München, 1. Oktober 1915.
Herrn Direktor Dr. Altman
Berlin.
Sehr verehrter Herr Doctor!
Von Herrn Professor Reinhardt erhalte ich eben
telegrafische Nachrichtnicht überliefertes Telegramm; erschlossenes Korrespondenzstück: Max Reinhardt an Wedekind, 1.10.1915., daß er sofort in idealer BesetzungWedekinds Schwank „Der Liebestrank“ (1899) wurde mit Emil Jannings (Fürst Rogoschin), Marga Kuhn (Lisaweta Nikolajewna), Leopoldine Konstantin (Gräfin Totzky), Alfred Abel (Fritz Schwigerling), Werner Krauß (Cölestin) und Eva Holberg (Tatjana) in den Hauptrollen unter der Regie von Carl Heine [vgl. KSA 2, S. 1078, 1109] an den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu Berlin (Direktion: Max Reinhardt) [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1916, S. 303] inszeniert (Premiere: 5.11.1915). „Liebestrank“
spielen könnte. An dieser Aufführung muß mir in dieser schweren Zeit sehr viel
gelegen sein, da meine Einnahmen auf ein Nichts zusammengeschrumpft sind. Darf
ich Sie daher höflichst um die Freundlichkeit bitten, „Liebestrank“ freigeben
zu wollenWedekinds Schwank „Der Liebestrank“ (1899) wurde gerade am Berliner Kleinen Theater (Direktion: Georg Altman) [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1916, S. 305] gespielt (Premiere: 22.6.1915) [vgl. KSA 2, S. 1078, 1108], allerdings nur noch in Sonntagnachmittagsvorstellungen. Die nächsten Termine waren am 3. und 10.10.1915. Georg Altman gab das Stück für Max Reinhardts Deutsches Theater frei (siehe oben).. Sie | würden mich durch solches Entgegenkommen zu großem Danke
verpflichten.
Wollen Sie bitte den Ausdruck ausgezeichneter
Hochschätzung entgegennehmen von Ihrem
ergebenen
Frank Wedekind.