Samstagder 31.8.1912.
abends.
Geliebter, Vormittag regnete es u. wir giengen nicht fort.
Ich wiederholte „Franziska“ u. nähte. Nachmittags probierte ich bei MückTilly Wedekind probierte bei dem Schneidermeister und „Theaterkostümeur“ [Adreßbuch für München 1913, Teil I, S. 434] Johann Nepomuk Mück (Hackenstraße 3) ihre Kostüme der Titelrolle in „Franziska“ (Uraufführung am 30.11.1912 in den Münchner Kammerspielen)., u.
kaufte einen Trikot. Jetzt las ich „Pan“Tilly Wedekind las Knut Hamsuns Roman „Pan. Aus Leutnant Glahns Papieren“ (1895), der in autorisierter deutscher Übersetzung aus dem Norwegischen von Maria von Horch im Albert Langen Verlag erschienen ist. von Hamsun in einem Zug durch, es hat mich sehr gefesselt. Aber nun
kommt der Brief erst | morgen weg!
Heute ist also die Eröffnungdie Festvorstellung zur Eröffnung des Neubaus des Hamburger Thalia-Theaters am 31.8.1912, bei der Wedekinds Einakter „Der Kammersänger“ gespielt wurde [vgl. Frank Wedekind an Tilly Wedekind, 31.8.1912]. und Du wirst endlich wieder in angeregter
Gesellschaft sein. In letzter Zeit war wirklich wenig los. Vielleicht bekomme
ich morgen einen Brief von Dir. Gehst Du nach Berlin? Die Kinder senden Dir
innigste Küsse! Als ich nach Tisch zur Kleinen kam
sagte sie gleich „Papa“ sie dachte ich hole sie zu | Dir. Als ich Anna Pamela
in ihrem Bettchen einen Gutenacht Kuss gab, sagte sie, ich soll Dich noch von
ihr grüßen. Sie hatte auch vergessen, dass Du nicht da bist.
Also auf baldiges, frohes Wiedersehen!
Tausendmal innigst küsst
Dich,
Deine Tilly