Postkarte
Frau Tilly Wedekind
Berlin W.
Kurfürstenstrasse 125. |
Innigst geliebte Tilly, ich bitte Dich, mir Dein Rabbi-Esra-Bildwohl ein Foto, das Tilly Wedekind als Moses in „Rabbi Esra“ zeigt. Es handelt sich nicht um das Foto, auf dem sie als Moses und Frank Wedekind als Rabbi Esra zu sehen sind [vgl. Vinçon 2018, Bd. 2, S. 389] und das aus dem Münchner Fotoatelier Franz Grainer stammt [Mü, FW VIII/8], da dieses Foto erst am 17.2.1909 aufgenommen wurde: „Wir lassen uns bei Greiner photographieren. Erdgeist Rabbi Esra.“ [Tb] zu schicken. Du kannst es aus
dem RamenSchreibversehen, statt: Rahmen. nehmen und brauchst es nur in ein Kuvert zu legen. Ich wohne Hotel Hauffe. Bis jetzt bin ich noch alleinWedekind fuhr am 30.3.1908 um 17 Uhr von Berlin nach Leipzig und saß dort abends allein im Ratskeller, wo er die dann stets von ihm selbst gespielte Rolle des Walter Buridan aus seinem Einakter „Die Zensur“ einstudierte und die vorliegende Postkarte schrieb (später wechselte er das Lokal) – er notierte: „Nachmittag 5 Uhr Abfahrt nach Leipzig. Abends allein im Ratskeller studiere ich Zensur. Später besuche ich noch die Kneipe in der Grete Baldauf Kellnerin war.“ [Tb]. Ich sitze über der Rolle Buridan im Ratskeller. Von Berlin aus
telegrafierte ichHinweis auf ein nicht überliefertes Telegramm; erschlossenes Korrespondenzstück: Wedekind an Kurt Hezel, 30.3.1908. an Kurt Hetzel aber er scheint nicht zu kommen. Einen Brief
erwarte ich nicht, wenn nicht außerordentliches vorliegt. Pfleg Dich
gut!!
In innigster Liebe
Dein Frank.