Mein lieb Wedekindchen!
Sind Sie lieb und nett und reichen Sie Am Montag, den 23.10.1905, fand die 24. Aufführung von Wedekinds Schauspiel „Hidalla“ am Kleinen Theater in Berlin statt (Premiere: 26.9.1905) mit ihm in der Rolle des Karl Hetmann. Wahrscheinlich erbat Anna Feldhammer für diese Vorstellung Freikarten, da sie sich zugleich beklagte, Wedekind, der bereits seit sechs Wochen in Berlin war, habe sich noch nicht bei ihr gemeldet und dies die erste Vorstellung von Wedekinds Stück an einem Montag war (weitere Vorstellungen von „Hidalla“ an einem Montag fielen auf den 30.10.1905 und 6.11.1905, am 18.12.1905 folgte die Premiere des „Marquis von Keith“). 2 Sitze
für mich ein und lassen Sie es mich wissen. Gelt Sie sind nicht böse ob/da/ß
ich Sie belä|stige. Ich nehme an Sie bekommen wenn möglich bessere Plätze als
ich. Warum haben Sie sich noch bei mir nicht sehen lassen? Sie haben es | mir
doch versprochenWedekind kannte die Schauspielerin Anna Feldhammer aus der Zeit ihres Engagements am Königlichen Hof- und Nationaltheater München, das 1904 endete; am 20.8.1904 notierte er: „Anna Feldhammers Abschied.“ [Tb] Die Schauspielerin wechselte ans Schiller-Theater in Berlin [vgl. Neuer Theater-Almanach 1905, S. 289], war aber im Sommer 1905 erneut in München, wo es zu mehreren Treffen mit Wedekind in größerer Runde kam [vgl. Tb 26. und 28.6.1905 sowie 9. und 14.8.1905]. Bei einem dieser Zusammentreffen dürfte Wedekind, das Versprechen gegeben haben, sich nach seiner Übersiedlung nach Berlin im September bei ihr zu melden. . Wenn Sie in der nächsten Woche Zeit haben, kommen Sie doch
mal raus, ich würde mich sehr freuen. Schreiben Sie | einen Tag vorher einige
Zeilen, damit ich auch zu hause bin und Sie nicht verfehle. Bis dahin Seien Sie
herzlichst gegrüßt von Ihrer Anna Feldhammer.
Kantstraße 81Anna Feldhammers Charlottenburger Adresse seit ihrer Übersiedlung nach Berlin [vgl. Adreßbuch für Berlin 1905, Teil I, S. 444 und Neuer Theater Almanach 1905, S. 289], die sie 1906 nach ihrem Umzug in die Suarezstraße 24/25 ihrem Bruder Jakob Feldhammer, der ein Engagement am Deutschen Theater antrat, überließ [vgl. Neuer Theater-Almanach 1907, S. 287]..