Sehr verehrter Herr Holzbock!
ich habe jetzt eine Stunde lang versucht, etwas
über das Thema aufzusetzen, ich bin aber zu müde, nachdem ich drei Tage
hintereinanderWedekind reiste am 30.9.1910 von München ab – „Fahrt nach Berlin“ [Tb] – und gleich nach seiner Ankunft in Berlin begannen die Proben für sein Gastspiel vom 6. bis 19.10.1910 am Kleinen Theater in Berlin (Direktion: Victor Barnowsky), zunächst einmal für die am 6.10.1910 anstehende Doppelpremiere („Die Zensur“ und „Der Liebestrank“); er notierte am 1. und 2.10.1910 „Probe von Zensur“ [Tb], am 4.10.1910 „Probe von Zensur und Liebestrank“ [Tb] sowie am 5.10.1910 „Generalprobe von Zensur und Liebestrank“ [Tb]. bis fünf Uhr Probe hatte. Ich würde Ihnen Ihre FragenHinweis auf eine nicht überlieferte Anfrage; erschlossenes Korrespondenzstück: Alfred Holzbock an Wedekind, 4.10.1910. Es dürfte sich um Fragen nach Wedekinds Selbstverständnis als Schauspieler gehandelt haben. Alfred Holzbock veröffentlichte am 16.10.1910 im „Berliner Lokal-Anzeiger“ [Jg. 28, Nr. 526; vgl. KSA 5/III, S. 118] mit einer Selbstdarstellung Wedekinds als Schauspieler den Beitrag „Bühnendichter als Schauspieler“ [KSA 5/II, S. 388f.]. so gerne
ausführlich beantworten, wenn ich Ruhe und Muße dazu habe. Aber in dieser | Hetzerei ist es mir nicht möglich. Empfangen Sie
meinen herzlichen Dank dafür daß Sie bei diesem Anlaß meiner gedacht haben.
Wenn wir nicht durchfallen bleibe ich nach der Premiere noch einige Tage hierWedekind reiste am 20.10.1910 zurück nach München [vgl. Tb]. Er hat seinen Einakter „Die Zensur“ in Berlin (siehe oben) neunmal gespielt..
Sollte es Ihnen dann schon zu spät für die Beantwortung sein? Andern falls
würde ich Sie dann am liebsten in Ihrer Redaktion aufsuchenWedekind suchte den Redakteur des „Berliner Lokal-Anzeiger“ (Redaktion: Zimmerstraße 36-41) [vgl. Berliner Adreßbuch 1911, Teil I, S. 180] am 7.10.1910 auf: „Konferenz mit Holzbok“ [Tb].. Vielleicht schon
übermorgen./,/ am Nachmittag. | Sollte ich Sie verfehlen komme ich auch ein anderes Mal, da ich mir in
den Straßen von Berlin sehr gern Bewegung mache.
Mit besten Grüßen von meiner Frau und mir
Ihr sehr ergebener
Frank Wedekind.
Schiffbauerdamm 6Wedekind logierte in Berlin im Orient-Hotel (Schiffbauerdamm 6/7) [vgl. Berliner Adreßbuch 1911, Teil I, S. 2125; Teil IV, S. 187]..
5.10.10.