Postkarte
Frau
Tilly Wedekind
München
Prinzregentenstrasse 50
21,4,16. Innigst geliebte Tilly!
Herzlichen Dank für Deine beiden lieben Karten vom 19.vgl. Tilly Wedekind an Frank Wedekind, 19.4.1916 (zwei Postkarten). Von
dem Gelde nimm bitte was Du brauchst. Mir
brauchst Du vorderhand nichts zu schicken. Wenn ich in Dresden welches brauche
werde ich Dir telegraphieren. Wäsche habe ich | genug. Heute Abend 8 Uhr habe
ich Besprechung mit den SommerpächternDie Bühnen Max Reinhardts – Deutsches Theater, Kammerspiele des Deutschen Theaters und Volksbühne – waren für die Sommerspielzeit in den Monaten Juni, Juli, August 1916 an Maximilian Sladek (Direktion) verpachtet; Musik-Vorstände waren Siegfried Nicklas-Kempner und Michael Koppelmann, Bürochef Othmar Keindl [vgl. Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1917, S. 290]. Wedekind erwartete am 21.4.1916 um 20 Uhr Maximilian Sladek im Eden-Hotel: „Warte vergeblich im Hotel auf Zladek wegen Gastspielbesprechung.“ [Tb] Die Besprechung fand erst am 22.4.1916 statt: „Unterredung mit Sladek im Bülowtheater“ [Tb]. Der verabredete Wedekind-Zyklus fand vom 9.6.1916 bis 6.7.1916 unter der Direktion von Maximilian Sladek an den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin statt. des Deutschen Theaters. Dann fragt es
sich aber noch welche Stücke GlasenappCurt von Glasenapp war als Leiter der Abteilung für Theater im Berliner Polizeipräsidium [vgl. Berliner Adreßbuch 1916, Teil II, S. 57] verantwortlich für die Zensurverbote von Wedekinds Dramen. „Für Wedekind war es wichtig, für seine Berliner Gastspielpläne Glasenapps Zustimmung zu gewinnen. Jedoch hatten während des Krieges die Zensurstellen der Militärbehörden über Verbote von Theateraufführungen das letzte Wort, was der Leiter der Berliner Zensurbehörde zu berücksichtigen hatte.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 301] freigiebt. Eben war ich bei Harden zu
TischWedekind notierte am 21.4.1916 seinen Besuch bei Maximilian Harden im Grunewald (Wernerstraße 16): „Zu Mittag bei Harden.“ [Tb].. Wir haben den ganzen Jammerdie kriegsbedingte politische Lage. durchgesprochen. Ich habe nichts dagegen,
liebe Tilly, wenn Du Gesellschaft hast und ins Theater gehst. Nur glaube ich
daß es für ein BildLida von Wedell sollte Tilly Wedekind porträtierten – die Sitzungen fanden dem Tagebuch zufolge am 2.5.1916 („Lydia von Wedel macht Zeichnung von Tilly“) und 3.5.1916 („Die B. Wedel zeichnet Tilly“) statt. nicht vorteilhaft ist, wenn überflüssige Menschen der
Sitzung beiwohnen. Ich freue mich daß es Euch gut
geht. Küsse die Kinder von mir
Mit innigstem Kuß
Dein Frank