München 24. März 1916.
Prinzregentenstraße 50
Euer Exzellenz!
Ew. Exzellenz
beehre ich mich in dankbarer Erinnerung an das große Wohlwollen, welches das
Kgl. Hoftheater seit Jahren für meine Arbeiten übrig hatte,
die ergebene Mittheilung zu machen, daß meiner Frau und mir vom Stuttgarter
Schauspielhaus ein GastspielEin Gastspiel Wedekinds am Stuttgarter Schauspielhaus (Direktion: Theodor Brandt) [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 565], das seinen Einakter „Der Kammersänger“ inszenierte (insgesamt vier Vorstellungen), der am 20.5.1916 Premiere hatte [vgl. Seehaus 1973, S. 182, 729], fand nicht statt. für mehrere Abende im Mai angeboten wird.
Ew. Exzellenz
brauche ich nicht zu versichern, | wie sehr ich die Ehre vorziehen würde, statt
dessen wieder GastWedekind erinnert an seine Gastspiele am Königlichen Hoftheater in Stuttgart vom 6. bis 11.5.1912 (gespielt wurde „Erdgeist“ und „Marquis von Keith“) und vom 18. bis 21.4.1914 (gespielt wurde ebenfalls „Erdgeist“ und „Marquis von Keith“, außerdem „Der Kammersänger“ und als Stuttgarter Erstaufführung „Die Zensur“) [vgl. Seehaus 1973, S. 181, 729]. des Kgl.
Hoftheaters zu sein. Als Stücke erlaube ich mir „König Nicolo“ (So ist das
Leben) und „Hidalla“ Ew. Exzellenz in Vorschlag zu bringen. „König Nicolo“
hat sich am Hoftheater in Mannheim als für die ernste ZeitAnspielung auf den Krieg. durchaus geeignet
erwiesenWedekind bezieht sich auf sein Gastspiel am Großherzoglichen Hof- und Nationaltheater Mannheim (Intendant: Carl Hagemann) [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 490] am 22.1.1916 in „König Nicolo“ [vgl. Seehaus 1973, S. 728]., während „Hidalla“ durch den Ernst der Handlung gleichfalls in keinem
Widerspruch zu den Anforderungen des Tages stehen dürfte.
Ew. Exzellenz
gütiger Entscheidung entgegen harrend verbleibe ich in Dankbarkeit und
Ehrerbietung
Ew. Exzellenz
ergebener
Frank Wedekind.