Solothurn 2 November 1890
Lieber Bebi!
Mich deines Wunsches dir eine PhotographieDie beigelegte Photographie ist nicht überliefert. zu senden,
noch erinnernd lege ich hier eine bei. Es wunderte mich nicht keine Reaction
auf meinen letzten Briefvgl. Donald Wedekind an Frank Wedekind, 10.10.1890. gesehen zu haben. Du wirst noch zu sehr aufgeregt über
meinen Wankelmut gewesen sein, doch würde ich mich sehr freuen und würde es
sehr dankbar aufnehmen, wenn die besagte PensionIn seinem letzten Brief bat Donald Wedekind um eine monatliche Unterstützung von 10 Mark für Essen. doch diesen Monat eintreffen
würde, daSchreibversehen, statt: die. ich tatsächlich zur Stillung meines Hungers verwenden würde. Von zu Hause
erhalte ich gar keine Nachrichten und hoffe deshalb sicher, daß wenn du nach Hause
kommst, mich | jedenfalls besuchen wirst. Für das Zusenden nur bisweiligegelegentliche,
einer Nummer Münchener Kunstdie von Frank Wedekinds Bekannten Julius Schaumberger herausgegebene illustrierte Wochenschrift „Münchner Kunst“ (erschienen 1889 bis 1891), in der er demnächst Gedichte veröffentlichte [vgl. KSA 1/II, S. 1891f.; 1963f.], worüber Donald Wedekind informiert gewesen sein dürfte. oder irgend eines epocheSchreibversehen, statt: Epoche (oder: epochemachenden). machenden Werkes wäre ich
dir äußerst verpflichtet und würde das gewiß zu einem wenig mühevollen und
dabei doch sehr fruchtbaren geistigen Verkehr zwischen uns führen. Vorgestern
las ich Strindbergs „Vater“ und war überrascht durch die großartige Wahrheit,
und niederschmetternde Aufrichtigkeit, die das Stück hat. Grüße alle meine
Bekannten und sei herzlich geküßt von deinem Bruder Donald.
Studentenpensionat.