Sehr geehrter Herr Berstl!
mit bestem Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilennicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Julius Berstl an Wedekind, 21.8.1913. ‒ Das nicht überlieferte Schreiben betraf die geplante Uraufführung von Wedekinds neuem Stück „Simson“ am Lessingtheater in Berlin (sie fand am 24.1.1914 statt), dessen Direktion Victor Barnowsky zum Beginn der neuen Spielzeit am 15.9.1913 übernahm und Julius Berstl nun dort als Dramaturg tätig war [vgl. Neuer Theater-Almanach 1914, S. 309]. Wedekind hatte den Vertrag darüber am 24.7.1913 in München mit dem Theaterdirektor abgeschlossen: „Barnowsky kommt wir schließen über Simson ab.“ [Tb],
kann ich Ihnen nur antworten, daß ich den Scenischen BemerkungenDer Nebentext in Wedekinds „Simson oder Scham und Eifersucht. Dramatisches Gedicht in drei Akten“ (1914) ist äußerst knapp gehalten [vgl. KSA 7/I, S. 495-559]. des Textes
nichts hinzuzufügen habe. Bei der Einfachheit der Vorgänge glaube ich daß eine
sorgfältige Kostümierung die Wirkung nur unterstützen kann. Ebenso verhält es
sich meiner Ansicht nach mit der Dekoration. Bei dem uneingeschränkten Vertrauen,
das ich in Herrn Direktor Barnowsky als künstlerische Kraft setze, möchte ich
diese Arbeit Entscheidung, soebenso wie die Inscenierung am
liebsten durchaus Herrn Direktor überlassen.
Mit hochachtungsvollem Gruß
Ihr ergebener
Frank Wedekind.
22.8.13.