[1. Entwurf:]
Ich hatte einstmals einen Freund
Er hat mich verlassen.
Ich habe heiße Thränen geweint
Und doch sollte’
ich ihn hassen.
Ich sollte ihn hassen und konnt es nicht
Und mußte ihn lieben
Er wandte ab sein stolzes Gesicht
Und ist kalt geblieben.
Da ergriff mich ein unendlicher Schmerz
mein Bli Sinn ward umnachtet
Tief bohrte den Dolch ich in sein Herz
denn er hat mich verachtetDie Versöhnung zwischen den Freunden fand vermutlich bei der Lessingfeier am 15.2.1881 in der Kantonsschule Aarau statt, wie Wedekind seinem Freund Walter Laué, der am 8.2.1881 die Schule und die Stadt verlassen hatte, berichtete [vgl. Wedekind an Walter Laué, 11. und 18.2.1881]..
[2. Entwurf:]
Mein ganzes Lieben galt einem Freund
Er hat mich verlassen.
Um ihn hab' ich heiße Thränen geweint
Und doch sollt ich ihn hassen.
Ich sollte ihn hassen und konnt es nicht
Und mußte ihn lieben.
Er/St/olz wandte er von mir sein Gesicht
Und ist kalt geblieben
Da faßte mich ein unendlicher Schmerz.
Mein Geist ward umnachten.
Tief bohrte den DochSchreibversehen, statt: Dolch. ich in sein Herz,
Denn er hat mich verachtet.
FWedekind.
[3. Überreichter
Brief:]
Mein ganzes Lieben galt einem Freund.
Der hat mich verlassen.
Ich habe heiße Thränen geweint,
Und doch sollt’ ich ihn hassen.
Ich sollte ihn hassen und konnt es nicht
Und mußte ihn lieben.
Er wendete ab sein stolzes Gesicht
Und ist kalt geblieben.
Da ergriff mich ein unendlicher Schmerz.
Mein Sinn ward umnachtet.
Tief bohrte den Dolch ich in sein Herz,
Denn er hat mich verachtet!
Franklin
Wedekind.