München 1. Mai 1914.
Lieber hochverehrter Herr von Schillings!
Mit herzlichem Bedauern hörte ich in StuttgartWedekind reiste dem Tagebuch zufolge am 15.4.1914 nach Stuttgart („Abfahrt von München. [...] Ankunft in Stuttgart“) zu einem Gastspiel vom 18. bis 21.4.1914 am Königlichen Hoftheater und am 22.4.1914 zurück („Wunderschöne Fahrt Stuttgart-München“); er hat Prof. Dr. Max von Schillings (inzwischen geadelt), Generalmusikdirektor am Stuttgarter Hoftheater [vgl. Neuer Theater-Almanach 1914, S. 641], am 18.4.1914 in Stuttgart (Am Hohengeren 2) [vgl. Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Stuttgart für das Jahr 1914, Teil I, S. 352] besucht („Besuch bei Schillings“) und dürfte insofern erst danach vermutlich am Hoftheater von der hohen Arbeitsbelastung und von der neuen Oper (siehe unten) des Komponisten erfahren haben., daß Sie
genötigt waren, vor der Arbeitslast, die Sie auf sich genommen, Erholung zu
suchen. Um so mehr freute mich all das Schöne, was ich über „Monna Lisa“
vernehme. Ich freute mich sehr darauf, die Oper bald auf der BühneDie Oper „Mona Lisa“ (op. 31) von Max von Schillings (Libretto: Beatrice von Dovsky) wurde am 26.9.1915 an der Stuttgarter Hofoper uraufgeführt. zu sehen.
Wollen Sie erlauben, Ihnen und Ihrer | verehrten Frau Gemahlin die herzlichsten
Wünsche und besten Empfehlungen von meiner Frau und mir zu senden.
Ihr ergebener
Frank Wedekind.