Königreich Bayern.
Postkarte.
An
Herrn
Walther Oschwald
kgl.
Finanzassessor
in Dresden-Strehlen
9. Julius Otto Strasse 9.
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L. W.
ich bitte dich noch einmal, mich über die AngelegenheitWedekind, der auf eine größere Geldsumme aus dem Erbe seiner am 15.12.1899 in Hannover verstorbenen Tante Auguste Bansen hoffte (siehe die vorangehende Korrespondenz Wedekinds mit seinem Schwager seit dem 6.1.1900), hatte Walther Oschwald mit der Abwicklung der Angelegenheit beauftragt. orientiren zu wollen,
da ich augenblicklich vor der Alternative stehe, ob ich noch für die nächsten
Wochen vor meiner AbreiseWedekind reiste erst im Juli über Hannover nach Leipzig. eine Pension beziehen soll oder mich sofort in einer
WohnungWedekind bezog eine Wohnung in der Franz Josephstraße 42, 2. Stock, wo er seit dem 22.3.1900 gemeldet war [vgl. EWK/PMB Wedekind]., die ich mir bereits ausgesucht einmiethen und einrichten kann, da ich
doch meiner Correspondenz, meiner Effectenbewegliche Habe. und meiner Ruhe wegen endlich ein
ständiges Heim haben muß. Für den Moment bin ich auf Hotel, Café, Restaurant angewiesen,
was meine Arbeit nicht fördert. Es kann mir nicht einfallen, dich irgendwie
drängen zu wollen, das wäre Unsinn, du kannst ja an dem Lauf der Verhandlungen,
die man in Ruhe abwarten muß, nichts ändern, aber ich wüßte gerne womit ich
rechnen kann und wäre dir für einige Worte auf einer Postkarte schon sehr
verbunden. – Im übrigen wünsche ich, daß Ihr Euch Alle wohlbefindet. Ich habe
mich ebenfalls nicht zu beklagen; mein Kammersänger wird noch im Lauf dieser
Saison am Kaiserl. Alexander-Theater in PetersburgÜber eine Aufführung von Wedekinds „Kammersänger“ in Sankt Petersburg ist nichts bekannt. gespielt. Wenn ich nur mit
meinem jetzigen StückWedekind arbeitete an der Fertigstellung seines „Marquis von Keith“, die sich bis Mitte Mai hinzog [vgl. KSA 4, S. 413]. endlich fertig wäre. Aber woher die Ruhe nehmen!
Herzlichst dein Frank.
Bamberger Hof, München.