bestem Gruß
Lotte DresslerLotte Dreßler (geb. Kray), verheiratet mit dem Gesangspädagogen Anton Dreßler in München (Herrnstraße 6, Parterre), Lehrer an der Akademie der Tonkunst und Chorleiter am königlichen Wilhelmsgymnasium [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1897, Teil I, S. 90], mit dem Wedekind befreundet war.
Herrnstrasse 6/0


21.9.96.

Einzelstellenkommentare

München, 23. September 1896 (Mittwoch)
von Wedekind, Frank
an Dreßler, Lotte

[Hinweis in Lotte Dreßlers Billet an Wedekind vom 24.9.1896 aus München:]


Für Ihre Liebenswürdigkeit bestens dankend [...]

Einzelstellenkommentare

München, 24. September 1896 (Donnerstag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Sehr geehrter Herr Wedekind!

Für Ihre LiebenswürdigkeitHinweis auf das nicht überlieferte Begleitschreiben zu einem Autogramm, um das Lotte Dreßler für eine Bekannte gebeten hatte [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 21.9.1896]; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Lotte Dreßler, 23.9.1896. bestens dankend, bin ich mit freundlichen Grüßen von | meinem Mann und mir
Ihre
Lotte Dressler


München d. 24.9.96.

Einzelstellenkommentare

München, 19. Oktober 1896 (Montag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Sehr geehrter Herr Wedekind!

Im Auftrage meines Mannes gestatte ich mir, Ihnen mitzuteilen, daß wir morgen Dienstag Abend ½ 11 Uhrum 22.30 Uhr. mit Herrn Weinhöppel im Ratskeller sind. Wir hoffen daß es Ihnen recht ist, und freuen uns sehr, wenn Sie kommen, sollte Ihnen jedoch ein anderer Abend lieber sein bitte ich um eine | Zeile. Mit freundlichen Grüßen, von meinem Mann und mir

Ihre
Lotte Dressler


München d. 19. Okt. 96

Einzelstellenkommentare

München, 22. Oktober 1896 (Donnerstag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Sehr geehrter Herr Wedekind!

Seien Sie mir nicht böse, wenn ich mein VersprechenLotte Dreßler hatte Wedekind bei dem Treffen am 20.10.1896 im Münchner Ratskeller [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 19.10.1896] vermutlich versprochen, sich für die Aufführung seiner Stücke bei Jocza Savits (Königinstraße 4), Oberregisseur am Münchner Hoftheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 437], einzusetzen. heute nicht halten kann, ich bin aber so schlecht daran, daß ich unter jeder Bedingung zum Arztnicht identifiziert. muß. Wenn es Ihnen recht ist, gehe ich noch in dieser Woche | zu Savitszu dem Regisseur Jocza Savits (siehe oben).. Wenn es mir besser geht, werde ich Ihnen schreiben.

Mit freundl Gruß
Ihre
Lotte Dressler


22.10.96.

Einzelstellenkommentare

München, 5. November 1896 (Donnerstag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Sehr geehrter Herr Wedekind!

Wenn Sie Zeit und Lust haben am Samstagder 7.11.1896. Der Teenachmittag wurde dann kurzfristig verschoben [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 7.11.1896]. Nachmittag um 5 Uhrum 17 Uhr. eine Tasse Thee bei unsin der Münchner Wohnung von Lotte Dreßler (geb. Kray) und ihrem Mann Anton Dreßler (Herrnstraße 6, Parterre) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1897, Teil I, S. 90]. zu trinken, treffen Sie auch Frau RüthlingAnna Rüthling (geb. Frank), die Witwe des prominenten Hofschauspielers Bernhard Rüthling (verstorben am 22.4.1881 in München), die offenbar gute Beziehungen zum Münchner Hoftheater-Intendanten hatte., die gerne bereit ist | mit Possartmit Ernst von Possart, Intendant der Münchner Hoftheater (Königliches Hof- und Nationaltheater und Residenztheater) [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 437]. über die bewußte Angelegenheitder Versuch, Wedekinds Stücke möglichst auf die Bühne des Münchner Hoftheaters zu bringen; auch ein Gespräch Lotte Dreßlers mit dem Oberregisseur Jocza Savits gehörte zu diesem Versuch [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 22.10.1896] (unklar, ob es stattfand). zu sprechen.

Sollten Sie nicht kommen können bitte ich um eine Zeile.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre
Lotte Dressler


5.11.96

Einzelstellenkommentare

München, 7. November 1896 (Samstag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Sehr geehrter Herr Wedekind!

Soeben kommt beiliegender Briefwohl ein Brief von Anna Rüthling an Lotte Dreßler (nicht überliefert), der den Besuch zum Tee am 7.11.1896 um 17 Uhr, zu dem auch Wedekind eingeladen war, absagte [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 5.11.1896] und stattdessen Dienstag (siehe unten) anbot., es thut mir sehr leid, daß die Sacheder Versuch, Wedekinds Stücke möglichst auf die Bühne des Münchner Hoftheaters zu bringen; ein Gespräch Lotte Dreßlers mit dem Oberregisseur Jocza Savits gehörte zu diesem Versuch [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 22.10.1896] (unklar, ob es stattfand) sowie ein in Aussicht genommenes Gespräch Anna Rüthlings mit dem Hoftheater-Intendanten Ernst von Possart [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 5.11.1896]. wieder hinaus geschoben wird, kann aber nichts dafür. Wenn Sie also Dienstagder 10.11.1896. noch Zeit | und Lust haben, und kommen können, erwarte ich keine Antwort. Indem ich hoffe, daß es Ihnen wieder besser geht bin ich mit bestem Gruß

Ihre
Lotte Dressler


7.11.96

Einzelstellenkommentare

Berlin, 28. Januar 1897 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Dreßler, Lotte

Berlin, 28.I.1897.


Mein süßer lieber Amor„anonymisiert“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 331] für Lotte Dreßler, Sängerin, Gesangspädagogin, Ehefrau des Gesangspädagogen Anton Dreßler (das Paar lebte seit 1896 in München); mit ihr hatte Wedekind seit Ende 1896 eine (geheim gehaltene) Liebesbeziehung. Die Korrespondenz lief teilweise über gemeinsame Bekannte; so lag ein Billet Wedekinds an sie einem Brief an einen Freund bei [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 1.4.1897]. Im Erstdruck ist zum vorliegenden Brief angemerkt: „Der Brief sollte durch Weinhöppel überreicht werden, was aber auf Wedekinds eigenen Wunsch doch unterblieb.“ [GB 1, S. 355] Amor, in der antiken römischen Mythologie der Gott der Liebe und die Personifikation der Liebe oder des Verliebens, ist in der europäischen Kulturgeschichte eine häufig genutzte Metapher für die Liebe.,

warum hast Du nicht ein klein wenig Vertrauen in mich. Ich muß mich ja doch auch gedulden. Ich kann Dir nicht schreiben, wie man einer Freundin schreibt, das übersteigt meine diplomatischen Künste; ich kann nicht schreiben: Sehr verehrte Frau ...Im Erstdruck sind statt des Nachnamens drei Auslassungspunkte gesetzt; in der nicht überlieferten Handschrift dürfte gestanden haben: Sehr verehrte Frau Dreßler. Und wenn ich schreibe: Meine liebe süße ...Im Erstdruck sind statt des Vornamens drei Auslassungspunkte gesetzt; in der nicht überlieferten Handschrift dürfte gestanden haben: Meine liebe süße Lotte. dann giebt es Menschen, die nicht daran glauben können, daß man zwei Frauen zugleichWedekind war seinerzeit mit Frida Strindberg liiert, die ein Kind von ihm erwartete (der gemeinsame Sohn Friedrich Strindberg wurde am 21.8.1897 in München geboren), und zugleich mit Lotte Dreßler. gern haben kann, und zu diesen Menschen gehörst Du zu allererst. Wenn ich Dir solange nicht geschrieben, so war es, weil ich mehr Vertrauen in Dich habe als Du für mich. Ich weiß, daß Dich mir niemand nehmen kann, d.h. wenn die Unterbrechung nicht zu lange dauert und man nicht die schönste Zeit darüber verliert, wovon ich durchaus kein Freund bin. Aber ich verabscheue es, ein platonischernicht sinnlicher, rein seelisch-geistig orientierter. Schwärmer zu sein, und es ist mir beinahe drückend, jemanden gern zu haben, ohne etwas für ihn thun zu können. Du bist ein sehr kluges Mädchen und ich hoffe, daß Du es die nächsten Wochen noch bleiben wirst, wie Du es bisher warst, dann kann es Dir gar nicht fehlen. Ich habe mir gleich gedacht, daß die Chansonettenidee im Kopfe meiner Freundin Frida entsprungen war, aber ich würde mich darum doch sehr freuen, wenn Du wieder auf die BühneBühnenauftritte von Lotte Dreßler sind nicht ermittelt. oder sonst wie in’s öffentliche Leben zurückkehrtest, um wieder frei zu sein, besonders auch weil das der einzige Weg wäre, auf dem wir dauernd Freunde bleiben könnten.

Wenn ich Dir in dieser intimen Weise schreibe, so pretendirebeanspruche, fordere, verlange. ich nicht von Dir, daß Du mich liebst oder irgend etwas besonderes für mich fühlst, sondern das sind nur meine Gefühle für Dich, die ich entweder offen ausspreche oder dann lieber für mich behalte. Wenn Du mir schreibst, was mir immer eine große Freude sein wird, so vergiß aber für den Augenblick nicht, daß ich meine Correspondenz offen liegen lasse. Schreib mir wie Du mir bisher geschrieben hast; ich habe nicht gerne Geheimnisse zu verbergen. Wenn wir uns dessenungeachtet nicht verstehen und nicht wissen, was wir von einander zu denken haben, so helfen auch die aufrichtigsten Briefe zu nichts.

Ich schicke Dir keine Küsse und Umarmungen, mein süßer Amor, weil es mir viel zu lieber wäre, Dich selber in meinen Armen zu haben. Aber ich bitte Dich, Dein Vertrauen zu mir zu bewahren und es mich wissen zu lassen, wenn Dir etwas Unangenehmes über den Weg kommt. Dann findet sich schließlich immer rasche Abhülfe. ‒ Auf recht baldiges glückliches Wiedersehen! Dein
Frank.

Einzelstellenkommentare

München, 15. März 1897 (Montag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Dreßler, Anton, Dreßler, Lotte, Stollberg, Georg, Welisch, Ernst, Stollberg, Grete und Schaumberger, Julius
an Wedekind, Frank

Königreich Bayern.

POSTKARTE.


An
Herrn Frank Wedekind
in Berlin
Schiffbauerdamm 5/IISchreibversehen, statt: III. Wedekind wohnte nicht im 2. Stock, sondern im 3. Stock (siehe unten).
bei WallraffWedekind wohnte in Untermiete bei der Pensionswirtin Johanna Wallraff (geb. Müller), eine Buchhändlerwitwe und ehemalige Lehrerin, die am Schiffbauerdamm 5 (3. Stock) eine „Pension f. In- u. Ausländer“ [Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 1371] betrieb.. |


Lieber Freund – Brief folgtnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Hans Richard Weinhöppel an Wedekind, 16.3.1897. Wedekind hat den Brief „unbeantwortet gelassen“ [Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 1.4.1897]. – näheres mündlich – tout à vous(frz.) ganz der Ihrige.: Richard.


Lieber Wedekind, wann werden wir wieder zusammen um 4 Uhrwohl eher 16 Uhr (nicht 4 Uhr früh). nach dem Bahnhofder Hauptbahnhof in München. Julius Schaumberger spielte damit ebenso wie Lotte Dreßler (siehe unten) auf die offenbar kollektive Verabschiedung Wedekinds bei seiner Abreise von München nach Berlin vor Mitte Dezember 1896 an. wandern? Bis dahin Gruß
von Ihrem Schaumbgr.


[um 90 Grad gedreht:]


Ob’s reg’nt, ob’s schneit,
Ob pfeift auch da Wind
Mir denk’n hall do
An Freund Wedekind.

Gruß StollbergGeorg Stollberg war seinerzeit noch Oberregisseur und Schauspieler am Deutschen Theater in der Schwanthaler Passage in München [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 443].


„Schwer“ ist das Leben
nur GravesGraves sind „weiße und rote Bordeauxweine des Depart. Gironde. Sie sind körperreich und dauerhaft“ [Meyers Konversations-Lexikon. 5. Aufl. Bd. 7. Leipzig, Wien 1894, S. 892]; in Verbindung mit dem Leben, das ‚schwer‘ ist, in der Zeile darüber ergibt sich aus der Bezeichnung des Weins ein Wortspiel mit dem lateinischen Adjektiv ‚gravis‘ oder ‚grave‘ (= ernst, schwer). hilft.

Gruß Anton Dreßler


Als ächte BerlinerinGrete Stollberg (geb. Kramme), Schriftstellerin, insbesondere Lyrikerin, mit Georg Stollberg verheiratet (Heirat am 16.3.1896 in Berlin), Tochter des Berliner Fabrikbesitzers Christian Kramme und seiner Gattin Anna Malwine Kramme (geb. Heintze), ist in Berlin aufgewachsen.
wünsch ich mir:
Kommen’s recht
bald wieder dahier!

Grete Stollberg


Ich geh um 4 Uhr auch wieder mit auf den BahnhofLotte Dreßler spielt wie Julius Schaumberger auf die Verabschiedung Wedekinds von München an (siehe oben).. Lotte.


Grüße!
Ernst WelischErnst Welisch, seinerzeit noch Student der Philosophie in München [vgl. Amtliches Verzeichnis des Personals der Lehrer, Beamten und Studierenden an der königlich bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Winter-Semester 1896/97. München 1896, S. 107], war im Vorjahr wie Hans Richard Weinhöppel (Pseudonym: Hans Richard) und Wedekind Mitarbeiter des „Mephisto. Wochen-Rundschau über das gesammte Münchener Theaterleben“, herausgegeben „von Julius Schaumberger unter ständiger Mitwirkung von Max Halbe, Wilhelm Hegeler, Oscar Panizza, Hans Richard, Georg Schaumberg, Frank Wedekind, Ernst Welisch“ [Mephisto, Jg. 1, Nr. 13, 19.12.1896, S. 1], wie es auf dem Titelblatt des möglicherweise zuletzt erschienenen Heftes heißt (mehr nicht nachweisbar).

Einzelstellenkommentare

München, 16. März 1897 (Dienstag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Hans Richard Weinhöppels von Lotte Dreßler mitverfasster Postkarte an Wedekind vom 28.3.1897 aus München:]


Bitte um Antwort ob Paket erhalten. Lotte.

Einzelstellenkommentare

München, 28. März 1897 (Sonntag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Henry, Marc, Schaumberg, Georg, Schaumberger, Julius, Dreßler, Anton, Dreßler, Lotte und Hegeler, Wilhelm
an Wedekind, Frank

Königreich Bayern.
POSTKARTE.


An
Herrn Frank Wedekind
Schriftsteller
in Berlin
Marien-Strasse 9 IIIWedekind wohnte in Untermiete bei der als Vermieterin oder gar „Zimmervermieterin“ [Adreßbuch für Berlin 1897, Teil I, S. 806] ausgewiesenen Witwe W. Marggraf (geb. Nethe) in der Marienstraße 9 (3. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1896, Teil I, S. 668; vgl. Adreßbuch für Berlin 1897, Teil III, S. 367], tatsächlich im 3. Stock angesiedelt: „Marienstr. 9 III“ [Adreßbuch für Berlin 1898, Teil I, S. 841]; gleichwohl wohnte Wedekind im 4. Stock [vgl. Wedekind an Wilhelm Bölsche, 30.4.1897]. |


La plus belle fille(frz.) Das schönste Mädchen der Welt kann nur das geben, was es hat. du monde ne peut donner que ce quʼelle a. – Richard.


Gruß Hegelerder Schriftsteller Wilhelm Hegeler, im Vorjahr wie Hans Richard Weinhöppel (Pseudonym: Hans Richard) und Wedekind Mitarbeiter des „Mephisto. Wochen-Rundschau über das gesammte Münchener Theaterleben“, herausgegeben „von Julius Schaumberger unter ständiger Mitwirkung von Max Halbe, Wilhelm Hegeler, Oscar Panizza, Hans Richard, Georg Schaumberg, Frank Wedekind, Ernst Welisch“ [Mephisto, Jg. 1, Nr. 13, 19.12.1896, S. 1], wie es auf dem Titelblatt des möglicherweise zuletzt erschienenen Heftes heißt (mehr nicht nachweisbar).


L’homme le plus fort(frz.) Der stärkste Mann kann seine Liebe nicht allen schönen Mädchen geben, die er liebt. ne peut donner son amour aux à toutes les belles filles qu’il aime.
Schmbgr.


Restaurant Hoftheater

München


J’arrive directement(frz.) Ich komme direkt aus Paris, um Herrn Bazalgette abzulösen, aber Sie sind nicht da. Singen wir das „De profundis“, während wir auf das „te deum“ warten. de Paris pour remplacer Herr BazalgetteLéon Bazalgette, französischer Schriftsteller und Übersetzer, der seit Anfang der 1890er Jahre Kontakte zu deutschsprachigen Schriftstellern knüpfte und in Zeitschriften der Münchner Moderne veröffentlicht hat, „ein junger Pariser Dichter“ [Donald Wedekind an Frank Wedekind, 8.8.1894], der in Zürich Wedekinds Adresse von dessen Bruder erhalten hatte., mais vous êtes absent. Chantons le „de ProfundisBibelanspielung: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ (AT, Psalm 130); der Psalm 130, ein Bußpsalm und Totengebet, wird nach den lateinischen Anfangsworten („De profundis clamavi ad te Domine“) auch „De profundis“ genannt, hier metaphorisch eingesetzt – er sei zu singen, da Wedekind nicht vor Ort ist.“ en attendant le „te deumdas „Te Deum“, der feierliche christliche Lobgesang von „Te Deum laudamus“ (lat.) = ‚Dich, Gott, loben wir‘ (aufgegriffen etwa im Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“), wiederum metaphorisch (siehe oben).“.
A. d’Ailly de VaucheretAchille George d’Ailly de Vaucheret (geboren: Achille Georges Thuret), französischer Journalist und Übersetzer, der später als Leiter des 1900 von ihm gegründeten Münchner Kabaretts Die Elf Scharfrichter unter dem Pseudonym Marc Henry bekannt war, zeichnete hier noch mit seinem eigentlichen Namen; er war im Begriff, von Paris nach München überzusiedeln.


Salue! Fromage de Brie!(frz.) Sei gegrüßt! Briekäse! Servus! Entschuldigen Sie mein schlechtes Fränzösisch es kommt von Herzen Schaumberg.


Bitte um Antwort ob Paket erhaltenHinweis auf ein nicht überliefertes Begleitschreiben zum Paket; erschlossenes Korrespondenzstück: Lotte Dreßler an Wedekind, 15.3.1897.. Lotte.


Gruß Anton Dreßler.

Einzelstellenkommentare

Berlin, 1. April 1897 (Donnerstag)
von Wedekind, Frank
an Dreßler, Lotte

[Hinweis in Wedekinds Brief an Hans Richard Weinhöppel vom 1.4.1897 aus Berlin:]


Ich lege diesem Brief ein Billet bei, das ich Sie bitte schließen zu wollen und persönlich zu übergeben. [...] Ich habe keinen anderen sicheren Weg, um die Zeilen an ihre Adresse gelangen zu lassen.

Einzelstellenkommentare

München, 15. April 1897 (Donnerstag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Und nun lebe wohlAbschiedsworte, die ein Ende der Liebesbeziehung betreffen könnten, die Lotte Dreßler mit Wedekind heimlich unterhielt; sie korrespondierten über gemeinsame Bekannte [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 1.4.1897] und postlagernd (siehe unten).

entschuldige meine Schmiererei! aber es geht in der Eile nicht anders!

Der Zettel von der Postwohl Benachrichtigung über eine postlagernd eingetroffene Sendung und insofern Hinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Lotte Dreßler, 14.4.1897. war heute bei Sturybei Richard Stury (Maximilianstraße 29), Schauspieler am Münchner Hoftheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1897, S. 438], an dem Lotte Dreßler diverse Bekannte hatte [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 22.10.1896 und 5.11.1896].!

lieber süßer Schatz grüße Deine gute liebe MamaFrank Wedekind dürfte wohl angekündigt haben, nach Dresden zu reisen, was seit Jahresbeginn zur Debatte stand [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 17.1.1897]; seine Mutter Emilie Wedekind, die im Sommer wieder in der Schweiz war, wohnte seinerzeit offenbar noch bei ihrer Tochter Erika Wedekind in Dresden (Struvestraße 34), wo sie auch gemeldet war [vgl. Adreßbuch für Dresden 1898, Teil I, S. 618]. und Dein kleines süßes Mädelvermutlich Emilie (Mati) Wedekind, Frank Wedekinds gerade 20 Jahre alt gewordene jüngste Schwester, die sich bei ihrer Mutter in Dresden aufgehalten haben dürfte (siehe oben); wohl eher nicht gemeint war die mit Lotte Dreßler befreundete Wienerin Frida Strindberg, die Frank Wedekind seine „Braut“ [Wedekind an Max Halbe, 9.2.1897] nannte und die wahrscheinlich noch bei ihm in Berlin war, dann aber bald in München [vgl. Lotte Dreßler an Wedekind, 31.5.1897]..

Mir geht es auch nicht gut ich bin in einer furchtbaren Stimmung!

1000 Küsse
Lotte.

Einzelstellenkommentare

München, 31. Mai 1897 (Montag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Lieber Herr Wedekind!

Ihren Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Frida Strindberg, 30.5.1897. habe ich an Frieda gegeben und glaube ich nicht, daß derselbe sie aufregt. Jetzt befindet sie sich wieder besserFrida Strindberg war schwanger; ihr Kind (Wedekinds unehelicher Sohn Friedrich Strindberg) kam am 21.8.1897 in München zur Welt. – und ist jede Gefahr vorüber, wie sie hier in München ankamFrida Strindberg kam aus Berlin, wo sie und Wedekind, bis dahin mehr oder weniger ein Paar, sich offenbar getrennt hatten. war sie sehr krank. Wie geht es Ihnen? | Vielleicht schreiben Sie einmal einige Zeilen d.h. wenn Sie etwas Zeit übrig haben.

Mein Mann grüßt Sie herzlich
ebenso
Ihre Lotte Dressler


Montag. d. 31.97Schreibversehen, statt: 31.5.97.

Einzelstellenkommentare

München, 30. Juni 1897 (Mittwoch)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

Lieber Herr Wedekind!

Bitte haben Sie die große Güte, sofort die Adresse Ludwig Scharf’sLudwig Scharf hatte in München (Wilhelmstraße 3e) [vgl. Adreßbuch von München für das Jahr 1896, Teil II, S. 539] gewohnt und war Ende 1896 nach Berlin übergesiedelt (Ansbacherstraße 54, Hinterhaus, 2. Stock) [vgl. Adreßbuch für Berlin 1898, Teil I, S. 1151]; er war auch unter der Redaktionsadresse Adresse der „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ zu erreichen, dort verzeichnet: „Verleger und verantwortlicher Redakteur: Ludwig Scharf, Magdeburgerstr. 13.“ [Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus, Jg. 7, Nr. 26, 26.6.1897, S. 208]. aufzuschreiben und an Herrn Gabriel FinneGabriel Finne, in Christiania (heute: Oslo) lebender Schriftsteller, der als Repräsentant der skandinavischen Moderne galt; sein Einakter „Uglen“ (1893), von Ernst Brausewetter übersetzt „Die Eule“ (1893), war nicht nur „von der Münchner Hofbühne zur Aufführung angenommen worden“ [Hamburger Fremden-Blatt, Jg. 65, Nr. 75, 29.3.1893, 1. Beilage, S. (2)] (offenbar nicht inszeniert), sondern auch vom Neuen Theater in Berlin: „Für das ‚Neue Theater‘ wurde das einaktige Schauspiel ‚Die Eule‘ von dem norwegischen Dichter Gabriel Finne zur Aufführung angenommen.“ [Berliner Tageblatt, Jg. 23, Nr. 65, 5.2.1894, Abend-Ausgabe, S. (4)] Es kam allerdings erst am 27.3.1898 durch die Dramatische Gesellschaft zu Berlin im Residenztheater (Direktion: Sigmund Lautenburg) in einer Matinee zur Aufführung [vgl. F.E.): Dramatische Gesellschaft. In: Berliner Tageblatt, Jg. 27, Nr. 158, 28.3.1898, Montags-Ausgabe, S. (2)]. aus Christiania,
d. G. Director LautenburgSigmund Lautenburg in Berlin war Direktor des Residenztheaters und „gleichzeitig Direktor des Neuen Theaters“ [Neuer Theater-Almanach 1897, S. 265] am „Schiffbauerdamm 5“ [Neuer Theater-Almanach 1897, S. 266]., Neues Theater, Schiffbauerdamm, zu senden. Sie würden mich dadurch zu großem Dank verpflichten. |

Mit besten Wünschen für Ihr Wohlergehen
Lotte Dressler

Einzelstellenkommentare

Berlin, 10. Juli 1897 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Dreßler, Lotte

[Hinweis in Lotte Dreßlers Brief an Wedekind vom 11.7.1897 aus München:]


Herzlichen Dank für Ihren Brief […]

Einzelstellenkommentare

München, 11. Juli 1897 (Sonntag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

München d. 11.7.97.


Lieber Herr Wedekind!

Herzlichen Dank für Ihren Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Lotte Dreßler, 10.7.1897., wie freu ich mich, daß Sie gute AussichtenWedekind hatte Aussichten gehabt, seine als „Auftragsarbeit für den Berliner Zirkus Renz“ [KSA 3/II, S. 803] geschriebene Pantomime „Bethel“ (1897) werde aufgeführt, die sich bereits zerschlagen hatten, da der Zirkus Renz in Konkurs ging [vgl. Wedekind an Hans Richard Weinhöppel, 15.7.1897]. haben nach all den traurigen TagenWedekind war Ende 1896 nach Berlin gereist und hatte sich dort monatelang vergeblich um die Aufführung seiner Stücke bemüht. die Sie durchlebt haben, hoffentlich geht es recht bald in Erfüllung.

Sie dürfen unbesorgt sein | daß Ihre Freunde nicht wohl wollen, ist wirklich nicht der Fall, und Alle werden sich herzlich freuen Sie wiederzusehen. Frieda hat niemals häßlich von Ihnen gesprochen, daß ist wirklich wahr, sie hat nur mir gesagt, daß Sie sie eben nicht lieben können, und deßhalb Alles in Freundschaft zu Endedie Liebesbeziehung Wedekinds mit Frida Strindberg. sei. Sie können sich gewiß denken daß sie innerlich doch sehr erregt ist, weil sie leider | in diesem beklagenswerten ZustandFrida Strindberg war schwanger; ihr Kind (Wedekinds unehelicher Sohn Friedrich Strindberg) kam am 21.8.1897 zur Welt. ist – sonst würde sie ja leichter darüber hinweg kommen.

Aber wie gesagt, sie ist Ihnen nicht böse, aber es ist eben Alles aus, was meiner Ansicht nach für beide Theile das Beste ist, da Sie ja doch nicht zusammen passen. Das Leben ist noch lang genug um wieder glücklich zu werden. Ob Sie noch einmal schreiben sollen weiß ich nicht, denn Frieda spricht nicht gern über diese Angelegenheit – und | ich will auch lieber nichts sagen. Haben Sie nur Mut und es wird Alles wieder recht werden. Ich bin freilich so aufrichtig Ihnen zu sagen – daß Sie auch manchen Fehler begangen haben, um sich Feinde zuzuziehen – aber schließlich hat deren jede Mensch! Durch Frieda haben Sie meinem Gefühl nach keinen bekommen.

Und nun zu etwas Andrem. Wir reisen am 15 Juli nach Bruck in der Nähe von München, Miss mit Weinhöppel„die Amerikanerin Stella Brokow“ [KSA 4, S. 662], die spätere erste Ehefrau von Hans Richard Weinhöppel (Heirat 1900 in London), und Wedekinds Freund Hans Richard Weinhöppel. | ebenfalls, und bleiben 2 Monate dort. Wenn Sie nach München kommen dann besuchen Sie uns – gelt?nicht wahr?

Ich selbst bin jetzt sehr unglücklich, denn mein armer Bruderder Kunstmaler Walter Kray. ist wieder kränker, außerdem sind die pekuniären Verhältnisse meiner FamilieLotte Dreßler war die Tochter des Genre- und Historienmalers Wilhelm Kray (verstorben am 29.7.1889 in München) und dessen Gattin Clara Kray (geb. Broemel); sie hatte außer ihrem Bruder Walter Kray noch zwei Schwestern (Else und Marietta Kray)., derart daß es mir heiß wird wenn ich daran denke, ich bin so nervös daß ich jetzt kaum meh die Feder halten kann, und müssen Sie meine Schrift entschuldigen.

Es weiß Niemanddreifach unterstrichen. daß | ich Ihnen schreibe – antworten Sie mir nicht auf diesen Brief.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Lotte Dressler.

Einzelstellenkommentare

München, 1. Januar 1899 (Sonntag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Schaumberg, Georg, Schaumberger, Julius, Dreßler, Anton, Dreßler, Lotte und Halbe, Max
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Hans Richard Weinhöppel vom 10.1.1899 aus Paris:]


Ueber die Neujahrskarte habe ich mich herzlich gefreut, auch weil der Name ... daraufstand. [...] Grüße bitte alle die lieben Seelen, die mir geschrieben, Halbe, Schaumberger, Schaumberg, Dreßler.

Einzelstellenkommentare

München, 22. Juli 1899 (Samstag)
von Weinhöppel, Hans Richard, Dreßler, Anton, Schaumberger, Julius, Halbe, Max und Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Brief an Hans Richard Weinhöppel vom 27.7.1899 aus Leipzig:]


Grüße Max Halbe herzlich, ebenso Lotte, wenn Du so mit ihr stehst, wie ich aus eurer lieben Rathskellerkarte zu meiner Freude entnehmen zu dürfen glaube. Dann auch Anton und Schaumberger.

Einzelstellenkommentare

München, 4. Dezember 1904 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Dreßler, Anton, Dreßler, Lotte

4.12.04Wedekind notierte am 4.12.1904 in München: „Bei Dreßlers zu Tisch“ [Tb] – bei Anton und Lotte Dreßler, die insofern als Empfänger der datierten und signierten Widmung in Frage kommen, die ihnen persönlich übergeben worden sein dürfte.


... Greife wackerZitat der 1. Strophe des Gedichts „Erdgeist“ [KSA 1/I, S. 441] unter Verzicht auf die Interpunktion der Druckfassung in der Sammlung „Die Jahreszeiten“ (1897) [vgl. KSA 1/II, S. 1504f.]. nach der Sünde
Aus der Sünde wächst Genuß
Ach du gleichest einem Kinde
Dem man alles zeigen muß ...

(Erdgeist).


Frank Wedekind.

Einzelstellenkommentare

München, 24. Oktober 1908 (Samstag)
von Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 25.10.1908 in München:]


Brief von Lotte DreßlerLotte Dreßler lebte nach wie vor in München, in der Wohnung ihres Mannes Anton Dreßler (Thierschstraße 22) [vgl. Adreßbuch für München 1908, Teil I, S. 96]..nicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Dreßler, 25.1

Einzelstellenkommentare

München, 25. Oktober 1908 (Sonntag)
von Wedekind, Frank
an Dreßler, Lotte

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 25.10.1908 in München:]


Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Lotte Dreßler an Wedekind, 24.10.1908. von Lotte Dreßler. Ich schreibe ihr.

Einzelstellenkommentare

Irschenhausen, 8. April 1917 (Sonntag)
von Wedekind, Tilly, Wedekind, Kadidja, Wedekind, Pamela, Martensen, Martha und Dreßler, Lotte
an Wedekind, Frank

S.H. Herrn
Frank Wedekind
München
Prinzregentenstr. 50 III.

8.IV.17Ostersonntag, der 8.4.1917. Geliebter, von einem wunderschönen, behaglichen Osterausflug sende ich Dir innigste Grüße, Deine Tilly


Freundliche Grüsse
Lotte Dressler


Martha Martensen.


Pamela iZeichen für Kadidja [vgl. Tilly, Pamela und Kadidja Wedekind an Frank Wedekind, 20.9.1916], am linken Rand wiederholt.


[am linken Rand um 90 Grad gedreht:] i |


Gruss aus Irschenhausen, Isartal.

Einzelstellenkommentare

München, 28. April 1917 (Samstag)
von Wedekind, Frank
an Dreßler, Lotte

[Hinweis in Wedekinds Tagebuch vom 28.4.1917 in München:]


Brief an Lotte DreßlerWedekind hat Lotte Dreßler am 27.4.1917 getroffen: „Wir holen Lotte Dreßler und ihre Schülerin ab und gehen mit ihnen in die Pfälzer Weinstube“ [Tb]. [...]

Einzelstellenkommentare