Lieber Blei!
Darf ich Dich bitten, von den Scherzen, die Du Dir gestern
Abendam 18.3.1903; wo in München sich Franz Blei abends die Scherze gegenüber Wedekind erlaubte, ist nicht ermittelt (vermutlich in größerer Runde in einem Lokal). mir gegenüber gestattetest, nirgends mehr ein Wort verlauten zu lassen.
Sollte ich von irgend einer Seite etwas hören, das sich auf Deine Äußerungen
zurückführen läßt, dann bin ich zu meinem Bedauern gezwungen, deine Worte vor
Dir und möglichst vielen Zeugen in nachdrücklichster | unzweideutigster Weise
zu dementiren. Ich weiß sehr wohl, daß Dein Verhalten nur Scherz war, bitte
Dich aber, diese Scherze auf ihre Zulässigkeit doch erst an Anderen erproben zu
wollen, bevor Du mich zu ihrem Träger auswählst.
Mit herzlichen Grüßen
Dein
Wedekind.
München, den 19 März 1903.