München,
23.V. 14.
Geliebter Frank,
hoffentlich hattest Du eine angenehme FahrtWedekind reiste am 22.5.1914 zur Vorbereitung des Gastspiels an den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Wedekind-Zyklus vom 31.5.1914 bis 14.6.1914) mit dem Nachtzug nach Berlin: „Abendessen zu Hause Tilly begleitet mich auf den Bahnhof Fahrt nach Berlin“ [Tb]. u. geht in
Berlin alles möglichst glatt. Vormittag machte ich einige Besorgungen, Nachmittag
musste ich mit der Kleinen Kadidja Wedekind war bei dem Hofrat und Chirurgen Dr. Albert Krecke [vgl. Adreßbuch für München 1915, Teil I, S. 363], der im Münchner Stadtteil Nymphenburg (Hubertusstraße 30) seit 1914 eine „Chirurgische Heilanstalt“ [Adreßbuch für München 1915, Teil III, S. 37] betrieb, in Behandlung, vor dem 23.5.1914 dem Tagebuch zufolge am 28.4.1914 („Mit Fanny Kadidja und Tilly bei Hofrat Krecke“) und 29.4.1914 („Tilly fährt mit Fanny K zu Krecke zur Röntgenbestrahlung“); woran sie litt, ist nicht ermittelt.nochmals | zu Hofrat Grece Krecke. Er
war mit ihr zufrieden. Dann haben wir mit Anna Pamela u. Anna Anna Wölfel, „das Münchner Kindermädchen.“ [Vinçon 2018, Bd. 2, S. 125]einen friedlichen
Nachmittag im Nymphenburger Park verbracht. Jetzt werde ich baden u. dann
schlafen gehen. Gestern Abend war es sehr schön am Bahnhof! Küsse von den Kindern. Innigst, Deine Tilly |
P.S. Ich vergaß zu fragen, wo der Briefnicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Frank Wedekind an Emilie Wedekind, 22.5.1914. ist, den Du an Mama geschrieben
hast? Ich kann ihn nicht finden. Vielleicht hast Du ihn mit, dann giebst Du ihn
wohl direct auf. Ich werde | eben noch ein paar Zeilennicht überliefert. an Mama schreiben.
Innigst,
Tilly
Das Telegramm an Putlitznicht überliefert; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Joachim Gans zu Putlitz, 22.5.1914. Das von Tilly Wedekind dann aufgegebene Telegramm an den Stuttgarter Hoftheaterintendanten dürfte Frank Wedekind vor seiner Abreise von München (am 22.5.1914 mit dem Nachtzug nach Berlin) formuliert haben. habe ich abgeschickt.