HOTEL TEGETTHOFF, I., JOHANNESGASSE 23, WIEN.
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TEGETTHOFFHOTEL, WIEN.
Geliebteste Tilly!
ich bin gestern wirklich den ganzen Nachmittag herumgelaufen
nachdem ich vorher noch gepackt hatte und in ein kleines Zimmer übergesiedelt
war. Am AbendWedekind notierte am 16.5.1908 nach der fünften Vorstellung von „Frühlings Erwachen“ im Rahmen seines Gastspiels am Deutschen Volkstheater seinen Besuch bei Hartmann (Kärntnerring 10), einem Restaurant (Inhaber: Franz Hartmann), und anschließend seinen Besuch im Kaffeehaus Fortelny (Kolowratring 2): „Frl. Erw. 5. Hartmann Dann Café Fortelny.“ [Tb] bei Hartmann waren nur diejenigen Herren die mich nicht
sonderlich interessieren. Damen waren keine da. Nachher saß ich noch eine
Stunde allein im Kaff/Caf/é. Eben habe ich schriftlichHinweis auf ein nicht überliefertes Schreiben; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Emil Gutmann, 19.5.1908. – Emil Gutmann hat die im Brief genannten Vorträge organisiert (siehe unten). | auf zwei
Vorträgedie Lesungen von „Totentanz“ und „Die Zensur“, die zuerst am 25.11.1908 im Konzertsaal des Bayrischen Hofes in München stattfanden [vgl. KSA 6, S. 676f.], organisiert vom Konzertbüro Emil Gutmann in München (Theatinerstraße 38), mit dem Wedekind sich später über die Ausgestaltung verständigte [vgl. Wedekind an Emil Gutmann, 21.11.1908]. für nächsten Winter zugesagt. Einen dritten Antragnicht ermittelt; im Tagebuch hat Wedekind für den Nachmittag des 19.5.1908 nichts eingetragen. werde ich mündlich
hier heute Nachmittag erledigen. Ich bitte Dich, Dich für die 14 Tage behaglich
einzurichten. Heute ist sehr schönes Wetter und ich hoffe daß Ihr Euch dessen
auch erfreuen könnt. Küsse Anna Pamela von mir und grüße alle unsere Lieben.
Ich werde Samstagam 23.5.1908. Abend abreisen. Der Zug geht Abends 9 Uhr und
ist in der Frühe in München.
Mit den herzlichsten Wünschen für | Dein und Anna Pamelas
Glück und Wohlergehen
in innigster Liebe
Dein
Frank.
19.5.8.