Tit Vorstand der Literarischen Gesellschaft
Dresden
Sehr
geehrter Herr!
unter
dem 7 April habe ich mir erlaubt, Ihnen einen Briefvgl. Wedekind an die Literarische Gesellschaft Dresden, 7.4.1904. zu schreiben, auf den ich
bis heute noch keine Antwort erhalten habe. Darf ich Sie hiemit um einen
möglichst baldigen Bescheid auf mein Schreiben bitten. Zu meinem Bedauern wäre
ich sonst zu der Annahme genöthigt, daß Sie vor dem Autor, dessen Stück Sie zur
AufführungWedekinds Einakter „Der Kammersänger“ war am 26.4.1903 in einer Matinee der Literarischen Gesellschaft Dresden am Königlichen Hoftheater (Direktion: Nikolaus Graf von Seebach) durch das Kleine Theater Berlin aufgeführt worden. bringen weniger persönliche Achtung hegen als sich die Menschen im
allgemeinen entgegen zu | bringen pflegen. Sie werden mir zugeben, daß ich mich
gegen eine derartige Auffassung in aller energischster Weise wehren müßte.
Hochachtungsvollst
Frank Wedekind.
München,
16. April 1904.
Franz Josefstraße 42. II.