Aarau 21 Juni 81.
Lieber Franklin!
Anstatt dringender Arbeiten obzuliegen da sinne
ich Träumereien nach. Das anatomische Gehirn zu studiren ruft verschiedenerlei
Gedanken auf. Betracht folgende & lache, doch glücklich derjenige der in
ihnen lebt!
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Was ist das Leben?!
Ein Todeskampf
Ein Ringen nach Oben
Ein Streben zum Unendlichen!
Fluch! dem Gotte
Der uns schuf
Uns Vernunft gab |
einzusehen
Und uns so verliess!
Gott der Gepriesene
ist er allgütig?
Nein’ unser Feind!
Fluch der Vernunft!
Zwitterwesen der Schöpfung
Halb lebend halb todt!
Thier & Gott
Mehr Thier & durch Gott!
Ein Hohnlachen der Hölle
Durchschüttert mich?
Eitler Thor!
Gott ist ewig
Du ein Zufallsgebilde!
Er schuf die Welt
Die Erde & Du entstundt |
Gott sei allmächtig
Wo der Beweis
an uns Vernünftigen!
Hinsiechen lässt er uns
selbstverzehrend.
Mittel giebt er uns
zu erkennen
& verschliesst jeden Weg!
Gott der Gepriesene
ist er allmächtig!
Sieh um dich
seine Macht
was nicht offenbart!
Alles wird sich einigen
wir vergehen in nichts!
Verachte die Welt |
Nichts! ist die Lösung
unsers Erdenräthsels!
Nichts! gellt es uns in
die Ohren der Menschheit!
Und die Wahrheit ist göttlich
An dieser einzgen Offenbarung
unsers Schöpfers
erkenn ich Gott!
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Felix qui poterit mundum contemnere?(lat.) Ist glücklich, wer die Welt verachten kann?
Im Leben dein dir getreuer H.
Gieb bald Nachricht. Grüsse an alles Grüssbare!